Selbermach-Sonntag (31.8.08)
Sunday, August 31st, 2008 von Susanne
Und hier ist wieder ‘ne Menge Platz für eure Themen der Woche.
Und hier ist wieder ‘ne Menge Platz für eure Themen der Woche.
… Steh auf, gib nich’ auf, hör nich’ auf, hör nie auf
Unite, es wird Zeit, du und ich, unite …
Die Ladys, u.a. Noah Sow, bieten mit ihrem Sisters e.V. Workshops für Mädchen, in denen diese das Musikmachen lernen. Gerade ist das Album “Gender Riots” erschienen. (Aber ein Musikvideo gibt es noch nicht, deswegen oben der Auftritt beim Bundesvision Song Contest; ab Minute 2 geht es dort richtig los.)
Unsere Leserin Dorothea hat uns auf einen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aufmerksam gemacht: “Das weibliche Ende der Welt”. Neuseeland scheint wie nebenbei das erreicht zu haben, wovon europäische und amerikanische Feministen und Feministinnen derzeit nur träumen können: Eine Gesellschaft, die in hohem Maße, ja in einer Phase in den 90ern fast ausschließlich, von Frauen repräsentiert wird. Eine Premierministerin, Bürgermeisterinnen, eine Generalstaatsanwältin… Insgesamt sind 47% der neuseeländischen Arbeitsstellen von Frauen besetzt:
“Anders als in vielen europäischen Ländern haben die neuseeländischen Frauen den Aufstieg ohne Förderprogramme und Quoten erreicht. „Vorwärts gebracht haben uns der Abbau rechtlicher Ungleichheiten und eine expandierende Wirtschaft“, meint die Sozialwissenschaftlerin Marilyn Waring. […] Bestandsaufnahmen zur Rolle der Frau kommen in Neuseeland ohne anklagenden Unterton aus. Es wird kühl bilanziert und besonnen appelliert. „Die Forderung nach mehr Frauen in der Wirtschaft wird bei uns nicht mit den Rechten der Frau begründet, sondern mit den Vorteilen für die Wirtschaft“, sagt Waring.“
Aber:
“Trotz der Erfolge machen Feministinnen wie Marilyn Warin noch immer Defizite aus. „Nur weil man jetzt überall Frauen in guten Positionen sieht, lässt sich noch lange nicht von Gleichberechtigung sprechen“, sagt die Professorin und verweist auf den hohen Anteil von weiblichen Teilzeitstellen und die Gehaltsdifferenzen zwischen Männern und Frauen. Anschauungsmaterial bietet ihr eigenes Umfeld. Obwohl an der Auckland University of Technology deutlich mehr Männer als Frauen studieren, ist nur jeder vierte Professor eine Frau. […] In 60 der 100 größten Unternehmen sitzen heute keine Frauen im Vorstand.”
Liebe Leserinnen und Leser, wer von Euch war schon (länger) in Neuseeland? Eine Gesellschaft so voller wichtiger Frauen: Merkt man das? Und warum bekommen wir das nicht hin, verdammt?!
Anders gefragt: Wie schaffen wir es, dass auch hier Frauen endlich als wichtiger wirtschaftlicher Input gesehen werden und nicht mehr als die Gefahr einer Fehlinvestition?

