Unsere Gastautorin ist unter den Namen „Puzzle“ und „puzzlestuecke“ im Internet unterwegs und betreibt seit Dezember 2010 ihr privates Blog „Puzzlestücke„, in welchem sie ihre Gedanken – vorrangig zu den Themen Gender, Sexualität und Identität – niederschreibt.
Ha! Ich wollte schon immer mal einen Eintrag so betiteln. :) Und tatsächlich will ich auch über Brüste schreiben, allerdings nicht, wie toll sie sind, sondern darüber, dass mensch sie nicht nur mögen, sondern auch richtig »einpacken« sollte.
Brüste kommen in den vielfältigsten Formen vor – groß, klein, straff, weich, spitz, rund, hängend… es lässt sich in der Regel wenig daran ändern, zumindest nicht ohne hormonelle und/oder chirurgische Eingriffe. Das von den Medien und Wissenschaftler_innen zelebrierte Bild der »perfekten Brust« ist daher eher lästig, denn sie ist nur eine von vielen Brustformen, lässt aber (vor allem junge) Frauen oft an ihren eigenen Brüsten zweifeln.
Mir selbst ging es jahrelang genauso. Als Jugendliche bzw. Fast-noch-Kind war es mir super-peinlich, dass mein Körper plötzlich damit begann, vorher nicht dagewesene Dinge wie Brüste und Schamhaare wachsen zu lassen (zumal meine Mutter ständig darauf hinweisen musste, auch in Gegenwart von anderen). Da ich in diesem Alter leider ein nicht gerade positives Körpergefühl hatte, war dies der absolute Horror! Ich fing an, nur noch weite Hemden zu tragen und ging zwischenzeitlich sogar so weit, mir die Brüste abzubinden; letzteres hatte ich allerdings schnell wieder aufgegeben, weil es unbequem war und ich das in der Sportumkleide kaum hätte rechtfertigen können. In dieser wurde übrigens nicht selten über die Brüste aller Mädchen getuschelt, und gerade bei größeren Brüsten fielen schnell Begriffe wie »Hängetitten« oder »Pornomöpse« – letzterer vor allem, wenn jemand einen Schalen-BH oder gar Push-Up trug. Dazu später noch mal was.
Meine Mutter, pragmatisch und unsensibel, wie sie zu der Zeit noch war (heute ist sie toller <3), meinte irgendwann zu mir »Kauf dir doch mal ’nen BH!«, bot mir aber keine wirkliche Hilfe an. Ich kaufte mir also selbst Bustiers, dann bügellose BHs und später Bügel-BHs, von denen aber keiner so saß, wie ein BH eigentlich sitzen müsste – nur wusste ich das leider zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Tatsächlich habe ich das erst viele Jahre(!) später durch eine Freundin an der Uni erfahren, die als Einzige in meinem Freundinnenkreis wusste, auf was bei einem BH-Kauf geachtet werden muss – und auch nur, weil sie sehr große Brüste hat und ihr Gynäkologe sie darauf hingewiesen hatte.
Zu dieser Zeit hatte ich glücklicherweise schon viele nackte Körper gesehen und ein besseres eigenes Körpergefühl bekommen, sodass es mir nicht unangenehm war, mit einer kleinen Gruppe von Freundinnen zu einem Dessous-Fachgeschäft zu gehen. Wir ließen uns alle ausmessen und kippten fast hintenüber, als jeder von uns mitgeteilt wurde, dass wir unser bisheriges Leben lang für unsere Wünsche (nämlich, die Brust zu stützen und zu entlasten) völlig falsche BH-Größen getragen hatten. Wir stiegen alle in der Körbchengröße auf, und zwar beachtlich – ich selbst hatte ein »Upgrade« von 75C auf 70F, was mich im ersten Augenblick annehmen ließ, ich hätte »unnatürlich« große Brüste. Und das ist natürlich totaler Quatsch!!

Die Körbchengröße (also die Differenz zwischen Brustumfang und Unterbrust) sagt gar nichts über die Größe einer Brust aus, sondern nur, wie sie sich in Relation zum Brustkorb verhält! (Und wieso selbst das noch sehr vereinfacht ausgedrückt ist, zeigt diese bebilderte Erklärung sehr gut). Vorher hab ich einfach zu große Unterbrustbänder (die Zahl vor dem Buchstaben, wird bestimmt vom Umfang des Brustkorbes) getragen, sodass sich ein Teil der Brust quasi gar nicht IM Körbchen befand – nur deshalb »passten« diese BHs trotzdem.
Jedenfalls waren wir alle etwas schockiert (weil: damals noch unwissend), ließen uns aber weiter beraten und probierten gefühlte 50 BHs an. Anfangs gefiel mir das enge Gefühl um den Brustkorb nicht wirklich, aber mir wurde mitgeteilt, dass das Unterbrustband dazu da ist, die Brust zu stützen – und nicht die Träger, wie ich immer annahm; diese sind vor allem zum besseren Halt des BHs da (es gibt ja schließlich auch trägerlose BHs). Ich habe das mal grob skizziert (anklicken für größeres Bild):

