Lady Bitch Ray: Wütende Möse auf Highheels?

von Katrin

Highheels

Sie ist überall: Bei Maischberger hat sie diskutiert (wovon u. a. Spiegel Online und die FAZ berichteten), Spiegel Online hat über sie geschrieben und in der Taz war sie auch schon zweimal („Keine ist so krass wie ich„, 2006 und „Ich stehe für vaginale Selbstbestimmung“ 2008). Niemand kommt mehr so richtig an der eigenwilligen Erscheinung der Reyhan Sahin alias Lady Bitch Ray vorbei, die für sich proklamiert, sie vertrete eine neue Art von Emanzipation. „Ich stehe für vaginale Selbstbestimmung,“ ist der Titel des Taz-Interviews vom 1 April. Dabei ist es oft etwas schwierig, zwischen all den Provokationen herauszulesen, was sie wirklich will. Ein bisschen aggressiv kommt sie manchmal rüber:

„Ich habe viel Wut in meiner Möse, und die muss ich rauslassen.“

Doch was steckt hinter solchen Songs wie „Ich hasse dich!“, in dem Jeannette Biedermann und Sarah Connor ihr Fett wegkriegen?

„Die zwei sind oberflächliche Musterfrauen, die ich verachte. Die achten darauf, wie sie reden, wie sie singen, die verhalten sich oberflächlich. Sarah Connor ist unerträglich. Die beiden haben sich doch hochgeschlafen. Ich ertrage diese oberflächliche Gesellschaft nicht.“

Nicht wirklich sympathisch, oder?

Wenn man die Lady Bitch Ray erfassen will, muss man weiter ausholen. Denn im Gegensatz zu Rappern wie Frauenarzt oder King Orgasmus One, die Pornorap berühmt und berüchtigt gemacht haben, hat sie Abitur und sogar ein abgeschlossenes Studium in Germanistik. Ihre Magisterarbeit hatte das Thema „Jugendsprache anhand der Darstellung der Jugendkultur Hiphop“ und wurde wegen ihrer ausgesprochen guten Qualität und vor allem Aktualität in einer Anthologie im Brockmeyer-Universitätsverlag veröffentlicht. Aber: Eine Germanistin, die mit Wörtern wie „Möse“, „Ficken“, „Fotze“ und „Schwänze“ inflationär umgeht, ist einfach nur irritierend. Eine Frau, die irgendwie aus sämtlichen Rahmen purzelt.

Der Ehemann von Sarah Connor, Marc Terenzi, wird dann mal aben als Schwuchtel betitelt und die Taz fragt:

„Das ist ganz schön homophob, was?“

Doch in eben solche Raster („wer Schwuchtel sagt, ist homophob“) lässt sich Frau Sahin nicht pressen.

„Weil ich Schwuchtel sage? Im Rapkontext ist es ein gängiger Begriff. Ich habe natürlich nichts gegen Schwule, mein Friseur ist schwul. Ich will Marc Terenzi aber einfach niedermachen.“

Sie weiß wovon sie spricht, darüber hat sie ihre Magisterarbeit geschrieben.
Doch in die Köpfe so mancher JournalistInnen (und LeserInnen) will das nicht reingehen. Sie regen sich auf, sie machen sich lustig, sie schütteln ihre Köpfe. Da wird die Lady Bitch Ray mal zu ernst, dann wieder zu wenig ernst genommen. Denn sie ist nicht nur angetreten, um für „vaginale Selbstbestimmung“ zu kämpfen, sie sagt im Taz-Interview auch:

„Mir ist es wichtig, dass das Opferbild der Türkin geändert wird. Ich mache das krasse Gegenteil davon, was von einer Türkin erwartet wird.“

Ob ihr das mit mit Vulgärsprache und körperlich dargestellter Provokation wohl gelingt?