Am Dienstag, den 2. September, findet im Kino Central, Rosenthaler Straße 39 (Hackesche Höfe) ein Abend zum Thema Frauen in Indien statt. Veranstaltet wird dieser von der Heinrich-Böll-Stiftung. Den Beginn macht ein Film von Daniel Burkholz und Sybille Fezer: „Shortcut to justice – Frauen in Indien schaffen einen neuen Weg zur Gerechtigkeit“.
Das Indische Rechtssystem ist hoffnungslos überlastet: Über 13 Millionen Fälle sind unbearbeitet, manche Verfahren dauern dort bis zu zehn Jahre. Besonders betroffen sind Frauen, denn Gewalt in der Ehe (mit immer noch über 7.000 Morden an Ehefrauen jährlich) und Zwangsverheiratung sind nach wie vor alltäglich für indische Frauen quer durch alle gesellschaftlichen Schichten.
“Eigeninitiative ist die einzige Chance: In Gujarat, im Nordwesten Indiens, haben Frauen deshalb selbst Gerichte ins Leben gerufen. Sie sprechen Recht – unter einem Baum auf einem staubigen Platz am Rande eines Armenviertels. Sie greifen ein, um Frauen zu ihrem Recht zu verhelfen.”
Weiter geht es danach in einer Podiumsdiskussion um die Fragen “Welche Anerkennung findet diese Form der alternativen Gerechtigkeit bei Justiz und in der Gesellschaft?” und “Worin liegen die Erfolge und Perspektiven der Frauengerichte?”
Die beiden Dokumentarfilmer_innen diskutierten diese Fragen mit der indischen Frauenrechtlerin Nimisha Desai. Moderiert wird die Runde von Dr. Gülay Çaglar von der Humboldt-Universität Berlin, deren Fachgebiet Gender und Globalisierung ist.
Der Abend beginnt um 20.00 Uhr und kostet insgesamt gut investierte 5,50 €.
Und für alle KölnerInnen: Am 5. September gibt es Film und Diskussionsrunde auch in der Alten Feuerwache, Beginn ist ebenfalls 20.00 Uhr.
(das Foto zeigt eine Szene aus dem Film; © Sybille Fezer)
Das nenn ich mal ‘ne klare Ansage:
Über Feministing
Endlich mal wieder etwas für die Rubrik “Wissenschaftler Quatsch”:
Sarah Michelle Gellar und ihre Fernsehserie “Buffy” ist daran schuld, dass sich immer mehr Menschen der traditionellen Religion abwenden - behauptet zumindest eine britische Studie. (…) Die Autorin Dr. Kristin Aune: “Weil sich die Serie so intensiv mit der weiblichen Selbstbestimmung auseinandersetzt, ist die (heidnische Religion) Wicca so attraktiv für junge Frauen geworden. Kurz gesagt - Frauen verlassen dafür die Kirche.”
Na dann.
Ich meine: Hä?
Gestern in der Süddeutschen Zeitung diese Stilkritik über die “Hollywood-Mama” Nicole Kidman gefunden:
Es gibt Frauen, die ihre Mutterschaft, nun ja, in vollen Zügen genießen, gerne auch am Arbeitsplatz. Schließlich will jeder mal den Kollegen das Resultat der eigenen Fruchtbarkeit vor die Nase schieben. Nach dem üblichen Puderzucker-Geschwätz (”Gottchen, ist die süß!”, Die Augen sind ja eindeutig von dir!”) geht die Baby-Schau zu Ende, dann ist die Kollegin wieder im fälschlicherweise sogenannten Mutterschafts-Urlaub. Anders verhält sich die Sache bei Hollywood-Stars wie Nicole Kidman. Karriere-Mütter dieser Kategorie können nicht anders, als drei Wochen nach der Entbindung vor die Kameras zu sprinten. (…)
Also, was ist das?
a) Ironie
b) Neid
c) Realität
d) Sonstiges ………………………………
Mehrfachnennungen möglich.
Unsere Leserin Yvonne schickte uns dieses Foto eines tollen Aufstellers im Hornbach-Baumarkt:

Also auf in eine neue Runde Message-Raten: Will die Werbung uns sagen, eine lederbekleidete Frau könnte uns bei Unlockerheiten helfen? Klemmt der Reißverschluss da am Dekolletee der Dame und es wäre für den Betrachter schöner, wenn es diese Verklemmtheit nicht gäbe? Wird hier vielleicht sogar für Offenheit gegenüber leder-unterstützten Sex-Praktiken geworben? Oder spielt das Öl eine größere Rolle, die ich übersehe? Oder die 20 Prozent mehr Inhalt?
Heute Morgen wäre ich bei der Lektüre der Süddeutschen Zeitung beinahe vom Stuhl gekippt:
Zwei von drei jungen Männern in Deutschland finden es nicht besonders wichtig, dass junge Mütter neben ihrem Einsatz für die Familie auch eigene Wünsche und Interessen durchsetzen. Das ergab eine in Wuppertal veröffentlichte Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach. Mehr als 1800 Bundesbürger waren für die «Vorwerk Familienstudie 2008» befragt worden. Während nur 32 Prozent der Männer zwischen 16 und 29 den Wunsch der Frauen nach Selbstverwirklichung trotz Kindern voll unterstützten, waren es bei den jungen Frauen 64 Prozent.
Oh Mann, dabei werd ich nicht müde, in Diskussion dafür zu streiten, dass die jungen Männer doch ganz anders sind als ihre Väter. Was ist denn da bitteschön los? Muss ich jetzt mein Männerbild korrigieren? Oder wurde da komisch gefragt, dass solche Zahlen herauskommen? Oder wie?
Und bei euch so?

Auf feministing.com fanden wir unlängst diesen lesenswerten Artikel: How to raise a feminist son. Die Autorin macht sich Gedanken von “Was passiert, wenn ich den Wunsch meines fünfjährigen Sohnes erfülle und die Wände seines Kinderzimmers pink streiche” über “Wie kann ich meinen Sohn erziehen, dass er seine Privilegien - ‘beautiful, smart, and extremely capable’ nicht zu seinem Vorteil ausnutzt?” bis zu “Wie kann ich seinen Umgang mit gewalttätigen Spielen und Spielzeugen adäquat kontrollieren?”.
Es wurde auch bereits an anderer Stelle gefragt: Wie schaffe ich es, meine Kinder feministisch zu erziehen? Was, wenn meine Tochter aber doch lieber mit Puppen spielt als mit Autos? Und wenn mein Sohn einfach gerne Stöcke zu Gewehren umfunktioniert und damit dann schießt? Eine pauschale Antwort darauf fällt mir schwer. Mütter, Väter, Eltern in spe und nicht: Was sagt ihr?
(Foto von cproppe/Flickr)