Einträge von Jayrôme


„Mehr als bloß Leichen in den Videos von ISIS“

22. Februar 2016 von Jayrôme

Am 14. Februar fand in Istanbul der erste Mr. Gay Syria-Wettbewerb statt. Organisiert wurde er vom  Journalisten Mahmoud Hassino, der „es satt hatte, dass syrische Queers bloß als Leichen in den Videos von ISIS oder als Opfer der Verbrechen des Assad-Regimes dargestellt werden“. Auch wollte Hassino mit dem gängigen Klischee des armen Geflüchteten brechen und „das Positive in den Vordergrund rücken: starke Menschen, die Talente haben, starke Menschen, die für etwas einstehen, die etwas können und wollen.“

Gegen vier andere Kandidaten setzte sich am Valentinstag der 23-jährige Hüseyin aus Aleppo durch.

Nun wurde eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um Hüseyins Teilnahme am Mr. Gay World-Wettbewerb zu unterstützen.

 

> Das Interview mit Mahmoud Hassino auf queer.de lesen 

> Jetzt die Crowdfunding-Kampagne unterstützen


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Fureur

8. Dezember 2015 von Jayrôme

Auf dem Spielplatz haben ein paar Kinder neongelbe Westen an, wie auf einer Baustelle, damit sie gesehen und nicht von der Rutsche überfahren werden
vielleicht.

Gefahr lauert überall
vielleicht
schnell das Wort
„Gefahr“
schnell
das Wort
„Krieg“ im Spiel
auch wenn uns dringend geraten wurde, semantisch abzurüsten.

Ich habe Angst vor unserer Angst.

Nach dem „Erdrutschsieg“
nach dem „Siegeszug“ des Front National
spalten das Land
Schock und Erschütterung.
Le choc et le choc.
Le Front National als „erste Partei Frankreichs“?
Meine Zähne aus Beton.
Ich verschränke die Augen.
Ich finde keine Vermutung
im Rechtwinkel des Auges
finde ich nichts.

Die Frische ist immer die Frische des Brotes der Anderen.
Auf dem Spielplatz hustet ein Baum Blätter aus.
Keine Sonne sticht mir in die Augen.
Ich will im Inhaus bleiben und
will heiße Schokolade trinken
und nicht in der Kälte mich nackthusten wie eine Eiche.

Es gibt zwei Arten von Menschen, sagte meine Oma,
diejenigen, für die (mehr …)


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Über die nicht-Homogenität der Trans*Kategorie, im Tod und in anderen Gewaltsformen

20. November 2015 von Jayrôme

João Gabriell ist Afrokaribier und Trans*männlich. Auf seinem Blog schreibt er über koloniale Kontinuität und ihre Verschränkung mit Gender und Class, hegemoniale Strukturen (Homonationalismus und Femonationalismus) sowie über die materielle Unterdrückung, der die Nachfahren von kolonisierten Menschen ausgesetzt sind, vor allem die, die im Bezug auf Gender zu Minderheiten gehören (in erster Linie Trans*Menschen).

Sein Text erschien anlässlich des TDoR 2014 und wird 2016 in einer längeren Version im Band Decolonizing Sexualities bei Counterpress erscheinen.

Übersetzung: Laurence Schnitzler und Jayrôme C. Robinet

***

Jedes Jahr am 20. November ist TDoR (Transgender Day of Remembrance). Dabei geht es darum, Trans*Menschen zu gedenken, die im Laufe des Jahres umgebracht wurden. In Frankreich werden zu diesem Anlass Mobilisierungen in verschiedenen Städten organisiert.

Über trans*diskriminierende Morde: Wer stirbt wirklich?

Die nicht-Homogenität der Kategorie „Trans*“ ist vor allem bei trans*feindlichen Morden zu spüren. In Frankreich ist es schwieriger, die Zahl dieser Morde zu kennen, da es einerseits schwer ist zu wissen, wie viele trans*Menschen es überhaupt gibt, vor allem diejenigen, die nicht die französische Staatsangehörigkeit haben. Andererseits gibt es keine so genannten ethnischen Statistiken, die bemessen würden, inwiefern ethnische Herkunft oder ethnische Zuschreibung mit anderen Faktoren verschränkt sind, die die sozioökonomische Diskriminierung von Migrant*innen und PoC mit französischem Pass beeinflußt. In den USA dagegen gibt es mehrere Studien, die ermöglichen, das Phänomen zumindest teilweise zu verstehen.

