Ach scheiß drauf!

von Verena

Vielleicht sollte das mal gesagt werden: Wenn ich hier über „wilde Mädchen“ schreibe, dann meine ich oft weder entfesselte Amazonen noch wutschnaubende Riotgirls. „Wild“ sind manchmal schon die Frauen, die die allgemein anerkannten Regeln in Aussehen, Auftreten oder Verhalten nicht erfüllen. Die eben nicht dem entsprechen, was von Frauen oft erwartet wird, schlank zu sein oder Contenance zu bewahren.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Gemma Arterton, das aktuelle Bond-Girl aus „Ein Quantum Trost“ erschien jetzt bei einer offiziellen Veranstaltung mit einigen Pfunden mehr auf den agentenerprobten Hüften. Spiegel.de zitierte die „Daily Mail“

Arterton habe ob der Trennung von ihrem Ex-Freund wohl in der „altbewährten Art und Weise“ Aufmunterung gesucht, und „einem Bottich Eiscreme, oder zwei“ verdrückt.

Als Ergebnis sah das britische Yellow-Paper statt kokettierender Taille ein – für eine Bondsche Bettgefährtin – No-Go-Doppelkinn.

Nach Kate Winslets Gewinn zweier Golden Globes meldete Perlentaucher.de mit Bezug auf Jezebel.com die Reaktionen der britischen Presse auf die Dankesrede der ausgezeichneten Schauspielerin.

Die britische Presse hat Kate Winslet für ihren Auftritt bei den Golden Globes geschlachtet: „Bei dieser Rede hätte sich sogar ein Kadaver vor Peinlichkeit gekrümmt“. Die englische Schauspielerin war mit zwei Globes ausgezeichnet worden und geriet darüber in, ähm, Erregung (Videos bei Youtube). Der Guardian war angeekelt, die Times hielt sie für beschwipst, und der Independent forderte eine Entschuldigung von Winslet

Über die dritte im Bunde, Rachida Dati und ihre „Rückkehr“ in den Job, wenige Tage nach der Entbindung ihres Kindes, haben wir hier an anderer Stelle schon diskutiert.

Aber auch wer nicht neben 007 schläft, Golden Globes einheimst oder ein Justizministerium führt, muss sich bisweilen ein Feuerwerk aus Häme, Geschmacklosigkeiten oder Vorurteilen um die Ohren knallen lassen. Egal ob im Job, im Freundeskreis oder der Familie, immer wieder stolpern wir über die an uns gestellten Erwartungen und geben oft genug klein bei, wenn uns deshalb ein Contra droht. Dann, wenn wir nicht der Norm entsprechen, eine unpopuläre Meinung vertreten oder in irgendeiner Form „überreagieren“. Statt konstruktiv zu kritisieren, wird unser Gegenüber unsachlich, grob und verletzend, während wir wie gejagte Hasen rechtfertigende Haken schlagen. Am Ende sind wir wahnsinnig aus der Puste und trotzdem kein Stück weiter. Unsere eigentlichen Fähigkeiten und die Inhalte, um die es uns geht, spielen dann nur noch eine geringfügige Rolle, wenn sie nicht sogar ganz auf der Strecke bleiben. Schließlich haben wir gefälligst gefällig zu sein.

Aber pah, scheiß drauf, sollen wir doch aussehen, wie wir wollen oder es die Umstände nun mal gerade erfordern, sollen wir doch rumflennen und sentimental werden, wenn unser Herz überquillt, gehen wir doch ein paar Tage nach dem Kreissaal wieder arbeiten oder eben nicht! Egal ob als öffentliche Person oder im privaten Alltag, tun wir doch einfach das, was wir wollen!




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 28. Januar 2009 um 13:14 Uhr unter Körper, Medienkritik. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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15 Kommentare

  1. resa resenstiehl sagt:

    ja wirklich, immer wieder werden frauen nur auf den körper reduziert, über den dann geurteilt wird.

  2. Matze sagt:

    Frauen widersprechen Rollenerwartungen, wenn sie „rumflennen“?

    Hmmm … *sich frag, was an dem Satz merkwürdig erscheint*

  3. felix sagt:

    Schön gesprochen Verena!

  4. Erna sagt:

    es geht glaub ich mehr darum dass sie vor der kamera dabei gefälligst gut aussehen sollten, matze…

  5. Patricia sagt:

    Aber sind es nicht oft ausgerechnet Frauen, die über anderer Frauen Figurprobleme reden?

  6. Lini sagt:

    @Patricia: eher sind es AUCH Frauen. Und da können wir alle mit gutem Beispiel vorangehen… aber es sind NICHT NUR Frauen. Vielleicht haben einige Männer sogar etwas weniger Skrupel, sowas zu machen. Es fehlt das drohende „das könnte mir auch passieren“! Zumindest habe ich manchmal diesen Eindruck.

