Archiv für July, 2008

Elternprobezeit

Thursday, July 31st, 2008 von Barbara

(c) www.babybedenkzeit.de/ Als Teenager las ich eine Menge Romantic-Thriller, übersetzt aus dem US-Amerikanischen. Mit Knutschgeschichten von Nancy und Nick und Julie und Jerry und einem Schulprojekt, im Rahmen dessen Anne und Andrew ein rohes Ei mit nach Hause bekamen für zwei Wochen Schulferien, Attrappe für ein gemeinsames Baby. Das Ei musste gepflegt werden, und wer es nach den Ferien wieder heil mit in die Schule brachte, bekam eine Eins.

Ein ähnliches Projekt ist die “Elternprobe” in Brandenburg, über die die Taz berichtet. Hier erleben Teenager, wie es sich anfühlt, Eltern zu sein. Ein Armband zeichnet auf, ob die über einen Computer gesteuerten Babies gut betreut werden - ob immer gewickelt, gefüttert und Köpfchen gehalten wird. Nach der Probezeit sehen die Mädchen erschöpft aus - denn auch die Baby-Simulatoren melden sich in der Nacht.

Die Idee, mit programmierten Puppen ungewollten Teenagerschwangerschaften vorzubeugen, stammt von einem amerikanischen Ehepaar. 1993 baute Rich Jurmain zu Hause den ersten Babysimulator, inzwischen werden die RealCareBabys auf der ganzen Welt animiert. Zwei deutsche Pädagoginnen, Edith Stemmler-Schaich und Uta Schultz, bauten in Delmenhorst Mitte der 90er Jahre das Projekt “Babybedenkzeit” auf. In Städten wie Rostock, Freiburg, Koblenz und Wiesbaden gibt es heute so genannte “Babybedenkzeit”-Kompetenzzentren und bundesweit über 300 Einzelprojekte.

Eine gute Vorbereitung für den Ernstfall? Ich denke schon, besonders in Kombination mit der sexuellen Aufklärung, die die Projektmitarbeiterinnen im Rahmen der “Elternprobe” auch immer wieder vornehmen. Wichtig finde ich, dass auch Jungs sich trauen, bei einem solchen Projekt mitzumachen - denn ihr Anteil an einer Teenage Pregnancy ist immerhin 50 Prozent.

Der Vorteil des rohen Eies? Im Vergleich zum Babysimulator beginnt es, schlecht zu riechen. Wie so manche Windel.

Fundstücke

Wednesday, July 30th, 2008 von Barbara

Ist das so?

Männer, die alleine an der Bar stehen, haben etwas Cooles, wie einsame Wölfe oder Hemingway. Frauen dagegen wirken irgendwie verzweifelt.

Und:

Was Adele für pubertierende Außenseiterinnen darstellt, ist Alanis Morissette für Single-Frauen in der Prä-Menopause.

Gefunden von unserer Leserin Lisa auf jetzt.de und bei Zitty.

Erotik in der Werbung

Wednesday, July 30th, 2008 von Susanne

Unser Leser Pat fragt:

Unter welchen Umständen geht die Darstellung von nackten oder leichtbekleideten Frauen (oder auch Männern?) in Ordnung und unter welchen Umständen nicht?

Um gleich mal in die Diskussion einzusteigen: Für mich ist ein plausibler Grund für Erotik in Werbeanzeigen oder -clips, wenn damit Erotik beworben wird. Nackte Haut ist okay, wenn es auch um Haut, z. B. Cremes etc. geht. Ansonsten kommt es bei mir gleich in die Schublade “Die billige Sex-sells-Tour”. Erotik und Nackedeis mögen “in Ordnung” sein oder auch nicht, auf jeden Fall bringt mich Erotik in Werbung für stinknormale Produkte stets zum Gähnen und macht mir die Firma, die da wirbt, ein bisschen unsympathischer. Weil sie offenbar nur Langweiler und Langweilerinnen in ihrer Werbeabteilung sitzen haben.

Foto: Immer wieder schön z.B. der Stern, der auch noch das blödste Thema (hier: Diät) mit ‘ner Nackten verkauft. 

Meine Brüste gehören mir

Monday, July 28th, 2008 von Meredith

Keira Knightley, Mann. Bisher war mir die Schauspielerin eher negativ durch ihre dominante Schnute und Bambihaftigkeit aufgefallen, aber es stellt sich raus: Bambi hat Schmackes.

Laut Medienberichten wollten die Marketingleute ihres neuen Films “The Duchess” Knightleys - natürlicherweise minigroße - Oberweite um einige Körbchen raufshoppen. Doch Knightley gab die Bilder nicht frei. Obwohl sie nach eigener Aussage “wirklich gerne Brüste hätte”, steht sie lieber zu dem, was sie hat. Bei der Werbung für den Film “King Arthur” war aufmerksamen Beobachtern schon aufgefallen, dass die Grafiker Knightley extra Holz vor die Hütte gezaubert hatten.

