365 Mal Sex

von Susanne
Dieser Text ist Teil 28 von 130 der Serie Die Feministische Bibliothek

Dieses Buch beginnt mit einem Geburtstagsgeschenk: Charlas Mann wird 40, und sie schenkt ihm ein Jahr lang Sex mit ihr. Jeden Tag. Wenn er will.

Und da fängt die Aufklärungsreise der Autorin Charla Muller schon an. Denn ihr Mann ist nicht – wie sie erwartete – uneingeschränkt happy über das Geschenk, sondern bittet um Bedenkzeit, ob er wirklich jeden Tag Sex haben will. Charla ist kurz geschockt, war sie doch davon ausgegangen, jeder Mann wolle stets und rund um die Uhr Sex und eigentlich auch egal mit welcher Frau. Ihr Mann klärt sie auf, dass dem nicht so sei, und so hat die kreative Schenkerin schon am Tag 1 ihres Experiments etwas dazugelernt.

Es folgen 364 weitere Tage,von denen Charla Muller in „365 Nächte. Ein intimer Erfahrungsbericht“ erzählt. Als ich von ihrem Selbstversuch und dem Buch darüber gehört habe, wollte ich es sofort lesen, denn vermutlich würde jede_r von uns unfassbar viel lernen, würden wir ein Jahr lang jeden Tag Sex haben – über uns selbst, unsere_n Partner_in, über unsere Körper, unsere Gelüste.

Leider – und das ist der große Schwachpunkt des Buches und irgendwie auch des Experiments – startet Charla Muller an einem sehr unaufgeklärten, um nicht zu sagen: verklemmten Punkt. Im Laufe des Jahres werden sie und ihr Mann es gerade mal schaffen, ihre Gedanken in Bezug auf Sex auszutauschen – von Experimenten oder ausgefallenen Wünschen sind die beiden dagegen Lichtjahre entfernt. Es geht vor allem um das Hinterfragen der eigenen Vorstellungen von Sex, und die sind bei Muller einfach gestrickt, nämlich: Männer wollen und können immer, Frauen drücken sich lieber um Sex, Spaß hat vor allem der Mann, eine Frau kann beim Sex auch einfach mal so daliegen und abwarten, dass es vorbei geht. Das sei bei ihr so und bei all ihren Freundinnen auch, schreibt Muller. Das macht aber das Lesen an vielen Stellen frustrierend.

ANDERERSEITS: Werden genau diese Vorurteile, die Muller dem Sex, Männern und Frauen gegenüber hegt, dann im Laufe des einen Jahres auch ordentlich durchgerüttelt. Sie und ihr Mann sprechen – scheinbar zum ersten Mal – ernsthaft über ihr Sexleben und überraschen sich dabei gegenseitig. Und sie stellt fest – was sich als Quintessenz des ganzen Buchs lesen lässt–: Sex sollte man nicht auf morgen verschieben, sondern lieber gleich haben.

Erschienen bei Kein & Aber, Zürich 2009. 272 Seiten, 16 Euro 90.

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27 Kommentare

  1. Steve, the pirate sagt:

    Es ist schon der Wahnsinn wieviele Frauen ihre eigene sexuelle Lust total verleugnen.

  2. jj sagt:

    „Sie und ihr Mann sprechen – scheinbar zum ersten Mal – ernsthaft über ihr Sexleben und überraschen sich dabei gegenseitig“

    Und das wäre so eine wichtige Debatte, nicht nur im Privaten. Leider ist der Zeitgeist da nicht so ideal für im Moment…

  3. Marcel sagt:

    „Und das wäre so eine wichtige Debatte, nicht nur im Privaten. Leider ist der Zeitgeist da nicht so ideal für im Moment…“

    Dann formen wir den Zeitgeist einfach um.

  4. Marcel sagt:

    Schade: Das Thema wäre so ergiebig- doch es scheint tatsächlich niemanden zu interessieren.

    Warum eigentlich?

