Noch ein Mythos: Farbwahrnehmung bei Männern und Frauen

von Helga

Woher manche „Wahrheiten” über die Unterschiede der Geschlechter auch kommen – nachgeprüft sind sie in den wenigsten Fällen. Randall Munroe, bekannt durch seinen Nerd-Comic xkcd, und Elizabeth haben sich nun der Frage angenommen, ob Frauen tatsächlich für jede Farbe einen anderen Namen haben, während Männer nur rot, blau und gelb erkennen. Wie das angeblich aussieht, hat das Blog Doghouse Diaries illustriert:

Eine Farbskala von rot über gelb zu blau mit insgesamt 29 Abstufungen - links 29 verschiedene Bezeichnungen, die angeblich Frauen verwenden (z.B. Cayenne, Plum, Lavender, Strawberry, Banana, Lemon, Fern, Sky) und rechts die Bezeichnungen der Männer (Red, Purple, Pink, Orange, Yellow, Green, Blue)

Die Doghouse-Farbskala, bearbeitet von xkcd

In der Farbumfrage sollten die User_innen Zufallsfarben benennen. Das Geschlecht wurde dabei am Y-Chromosom festgemacht, Farbblindheit wurde ebenfalls abgefragt. Insgesamt wurden über fünf Millionen Farben in 222,500 Sitzungen angezeigt und benannt. Neben einer umfangreichen Auswertung gibt es auch die Farbskala von Doghouse Diaries mit den tatsächlich genannten Farbnamen.

Eine Farbskala von rot über gelb zu blau mit insgesamt 29 Abstufungen - links die 14 Bezeichnungen die Frauen verwendeten (red, magenta, purple, pink, hot pink, orange, yellow, light/lime/neon green, aqua, teal, blue) - rechts die 10 Bezeichnungen, die Männer verwendeten (red, magenta, purple, pink, salmon, orange, yellow, green, aqua, teal, blue

Die Farbskala mit den Antworten der xkcd-Umfrage

Außerdem gibt es eine Auftrennung nach „weiblichen” und „männlichen” Farbnamen, also denen, die von einer Gruppe überproportional verwendet wurden. Während Teilnehmerinnen häufig Adjektive vor die Bezeichnungen setzten, benutzten die Teilnehmer tatsächlich „Penis”, „Gay” und „WTF”.

Auch wenn die Studie nicht repräsentativ ist und die Unterscheidung nach Geschlecht eine weitere Diskussion entfachte – so verschieden sind Männer und Frauen wieder einmal nicht.




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Eintrag geschrieben: Freitag, 7. Mai 2010 um 16:23 Uhr unter Netz(kultur). RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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5 Kommentare

  1. Patrick sagt:

    Ja, das finde ich eine sehr schöne Abwicklung von Stereotypen, den Link hab ich mir direkt abgespeichert für spätere Benutzung.

  2. Sonja sagt:

    Die Unterscheidung nach Geschlecht ist einfach blöd gemacht. Wenn es ihm wirklich um Farbenblindheit geht, muss er nicht nach dem Y-Chromosom fragen, sondern danach, ob die Person nur ein X-Chromosom hat. Abgesehen davon, wer außer Spitzensportlerinnen hat schon mal einen Chromosomentest gemacht? Ich jedenfalls nicht…

    Ansonsten eine nette Sache!

  3. Morjanne sagt:

    Ich glaube, wenn ich das nächste Mal im Baumarkt Farbe kaufe, frage ich nach einem dezenten Penis-grün. Oder passt schwules Gelb besser?

  4. BadHairDays sagt:

    @Sonja…
    Ich wollte auch schon die Frage in die Kommentare werfen, ob alle Teilnehmer auch entsprechende Chromosomentests gemacht haben.
    Denn wie will man es sonst wissen?

  5. Fiann sagt:

    Unter dem Feld mit der Frage nach dem Y-Chromosom steht:

    „If unsure, select “Yes” if you are physically male and “No” if you are physically female. If you have had SRS, please respond for your sex at birth. This question is relevant to the genetics of colorblindness.“ (Also, wenn man es nicht weiß, bitte „Ja“ wählen, wenn man physische weiblich und nein, wenn man physischer männlich ist.)

    Natürlich kann man zu diesem Thema viel diskutieren und kritisieren. Aber mich hat schon die Tatsache, dass Randall und Elizabeth sich da so viele Gedanken drum gemacht haben und mit der Thematik so sensibel umgehen, sehr erfreut. Und gemessen an der schwierigen Komplexität der Problematik, (Randall schreibt ja auch selbst „Gender is really complicated) finde ich ihr Vorgehen echt gut gelöst.