Damals winkte die Schauspielerin nur ab, diesmal macht sie nicht mit. Wie ätzend das auch sein muss, wenn irgendwelche Grafik-Werbe-Fritzen meinen, sie müssten den eigenen (ohnehin spitzenmäßigen) Körper irgendwie verändern. Von der giftigen Botschaft, dass eine Frau nur herzeigbar sein soll, wenn sie Titten hat, mal ganz abgesehen.

Applaus für KK, oder wie?

Bild: (NYdailynews.com)

Diktatur der Schönheit

Monday, July 28th, 2008 von Susanne

Die Medienwissenschaftlerin und Filmemacherin Prof. Dr. Bernadette Wegenstein kommentiert im Politischen Tagebuch der Initiative dieGesellschafter.de die RTL-Doku-Soap “Aus Alt mach Neu” mit Brigitte Nielsen. Diese wird - immer von den Kameras begleitet - per Komplett-Makeover wieder Showbiz-kompatibel gemacht:

Die Frage heute ist nicht mehr: »Was wollen wir mit unserer Schönheit sagen und wem« (…), sondern die Frage ist: »Was kann Ich aus meinem genetischen und kulturellen Potenzial machen? Wie kann ich daraus Kapital schlagen? Wie kann ich mich verbessern auf dem Markt der Individualität?« Dieses Diktat erhebt totalitären Anspruch. (…) In einem 21. Jahrhundert, in dem die westliche Welt langsam aber sicher »erschönt«, wird es bald keine Möglichkeit mehr geben, den »anderen« Körper, den entstellten, nicht weißen, nicht glatten, nicht zuordenbaren Körper überhaupt zu sehen und zu »lesen«.

Selbermach-Sonntag (27.7.08)

Sunday, July 27th, 2008 von Susanne

Immer wieder sonntags: Eure Texte, Themen, Gedanken und Kommentare der Woche.

Danke Kapitalismus. Endlich dürfen auch Chinesinnen in ihrer Freizeit Stripperin spielen

Saturday, July 26th, 2008 von Meredith

Jawoll. Niemand hält den Westen auf. Der US-amerikanische Dauertrend im Hausfrauen-Fitnessprogramm geht ja bekanntlich seit einigen Jahren um die Stange. Pole Dancing ist das Stichwort, also die erotisierende Kunst, eine Eisenstange anzumachen. Seit ein paar Jahren werden in den Sportzentren und Volkshochschulen ganz Amerikalands Kurse angeboten, wo Frauen genau das tun, um sich fit zu halten. Und sich dabei total sexy zu fühlen, weil das die allerwichtigste Sache beim Sport ist! Ich meine: Joggen, Tennis, Basketball – da schwitzt man ja, und wer will das schon? Denn Schweiss ist NICHT sexy und bringt die eigenen Geschlechtsmerkmale auf keine vorteilhafte Art zur Geltung. Klar haben die meisten dieser Frauen niemals eine Tabledance-Bar betreten und würden ihre Geld nicht im Sex-Gewerbe verdienen. Wie gesagt, sie sind meist Hausfrauen oder Karriereladies, glauben aber, dass Berufsstripperinnen den besten Job und den meisten Spass am Leben haben.

Wer einen guten Abriss zu dem Thema lesen will, schaue in Ariel Levys hervorragendes Buch “Female Chauvinist Pigs”.

Nun schreibt die New York Times heute in einer ausführlichen Reportage, dass sich immer mehr Chinesinnen nicht davon abhalten lassen wollen, halbnackt an Stangen herum zu turnen. Genau wie in USA verlangt die Seele der chinesischen Bankfilalleiterin danach, sich nach Feierabend Lackstiefel und eine kleine Hose zu werfen und eine Stange rauf und runter zu rutschen. Zugegeben – in China gibt es keine Rotlicht-Tabledance-Kultur, weswegen die spreitzbeinige Stangenakkrobatik vielen Chinesen möglicherweise eher seltsam als sexy erscheint. Die Chinesen, schreibt die New York Times, haben traditionell nämlich eine eher repressive Sexualkultur, sie reden und schreiben nicht so gerne vom Geschlechtsverkehr und sie zitieren auch nicht bei jeder noch so miesen Gelegenheit Pornografie. Aber keine Sorgen, das treiben wir ihnen auch noch aus. Chinas Bruttosozialprodukt muss wachsen und es wird wachsen und bald werden wir aus China mit Sicherheit auch die ersten Amateur-Pornos sehen – wenn das mit der Demokratie schon nicht klappt.

P.S.: Ich bitte die fehlenden scharfen S zu entschuldigen, sowas gibt es in USA nicht und da halte ich mich gerade auf. Aber immerhin: Umlaute!