In der Mitte abgebildet ist ein »Standard-BH«, wie ich gerne sage, also BHs der Größen 75B/C oder 80B/C – die Brüste sind darin zwar eingepackt und leicht gehalten, aber kaum gestützt, denn das Unterbrustband ist zu locker und daher nach oben gerutscht; die gesamte Last liegt auf den Trägern, also den Schultern. Rechts daneben ist ein angepasster BH, hier mit leicht gefütterten Körbchen (Schalen-BH), weil sie meiner Meinung nach besser stützen. Aber auch ohne gefütterte Körbchen ist es wichtig, dass das Unterbrustband parallel zum Boden verläuft und die Brust selbst dann gestützt wird, wenn mensch die Träger von der Schulter streift. Ein solcher BH sitzt gut, entlastet den Rücken (gerade bei großen Brüsten) und formt zudem eine schicke Büste. :) Zwar wirkt die Brust bei stützend sitzenden BHs oft größer, aber das liegt meist ja nur am Vergleich zu vorher, behaupte ich. Schalen-BHs vergrößern optisch noch einen Tick mehr, sind aber dennoch keine Push-Ups, denn diese sind noch einmal extra an bestimmten Stellen gepolstert.

Ich erwähnte den Push-Up daher, weil ich lange Zeit dachte, dieser – und auch formende Schalen-BHs – wären zum »Schummeln« erfunden worden… aber diese Einstellung kommt größtenteils daher, weil ich selbst meine Brüste verstecken wollte und weil ich das Gefühl habe, dass große Brüste in der Gesellschaft oft etwas Anrüchiges haben, woher auch die Porno-Assoziationen in der Schule herrührten. Dabei soll doch jede Person ihre Brüste so präsentieren (oder eben nicht), wie sie mag! Im Endeffekt ist es ja eh so, dass diejenigen, die mich nackt sehen, mich nicht aufgrund meiner Brustform mögen – hat sich auch noch keine_r beschwert. ;)
Ein weiterer »Vorteil« von Schalen-BHs sei auch noch genannt: darunter zeichnen sich nicht oder kaum die Brustwarzen ab, die bei einigen immer, bei anderen nur bei Kälte oder anderen Stimulationen hervortreten. (Ich habe »Vorteil« in Anführungsstriche gesetzt, weil ich es total bescheuert finde, dass auch dies oft tabuisiert oder lächerlich gemacht wird! Es sind Brustwarzen, verdammt noch mal! Ich mache ich doch auch nicht über Gänsehaut lustig!! Unsere Gesellschaft, ey…)
Jedenfalls waren wir alle nach dieser ersten großen Einkaufstour etwas baff, aber auch froh darüber, worauf wir in Zukunft achten sollten, damit ein BH zu unseren Körpern und Vorstellungen passt. Leider sind gute BHs ziemlich teuer (30 Euro sind eher selten, 50-70 Euro Standard, nach oben ist wie immer noch viel offen), doch BHs über Körbchengröße D oder mit schmalem Unterbrustband (z. B. 60) sind im regulären Handel leider oft nicht erhältlich. Solange viele Menschen mangels besserer Aufklärung die handelsüblichen »Standard-BHs« kaufen, wird dieser Teufelskreis wohl auch nicht aufbrechen… daher hoffe ich, dass ihr alle dieses Wissen weiterverbreitet, selbst wenn ihr selbst gar keine BHs tragt (viele Menschen mit Brüsten tun das aus den verschiedensten Gründen nicht, und keine_r sollte dazu gezwungen werden)! Inzwischen ist es mir auch nicht mehr unangenehm, bei Fragen zu sagen, dass ich eine 70F trage – denn wenn diese »großen« Größen tabuisiert werden, dann wird sich nie etwas an der Gesamtsituation ändern. Viel wichtiger ist es, so vielen Leuten wie möglich klarzumachen, dass »Standard-BHs« längst nicht mehr das Maß aller Dinge sind. Vielleicht kommen dann auch irgendwann auch günstige Läden wie H&M, Orsay, Pimkie & Co. auf den Trichter, andere BH-Größen ins Sortiment aufzunehmen, sodass mensch nicht spezielle (und oft teure) Läden suchen muss, von denen es selbst in Berlin – wo auf gefühlt jede 50. Person ein Schuhladen kommt – nur eine Handvoll existieren.
Hier noch ein paar nützliche Links:
- 007 Breasts (engl.)
Seite mit vielen Infos und Bildern zu Brüsten aller Art - Busenfreundinnen
Seite mit Forum zum Thema, wie mensch einen stützenden BH kauft (inklusive Beratung) - BraWiki der Busenfreundinnen
Übersichtliche Infos - drüber & drunter
Sehr informativer Blog zum Thema BHs, Brüste und Körper - »Bra Fit Video« der Firma Bravissimo (engl.)
Video, das zeigt, wie ein richtiger BH sitzen muss - enamora
Online-Shop, der BHs fast aller Hersteller anbietet, von halbwegs günstig bis teuer (leider Vorkasse, dafür viele Rabatte und kostenloser Versand) - Infolink: Brustbinder
Infos für Menschen, die ihre Brüste lieber nicht zeigen möchten und erste Infos zum Abbinden suchen
Aber der Weisheit letzter Schluss bleibt für mich trotzdem dies:


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