
Das neue Eltern-Magazin „NIDO“, das im Verlag NEON Magazin GmbH erscheint und auch so aussieht, als hätte als Zielgruppe all jene (Ex-)Neon-LeserInnen, welche schon Kinder haben, erschien am Freitag zum ersten Mal und wurde von mir das Wochenende über kritisch unter die Lupe genommen. Vorweggenommen sei, dass ich es insgesamt gelungen und interessant finde. Der Schlusssatz des Editorials ist grundweg sympathisch: „Wir sind eine Familie, aber wir sind nicht gaga.“ Aber einige Kritikpunkte möchte ich trotzdem aufzählen.
Gut finde ich die Themenauswahl und -vielfalt. Das Magazin unterscheidet sich von Eltern-Magazin-Klassikern wie Eltern unter anderem dadurch, dass es nicht zum 100. Mal Erziehungstipps für die Trotzphase aufwärmt. Ein weiteres positives Herausstellungsmerkmal ist: Es richtet sich wirklich an Mütter Eltern.
Eine kurze Themenschau:
– Das umstrittene Thema Adoption wird aus einer persönlichen Perspektive zweier Menschen beleuchtet, die ein Kind aus Kolumbien adoptieren möchten – dazu ein schöner differenzierter Beitrag von UNICEF Deutschland über kritische Fälle der Adoption aus anderen Ländern
– ein wirklich witziges Interview (zumindest musste ich sehr sehr oft schmunzeln und einmal laut lachen – und das in der S-Bahn) mit Daniel Cohn-Bendit über die Erziehungsideale der ’68er und was heute noch davon übrig ist
– eine sehr kritisch aufbereitete Titelstory zum Thema „Zurück in den Beruf„, die – dankenswerter Weise – nicht nur die Frauen fokussiert, sondern auch die Väter in den Mittelpunkt rückt, die Probleme haben, Teilzeitstellen zu bekommen.
– Ein Minuspunkt für die zweite Titelstory: Sex trotz Elternschaft. Ich hatte mir auch nicht viel davon erwartet, denn das ist ein so komplexes persönliches Thema, dass man mit Pauschal-Ratschlägen eigentlich nur daneben liegen kann. Aber „Sex nach Terminkalender“ (sich zum Sex fest verabreden) und „mit dem Exfreund treffen“ (das befeuert den Partner) – das hätte man sich einfach klemmen können. Danke.
– ganz ganz interessant und toll: Wie funktioniert das Kindergroßziehen und Familie eigentlich in Ghana. Faszinierend. Kurz: das Sprichwort „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen“ wird in einer Reportage beleuchtet.
– eine ehrliche Kolumne einer Mutter, die sich langweilt.
– Weltreise mit Kindern: Neuseeland, Australien und Thailand… wirklich schöner Bericht und schöne Bilder – aber wer kann sich das bitte leisten?
–> der letzte Punkt bringt mich auf die Generalkritik, die ich einfach loswerden muss: Das NIDO Magazin wirkt ein bisschen wie auf hippe Prenzlauer-Berg-Eltern zugeschnitten. NEON für Eltern eben. Es geht schicke teure Weltreisen, Versicherungen abschließen, ein AuPair anstellen – viele Eltern betrifft so etwas noch nicht wirklich, sie können sich die hippen Kindersachen, die vorgestellt werden, nicht leisten und auch die Kinderzimmer-Einrichtungen nicht. Es ist nicht schlimm, dass solche Dinge darin vorkommen – es fehlt nur leider am Gegenpol und an der Ausgeglichenheit: Kinder kosten oft sehr viel Geld und nicht alle schütteln dieses locker aus dem Hemdsärmel. Vielleicht eine Anregung fürs nächste Mal – ansonsten: Weiterhin gutes Gelingen!

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