  5. Miriam sagt:

    Hm, Zeitgeist umformen… Empfinde ich als äußerst schwierig. Ich nehme häufig kein Blatt vor den Mund und plaudere auch gerne mal beim Mittagessen ein wenig über Sex. Bei manchen Kollegen kommt dies an, bei anderen weniger. Konsequenz: Die, bei denen es ankommt, plaudern mit mir, aber das bedeutet nicht, dass sie generell offener über Sex reden, ich hab das Gefühl, dass sie nur mir gegenüber etwas offener sind. Bei denen, die meine Offenheit nicht so sehr schätzen, erfolgt meist gar keine Reaktion, denn selbst eine ablehnende Reaktion scheint diesen Menschen beim Thema Sex unangenehm. Alles in allem habe ich nicht das Gefühl, dass ich durch meine eigene Offenheit beim Thema Sex eine größere Offenheit meines Umfeldes fördere…

  6. Steve, the pirate sagt:

    “Sie und ihr Mann sprechen – scheinbar zum ersten Mal – ernsthaft über ihr Sexleben und überraschen sich dabei gegenseitig”

    Dabei ist doch Kommunkation das wichtigste für guten Sex, finde ich. Der Partner kann ja keine Gedanken lesen.

    Allerdings kenne ich auch Leute, die nicht über solche Sachen mit ihrem Partner reden, weil sie finden, dass man sonst Sex „zerredet“ und dem Sex seinen Reiz nimmt.

    Ich selbst hatte lange damit Probleme zuzugeben, dass ich auch einfach mal so Lust auf Sex habe, weil ich es eben auch so kenne, dass hauptsächlich Männer nur Sex wollen bzw. Frauen nur dann auch Sex wollen, wenn sie „heiß“ gemacht werden.

  7. Steve, the pirate sagt:

    „Bei denen, die meine Offenheit nicht so sehr schätzen, erfolgt meist gar keine Reaktion, denn selbst eine ablehnende Reaktion scheint diesen Menschen beim Thema Sex unangenehm. “
    @Mariam: Ich denke, dass die Leute wohl Angst davor haben als prüde da zu stehen.

  8. Miriam sagt:

    Ja, vermute ich auch, dass es dieser seltsame widerspruch ist, einerseits entspricht es nicht dem Zeitgeist, über Sex zu reden, aber andererseits ist sex so allgegegenwärtig, dass es ja nicht sein kann, dass man darüber nicht sprechen möchte.

    Und auch deshalb konfrontiere ich meine Umwelt immer wieder mit diesem Thema, weil ich der Meinung bin, dass beides okay ist, offen drüber sprechen, aber auch klar zu sagen, dass dieses Thema etwas sehr intimes ist, was man nicht mit „Hinz und Kunz“ teilen möchte. Ich stimme da Marcel sehr zu, dass es ein sehr ergiebiges Thema ist.

    Und ich finde es frappierend, dass ein Ehepaar so wenig in Kontakt miteinander zu sein scheint, dass sie nicht voneinander wissen, was ihre sexuellen Bedürfnisse sind, sondern scheinbar einfach nur von dem geleitet werden, was als Stereotype in der Gesellschaft so vorhanden ist. Natürlich ich es schöner, Sex mit dem Partner zu haben als mit ihm/ihr darüber zu reden, aber wenn wir alle manchmal etwas offener, wenn auch abstrakt, über unsere sexuellen Bedürfnisse im Freundeskreis reden würden, dann kämen wir vielleicht auch weg von der Vorstellung, dass Männer immer wollen und Frauen verführt werden möchten…

    Von daher betrachte ich meine offenen Statements im Kollegen-/Freundeskreis durchaus auch als etwas politisches/gesellschaftskritisches, mit dem ich vielleicht das Bild der Frau als die zu verführende ein wenig verschiebe. Aber viel Feedback bekomme ich dabei nicht…

  9. Steve, the pirate sagt:

    Vor einiger Zeit habe ich mal mit Bekannten über Sex geredet und da kam von mir auch die Aussage, dass ich durchaus auch Kuschelsex super finden. Sofort kam von ein paar die Antwort, dass ich doch voll prüde sei, weil Kuschelsex doch langweilig und fad und spießig sei.
    Natürlich hat sich dann nieman mehr getraut sich als Kuschelsexfan zu outen.
    andererseits werden dann Leute, die auf richtig krasse Sextechniken stehen auch wieder schief angeschaut.

    Ja, der Umgang mit Sex ist ecth total paradox.

  10. Anna sagt:

    Ich hab vor ein paar Wochen auf Radio Eins diesen Beitrag zu dem Buch gehört (runterscrollen, Sendung vom 10. Mai – hätte ich auch mal früher drauf kommen können, das online zu suchen!).
    Auszug: „Ich hab selten ein Buch gelesen, bei dem ich bei jeder Seite dachte, ich will nicht mehr […] Das Männer- und Frauenbild, das produziert wird ist voller Klischees. […] Wenn Frauen wirklich so wären, dann hätte ich – als Hetero – lieber einen Mann.“

  11. AnKa sagt:

    Die sind 8 Jahre verheiratet, sagen wir mal +2 Beziehung vorher UND die beiden haben keine Ahnung von den sexuellen Wünschen ihres Partners??