So fallen in folgender Studie des National Coalition of Anti-Violence Programs (NCAVP), die im Jahr 2013 erschienen ist, zwei Ergebnisse auf:

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IDAHOT* – Sollten homosexuelle und transgender Personen getrennt kämpfen?

15. Mai 2015 von Jayrôme

—- English version below —

 

PRO UND KONTRA, DAS  ‚T‘  AUS  ‚LSBT‘  ZU ENTFERNEN

Sollten homosexuelle und transgender Personen getrennt kämpfen?

Der 17. Mai ist der Internationale Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie (IDAHOT*). Das Datum erinnert an den 17. Mai 1990, jenen Tag an dem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität aus ihrem Krankheiten-Katalog strich. Bis heute aber führt die WHO transgender Identitäten als Störung auf.

Nicht nur aus diesem Grund plädieren einige transgender Aktivist_innen für eine Trennung von lesbischen, schwulen und bisexuellen Menschen auf der einen Seite und transgender Menschen auf der anderen. Sie möchten den Kampf lieber getrennt weiterführen.

Wir haben den Eindruck, dass die Inklusion des ‚T’s in den LSBT-Überbegriff im besten Fall verwirrend, im schlimmsten Fall nicht sehr hilfreich bei der Suche nach wirklicher Gleichberechtigung für transgender Personen ist.

sagt Frances Shiels, Vorsitzende des nordirischen transgender Vereins Focus: The Identity Trust. Und auch transgender Autor Lee Hurley erklärt, warum es Zeit ist, dass ‚T‘ aus LSBT zu entfernen.

Maria Sundin, die von 2010 bis 2013 Mitglied des geschäftsführenden Vorstands von Transgender Europe (TGEU) war, widerspricht:

Nicht getrennt von einander zu arbeiten, offen zu sein für alle Formen von trans und nicht-konforme Geschlechter-Identitäten und außerdem von der LGBTQI-Familie unterstützt werden – das war auschlaggebend für unseren Erfolg.

In diesem Text werde ich das Pro und Kontra, also die gängigen Argumente, die für oder gegen Transgender-Separatismus sprechen, auflisten.

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Heute erscheint „Das Licht ist weder gerecht noch ungerecht“!

23. März 2015 von Jayrôme
Dieser Text ist Teil 97 von 125 der Serie Die Feministische Bibliothek

 

Freude!

Ab heute ist das Buch Das Licht ist weder gerecht noch ungerecht, Verlag w_orten & meer, im Handel erhältlich. Theatermonolog trifft auf Spoken Word, Kurzgeschichte auf lyrische Prosa, Geschriebenes auf Gesprochenes. Komplettiert wird der Band durch eine Audio-CD mit einem Hörspiel von Bassano Bonelli Bassano und zusätzlichem Live-Material.

Ich hätte nie gedacht, dass ich ein Buch auf Deutsch je schreiben würde …
Oder vielleicht hat das Buch mich geschrieben? Denn meine Erstsprache ist das Schweigen. Meine zweite Sprache: Französisch. Und erst mit 17 habe ich Deutsch gelernt. Der Verlag sagt, meine Sprache wecke neue Bilder und eröffne durch kleine Verschiebungen des Ausdrucks neue Perspektiven. Ja. Ich glaube, es ist Zeit, der Sprache ihre Fehler zu verzeihen.

Zum Buch: Welche Ausdrucksformen gibt es für das kurze Glück und die lange grundsätzliche Verzweiflung, für Identitäten, die angeboten werden und doch immer nicht stimmen, für das Schweigen als Erstsprache, für die Wut über Trans-Diskriminierungen und für die Liebe, die nicht ein Gefühl ist, sondern ein Umgehen mit Menschen?

Ein Text- und Hörbuch für die Öffnung von Gender-, Sprach- und Ländergrenzen: poetisch, politisch, präzise.

Der Trailer ist von der französischen Filmemacherin Estelle Beauvais, mit Musik von Jef Guillon.


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Anna Grodzka als Präsidentin

16. Februar 2015 von Jayrôme

Am 13. Februar hat Anna Grodzka, polnische Abgeordnete und Gründerin von Trans-Fuzja, ihre Kandidatur bei den nächsten Präsidentschaftswahlen offiziell angekündigt. Seit 2011 sitzt Anna Grodzka im Parlament, zuerst als Mitglied der Palikot-Bewegung und seit 2014 bei der Grünen Partei Zieloni. Auf ihrem Programm: mehr soziale Gerechtigkeit, eine neue Energiepolitik und mehr Mitwirkung von Bürger_innen an politischen Entscheidungen. (dpa) 

Hier ein Interview, das ich 2012 mit ihr für die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit geführt habe, als ich Stipendiat der Villa Decius in Krakau war. Erstveröffentlichung auf jayromeaufdeutsch.