Wahrlich, eine harte Nuss, diese Lady einzuordnen, angesichts so vieler Chiffren, künstlerischer Schnörkel, kühl kalkulierten Provokationen, politisch und sozial komplizierten Hintergründen und psychologischen Selbstzeugnissen wie „ich habe zwar eine Profilneurose und bin Narzisstin …“ Als FeministIn kann und muss man einige „Techniken“ dieser Frau kritisieren. Sexuelle Reize werden derart penetrant in den Vordergrund gestellt, dass man sich zwischen Abstoßung und Faszination hin- und hergerissen fühlt. Außerdem bleibt die Frage nach dem Effekt: Kann dies wirklich ein Beitrag zu mehr Geschlechterdemokratie sein? Braucht es dafür nicht ein bisschen mehr Ernst? Ein bisschen mehr „Haltung statt Posen“? Zudem sind die Botschaften oft sehr widersprüchlich – Feminismus paart sich bei Sahin mit heftigen Rollenklischees, wie in den „10 Geboten des Vagina Styles“:

„Du hast einen Grund zu feiern: Du hast eine Möse und du bist eine Frau, die weiß, was sie will.“

– Daumen hoch! Aber dann wieder:

„Wenn du Geld verdienst, sei dir nicht zu geizig für Kosmetika, Klamotten und Highheels, das ist ne clevere Anlage. Dein Körper ist dein Kapital, Baby.“

Puh.

 

(Dank an Kathrin und Timo für die Links.)




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Eintrag geschrieben: Donnerstag, 3. April 2008 um 15:42 Uhr unter Körper, Kultur. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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32 Kommentare

  1. femi june sagt:

    lady bitch ray ist in meinen augen gesehen überhaupt kein vorbild für mädchen und frauen. und der beste beweis dafür, das ein studienabschluss 0% mit intelligenz zu tun hat.
    (oder anders gesagt, nur weil sie ein möse hat, heisst es noch lange nicht, dass sie das frausein verstanden hat.)

  2. SoE sagt:

    Meiner Meinung nach ist sie ein Phänomen, dass viel mehr als nur Frau sein verändern wird, bzw. damit zu tun hat. Es kommen dabei zum Frau sein noch das türkisch sein und das Hip-Hop Umfeld. Dabei ist es schwierig herauszudividieren, welche Aussagen etc. welcher Komponente geschuldet sind. Im Endeffekt würde es aber auch keinen großen Sinn machen meiner Meinung nach.

    Ich denke auch, dass sie sehr vieles möglich machen wird. Denn sie überspannt den Bogen so weit, dass so etwas wie der Amy-Winhouse-Effekt dabei entstehen wird: Beide sind einerseits großartig und eröffnen neue Perspektiven, andererseits sind sie überzogen und untragbar. Jetzt überschlagen sich die Meldungen über „die neue Amy Winehouses“ – aber ohne die Drogenexzesse. Es öffnen sich hier analog die Möglichkeiten für Rapperinnen, Türkinnen, Doktorandinnen (natürlich auch in Kombination bzw. alles 3 zusammen).

    Man kann ferner drüber streiten, wie gut und sinnvoll die Trennung zwischen den lauten, nervenden, bösen Vorreiterinnen und den netten, angepassteren Nachfolgerinnen ist, schlußendlich ist eine Tür aufgestossen, die schwer zu schliessen ist.

  3. Schnatterinchen sagt:

    „Die [Alice Schwarzer] soll mal die Bühne räumen, jetzt komm ich.“ (LBR im taz-Interview)

    Es bleibt spannend in Sachen Schwarzer-Nachfolge.

    femi june: „lady bitch ray ist in meinen augen gesehen überhaupt kein vorbild für mädchen und frauen. und der beste beweis dafür, das ein studienabschluss 0% mit intelligenz zu tun hat.“

    Wenn díese ziemlich originelle junge Dame irgendetwas NICHT beweisen muss, dann ihre Intelligenz. Hat sie nicht ein Promotionsstipendium für Hochbegabte?

    femi june: „(…) nur weil sie ein möse hat, heisst es noch lange nicht, dass sie das frausein verstanden hat.“

    Was braucht man denn sonst noch (was LBR nicht hat), um „das Frausein zu verstehen“?

    Zur Grafik: Passt die denn? Mir scheint, LBR geht härter mit anderen Frauen als mit Männern ins Gericht. Und wird tendenziell von Männern eher gemocht als von Frauen.

  4. Goofos sagt:

    Ich behaupte sogar das einzig Besondere an ihr ist, dass sie Türkin ist und in gewissem Sinne ihren Brüdern gleich macht.

    Aufgetakelte, halb nackte und „Du Fotze!“ schreiende Weiber sehe ich eigentlich genügend im Städtle, als ob das etwas besonderes wäre.

