Archiv für June, 2008

Online-Sexismus ist feige

Wednesday, June 11th, 2008 von Susanne

Die Ladys von feministing.com sind seit Anfang des Jahres auch auf Youtube zu sehen, mit ihrer Kolumne “Friday Feminist Fuck You”. Und Jessicas “Fuck You Online Misogynists” vom vorletzten Freitag ist absolut sehenswert. Gäbe es ein Kästchen zum Unterschreiben, stünde dort mein Name.

Und, da ich nächste Woche Geburtstag habe: Kann mir irgendjemand dieses tolle T-Shirt schenken?

Diskussionstermin: Feminismus macht Spaß

Tuesday, June 10th, 2008 von Barbara

Am Mittwoch, den 11. Juni 2008, findet ab 20 Uhr eine Diskussion zum Thema “Feminismus macht Spaß! Welche Anforderungen junge Frauen an die Politik haben” in München, im Oberanger-Theater, statt.

Es diskutieren:

Adelheid Rupp, MdL (Landesvorsitzende der AsF Bayern)
Ulrike Boesser (Stadträtin und Vorsitzende der AsF München)
Meredith Haaf (Journalistin und Co-Autorin des Buches „Wir Alphamädchen“)
Moderation: Eva Wolf (stellv. Vorsitzende der Jusos München)

Beginn: 20 Uhr, Einlass ab 19.30 Uhr, Oberanger-Theater im Vollmar-Haus, Oberanger 38, München

Update: Ganz Europa ohne Diskriminierung!

Tuesday, June 10th, 2008 von Susanne

Die meisten von euch haben sicher die Aktion für ein starkes Anti-Diskriminierungsgesetz in ganz Europa schon unterstützt. Und wer es noch nicht getan hat: Höchste Zeit, eine Mail an die Bundeskanzlerin zu schicken und den Aufruf zu unterschreiben, am besten noch heute!

Seit dem Start der Initiative hat sich einiges getan, Initiatorin Franziska Brantner informierte uns über die Vorgänge in der Politik:

  • Das Europaparlament nutzte die Verabschiedung am 20. Mai des Fortschrittsbericht zur Chancengleichheit und Nichtdiskriminierung, um die Kommission zur Vorlage einer umfassenden Rahmenrichtlinie aufzufordern. Dieser (leider unverbindliche) Bericht wurde vorgelegt von der britischen liberalen Abgeordneten Liz Lynne, und wurde mit breiter Mehrheit angenommen. Dabei haben Grüne, Sozialdemokraten und Liberale für den Bericht gestimmt und die konservativen und rechten Parteien mehrheitlich dagegen. Während die Abgeordneten der Liberalen Parteien aus den anderen europäischen Ländern dem Bericht zustimmten, haben bei der Endabstimmung 6 der 7 FDPler gegen den Bericht gestimmt.
  • Die EU-Kommission erwägt nun, zwei Richtlinien einzubringen: eine zu Behinderungen und eine für den “Rest” - und diese getrennt abzustimmen. “Teile und herrsche” - dabei brauchen die Richtlinien Einstimmigkeit. Die Kommission entscheidet außerdem, die Entscheidung darüber um eine Woche zu verschieben: Am 11. Juni entscheidet die Kommission, ob sie für eine starke Richtlinie, keine oder zwei ist. Das soziale Gesamtpaket wird nun erst am 5. Juli verabschiedet.
  • Der verantwortliche EU-Kommissar Spidla nennt in internen Beratungen mit NGOs in Brüssel nochmal direkt die deutsche Bundesregierung als Hauptblockade für eine starke Richtlinie und ruft für eine stärkere Öffentlichkeit zu diesem Thema in Deutschland auf.
  • In Anfrage des Bundestages am 28. Mai gibt die deutsche Justizministerin Zypries indirekt eine deutsche Oppositionshaltung zu. (Sie würde keine “offizielle Opposition” sehen, sagte aber auch nicht, wofür die Bundesregierung eintritt.)
  • In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 2. Juni warnt die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Martina Köppen, vor der EU-Richtlinie - sie wäre ein “Schlag für die Wirtschaft”. Es ist ein unglaublicher Vorgang: Die oberste Wächterin des Bundes über den Schutz vor Diskriminierung wendet sich öffentlich gegen einen wirksameren Schutz vor Benachteiligung auf europäischer Ebene, der deutsches Gesetz widerspiegeln würde. Es liegt letztlich auch im Interesse der deutschen Wirtschaft, wenn europaweit gleiche Antidiskriminierungsregeln gelten. Es grenzt daher an verantwortungslose Panikmache, wenn Frau Köppen über den noch gar nicht vorliegenden Richtlinienvorschlag von einem “Schlag für die Wirtschaft” spricht. Der gesetzliche Auftrag der Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ist ganz sicher nicht der Widerstand gegen eine Annäherung des europäischen Rechts an das AGG.