Anna Grodzka und Jayrôme C. Robinet

Anna Grodzka und ich, 2012 © Tomasz Korczyński

JAYRÔME C. ROBINET: Anna Grodzka, Sie sind seit Oktober 2011 als Abgeordnete der Palikot-Bewegung gewählt worden und haben das Amt im November angetreten. Können Sie nach 8 Monaten schon eine erste Bilanz ziehen?

ANNA GRODZKA: Ich kann sagen, dass ich tatsächlich von vielen Dingen überrascht bin, in einigen sehe ich mich dagegen bestätigt. Es hat sich mir bestätigt, dass die Politik eine unglaublich schwierige Angelegenheit ist, und dass man die Welt nicht so einfach verbessern kann, wie man es gerne würde. Das war mir vom Vorherein klar, aber ich hätte nicht vermutet, dass es noch so viel Arbeit im Parlament zu tun gibt. Ich schätze, davon bin ich überrascht.

J.C.R.: 2008 haben Sie den Verein Trans-Fuzja, eine Selbsthilfeorganisation für Transmenschen, gegründet. Rechtliche Anerkennung der Geschlechtszugehörigkeit gibt es in Polen seit den späten 1960er Jahren. Wiktor Dynarski, seit 2011 im Vorstand vom Verein Transgender Europe, hat eine Geschichte der Transgender Aktivismus in Polen seit 1989 geschrieben. In seiner Studie heisst es, dass der Aktivismus erst 2001 anfing. Können Sie kurz etwas dazu sagen?

A.G.: Ab dem Jahr 2001 begann sich die LGBT-Bewegung in Polen tatsächlich ernsthaft zu entwickeln. Außerdem taten sich noch andere Dinge in Zusammenhang mit Transpersonen. Zunächst entstanden Internetportale, die begannen Menschen um sich zu sammeln und dann Organisationen, die sich um LGBT kümmern sollten, somit auch um Transmenschen, wobei der Hauptschwerpunkt eher auf die Situation von Homosexuellen gelegt wurde. Mit anderen Personen hat sich damals niemand besonders auseinandergesetzt. Erst mit der Entstehung von Trans- Fuzja, die übrigens mit großer Freude von den beiden anderen großen Organisationen, Lambda und KPH, aufgenommen wurde und ihrerseits viel Unterstützung und Hilfe bekam, begann sich der Einsatz für die Rechte von Transpersonen ernsthaft zu entwickeln. (mehr …)


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Fahrverbot für Trans*Personen?

12. Januar 2015 von Jayrôme

Am 6. Januar 2015 hat Russland eine Verordnung verabschiedet, die dazu führt, dass u.a. Trans*Menschen keine Führerscheinprüfung mehr ablegen dürfen.
Hier mein Kommentar dazu.

***

Update vom 14. Januar 2015 – hier die deutsche Transkription vom Video:

Fahrverbot für Trans*Personen?

Sollen Transgender, Transexuelle, Transvestisten und dazwischen und darüber hinaus Auto fahren dürfen?

Das ist die Frage, die sich die russische Regierung gestellt hat.

Und so: Anfang Januar hat Moskau eine Verordnung verabschiedet, die ein Fahrverbot unter anderem für Trans*Menschen bedeutet.

Denn laut internationalen Krankheitskatalogen leiden Trans*Leute an Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen.

Klar, Menschen wollen sicher fahren, ich meine sicher wollen sicher Leute sicher fahren, wir brauchen sichere Straßen und einen sicheren Verkehr.

Wenn ihr glaubt, Unfälle seien auf mehrere Ursachen zurückzuführen, wie zum Beispiel:
überhöhte Geschwindigkeit, Reifendefekt, Ermüdung, Alkohol, schlechte Sicht, rutschige Böden
… habt ihr euch geirrt.

Die meistens Verkehrsunfälle werden von Transvestiten verursacht, die am Steuer ihren Lippenstift im Innenspiegel auflegen, von Trans*Männern, die beim Fahren ihre Krawatte wieder zurechtmachen, von Transsexuellen, die mit ihrer Wahnvorstellung, einem anderen Geschlecht zuzugehören, so beschäftigt sind, dass sie an nichts anderes mehr denken können – wie sollen sie sich auf die Straße konzentrieren ?