  5. ping sagt:

    „9. Fang bitte nicht mit 16 schon an, mit jedem Typen zu Ficken, denn das, Süsse, wird man Dir mit 30 ansehen. Dann siehst Du nämlich aus wie Deine Vagina: Ausgeschlabbert.

    10. Lass Dich nicht vom Arsch durchnehmen, nur um „Jungfrau“ zu bleiben. Denn dann bist Du für den ausführenden Trottel eine dumme Groupie-Schlampe. Es gibt mittlerweile sehr gute Ärzte in dem Gebiet und rozettenfreundlich wäre das auch nicht gerade.“

    Thema erledigt.

  6. Katrin sagt:

    @Schnatterinchen: finde, die Grafik passt ganz gut. „Bei ihren pornographischen Texten geht es der Rapperin laut eigener Aussage um türkisch-weibliche Emanzipation; Şahin sieht sich als Gegenentwurf zu männlich-chauvinistischen Rappern wie Sido oder Bushido, deren Ideologie sie im Stile eines Sacha Baron Cohen entlarven will.“ (wikipedia)
    @ping: Thema erledigt? why? gerade die zwei von dir zitierten „Gebote“ liefern doch Stoff für eine ganze Magisterarbeit ^^

  7. Schnatterinchen sagt:

    Katrin: Ah ja, verstehe. Diese Begründung passt schon besser zu dem Bild, aber trotzdem finde ich LBR weit facettenreicher, als es so eine holzschnittartige Darstellung vermuten ließe.

  8. ping sagt:

    Tja, es gibt so Dinge aus der „männlichen Welt“ für die ich kein weibliches Gegenstück brauche sondern bei denen ich froh wäre wenn es sie einfach gar nicht gäbe. Ich sag halt „Machotum kotzt mich an“, sie entwickelt das weibliche Pendant dafür. Ob das die Welt weiterbringt? Und genau wie ich Bushido/Sido als „Vorbild“ für Jungenunpassend finde, finde ich sie als Vorbild für Mädchen unpassend.

    Von wem stammt denn der Cohen Vergleich, von ihr? Was das was sie da tut mit Cohen zu tun haben soll versteh ich überhaupt nicht.

  9. ping sagt:

    PS:“Weil ich Schwuchtel sage? Im Rapkontext ist es ein gängiger Begriff. Ich habe natürlich nichts gegen Schwule, mein Friseur ist schwul. Ich will Marc Terenzi aber einfach niedermachen.“

    Achso, na dann?! Frau Ray kritisiert Homophobie also nicht sondern dreht es einfach um bzw. benutzt es einfach wie die anderen, um … ja, um was denn eigentlich? Und die Fotos von ihrer Myspace Seite sehen aus wie all die anderen x-beliebigen „Bitches“ aus Musikvideos weil … …?!

    Ich versteh den Sinn der Aktion nicht. Was will sie tun und erreichen?!

  10. d. sagt:

    „Was will sie tun und erreichen?!“

    Ich befürchte und hoffe, dass sie uns das selbst mitteilen wird.
    Befürchten, weil es all die Vorurteile bestätigen könnte, die man mit ihrem auftreten verbindet, und hoffen, weil es all die positiven Aspekte verstärken könnte.

    Ob sie je unsere Generation mitprägen kann, entscheidet sich einzig und allein an ihrer Musik.
    Alles rundherum, u.a. ihre Gesellschaftskritik in Form einer medienobszönen Gestik, auf die viele Leute anspringen, stimmt schon mal.

    Die Unendlichgespaltene Realität, zwischen Aufruhr und Reaktionismus, zwischen Sex und Prüderie, zwischen Immigration und deutschstämmig, zwischen Aufklärung und Verklärung, zwischen Religion und Atheismus, zwischen Bildung und Blendung, zwischen eigener Freiheit und Freiheit der Andersdenkenden, bringt sie schon ziemlich genau auf den Punkt. Logischwerweise nicht mit jedem Satz und nicht mit jedem Wort, aber im Gesamtkonstrukt steckt mehr dahinter als man für möglich hält.

    Aber gerade weil sie soviele Emotionen und Gedanken berührt, ist die Chance des Scheiterns (was in schlechter bis banaler Musik liegen kann) recht groß.

    Von ihr bleiben würde dann aber wenigstens die eroberte Freiheit der integrierten türkischstämmigen Mädchen.

  11. Nils sagt:

    Mir ist es wichtig, dass das Opferbild der Türkin geändert wird. Ich mache das krasse Gegenteil davon, was von einer Türkin erwartet wird.

