Selbermach-Sonntag (20.09.2015)

von der Mädchenmannschaft

selberWas hat euch beschäftigt, erfreut, geärgert, traurig und wütend gemacht, euer Herz vor Begeisterung hüpfen lassen? Jeden Sonntag habt ihr bei der Mädchenmannschaft die Möglichkeit eure Gedanken der letzten Woche zu teilen, Links zu tollen Texten, Blogs, Webseiten, Videos, Fotos, Gifs und Audiobeiträgen zu posten. Also ab damit in die Kommentare! Wir wünschen euch eine angenehme und erholsame Restwoche.




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Eintrag geschrieben: Sonntag, 20. September 2015 um 11:34 Uhr unter Verlinkt. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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5 Kommentare

  1. Lieber Cis-Feminismus,

    wir kennen uns jetzt schon sehr lange. Als ich Dich das erste Mal getroffen habe, war ich ziemlich beeindruckt von Dir, denn Du hast auf mich so stark und mutig gewirkt. Wir haben uns ausgetauscht, viel gelacht, oft auch geweint und ich habe wirklich viel mitgenommen aus den Begegnungen mit Dir. Du hast mir ganz neue Seiten des Lebens gezeigt und dafür werde ich Dir immer dankbar sein.

    Aber sicher hast Du selbst gemerkt, dass unser Verhältnis mit der Zeit immer angespannter wurde. Früher hast Du mir ganz viele Dinge erklärt und beigebracht und ich habe wirklich wichtige Dinge von Dir gelernt. Ohne Dich wäre ich sicherlich nicht die Person, die ich jetzt bin. Aber heute bin ich nicht mehr das naive Mädchen, das noch nicht erkannt hat, dass es eine Frau ist. Heute bin ich eine Frau, der immer wieder eingeredet wird, ihre Weiblichkeit sei nicht »echt«. Eine Frau, der vermittelt wird, leider die »falschen« Genitalien zu haben, um eine »richtige« feministische Frau zu sein. Eine Frau, die sich vorwerfen lassen muss, »männliche Privilegien« zu besitzen, weil sie bei der Geburt geschlechtlich falsch eingeordnet wurde. Eine Frau, die von vielen nicht als Frau anerkannt wird.

    Darüber habe ich auch schon oft mit Dir geredet, oder besser gesagt, versucht mit Dir zu reden. Denn wirklich zugehört hast Du mir nie. Du wolltest nicht wahrhaben, dass Du selbst dazu beiträgst, dass ich meine Weiblichkeit in frage stelle. Es interessiert Dich auch nicht, dass Du heute ganz viel von mir lernen könntest. Du willst mir einfach nicht zuhören, egal wie oft und wie laut ich mich zu Wort melde. Und das tut verdammt weh. Denn als ich wichtige Dinge noch nicht begriffen hatte, habe ich an Deinen Lippen gehangen und alles aufgesogen, was Du gesagt hast. Und jetzt, wo ich Dir für Deine Hilfe etwas zurückgeben kann und will und Du etwas von mir lernen könntest, ignorierst Du mich einfach.

    Bitte versteh mich nicht falsch. Ich schätze Dich für die vielen wichtigen Dinge, Du Du getan hast und immer noch tust. Aber dass Du mir und anderen marginalisierten Personen nicht zuhörst und unsere Kritik und unsere Anregungen ignorierst, trägt nicht gerade dazu bei, dass ich auch in Zukunft ein Teil von feministischen Bewegungen sein möchte. Du stößt mich von Dir weg ohne es wirklich zu merken. Du verhältst Dich mir gegenüber immer wieder gewaltvoll und wenn ich versuche Dir zu erklären, was mich so verletzt, rechtfertigst Du Dich anstatt mir zuzuhören und über meine Worte nachzudenken. Lange Zeit habe ich geglaubt, dass Du Dir Mühe gibst und Dich wirklich ändern willst. Aber jedes Mal, wenn Du mir erneut gezeigt hast, dass meine Perspektive Dich gar nicht wirklich interessiert, ist ein kleines Stück meiner Hoffnung, dass Du mich ernst nimmst und Dich veränderst, verloren gegangen. Diese Hoffnung ist inzwischen so klein geworden, dass sie nicht mehr ausreicht, um mich ständig Deiner Gewalt auszusetzen. Und so lange Du nicht beweist, dass es Dir ernst damit ist, Dich zu verändern, ist es besser für mich, wenn wir uns erstmal aus dem Weg gehen. Denn wir können keinen gemeinsamen Kampf führen, wenn ich gleichzeitig gegen Dich kämpfen muss. Ich hoffe Du wirst das irgendwann verstehen.

    Quelle: http://emoyouth.tumblr.com/post/129481324891/lieber-cis-feminismus-ein-abschied-bis-auf

  2. tierchen sagt:

    Vielen Dank für den tollen Text, da sollten sich alle cis-Feministinnen ne Scheibe von abschneiden!

  3. Hotzenplotz sagt:

    Ich bin über diesen kapitalismuskritischen Artikel zum Thema Geflüchtete gestolpert, der leider in der Überschrift und manchen Textstellen entmenschlichende Sprache reproduziert:

    http://www.zeit.de/2015/36/fluechtlinge-migration-kapitalismus-rassismus

  4. Tina sagt:

    Ich habe jetzt endlich den letzten Teil meiner Serie zu meinen Versuchen mit Traumabearbeitung und „Therapie“ für Diskriminierung fertig bekommen:
    https://wunder2welt.wordpress.com/2015/09/21/alltagliche-ubergriffe-und-traumabearbeitung-community-und-andere-fragen/

  5. sarah sagt:

    sexarbeiterinnen organisieren gerade ihren protest gegen das neue „prostituiertenschutzgesetz“, das in dieser form unbedingt verhindert werden muss, weil es dinge wie eine zwangsregistrierung (und noch viel mehr elend) beinhaltet.

    hier kann gegen die registrierung unterschrieben werden:
    http://www.hydra-berlin.de/sexarbeit_von_a_bis_z/das_neue_gesetz/

    nächste woche donnerstag, am 1.10., gibt es eine protestaktion vor dem bundesfamilienministerium in berlin, kommt alle und unterstützt sexarbeiter_innen!
    http://www.hydra-berlin.de/aktuelles/
    (hier gibt es auch weitere infos zum gesetz, auf deutsch und englisch!)