Frau trägt Bart

von Verena

Der Damenbart: Für die Malerin Frida Kahlo war er ein Markenzeichen, für die meisten Frauen ist er lästig, weil unweiblich. Vor allem dann, wenn der Haarwuchs über der Oberlippe mehr als ein leichter Flaum ist. Eine richtige Bartträgerin ist die 45jährige Mariam. 23 Jahre lang hat sie mit allen möglichen Mitteln versucht, gegen die Haare in ihrem Gesicht anzukämpfen. In ihrem Blog schreibt sie:

Warum? Weil Frau so nicht auszusehen hat. Weil eine Frau laut der Werbung und den Erwartungen der Gesellschaft eine glatte Haut ohne Haare haben sollte. Rasierte Beine. Und auf gar keinen Fall einen Bart.
Schluss mit dem Verbiegen und Verstellen. Schluß damit, es Anderen Recht machen zu wollen! Wem bringt das was? Der Kosmetikindustrie vielleicht. Ich will so sein wie ich bin. Das was ist ist gut. {…} Was passiert wenn der Bart sein darf?

Seit August 2008 lebt Mariam nun als Frau mit Bart. Auf brigtte.de erzählt sie in einem sehr sehenswerten Video von ihren Erfahrungen und Erlebnissen, durch die sich nicht nur ihr Äußeres verändert hat…

Vielen Dank an Constanze für den Hinweis




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 19. Mai 2009 um 14:37 Uhr unter Inspiration, Körper. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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15 Kommentare

  1. freefeeling7 sagt:

    mmh, also ich find es auf jeden Fall ungewohnt, aber wieso sollte sich irgendjemand verändern, nur weil es andere stören könnte…
    ich finde dieses ganze „Frau muss glatt sein und auf keinen Fall behaart, nur auf dem Kopf soll sie iene wallende Mähne haben“ sowieso krank…
    eine furchtbare Tortur und Zeitverschwendung der sich Millionen von Frauen regelmäßig unterziehen – rasieren, wachsen, was weiß ich
    Männer dürfen aber Haare haben, slebst wenn sie ihre Freundin nicht mit Intimbehaarung oder behaarten Beinen akzeptieren würden…
    ich finde, wenn schon, müsste auch der Mann die Beine etc. rasieren…
    ansonsten sollte es jeder für sich entscheiden dürfen, ob er sich dem Stress unterziehen will, und womöglich seiner Haut schaden
    aber dieser gesellschaftliche Druck der auf jeder Frau lastet, ab der Pubertät schon und dann besonders, ist furchtbar… frau wird schräg angeguckt, wenn sie nicht dem Ideal entspricht und strahlend mit ihrem Venus-Rasierer flirtet
    als Feministin sollte man sich auch darüber Gedanken machen, ob man so etwas wirklich für sich macht, weil man es braucht oder was auch immer, oder ob man es tut, um sich anzupassen…

    was meint ihr zu dem Thema?

  2. MAIK sagt:

    Also ich finds gut wenn Frauen gepflegt aussehen – nur gilt das natürlich auch für Männer ;-)

  3. … so vieles ist ja nur gewohnheit. und die körperbehaarung ist natürlich eine ganz heikle sache …
    … also, ich finde das video ganz wunderbar. v.a. weil die frau sich ja viel besser fühlt, nachdem sie die entscheidung getroffen hat, die haare wachsen zu lassen … und das auch nach außen ausstrahlt, laut ihrer freundin.
    @MAIK: ich finds auch gut, wenn männer/frauen/etc. gepflegt aussehen. aber das „geplegt“ ist ja auch relativ … na, ja, und wenn uns was gefällt, muss es ja nicht unbedingt anderen gefallen. außerdem: ein schöner bart kann ja auch gepflegt sein, unabhängig von träger*in ;-)

  4. Patrick sagt:

    Wenn sie sich damit besser fühlt, ist es erst Mal super. Für meinen Geschmack bezüglich Attraktivität wirkt das zu männlich, aber um mich geht es dabei ja auch nicht… und ein Bart ist auch bei mir nicht der einzige Grund, warum ich eine Frau evtl. nicht attraktiv fände.

    Insofern bricht das Aussehen natürlich mit Gender-Traditionen, aber Fuck Gender. Steht sogar auf so Postkarten, die ich mal vom Genderblog bekommen habe.

    Rasiert, unrasiert – erst Mal sich selbst wohlfühlen.

  5. wondergirl sagt:

    Ich weiß nicht, ich hab den Eindruck, dass viele Meinungen zum Thema Körperbehaarung schon festgefahren sind.