    Die „Muslima“ ist ja bei uns schon seit Kolonialzeiten eine „zu befreiende“.

    Sie sagt ja selber, daß sie wie die BILDzeitung funktioniert. Ihren Vaginastyle finde ich eigentlich ziemlich auf die Spitze getrieben.

    Vielleicht geht es ihr in erster Linie um das Opferbild der Türkin.

  12. felix sagt:

    Die Frau ist zu Geil, Leute!

    Erstmal sehr amüsant und zweitens schön, dass es sowas gibt. Weichgespülte „Kunst“ gibt es genug, welche ich selbst nicht so nennen würde. Ich selbst mag HipHop sehr, aber anderen Kalibers. PornoRap finde ich eher überflüssig, aber wenn es auch eine Frau als eine Art „Gegengewicht“ praktiziert, warum nicht!? Wir sind sehr wahrscheinlich NICHT die primäre Zielgruppe dieser Art von Musik, weswegen ich verschiedene (empörte) Kritiken an dieser Musikerin auch nicht wirklich ernst nehmen kann. Im übrigen nehme ich diese selbst auch nicht zu ernst in allen Ausdrücken, sonder „übersetze“ mir einige ihrer Statements. Trotz und gerade deshalb respektiere ich sehr was sie macht. Das ist gelebte Emanzipation (im Sinne von Gleichstellung) fern jedes armchairs(!) in bestimmten Teilen unserer heutigen Gesellschaft , in der wir uns sehr wahrscheinlich nicht viel bewegen.

    PS: Habe auf das Thema gewartet hier ;)

  13. Michaela sagt:

    Leider stellt sie sich selbst in den Schatten, weil sie andere Künstler beleidigt statt deren Arbeit zu respektieren.

  14. Dodg3r sagt:

    Mittlerweile muss man ja leider laut schreien und provozieren, um gehört zu werden. Vielleicht ist ja auch die Zielgruppe eine ganz andere: wenn sie sich als weibliches Pendant zu Sido und Bushido sieht und die selben Leute ansprechen will, muss man sich wohl oder übel auch der Sprache bedienen. Sehr überspitzt und überzogen, aber es kann ja nicht nur die Mitte und die Vernunft geben.

    @Michaela: Das Beleidigen von Anderen ist in dieser HipHop Sparte nun mal so üblich. Klar gefällt das nicht jedem, aber das gehört dazu wie Schunkeln zur Volksmusik.

  15. Daniela sagt:

    Schöne Sache, wenn man sich ein Image selbst aufgebaut hat und einem das auch so abgenommen wird. Nicht alle Menschen, die öffentlich auftreten, können das von sich sagen.
    Die Idee, auf unterdrückte türkische Frauen und Mädchen hinzuweisen ist ja an sich nicht schlecht, aber mein Eindruck ist doch eher der, dass man sie vorzeigt, weil sie ein möchtegern-deutsches Produkt ist: Junge Immigrantin mit hohem Bildungsniveau die „ihren Leuten“ genau das ankreidet, was der Durchschnittsdeutsche ebenfalls denkt. Das Ganze schön laut verpackt und mal ehrlich – wenn sie Mitte 40 und übergewichtig wäre, würde niemand über sie reden, oder?

    Ich frag mich schon die ganze Zeit – verkauft die eigentlich auch Platten?

    Wenn man sie sieht/was von ihr hört, dann im TV und im SPON, aber ansonsten ist sie vor allem eine Frau, die ihre Wut ganz gut verkauft, wenigstens medial.

    Ansonsten denke ich, dass spätestens in ein paar Wochen die nächste Sau durchs Dorf getrieben wird, sie geht zurück an die Uni und hatte die zustehenden 15 Minuten Ruhm schon weit überzogen. Bin mal gespannt, ob da was nachkommt.

  16. Ben Bielen sagt:

    Mich irritiert, dass ihr es als „irritierend“ empfindet, wenn Lady Bitch Ray trotz Germanistikstudium mit Kraftausdruecken um sich wirft. Seid ihr so einspurig, ja spiessig, dass das fuer euch nicht zusammengeht? Wieso ist es irritierend, wenn „eine studierte Germanistin“ mit kalkulierten Obszoenitaeten um Aufmerksamkeit kaempft?