Das heißt für euch:
Heute noch trommeln und Freunde und Bekannte bitten, den Aufruf für eine einheitliche Anti-Diskriminierungsrichtlinie in Europa zu unterstützen!

Zu Martina Köppens Äußerungen gegen die Bemühungen der EU-Kommission um mehr Chancengleichheit hat die WDR-Moderatorin und Buchautorin Tanja Busse einen pointierten offenen Brief an die Anti-Diskriminierungsbeauftragte des Bundes geschrieben, den ihr online anhören könnt (ab ca. Minute 10 der Sendung).

Fast ein Viertel weniger - für die Familie

Monday, June 9th, 2008 von Barbara

Die EU-Kommission sorgt für Fakten: Im Schnitt werden Frauen in Deutschland um 22 Prozent schlechter bezahlt als Männer, sagte EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla in einem Interview mit der Welt. Und weiter:

“In Deutschland liegt der durchschnittliche Stundenlohn von Frauen um rund 22 Prozent unter dem der Männer. Damit gehört Deutschland zu den Staaten mit der größten Ungleichheit bei der Bezahlung von Männern und Frauen.”

Das liegt keinesfalls an ihrer Qualifikation:

“Obwohl die Frauen in der EU besser ausgebildet sind als Männer, sind sie schlechter bezahlt, ihre beruflichen Karrieren sind kürzer und verlaufen langsamer.”

Der Grund für die ungleiche Bezahlung ist nicht überraschend: Viele Frauen arbeiten Teilzeit, was ihre Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt schmälert. Und warum machen sie das? Wegen der Familie.

“Elternschaft senkt die Erwerbsquote von Frauen dauerhaft, die von Männern dagegen überhaupt nicht - das ist nicht länger akzeptabel.”

Germany’s next Gewissensfrage

Monday, June 9th, 2008 von Anna
Dieser Text ist Teil 4 von 18 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Letzten Donnerstag hatte er endlich ein Ende:
Mein Gewissenskonflikt der letzten 15 Wochen. Darf ich als Feministin Germany’s Next Topmodel schauen? Darf ich sogar Spaß haben daran? Darf ich darüber lästern, dass „Ich fühl mich heute nicht so“-Gisele 11 Kilo zugenommen hat und somit wohl nur noch ein Tennis- aber kein Fußball mehr durch die Lücke zwischen ihren Oberschenkeln passt? Darf ich hämisch lachen, wenn eine von den angehenden Models schlecht geschminkt war? Darf ich „Sexy hat er gesagt! SEXY!“ rufen, wenn das Giraffenbaby Jenny mal wieder besonders linkisch durch einen „Shoot“ stolperte?

Zusammenfassend gefragt:
Darf ich als aufgeklärter, halbwegs intelligenter Mensch, der sonst bei jedem TV-Werbeblock mindestens drei mal „Was soll denn der sexistische/dumme Scheiß?“ denkt, mich von diesem oberflächlichen, seichten, Frauen auf Bauch-Beine-Po reduzierenden Programm unterhalten lassen?

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Nun, keine Ahnung, ob ich das darf. Tatsache aber ist, dass ich (und nebenbei auch fast mein gesamter intelligenter und feministischer Frauenfreundinnenkreis) aus Gründen, die mir leider selbst auch nicht bekannt sind, jeden Menge Spaß an dieser Sendung hatte.
Eine geheime Verehrung für Heidi Klum kann es nicht sein, ich wäre froh gewesen, wenn es mal für diese kein Foto gegeben hätte. Designer und Mode interessieren mich auch ziemlich null, ich kenne die alle nicht und wenn Frau Klum in quietschgrünen Leggins und blauem Kleidchen die Bühne betritt, tun mir einfach nur die Augen weh.

