Muttertag

von Anna

Gestern sah ich im Fernsehen einen Bericht, der ein wenig an Asterix erinnerte.

Es ging darum, dass ein kleiner Ort in Baden-Württemberg sich gegen das Blumenverkaufsverbot zu Wehr setzt, denn es sei wegen Pfingsten nur im Ländle verboten, die Blumenläden zu öffnen.

Ich war einigermaßen verwirrt: Ist es an einem Sonntag und gleichzeitig Feiertag nicht in ganz Deutschland – quasi doppelt – untersagt, irgendwas zu verkaufen?

Eine kurze Internetrecherche belehrte mich eines Besseren: Tatsache, es gibt eine Ausnahmeregelung für diesen Tag, Blumenläden dürfen an Muttertag auch am Sonntag geöffnet haben.

Diese kleine Episode zeigt sehr gut, wie viel ich über den Muttertag weiß und was ich damit verbinde: absolut nichts.

Bei uns zu Hause fand und findet Muttertag nicht statt.

Im Kindergarten war ich natürlich noch mit selbst gebastelten Geschenken aufgelaufen. Die nahm meine Mutter zwar dankend entgegen, aber mir wurde auch sofort erklärt, warum sie eigentlich nichts bekommen wollte an diesem Tag. Denn den haben die Nazis erfunden und das waren sehr böse Menschen und sie möchte nicht an einem Tag Geschenke bekommen, den sich böse Menschen ausgedacht haben.

(Heute weiß ich, dass nicht die Nazis diesen Tag erfunden haben, sondern schon die alten Römer und Griechen die Mütter in Festen ehrten. In neuerer Zeit wurde die Idee Mitte/ Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika aufgegriffen, und hat, tadaaa, ihre Ursprünge in der anglo-amerikanischen Frauenbewegung! Wirklichen Auftrieb bekam der Muttertag dann in Deutschland in den 20ern durch die Blumenhändler und ja, durch die Nazis. Dann eben doch.)

Die Argumente meiner Mutter leuchteten ein, auch wenn ich nicht so ganz verstand, warum alle anderen Mütter damit wohl kein Problem hatten. Ab dem Moment, in dem ich nicht mehr zum Basteln gezwungen wurde, geriet dieser Tag dann komplett in Vergessenheit und hat mir nie gefehlt.

Der Muttertag hat sich allerdings indirekt wieder in mein Leben geschlichen und zwar durch meine Beziehung. Freundes Mutter freut sich nämlich wie (fast) jede andere Mutter über Blumen oder mindestens einen Anruf und wäre wohl auch ein wenig enttäuscht, wenn die Kinder sie komplett vergessen würden. Ich beobachte das mit einer gewissen Faszination, ähnlich wie früher beim Schüleraustausch, wenn die Gastfamilie ganz andere Rituale pflegte als man sie von zu Hause kannte. Es bleibt mir völlig fremd.

Aber vielleicht rufe ich meine Mutter heute doch mal an. Um sie zu ärgern.




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Eintrag geschrieben: Sonntag, 11. Mai 2008 um 15:26 Uhr unter Kultur. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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4 Kommentare

  1. Mareen sagt:

    Als ob das meine Geschichte wäre…

    Am Mittwoch sagte eine Freundin mit entnervtem Blick zu mir:
    „Am Sonntag ist Muttertag…verdammt.“
    Stille.
    „Deiner Mutter und dir geht das am Arsch vorbei, oder?“
    „Jep.“
    „Meiner aber nicht. Lass ma einkaufen fahren…“

    Muttertag hat für mich keinerlei Bedeutung und ich spare mir wie jedes Jahr aufs Neue den anderswo üblichen Kokolores und bleibe einfach das ganze Jahr nett zu ihr.

  2. hn sagt:

    Wenn wir damals mit Geschenken aufliefen hieß es immer, „Ach jaa, erst nie das Zimmer aufräumen, nie abspühlen und im ganzen Haus Chaos veranstalten, das *ich* wieder aufräumen darf, — aber an einem Tag im Jahr Blumen?! Lieber ganzjährig Blumen und einen Tag Chaos!“ (wir fanden dann einen Kompromiss, keine Blumen, dafür aber Chaostage)

  3. Greta sagt:

    Ich habe und hatte auch nie was mit dem Muttertag zu tun. Meine Mutter vertritt die Meinung von hns Mama ;-)
    Aber heute hat mir mein Sohn (gerade eins) eine langstielige rote Rose überreicht. Weil sein Papa nämlich dran gedacht hat. Und fern aller Verdächtigungen, er stempele mich damit als Hausmütterchen ab oder degradiere mich auf bloß einen Teil meines Lebens, habe ich mich einfach mal total politisch unkorrekt gefreut.

  4. Lini sagt:

    Immerhin hat jede Mutter ihr Kind zur Welt gebracht. Und für diese meist ziemlich mühevolle Tätigkeit kann man seine Dankbarkeit ruhig einmal im Jahr explizit zum Ausdruck bringen, auch wenn damit nicht die Erlaubnis gegeben sein sollte, sie – die Mutter – den Rest des Jahres links liegen zu lassen. Von daher: freut euch ruhig, Mütter! Das widerspricht keineswegs einer feministischen Grundhaltung. In meinen Augen zumindest.