    Das ist doch ein probates Mittel.

    Wenn ihr einen Blog schreibt, also auch beruflich mit Sprache umgeht, solltet ihr doch wenigstens euch nicht von anderer Leute Sprachstrategie nicht „irritieren“ lassen.

    Ein enttaueschter Halbfan

  17. babarr sagt:

    Dass die Sprüche von LBR logisch nicht unbedingt zusammenpassen ist, denke ich, doch gerade das effektivste an ihr. Denn die Problematiken, die sie anspricht, sind doch auch nicht grad von logischer Konsistenz geprägt, sondern von Emotionalität, wie z.B. männliche Eitelkeiten bei der Unterdrückung / Ungleichberechtigung von Frauen.

    Und darauf ballert sie genauso emotional wild herum, mit cooler Ironie und Humor, obwohl das für Leute, die die Hiphop-Szene nicht kennen, nicht verständlich sein mag.

  18. Daniel sagt:

    Entschuldigung, aber wer den Begriff Schwuchtel dazu benutzt jemand „niederzumachen“, der bedient sich auf jeden Fall homophober Praktiken. Während das als Teil der Gruppe als Selbstironie okay sein mag (so wie Afroamerikaner gerne mit dem Begriff „Nigger“ hantieren oder so wie LBR das mit „Bitch“ versucht) – aber als Außenstehende sollte man da ein bisschen Respekt und Einsicht zeigen. Ich fürchte, LBR erweist den Frauen mit ihrer wenig differenzierten Blödelei als Clownin vom Dienst einen Bärendienst.

  19. ijb sagt:

    Lustige Diskussion. Als Fazit scheint sich hier mal wieder zu bestätigen, dass Männer meist weniger ein Problem mit ihr haben als Frauen…(?)

  20. Schnatterinchen sagt:

    Daniel: „Ich fürchte, LBR erweist den Frauen mit ihrer wenig differenzierten Blödelei als Clownin vom Dienst einen Bärendienst.“

    Wieso erweist sie „den Frauen“ einen Bärendienst? Bin ich als Frau Mitglied einer Partei oder Lobby? Nur dann könnte ich mir vorstellen, dass ich Nachteile dadurch hätte, dass ein anderes Mitglied aus der Reihe tanzt.

  21. Ben Bielen sagt:

    Mein Fazit, trotz des fortschrittlichen Gewandes („Blog“) findet man hier eher nicht die Zukunft des Feminismus. Das sind Leute wie LBR schon Lichtjahre weiter. Daher wirkt sie vielleicht auf die Autoren hier „irritierend“.

    Man muss Deutschen (oder allgemeiner: Mit westlichen Werten aufgewachsenen) Frauen leider eine gewisse Irritiertheit in allen Dingen attestieren (ich weiss, dass ich hier den alle ueber einen Kamm schere). In der westlichen Welt haben die Frauen mittlerweile so dermassen die Oberhand, dass sie „den Wald vor lauter Baeumen nicht sehen“. Sie kaempfen gegen Windmuehlen. Das kann schon mal zur Irritation fuehren.

    Es ist bezeichnend, das eine Rappende Tuerkin den wahren Feminismus eher verstanden hat, als eine Deutsche Philosophiestudentin.

    Im Endeffekt geht’s den westlichen Frauen halt viel zu gut (mir uebrigens auch) ;-)

  22. Susanne sagt:

    DIE Frauen sind halt ALLE so. Kann man nix machen.

  23. Viktoria sagt:

    Ich denke, wenn sie ein Mann wäre und den Vorteil eines Penisses erläuterte, würde sich da keiner mit befassen. Erst recht wäre keiner entsetzt über das, was sie macht. Es wäre normal, nur einer mehr von der Sorte.
    Auch weniger Aufsehen würde das ganze erregen, wenn sie keinen Abschluss hätte. Auch dann wäre sie einfach Opfer ihrer Sozialisation, ein Unterschichtenmädchen, dass es einfach nicht besser kann.

    Eine Vorbildfunktion würde ich ihr nicht zusprechen. Genauso wenig, wie Marilyn Manson z.B. aber so wie er, hält auch sie in meinen Augen einen Spiegel in der Hand. Sie spiegelt unsere Gesellschaft, mit seiner Doppelmoral zum einen und zum anderen die männergeprägte Pornorapszene.