Mittelstandserotik

Friday, July 25th, 2008 von Susanne

Sex sells, na klar! Hat sich auch der Chef des “Fliesenhaus Leipzig” gedacht und schöne Plakate drucken lassen:

(Fotografiert von 21woman)

Bringt das Anerkennen von Autoritäten den Feminismus voran?

Wednesday, July 23rd, 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 9 von 10 der Serie Grundsatzfragen

Gestern Abend auf der Feminismus-Veranstaltung des Zündfunks sagte die Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken die interessanteste Sache des Abends: Frauen müssten überhaupt erst einmal andere Frauen als Autoritäten anerkennen lernen, wenn der Feminismus überhaupt etwas bringen solle.

Soll heißen:
Zu Zeiten der französischen Revolution, als die Idee einer Republik aufkam, wurde die Welt in eine männliche und eine weibliche Sphäre geteilt. Die männliche war die Welt da draußen, die mit Macht, Konkurrenz und so weiter; die weibliche war durch die häuslichen Wände beschränkt und sollte vor allem durch Liebe und Gefühl erfüllt sein. Von dieser Teilung versuchen sich Frauen schon seit ebenjenen Zeiten zu befreien, seit einigen Jahrzehnten haben sie nun auch tatsächlich schon weite Teile des öffentlichen Lebens erobert. Aber, so Barbara Vinken, dabei machen sie den entscheidenen Fehlern, dass sie davon ausgehen, dass alle Frauen gleich sind und dass sie also auch weibliche Autorität nicht anerkennen wollen. Simpelste Folge: die klassische Stutenbissigkeit. Komplexe Folge: Frauen bauen nur schwer Machtstrukturen aus; die Netzwerke, die es gibt, bleiben oft auf der gleichen Ebene.

Also:
Müssen der Feminismus und jede einzelne Feministin vor allem auch bei sich selbst anfangen und ihren Blick auf andere Frauen ändern? Müssen wir lernen, andere Frauen überhaupt als Vorbilder oder Expertinnen zu akzeptieren? Fällt euch das schwer oder seid ihr schon weiter und habt kein Problem mit weiblichen Autoritäten?

Wenn ihr Vorschläge für Grundsatzfragen habt, dann mailt sie an mannschaftspost(at)web.de.

Ran an den Mann!

Wednesday, July 23rd, 2008 von Katrin

Vater KindIn der taz gibt es heute ein sehr interessantes Interview mit Familiensoziologe Hans Bertram. Es geht um Familie, Frauen und Männer. Um alte Rollen, neue Visionen, einen anderen Arbeitsmarkt und eigentlich alles, was eben so wichtig wird, wenn erst einmal Kinder da sind.

Auf die Frage, was in Deutschland schief läuft, warum sich nur so wenig Männer für die Erziehung entscheiden, antwortet Bertram:

“Die Mehrzahl der jungen Männer hält an dem typischen Ernährermodell fest. Es gibt einfach noch zu viele Gratifikationen für das alte Modell. Bleiben sie dabei, geht es der Familie finanziell gut - und sie sind angesehen. Es gibt im Augenblick noch wenig Anreize für Männer, für das Kind da zu sein. Die Männerrolle ist stark davon abhängig, dass die Männer gegenüber Frauen gerne attraktiv sind.”

Auch die Frauen halten demzufolge viel zu sehr an diesem alten Modell fest:

“Die wollen den erfolgreichen, berufstätigen Mann. Wenn man sich das Heiratsverhalten anguckt, die heiraten eher nach oben in die sozialen Positionen hinein.”

Und:

“Wir haben unglaublich viel darüber nachgedacht, wie eine moderne Frauenrolle aussehen könnte, wie sie Fürsorge für Kinder und auch für Alte mit ihrer Berufskarriere in Übereinstimmung bringen kann. Aber das Interessante ist, dass wir nie über die Männer reden.”

Aber was tun? Bertram:

“… das, was die Norweger machen. Da bleiben nur die Aktiengesellschaften an der Börse, wo mindestens 40 Prozent beiden Geschlechtes drin sind.”

Und:

“… wir müssen dafür sorgen, dass Frauenberufe genauso gut bezahlt werden wie Männerberufe. Und wir müssen irgendwie sicherstellen, dass die Wertigkeit der Fürsorge für andere genauso wichtig ist wie der ökonomische Erfolg. Solange es unterschiedliche Gehälter und schlecht beleumundete Fürsorge gibt, ist ein fairer Aushandlungsprozess faktisch ausgeschlossen.”

Es ist wirklich erstaunlich, dass in der Kürze eines solchen Interviews so viel Gehalt liegen kann. Also bitte das ganze Interview lesen, lohnt sich!

(Bild von Schoenswetter)