Über die „Kampagne zur Senkung der Kaiserschnittrate in Deutschland“
7. August 2012 von AnnaEnde Juni startete eine vom „Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V.“ (AKF) initiierte „Kampagne zur Senkung der Kaiserschnittrate in Deutschland“, der Anstoß ging aus vom Runden Tisch „Lebensphase Elternwerden“. Dieser veröffentlichte eine Stellungnahme zu Kaiserschnittgeburten, mit der Forderung, die Kaiserschnittrate in Deutschland auf ein „medizinisch notwendiges Maß“ zu senken.
Nele Tabler, deren beide Kinder Anfang der Achtziger mittels Kaiserschnitten zur Welt kamen, reagierte auf diesen Aufruf mit einem wütenden Blogtext. Wir haben mit Nele gesprochen und sie gefragt, warum sie mit der Kampagne des AKF unzufrieden ist und was sie sich stattdessen wünschen würde.
Nele, warum hat dich der Aufruf des AKF so geärgert?
Darüber habe ich selbst ein paar Tage nachdenken müssen und ich muss dafür ein bisschen ausholen.
Ein Nebenprodukt der Frauenbewegung in den Siebzigern ist die so genannte „sanfte Geburt“ gewesen. Weg mit der Herrschaft der vorwiegend männlichen Ärzte über gebärende Frauen, zurück zu den „weisen Frauen“, den Hebammen.
All das lief darauf hinaus, dass Kinder sanft geboren und ewig gestillt werden sollten und es irgendwie immer das Problem der Frauen war, wenn etwas davon nicht funktionierte. Die Frauen nicht entspannt genug waren, sich nicht so gut/intensiv vorbereitet hatten, wie es ihnen empfohlen worden war. Sie ihre unbewussten Ängste nicht richtig bekämpft hatten und was weiß ich noch alles.
Aber bei manchen hat das mit der „sanften Geburt“ doch sicher geklappt und zu schöneren Geburtserlebnissen geführt?
Alle Frauen, die ich kannte, alle Verfechterinnen der sanften Geburt, alle von der Theorie überzeugt, haben dann in der Praxis „versagt“. Eine Frau warf ihren Mann irgendwann aus dem Kreißsaal, nachdem er versucht hatte, mit ihr korrekt nach Lehrbuch zu atmen. Jahre später bezeichneten beide dieses Ereignis als den Punkt, an dem ihre Beziehung den ersten irreparablen Knacks bekam. Sie fühlte sich von ihm und der Hebamme regelrecht terrorisiert, während er die Welt nicht mehr verstand.
Ich war auch von den sanften Geburten überzeugt gewesen, u.a. weil ich beruflich und in der Verwandtschaft viel „Ärztemurks“ gesehen hatte. Doch nachdem das erste Kind bereits drei Wochen „übertragen“ war, die Herztöne „komisch“ wurden, all die Hausmittelchen, die Hebammen empfahlen, keinerlei Wirkung zeigten, blieb nur noch die Wahl, zwischen künstlicher Einleitung mit der Gefahr von Zange oder Saugglocke oder ein Kaiserschnitt.
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