    – ich habe als Frau pro Woche etwa 5 bis 10 Minuten Zeitaufwand, was Haarentfernung angeht. Das finde ich akzeptabel
    – dagegen finde ich z.B. Vollbärte, Wildwuchs im Intimbereich, Haare auf dem Rücken bei Männern auch nicht sehr ansprechend. Soweit ich mich erinnern kann, war ich auch noch nie mit einem Mann im Bett, der nicht regelmäßig irgendeine Körperstelle rasiert oder zumindest die Haare dort gestutzt hat. Da es nun mal oft so ist, dass Männer stärkere Körperbehaarung haben, dürfte der zeitliche Aufwand größer sein als bei mir
    – natürlich entferne ich nicht allein meinetwegen die Haare, aber ich sehe es als Deal an und nicht als Notwendigkeit

    Generell denke ich aber auch, dass es jeder für sich selbst wissen muss.

  6. fancy sagt:

    Solche Personen/Artikel regen doch immer wieder zu denken an. Es ist zwar irritierend, dass sie einen Bart trägt, aber ich finde es nicht schlimm. Allerdings hat sie auch sonst ein sehr maskulines Gesicht und daher muss man doch zweimal hinschauen, um zu erkennen, dass es eine Frau ist. Ich finde es bewundernswert, wenn man es geschafft sich so zu akzeptieren, wie man ist und sich über Meinungen anderer stellen kann. Trotzdem werde ich mir weiterhin meinen Bart entfernen, obwohl er bei weitem nicht solche Ausmaße annehmen würde, wenn nicht, aber ich merke, dass ich mich mit nicht wohlfühle. Gleiches gilt für sonstige Körperbehaarung.
    Meine Meinung entspricht sonst ziemlich genau der von wondergirl und es sollte wirklich jeder für sich selbst entscheiden können, obwohl bei dieser Entscheidung das allgemeine Schönheitsideal eine nicht unwichtige Rolle spielt.

  7. kousheru sagt:

    das ist ein schöner bart :-)

    ich finde es auch schade, daß charlotte rche ihren damenbart nimmer trägt – das sah verdammt gut aus!

  8. freefeeling7 sagt:

    also, zum thema gepflegt: mir ist es auch wichtig dass mein potenzieller partner gepflegt ist, aber im sinne von waschen, auch haare schneiden etc.
    aber was ist zum beispiel an der normalen beinbehaarung einer frau/eines mannes unhygienisch?
    und ich kann mir auch kaum vorstellen dass es sich angenehmer anfühlt, wenn man über stoppeln streicht als wenn da halt kleine härchen sind, die ja kaum spürbar sind
    meine erfahrung ist nämlich, dass frau das enthaaren schon alle paar tage machen muss, damit es glatt bleibt, und das ist echt nervig
    wobei das sicher bei jeder anders ist

  9. FreeAsABeart sagt:

    Damenbart geht überhaupt nicht. Die wenigsten Fraun dürften auf Gynäkomastie abfahren, nehme ich an.

    „aber ich sehe es als Deal an und nicht als Notwendigkeit“???

  10. wondergirl sagt:

    @FreeAsABeart

    Würde mich der Zeitaufwand mehr stören als das ich das Bedürfnis hätte, Schönheitshandeln dieser Art durchzuführen, würde ich es lassen. So einfach.

  11. Christina sagt:

    Ich fand ja Tolstoi in der Hinsicht sehr interessant. In Krieg und Frieden gibt es eine Frau, die als sehr attraktiv gilt und zu ihren attraktiven Merkmalen zählt – ihr Damenbart! Wird dort immer wieder als die Männer entzückend erwähnt.

  12. Lune sagt:

    Ich habe aufgehört meinen zu bleichen (beim entfernen habe ich ähnliche Erfahrungen gemacht wie die Dame im Video ;-) ) und fange gerade an mich damit schön zu finden.
    Allerdings ist das was Leute bei mir als Damenbart beschimpfen (ich wurde lange deswegen gemobbt) eigentlich nur dunkler Flaum. Bei einem Mann würde man kaum von einem Bart reden.

  13. Jacob sagt:

    Sehr interessant und mutig!

    Interessant fand ich, dass die Frau sagt, dass sie oft anders sein wollte, also nicht Lehramt studieren, sondern eine Schreinerlehre machen, Schauspielerei, etc.
    Man könnte jetzt psychoanalytisch interpretieren, dass ihr der Bart gewachsen ist (sofern das erst ab einem bestimmten Zeitpunkt im Leben passiert ist), weil sie das tiefe Verlangen inne hat eine (ideologisch) männliche Freiheit auszuleben, also sich nochmal zu ändern, etc. Dinge, die in unserer Gesellschaft eigentlich nur den Männern gestattet sind (zumindest bei traditionellen Rollenbildern), die kriegen eine 2. Chance..

  14. tba sagt:

    @ Jakob: naja, als kleines mädchen habe ich mir auch immer einen bart gewünscht, aber ob mir deswegen jetzt als erwachsene einer wachsen wird?? wohl kaum

  15. Jacob sagt:

    @ tba:
    Es geht doch hier um einen unbewussten Prozess, sie wird nie gedacht haben: „Mensch, ich wäre lieber ein Mann, dann hätte ich mehr aus meinem Leben machen können“..