Klar, vieles hat gelangweilt in dieser Sendung und klar, „die Mädchen“ werden verbraten. Besonders fasziniert haben mich die gruppendynamischen Prozesse, die da an vielen Stellen entstanden in diesem Model Boot Camp, das so oft so sehr an Big Brother erinnerte. Und wenn Heidi oder der Inbegriff des zu klein geratenen Mannes in Gestalt von Peyman Armin mal wieder die Mädchen ordentlich auf einander gehetzt hatten, nur um dann aber offiziell erbost zu reagieren auf so viel Neid, Missgunst und üble Nachrede, dann wäre ich manchmal gerne durch die Kabel gesprungen, so wütend wurde ich da.

Man muss aber eines auch klar festhalten:
Ich bin eine erwachsene Frau, ich kenne meine Vorzüge und meine Macken, charakterlich wie körperlich. Ich kann also damit umgehen, wenn da eine Horde junger Frauen jede Woche den cellulitefreien Popo genau vor meiner Nase schwingt. Ich weiß aber, das wäre bei der 15jährigen Anna wohl anders gewesen. Deswegen habe ich mich mit meinem Teenager-Patenkind lange über die Sendung unterhalten, wir sprachen über Schönheit, Ideale, Figuren und dass jede Frau anders gebaut ist. Dass der Körper dieser Frauen ihr Kapital ist, etwas, an dem auch sie arbeiten müssen und in das sie viel Zeit investieren.

Anstatt solche Sendungen verbieten zu wollen, sollte man vielleicht an einigen Stellen eher transparenter machen, was da passiert:
Es werden laufende Kleiderbügel gesucht. Sprechende Rollkragenpullover. Bin ich das? Will ich das sein? Eben! Bei aller berechtigter Kritik können Sendungen wie diese also ein Anlass sein, manche Dinge im Privaten zu thematisieren anstatt bei jeder Folge aufs Neue öffentlichkeitswirksam empört zu sein.

Oder man schnappt sich einfach Pizza und Bier und gibt sich zwei Stunden der absoluten Sinnfreiheit hin. Ganz ohne schlechtes Gewissen!

Wie viel Verschiedenheit kann und muss der Feminismus aushalten?

Monday, June 9th, 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 4 von 12 der Serie Grundsatzfragen

Früher musste Feminismus kategorisch und oft auch ein Stück dogmatisch sein, um sich Gehör und Respekt zu verschaffen. Heute kann und muss der Feminismus verschiedene Ansätze integrieren können, um in der Mitte einen berechtigten Platz einnehmen zu können. Doch die Frage ist: Was kann der Feminismus aushalten? Manche schalten schon ab, wenn Charlotte Roche ihr Buch “Feuchtgebiete” feministisch nennt, manche drehen erst bei Lady Bitch Ray und ihrer Interpretation des Feminismus durch.

Also, was geht, was nicht? Und wer soll das bestimmen?

Wenn ihr Vorschläge für Grundsatzfragen habt, dann mailt sie an mannschaftspost(at)web.de.

Selbermach-Sonntag (8.6.08)

Sunday, June 8th, 2008 von Susanne

Eure Termine, Lesetipps und Gedanken.

Ladyfest in Bonn

Thursday, June 5th, 2008 von Barbara

Am Freitag, den 6. Juni, startet das Ladyfest Bonn 2008 für drei Tage mit Workshops, Konzerten, Lesungen, Vorträgen und Ausstellungen. Es gibt Kinderbetreuung und Hundeverbot.

Aus dem Programm: Es gibt einen Workshop über Bühnen-Tontechnik (Freitag), Sonja Eismann liest aus “Hot Topic” (Samstag) und der sehenswerte Film “Prinzessinnenbad” wird gezeigt (Sonntag).

Die Mutter-Schublade

Thursday, June 5th, 2008 von Mrs. Pepstein
Dieser Text ist Teil 10 von 11 der Serie Mrs. Pepsteins Muttiblog

Neulich beim Eltern-Stammtisch des Kindergartens: drei der zehn im Biergarten anwesenden Personen trinken Kräutertee, daraufhin die Bedienung: „Bei dem Wetter Tee trinken, das machen doch nur Kindergartenmütter!“

