Alleinerziehende Mütter sind keine Seltenheit. Sie leben in vielfältigen Situationen und mit sehr unterschiedlichen Problemen – doch die meisten sind im Vergleich zu Vater-Mutter-Kind-Familien einer doppelten Belastung ausgesetzt. Eine Lösung für manche: Mama-WGs. In Berlin werden auf Flugblättern, in Zeitungsinseraten, oder über Mund-zu-Mund-Propaganda immer häufiger alleinerziehende Frauen für diese Art des solidarischen Zusammenlebens gesucht. Und nicht nur in Berlin: Auch in anderen Städten und zunehmend auch auf dem Land suchen Mamas nach Mamas, um einander zu unterstützen. Selbsthilfegruppen für Alleinerziehende sind dabei oft ein erster Schritt.
Ob nun der Mann schon bei der Zeugung nicht als Vater in Frage kam, oder sich kurz nach der Geburt aus dem Staub machte, oder ob eine Trennung erst weit nach der Geburt eines Kindes oder mehrerer Kinder stattfand: Immer noch stehen vor allem die Mütter hinterher mehr oder weniger allein da. Sie werden – mal mehr, mal weniger – vom biologischen Vater der Kinder zeitlich oder finanziell unterstützt. Nicht selten liegt hinter diesen Müttern ein Dauerkampf, oder sie tragen diesen immer noch aus: Ein Kampf um Unterstützung, ein Kampf um Geld, ein Kampf mit sich selbst. In einer Mama-WG wird dieses Leid geteilt. Man Unterstützt sich vor allem durch gegenseitige Betreuung der Kinder. Das schafft Raum für eigene Bedürfnisse und für eine eigene Arbeit – wenngleich häufig nur in Form eines Nebenverdienstes.
Unterstützung ist nach eigenen Angaben für viele Väter eine Selbstverständlichkeit – auch wenn die Partnerschaft zu Bruch gehen sollte, sie wollen für ihre Kinder da sein. Doch die Zahl derjenigen, die sich selbstverständlich bereit erklären, ihre Kinder zu betreuen ist eine höhere, als die Zahl derer, die tatsächlich die Hälfte der Zeit für die Kinder da sind. Diese Differenz wird meistens totgeschwiegen. Viele alleinerziehende Frauen erklären, dass die Väter sich gerne die angenehmen Seiten der Elternschaft herauspicken: Sie betreuen die Kinder am Wochenende und unternehmen (bestenfalls) schöne Dinge mit ihnen, wie in den Zoo gehen oder auf einen Bauernhof fahren. Nach zwei Tagen wird das Kind wieder bei der Mutter abgegeben, die den Alltagsstress unter der Woche alleine wuppen muss.
Wenn es um das Geld geht wird die Sache oft noch kritischer. Über Geld spricht man(n) nicht. Doch in vielen Fällen reicht das Geld von Vater und Staat für eine Alleinerziehende und ihr(e) Kinder nicht zum Leben. Schätzungen zufolge zahlt nur ein Drittel der Väter regelmäßig den Unterhalt, der den Kindern und der Mutter (bis zum vollendeten dritten Lebensjahr des Kindes) zusteht. Ein weiteres Drittel zahlt nur unregelmäßig, das restliche Drittel gar nicht. Alleinerziehende müssen sich deswegen überdurchschnittlich oft mit Hartz IV begnügen, denn die Kinderbetreuung ist in Deutschland nach wie vor so Lückenhaft, dass arbeiten und Kind in den meisten Regionen – vor allem auf dem Land – nicht machbar ist. Einzige Ausnahme bilden Familien, in denen die Großeltern einspringen können.
Geteilte Last ist halbe Last – was für Partnerschaften und Ehen gilt ist auch ohne Liebe und Sex wahr und umzusetzen: Mütter in Mama-WGs können sich abwechseln, die Kinder in die Kita zu bringen; sie können sich – wenn es keine Kitas gibt, wie auf dem Land – in der täglichen Betreuung unterstützen, um Raum für Arbeit, Bildung und eigene Interessen zu schaffen. Sie müssen nicht mehr auf die Verlässlichkeit des Vaters hoffen oder darauf, dass der Staat die verlorenen 30 Jahre, die Deutschland in Sachen Kinderbetreuung aufzuholen hat, in Nullkommanichts wett machen wird. Und Frauen (und auch Männer) suchen sich in Eigeninitiative mehr und mehr solche Solidaritäts- und Lebensmodelle. Was jetzt noch fehlt ist ein Gesetz, das diese Modelle institutionalisiert und anerkennt: Neben der Ehe, ohne Benachteiligung.
(Dieser Artikel setzt sich nur mit Mama-WGs auseinander, da WGs alleinerziehender Väter (leider noch) eine große Seltenheit sind, was vor allem auch damit zusammenhängt, dass bis heute das Sorgerecht in den meisten Fällen an die Mütter übertragen wird. Hier geschehen viele Ungerechtigkeiten die mit althergebrachten Rollenvorstellungen zu tun haben und ungerechten Vorurteilen gegenüber der elterlichen Kompetenz von Vätern – das alles ist mir bewusst, aber auch bewusst nicht Thema dieses Artikels).

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