Um Missverständnisse zu vermeiden:
1. Das Autoverbot gilt nur, wenn eine offizielle Diagnose vorliegt. Conchita Wurst darf weiter fahren.

2. Das Fahrverbot gilt nicht nur für Trans*Leute. Auf der Liste der neuen medizinischen Einschränkungen für eine Fahrerlaubnis stehen u.a. auch krankhaftes Glücksspiel, zwanghafter Diebstahl oder Fetischismus …

Interessant. Wenn Fetischismus ein Grund ist, warum Menschen nicht Autofahren dürfen, wird es viele hart treffen, wo doch für viele, die ein Auto besitzen, den Wagen selbst zu einem Fetisch wird.

Laut Statistik ereignet sich jeder vierte Unfall – Autounfall – in Russland aufgrund
schlechter Straßen, Alkohol und Unachtsamkeit der Fußgänger*innen.

Klar, das ist teuer, die Straßen zu verbessern. Teuer, Anti-Alkohol-Kampagnen zu machen. Und mehr Achtsamkeit kostet mehr Zeit für Fußgänger*innen.

Viel effektiver ist, bestimmte Bevölkerungsgruppen vom Lenkrad fernzuhalten.

Das Problem ist: Aus Angst vor einem möglichen Fahrverbot werden … könnten einige Menschen vermeiden, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Schade bei Glücksspielsucht oder zwanghaftem Diebstahl.

Für Trans*Menschen sieht es folgendermaßen aus:
Laut ICD, d.h. Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, die von der Weltgesundheitsorganisation herausgegeben wird, leiden wir wie gesagt an Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen.
In den meisten Ländern werden wir zur Diagnose gezwungen, um Hormone zu bekommen. Oder um eine Personenstandsänderung zu vollführen.

Trans*Menschen werden strukturell benachteiligt: auf dem Arbeitsmarkt, auf dem Wohnungsmarkt, im Gesundheitswesen, im Bildungswesen … Jetzt sollen sie auch noch nicht mehr fahren dürfen? Zu Hause bleiben? Super. So können sie sich prima um die Kinder kümmern. Nur schade, dass Trans*Leute in Russland keine Kinder kriegen dürfen, da für die Personenstandsänderung immer noch gesetzlich vorausgesetzt wird, dass ein Mensch zwangssterilisiert wird.

Also. Inwiefern beeinflusst Gender-Identität die Fähigkeit eines Menschen, ein Auto sicher fahren zu können?

Und macht es überhaupt Sinn, das Geschlecht auf dem Führerschein und sonstigen Ausweisen zu vermerken?

Sogenannte „Geschlechtsidentitätsstörungen“ müssen ersatzlos aus Krankheitskatalogen gestrichen werden.


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Bald stehe ich im Lichtstrahl der Augen meiner Eltern

19. Dezember 2014 von Jayrôme

Jayrôme C. Robinet ist freier Autor und Spoken Word-Künstler. Gender fluid mit Variationshintergrund, weiß, wird in Deutschland meistens als Person of Color gelesen, Akademiker aus einer bildungsbürgertumsfernen Familie und besitzt die französische Staatsbürgerschaft. Auf Jayrômes Blog veröffentlicht er Gedichte, Analysen und Gedanken in schriftlicher und audio_visueller Form in französischer, deutscher und englischer Sprache.

Weihnachten kann eine ziemlich schwere Zeit sein, z.B. wenn die Erstfamilie nicht mehr da ist – aus welchem Grund auch immer. Da darüber hinaus Liebe und Akzeptanz nicht immer selbstverständlich sind, wird es in diesem Video zelebriert. Dies gilt aber nicht nur für die elterliche Liebe sondern darüber hinaus auch für das Ankommen in der Wahlfamilie.

Video in deutscher Lautsprache mit englischen Untertiteln. Darunter findet ihr die deutschsprachige Transkription des Textes.

Regie: Estelle Beauvais
Musik: Jef Guillon

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Es ist Zeit, Realität als real zu betrachten

27. November 2014 von Jayrôme

Jayrôme C. Robinet ist freier Autor und Spoken Word-Künstler. Gender fluid mit Variationshintergrund, weiß, wird in Deutschland meistens als Person of Color gelesen, Akademiker aus einer bildungsbürgertumsfernen Familie und besitzt die französische Staatsbürgerschaft. Auf Jayrômes Blog veröffentlicht er Gedichte, Analysen und Gedanken in schriftlicher und audio_visueller Form in französischer, deutscher und englischer Sprache. Der nachfolgende Text ist ein Crosspost

(c) Kasia Matejczuk

(c) Kasia Matejczuk

Sehr geehrte Dr. habil. Heike Diefenbach und Michael Klein,

Sie haben einen Brief  an die Humboldt Universität und an den Berliner Senat für Bildung, Jugend und Wissenschaft verfasst: « Profx Lann Hornscheidt von der Humboldt-Universität entfernen ».