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Am nächsten Tag: ich bin mit Fahrrad inklusive Anhänger inklusive Baby in der Innenstadt auf dem Markt. Ich komme vollgepackt zum Hänger zurück mit dem Kind auf dem Rücken und Tüten in der Hand, neben mir schließt gerade ein Typ (Student oder Surfer oder beides, Anfang 20) sein Fahrrad an. Als ich gerade losfahren will (Einkäufe und Kind sind verstaut) und er gerade losgehen will (ob er wohl Gemüse einkauft?), kommt ein junges dynamisches Kamerateam (Studentinnen, Anfang 20) auf uns zu. „Hallo, wir machen eine Umfrage zum Thema Veranstaltungsmagazine, kannst du uns erzählen, was dir da wichtig ist?“ . Typ so: „Na ja, wo die geilen Parties sind und fette Locations, das ist schon wichtig“. Danach labern alle noch so in bisschen rum, die angehenden Redakteurinnen bestätigen mit seinen Worten die echt belanglose Aussage des Surfers. Währenddessen lege ich mir im Kopf eine kluge Antwort zurecht, eine die überraschen soll, die intelligent ist und witzig und so weiter. Schließlich (und das weiß ich aus eigener Radioerfahrung) nimmt man doch an Aussagen, was man kriegen kann, um später aus der Masse die besten Antworten rauszufiltern. Aber was passiert? Das ambitionierte Kamerateam und der Student verlassen die Szene.

Zack, da bin ich also drin in der Mutterschublade: Mütter trinken abends immer Kräutertee und haben ja keine Ahnung von Veranstaltungsmagazinen, weil sie ja sowieso nie weggehen. Frechheit! Mütter können alles genauso gut oder schlecht wie andere (kinderlose) Menschen. Sie gehören in keinen Verein, der ihnen verbietet zu tanzen und Alkohol zu trinken. Mich persönlich interessieren die geilsten Locations jetzt zwar nicht so brennend wie die letzte Ausgabe der Fiber, aber ich möchte doch zumindest auch gefragt werden, wenn’s ums ausgehen geht!

Klar, das ist nicht das Wichtigste von der Welt, sich zu Partymagazinen zu äußern, aber das ist ja nur der Knauf zu der Schublade, in die man als Mutter so gesteckt wird. Klischees wie Mütter so „allgemein“ sind oder zu sein haben gibt es schließlich so reichlich wie Schmutzwäsche in einem Mehr-Personen-Haushalt mit Kleinst- und Kleinkindern: Mütter kümmern sich, Mütter sind aufmerksam, Mütter ernähren sich bewusst, Mütter haben immer einen Arm mehr als real vorhanden und das Oberklischee Mütter schlechthin: wissen immer, was das beste für ihr Kind ist (Liste kann beliebig erweitert werden…)
Klar ist, dass es Klischees nun mal gibt (und leider oder vielleicht muss das auch so sein, dass es Frauen gibt, die diesem Klischeebild entsprechen), und irgendwie logisch ist auch, dass sich im Leben von Menschen, die Kinder bekommen so einiges ändert - ABER sie werden deswegen nicht komplett neue Wesen aus der Kategorie Mutter!

An dieser Stelle kann ich nur für mich sprechen: ich will nicht nur als Mutter wahrgenommen werden. Ich bin eine Frau mit eigenen Bedürfnissen, ich gehe auch ab und zu aus, wenn ich gerade nicht zu müde bin, ich lebe gerne mit meinem Freund und meinen Kindern zusammen, aber ich bin immer noch ich und möchte das verdammt noch mal auch bleiben.

Jetzt schließt sich die Schublade

Bis in 12 Tagen
Grüßt eure Mrs. Pepstein

Modelgeflüster

Wednesday, June 4th, 2008 von Barbara

Zwei Models unter sich - Insidertalk auf Spiegel Online zum TV-Dauerbrenner “Germany’s next top model”:

“Fehlende Selbsteinschätzung ist bei den meisten eh’ das größte Problem”, ergänzt Lilo. “Jungs müssen einfach Typen sein, gutes Aussehen reicht nicht. Cool müssen die sein. Bei Mädels ist es schon so, 90-60-90.”

Jiri stimmt zu. “Weibliche Models erkennt man an der Figur, Männer nicht unbedingt.” Dabei ist das Model-Business eine der weniger Branchen, in denen Frauen im Vergleich zu Männern mehr als das Doppelte verdienen. “Ist doch sonst eigentlich nur bei der Prostitution so” - Jiri kann damit leben.

Ach so.