    Ach du schande, und im nächsten Jahr entdeckt sie, dass ihr Mann lieber Rot- als Weißwein mag?

    Auch wenn ich mein sexleben ja nicht jedem im Detail erzählen möchte, zumindest in einer Partnerschaft muss Offenheit, auch sexuelle ein Grundpfeiler sein.

    Schlimm finde ich auch, wenn sie Sex anscheinend als Pflicht oder Last sieht, aber dann ihrem Mann täglich zur Vefügung sein will.*grusel*

  12. shein sagt:

    Interessante Buchkritik in der jungle world, in der auch aus dem Buch zitiert wird:

    365 Mal einfach so daliegen
    http://jungle-world.com/artikel/2009/11/33004.html

    „Ich liege im Bett und lese. Brad kommt ins Zimmer. Ich seufze, lege das Buch zur Seite und mache mich bereit, was bedeutet, dass ich einfach daliege. (…) Er seufzt. ›Könntest du nicht wenigstens so tun, als ob du Lust darauf hättest? Ich meine, könntest du mich nicht ein bisschen verführen?‹ Anstrengen? Verführen? (…) Nun habe ich 354 Tage hintereinander mit ihm geschlafen und plötzlich will er verführt werden? ›Willst du mir etwa sagen, dass du nach elf Monaten und zwanzig Tagen täglichem Sex mehr willst?‹ fragte ich ihn. ›Ich will nicht mehr, ich will besser.‹ Das war ja geradezu dramatisch. ›Entschuldige bitte, aber könntest du das konkretisieren? Was ist besser, als ein Jahr lang jeden Tag Sex mit deiner Frau zu haben?‹ ›Naja, es zählt doch gar nicht richtig, wenn du einfach nur daliegst und nichts machst.‹ Moment mal! Wir haben von Anfang an alles genau besprochen und es war nie die Rede davon, dass ›einfach nur daliegen‹ nicht im Sinne der Vereinbarung sei! Außerdem war es vor unserem besonderen Arrangement häufig so, dass ich ›einfach nur dalag‹, und ich wage zu behaupten, dass die meisten amerikanischen Ehefrauen viele Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte, ›einfach nur daliegen‹.“

    Ojeoje…

  13. Miriam sagt:

    @ Steve, the pirate: Was ist denn an Kuschelsex spießig und prüde?!? Das ist doch sowas von zum Kotzen, dass uns wohl vor allem das Fernsehen suggeriert, dass Sex immer irgendwie speziell sein muss (aber bitte nicht zu bizarr). Ich würde von mir behaupten, dass 80% des Sexes, den ich hab, Kuschelsex ist und das ist wunderschön. Dass ich manchmal auch etwas abgefahrene Sachen mache bedeutet aber nicht, dass ich Kuschelsex für irgendwie schlechter halte als das andere…

    Spießig und prüde finde ich meinen Schwager, der findet, dass es schon zu viel des Guten ist, wenn ich erzähle, dass Sex im Zelt in der alaskanischen Wildnis nicht so richtig praktisch ist, weil der Geruch die Bären anlockt.

  14. Helga sagt:

    „Außerdem war es vor unserem besonderen Arrangement häufig so, dass ich ›einfach nur dalag‹, und ich wage zu behaupten, dass die meisten amerikanischen Ehefrauen viele Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte, ›einfach nur daliegen‹.“

    Einerseits: Unheimlich Gruselig. Andererseits durchaus verständlich. Gerade am Anfang ihrer sexuellen Erfahrungen haben Frauen meist gar keinen Plan, was sie da machen könnten. Wenn einfach so daliegen dann für den Partner „funktioniert“, kann ich mir vorstellen, dass das dann fix als „so geht also Sex“ gespeichert wird. Dass frau dabei nicht unbedingt großen Spaß hat, führt dann dazu, dass sie Sex eher als Last denn als Lust empfindet und zack, irgendwann kommt man zum im Buch besprochenen Szenario.

  15. Miriam sagt:

    Gerade am Anfang ihrer sexuellen Erfahrungen haben Frauen meist gar keinen Plan, was sie da machen könnten.