Lann Hornscheidt, Profx für Gender Studies und Sprachanalyse am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin, sei mit sofortiger Wirkung von der Universität auszuschliessen.

Warum?

Weil Lann Hornscheidt unterschiedliche Möglichkeiten entwirft, Sprache so zu verändern, dass Sprachhandlungen nicht diskriminierend sind. Weil Lann Hornscheidt praktische Vorschläge für geschlechtsneutrale Formulierungen macht, die Alternativen zum binären System bieten.

So z.B. die x-Form statt der herkömmlichen „er“ und „sie“, oder die x-Endung eines Wortes statt der üblichen gegenderten Wortendung.

Das haben Sie sicherlich im Leitfaden der AG Feministisch Sprachhandeln der Humboldt-Universität zu Berlin nachgelesen: “Was tun? Sprachhandeln – aber wie? W_Ortungen statt Tatenlosigkeit. Anregungen zum antidiskriminierenden Sprachhandeln”, der im Frühjahr 2014 erschienen ist.

Sie schreiben, dass Lann Hornscheidt dabei nicht nur eine wissenschaftliche Position missbraucht, um den eigenen Spleen auszuleben, sondern auch « eine verbale Vergewaltigung harmloser Studenten durchführe, die zur Sprach-Konformität mit Lann Hornscheidt gezwungen und auf diese Weise der normalen Welt entfremdet werden ».

Ertens: Der V*rg*w*lt*g*g-Vergleich ist, gelinde gesagt, sehr problematisch. Oder wenn Sie wollen: ziemlich unwissenschafltich.

Zweitens: Ich fürchte, dass es sich da um ein kleines Missverständnis handelt.

Lassen Sie uns dieses bedauerliche Verständnis-Versehen ausräumen.

Bei der x-Form handelt es sich nur um einen Vorschlag, wie Lann Hornscheidt der FAZ erklärt:

Ich hänge aber nicht an der x-Form. Wenn andere Leute andere Vorschläge haben, freue ich mich darüber. Ich teile auch viele Kritikpunkte, zum Beispiel, dass diese Form nicht schön ist.“ Es müsse jedoch möglich sein, dass Menschen, die sich nicht als Männer oder Frauen fühlen, dies sprachlich ausdrücken können. Hornscheidt betont außerdem, dass es überhaupt nicht darum gehe, Geschlechter abzuschaffen. „Ich halte das weder für sinnvoll, noch steht es in meiner Macht. Aber natürlich fordert es Menschen heraus, wenn sie lernen, dass es auch noch etwas anderes als Frauen und Männer gibt. Ich verstehe auch, dass sie das erschreckt. Aber das kann doch auch spannend sein. Für mich fehlt dieser Gesellschaft die Bereitschaft, Differenzen stehen zu lassen.

Gute Nachricht

Folgendes möchte ich Ihnen feierlich ankündigen:

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„Kannst du dich an den Tag erinnern, an dem du verstanden hast, dass du von Rassismus profitierst?“

13. November 2014 von Jayrôme

Jayrôme C. Robinet ist freier Autor und Spoken Word-Künstler. Gender fluid mit Variationshintergrund, weiß, wird in Deutschland meistens als Person of Color gelesen, Akademiker aus einer bildungsbürgertumsfernen Familie und besitzt die französische Staatsbürgerschaft. Auf Jayrômes Blog veröffentlicht er Gedichte, Analysen und Gedanken in schriftlicher und audio_visueller Form in französischer, deutscher und englischer Sprache.

Das nachfolgende Video und der Text – „An allen Ecken“ – sind eine Hommage an „Cornered“ von Adrian Piper. Mit diesem Installationsprojekt forderte Piper rassistische Blickregime heraus und thematisierte Fragen von Identität, Zugehörigkeit und Verwandtschaft im Kontext von Rassismus. Die Videos sind aufgrund von Urheberrechten nicht mehr auf Youtube zu finden. Hier könnt ihr eine Transkription von „Cornered“ nachlesen.

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