    Als Doppelmoral empfinde ich die Art, wie sie stigmatisiert wird, weil sie sich als Feministin bezeichnet und gleichzeitig ein nyphomanisches Image pflegt. Wo ist denn da das Problem? Ob das für den einzelnen zu vertreten ist, sei mal dahin gestellt, aber irgendwie wird da in meinen Augen massiv das Klischee gepflegt, dass eine Feministin irgendwie verklemmt ist und keinen Spaß am Sex hat, bzw. sie im sexuellen Kontext sofort wieder als Objekt dargestellt würde.

  24. anika sagt:

    wir (mein kommilitone und ich) haben gestern in unserer sprachfördergruppe mit den türkischen migranten-mädchen (in unserer gruppe sind nur mädchen, da die türkischen jungen lieber arbeiten oder freizeit haben als nachmittags in der schule zu sein) über lady bitch ray gesprochen…also hatten einen liedtext und das taz-interview mit – die waren echt schockiert!!! einige hatten den namen der rapperin vorher schon mal gehört aber noch keines ihrer lieder.
    keines der mädchen trägt ein kopftuch und wie sie erzogen werden, ist auch unterschiedlich: einige dürfen einen freund haben, andere würden sich nicht mal mit einem kumpel alleine in der stadt treffen, denn ansonsten würde gerede entstehen… da die mädchen in unserer gruppe unter sich sind, haben sie dann auch den text laut vorgelesen und wir haben darüber gesprochen und auch einige begriffe geklärt, die ihnen nicht so geläufig waren. einstimmig fanden sie den text nicht gut, da es ihnen zu viel um sex, beleidigungen und körperteile ging- wir haben „i hate you“ besprochen. die aussage, welche lady bitch ray, damit rüberbringen will, haben sie anfangs nicht gesehen und auch nicht so recht verstanden…sie glauben, dass lady bitch ray mit diesem lied nicht das erreichen wird, was sie aussagen möchte, sondern eine andere klientel damit ansprechen wird.

  25. anika sagt:

    …nur mal ein statement, was junge türkische mädchen von lady bitch ray halten, ist wahrscheinlich nicht so repräsentativ, aber vielleicht ganz interessant, wenn jemand noch fragen dazu hat, fragt!!!

  26. ping sagt:

    Viktoria:Das zwischen „Verklemmtheit“ und einem „nymphomanischen nyphomanisches Image“ ein riesiger Unterschied ist (und dazwischen noch Platz für vieles andere) ist dir aber schon klar, oder?

    anika:Danke für die Info. Die Frage ist halt wirklich was passieren würde wenn diese türkischen Mädchen genauso wären wie LBR. Ist das wünschenswert?

  27. anika sagt:

    ping:
    ich denke, dass noch viel zeit vergehen müsste, bis türkische mädchen so werden wir lady bitch ray. mir fällt im umgang mit den türkischen mädchen auf, dass sie seht stark schwarz und weiß sehen, was in diesem fall bedeutet, dass sie andere mädchen/ frauen als „schlampen“ (ihre wortwahl) oder heilige (meine wortwahl) ansehen. allerdings fehlt jeglicher grau-bereich.
    des weiteren glaube ich, dass die türkischen familie und auch gemeinden noch viel stärker auf zusammenhalt etc ausgerichtet sind- in der deutschen gesellschaft steht das individuum vielmehr im vordergrund. aus diesem grund schätze ich, ist es bei den migranten noch viel wichtiger, was über die mädchen/ frauen gedacht wird, da sie ansonsten ja ausgeschlossen werden oder sich ihre familien für ihr verhalten rechtfertigen müssen.
    ich war sehr schockiert, als mir einige mädchen berichteten, dass sie sich nicht alleine mit einem klassenkameraden in der stadt zu bummeln treffen würden, aus angst, dass ihre familien sich dann für sie vor anderen gemeindemitgliedern rechtfertigen müßten, wenn die das gesehen hätten.
    die mädchen arbeiten gerade auf den übergang ins gymnasium hin.
    dennoch einige von ihnen können sich vorstellen, dass ihre eltern ihnen später einen jungen mann vorstellen, denn sie dann heiraten würden…

  28. Susanne sagt:

    Die Süddeutsche brachte heute auch noch ein Portrait über Lady Bitch Ray, das ich sehr lesenswert finde:

    http://www.sueddeutsche.de/leben/artikel/778/169286/

  29. ijb sagt:

    Eine Ergänzung:

    Unter dem Zitat „Ich bin der Elch-Test für emanzipierte Frauen“ als Überschrift gibt es im Berliner Veranstaltungsheftchen „030“ auch gerade ein Interview mit ihr. Eine Stelle fand ich etwas fragwürdig:
    Auf die Frage „Was würdest du diesen Mädels empfehlen?“:
    „Der Mann muss erobern, er muss arbeiten. Ich rede nicht von Geld, aber er muss eine Gegenleistung erbringen, wenn er eine Frau fi**en will.“

    Interessant auch: Wie sieht denn der (gemeint: dein) richtige Typ aus?
    „Lieber ein Macho, und du weiß, woran du bist, als ein schleimiger Frauenversteher, das hasse ich wie die Pest. Ein Mann darf auch nicht zu schön oder abgeleckt sein. Und in einer Beziehung muss er treu sein?“ – „Musst du auch treu sein?“ – „Nein. Aber er kann es sich ja aussuchen: Entweder macht er das mit oder er verpisst sich.“

    Das ganze Interview gibts vielleicht auch bei 030.de

  30. EJ sagt:

    Ich bin bei Lady Bitch Ray auch hin- und hergerissen. An manchen Stellen bin ich fasziniert (direkte provokante erfrischende Art, Opferrolle überwinden, Stereotype überzeichnen und Rapper blossstellen, Tabuthemen ansprechen, von ihrer angeblichen 3cm-Klitoris zu sprechen (es ist ja nicht entscheidend ob das wahr ist…. sondern dass sie die Leute mit ihren eigenen Vorurteilen provoziert etc.). Aber ich komme mit dem „ALLE Frauen müssen mir folgen“ nicht so zurecht. Ich persönlich kann mich mit ihrem Style z.B. gar nicht identifizieren (bin eine transgender). Und ich finde es wichtig, dass sie eben nicht „Ökotussis“ (so benennt sie z.B. Charlotte Roche) oder „Mannweiber“ diskreditiert… also ich fänd es besser, wenn sie durchaus ihren „Vagina/Lady/Bitch-Style“ propagiert… aber eben nicht für alle und nicht auf Kosten von anderen, die sich damit nicht identifizieren können. Die Diskussion um „weibliche Vorbilder“ wird da einfach zu einseitig geführt. Ich finde innovativ wäre eine Vielfalt von Gender-Ausdrücken aufzuzeigen, wo durchaus dieser Bitch-Style als etwas innovatives zu sehen ist… aber eben nicht bezogen auf „alle“ sondern auf bestimmte Frauen/butches/Trans* die diese Art eben leben wollen..

    Jeder hat seine Ausdrucksform aber nur weils nicht mein Ding ist, heißt es nicht dass es für einige (z.B. in HipHop-Szene etc.) wichtig ist diese Identität zu haben und durch Vagina-Style eben selbstbewusst zu sein und dem alltäglichen Sexismus in der HipHop-Szene die Macht zu entziehen.

  31. me2 sagt:

    Ich finde ihre Songtexte teilweise nicht schlecht…, aber das ist schon das einzig Positive.

    Wieder und wieder betont Lady Bitch Ray, dass sie studiert hat, was sie auch muss, denn wenn man nach dem urteilt, was sie in Interviews von sich gibt, würde man meinen, sie sei dumm wie Stroh. Sie reduziert ihre Person auf ihre Vagina.

    Sie stützt die Säulen ihres Erfolgs auf Angriffe auf andere im Rampenlicht stehende Personen, z.B. Charlotte Roche. Dadurch hievt sie sich selbst ins Rampenlicht.

    Zwar propagiert sie, für Toleranz und Gleichberechtigung zu kämpfen, wertet aber Menschen bestimmter Berufsgruppen, wie z.B. Friseurinnen, ab.

  32. out sagt:

    „Während die HipHop-Urgesteine in ihrer Paraderolle als Weltverbesserer noch gesellschaftliche Missstände anprangerten, geht es bei der neuesten Rap-Form nur noch um peinliche Porno-Phrasen – alles eingebettet in eine gut geölte Marketingmaschinerie, die ihre Protagonisten im öffentlich subventionierten TV-Zirkus abfeiern lässt.“

    http://www.europolitan.de/Kommentar_der_Woche/PORNO-RAPPER/304,25,0,0.html