    Haben sie wirklich keinen Plan? In jeder Vorabend-Soap werden mittlerweile Sexszenen gezeigt, Pornos sind im Internet für Minderjährige frei zugänglich, in der Schule gibt es Aufklärungsunterricht, etc… Ich denke vielmehr, dass Frauen auch einfach ein Bild vermittelt wird, dass „einfach nur daliegen“ ein Teil der Rollenerwartung an sie ist. Aber wir sollten auch nicht vergessen, dass die Autorin eine amerikanische Mittelklassefrau um die 40 ist. Ich glaube kaum, dass sich deren Sexualverhalten so 1:1 auf europäische bzw. deutsche Verhältnisse übertragen lässt. Die Doppelmoral in Bezug auf Sex ist in den USA um ein vielfaches größer als hier…

  16. Helga sagt:

    Unser Aufklärungsunterricht hat sich nicht damit beschäftigt, wie Mädchen/Frauen Spaß am Sex haben. Die Pornos im Internet sind wahrscheinlich eine noch geringere Hilfe, die Leute da sind ja meist von Anfang an scharf, die Frauen stöhnen die ganze Zeit und sehen nicht besonders „normal“ aus – wie sich Dinge tatsächlich anfühlen, was einen anmacht, was einem persönlich gefällt lernt man dort nicht als Mädchen. Im schlimmsten Fall denkt frau nur, sie müsse irgendwas tun, weil das ja „alle“ tun, obwohl sie es wirklich nicht will. Wie das in den Vorabend-Soaps aussieht, kann ich nicht beurteilen, ich schaue die nicht.

  17. steve, the pirate sagt:

    @shein: Danke für den Link.

    Ich frage mich, warum der Mann auch nie den Mund aufgemacht hat? Warum sagt er erst nach 11 Monaten und 20 Tagen, dass er sie sich ein wenig aktiver wünscht?

    Hmm, wenn ich mir so Filme anschaue, dann ist es doch eigentlich meistens so, dass die „gute“ Frau (, die auch am Ende immer den Helden abgekommt) sexuell eher passiv ist, hübsch, aber nicht zu sexy und die „bösen“ Mädels sexuell aktiv/sexuell aggressiv sind und meist sehr viel erotischere Kleidung anhaben.

  18. Miriam sagt:

    Aber einem pubertierenden Jungen wird doch genausowenig gesagt, wie das geht, der denkt dann eben, sie liegt so da und ich bewege mich ein paar mal rhythmisch und das ist dann Sex.

    Mal ganz abgesehen davon, dass ich es mir auch schwer vorstelle, einem Menschen, der noch nie Sex hatte, konkret zu erklären, wie das geht. Und deshalb bin ich der Meinung, dass es vor allem darauf ankommt, zu vermitteln, dass man seine sexuellen Vorlieben ebenso herausfinden kann wie das Lieblingsessen, nämlich durch experimentieren.

  19. steve, the pirate sagt:

    Aber vor dem ersten Sex hat doch jede/jeder sich doch schon mal selbst befriedigt, oder? Man weiß doch eigentlich, dass es da Punkte gibt, die sich gut anfühlen. hmm, *grübel, grübel*

    „Und deshalb bin ich der Meinung, dass es vor allem darauf ankommt, zu vermitteln, dass man seine sexuellen Vorlieben ebenso herausfinden kann wie das Lieblingsessen, nämlich durch experimentieren.“
    Das unterschreibe ich sofort :)

  20. Helga sagt:

    „Aber einem pubertierenden Jungen wird doch genausowenig gesagt, wie das geht, der denkt dann eben, sie liegt so da und ich bewege mich ein paar mal rhythmisch und das ist dann Sex.“

    Scheint hier auch der Fall gewesen zu sein, wenn der Mann sich erst nach 354 Tagen darüber beschwert.

  21. Helga sagt:

    „Aber vor dem ersten Sex hat doch jede/jeder sich doch schon mal selbst befriedigt, oder?“ Nein. Im Gegenteil, oft ist es so, dass Frauen erst nach dem Sex mit der Selbstbefriedigung anfangen. Finder gerade den Link nicht, aber http://www.lifeline.de/llspecial/sex_erotik/selbstbefriedigung/content-129886.html gibt einem schon mal ne gute Idee.

  22. Erna sagt:

    wenn ich sowas lese, wird mir wieder bewusst warum ich sexualpädagogin werden will….
    in der organisation für die ich grad arbeite und die sich mit HIV/Aids-prävention beschäftigt wird im moment heiß diskutiert wie man jugendlichen auch die schöne seite von sexualität „beibringen“ kann statt sich nur auf safer sex und prävention von sexueller gewalt zu beschränken. ich denke das ist in unserer gesellschaft ein enorm wichtiger punkt. kinder werden so zugeschüttet mit dem thema sex aber niemand vermittelt ihnen ein reales bild… und viele erwachsene wissen eben auch nicht so richtig drüber bescheid.