  7. Miriam sagt:

    Ist es nicht vollkommen egal, ob nun Frauen oder Männer diese Erwartungen an frauen stellen? Dass nicht alle Frauen Feministinnen sind, sollte ja wohl klar sein und dass auch sehr viele Frauen bestimmte Rollenerwartungen zementieren auch… Egal wer, ich möchte frei von solchen Erwartungen leben können und wie wir hier ja schon oft lesen konnten, gibt es auch einige Männer, denen es gehörig stinkt, welche Rollenerwartungen an sie gestellt werden…

  8. Matze sagt:

    Und dann gibt es noch diejenigen, die befürchten, dass zukünftig die Rollenerwartung an sie gestellt wird, den traditionellen Rollenerwartungen nicht mehr zu entsprechen, und der Freiheitsgewinn Zero ist.

  9. Miriam sagt:

    Sowas nennt man pessimismus und ist in Verbindung mit vermeintlich hellseherischen Fähigkeiten Quatsch…

  10. Matze sagt:

    Ich habe in diesem Blog schon einmal festgestellt, dass es unterschiedlich bewertet wird, ob ein Mann seine Karriere opfert (positiv), um sich um die Kinder zu kümmern, oder ob eine Frau das tut (negativ). Als Antwort kam die Begründung, dass der Mann damit Rollenerwartungen zuwider handelt und die Frau Rollenerwartungen entspricht.

    Von daher …

  11. Miriam sagt:

    Ich schrieb „frei von Rollenerwartungen“ egal ob heutige oder zukünftige, von daher ist und bleibt dein Statement für mich Quatsch…

  12. Kathos sagt:

    Ich sehe das ähnlich. Es ist vollkommen egal, wer an wen Rollenerwartungen stellt.

    Bestimmte Menschen stellen an andere Menschen bestimmte Rollenerwartungen.

    Wenn man im Rampenlicht steht hat man gefälligst gefällig zu sein oder wird verrissen, unabhängig davon ob man Mann oder Frau ist. Ich denke gerade daran, was ich in meiner GMX-Zeit so alles über Fettringe bei Di Caprio und Britneys Saufeskapaden lesen musste (steht ja immer ganz oben). Das Prinzip ist Boulevard und nicht Frau oder Mann. Insofern hätte man den Artikel auch weniger einseitig schreiben können, ansonsten… leider nichts Neues.

  13. Kathos sagt:

    Mit dem „Ich sehe das ähnlich“ bezog ich auf den Kommentar von Miriam.

  14. Schnatterinchen sagt:

    Wahrscheinlich sollte man Promis und Nichtpromis unterscheiden. Promis zahlen einen Preis für ihr Exponiertsein. Und der Preis lautet: Man ist bis zu einem gewissen Grade Freiwild für die Lästermäuler dieser Welt. Ist man ein cooler Promi, geht einem das am Promi-A… vorbei.

    Nichtpromis dagegen zahlen andere Preise. Zum Beispiel für ihre mangelnden Fähigkeiten, sich bei anderen Menschen Respekt zu verschaffen:

    „Statt konstruktiv zu kritisieren, wird unser Gegenüber unsachlich, grob und verletzend, während wir wie gejagte Hasen rechtfertigende Haken schlagen.“

    Ein bisschen wählerischer sollte man schon sein bei der Auswahl derer, die einen kritisieren dürfen!

  15. access denied sagt:

    „m übrigen: Richtig angewandt haben wir heute meiner Meinung nach das gesündeste Schönheitsideal aller Zeiten.“
    Es ist schon immer ein Trugschluss gewesen, dass dicksein ungesund heissen muss
    „Seit wann darf man nicht mehr über Hollywoodstars lästern, die sich daneben benehmen? “
    Hast Du nichts besseres zu tun, als über Leute, die Du gar nicht kennst und die Null Bedeutung haben, zu lesen und zu „lästern“.
    Globale Dorfmentalität nenn ich das mal

    „Ich habe in diesem Blog schon einmal festgestellt, dass es unterschiedlich bewertet wird, ob ein Mann seine Karriere opfert (positiv), um sich um die Kinder zu kümmern, oder ob eine Frau das tut (negativ). Als Antwort kam die Begründung, dass der Mann damit Rollenerwartungen zuwider handelt und die Frau Rollenerwartungen entspricht.

    Von daher …“
    Ich glaube, dass Du das einfach nicht so ganz raffst. Erster Fall: Auflösung überkommener Strukturen
    Zweiter Fall: Beibehaltung überkommener Strukturen
    Erstes: positiv
    Zweites: negativ