  23. steve, the pirate sagt:

    @Helga: Da habe ich wohl wieder von mir auf andere geschlossen :)

    Aber wenn ein Mädchen/eine Frau sich nicht selbst befriedigt – ist dann gerade der Sexualtrieb überhaupt so stark, dass sie Sex haben will – oder macht sie dann doch nur mit um es dem LIebsten recht zu machen? Wobei wir da wieder beim „einfach nur daliegen“ sind.

  24. jj sagt:

    Erna,

    coole Sache. Habe mich mal mit einer amerikanischen Freundin über Sexualunterricht in den USA unterhalten. Sie ist zwar selbst sehr experimentierfreudig, aber als ich meinte, mann müsse Jugendlichen nicht nur beibringen, nein zu sagen, sondern auch, wie sie den richtigen Moment zum Ja-sagen erkennen und dann auch zumindest ein wenig Ahnung davon haben sollten, was da passieren wird (und dabei passieren kann!), war sie doch sehr überrascht. Hier ist das wohl kaum anders mittlerweile.

    Helga, Miriam,

    „Aber einem pubertierenden Jungen wird doch genausowenig gesagt, wie das geht, der denkt dann eben, sie liegt so da und ich bewege mich ein paar mal rhythmisch und das ist dann Sex.“

    Nein, wurde mir zumindest auch nicht erklärt. Wurde mit meiner Freundin sogar mal für einen Aufklärungsfilm gecastet, aber ich habe mich nicht getraut ;) Es gibt aber auch explizite Filme, die man durchaus als Technikkurs ansehen würde (von Nina Hartley z.B.). Aber das wesentliche ist sicher die Bereitschaft, miteinander darüber zu reden, und die ist uns ein wenig verloren gegangen in unserer „oversexed but underfucked“-Realität.

    „dass Sex im Zelt in der alaskanischen Wildnis nicht so richtig praktisch ist, weil der Geruch die Bären anlockt.“

    Großartig! Was ’ne story.

  25. Marcel sagt:

    …und da frage ich mich, wie ich das alles meiner Tochter beibringen soll, was die Beiden offenbar erst vor diesem Buch konnten.

    Wie könnte ich das machen, ohne ihr dabei unbeabsichtigt zu nahe zu treten, sie in ihrer Intimsphäre zu stören, mich lächerlich zu machen oder überflüssig zu fühlen? Ohne sie zu verunsichern oder beim Gespräch bei etwas zu zu ertappen, das voraussichtlich bereits schon geschehen ist (z. B. in diesem Alter die äusserst heiklen und diesbezüglich todsicher irritierenden, verunsichernden und schädlichen Kurzfilme und Photos auf den Handys von Kolleginnen und Kollegen)? Sie ist jetzt elf- also kurz davor, von den ersten Hormonschüben geschüttelt zu werden.

    Zum Thema hätte ich wesentlich mehr zu sagen- ich hoffe, dass mir das dann später auch gelingt.

    Vielen Dank für die Antworten!

  26. Nina sagt:

    Hallo Marcel,

    habe viel Positives zu diesem Buch gehört:

    http://www.amazon.de/Erkl%C3%A4r-mir-die-Liebe-sprechen/dp/3898832252/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1243506409&sr=8-1

    Und ich denke, es ist auch für Väter hilfreich, auch wenn die im Titel mal wieder ausgeschlossen werden.

  27. Mich frustriert es sehr, zu lesen, worum es in dem Buch gibt. Die Tatsache, dass man es praktisch vertraglich festhält, wie oft Sex gemacht werden soll, dass man erst sooooooooooo verdammt spät anfängt, mit seinem Partner über Sex zu reden. Das finde ich unbegreiflich!

    Allerdings gab es wohl mal eine Studie, in denen Pärchen jeden Tag ein Jahr lang miteinander Sex haben mussten. Ob sie wollten oder nicht, 1x am Tag war Pflicht. Das Ergebnis war durchweg positv, beide Partner waren ausgeglichener, haben sich untereinander weniger gestritten und an Tagen, an denen die Motivation besonders gering war, haben sie sich umso mehr Mühe gegeben, sie sind sich viel näher gekommen, haben viel ausprobiert…

    Jedenfalls sind mein Partner und ich nun in des Selbstversuch über gegangen. ;-)