Juli schreibt:
March 26th, 2008 um 10:14 am „Stimmt es eigentlich wirklich, dass die ersten Monaten die besten sind, weil die Babynahrungsmittelfabrik ja handlich verpackt immer dabei ist?“

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de
Also vom Prinzip her ist Stillen eine prima Angelegenheit: man muss nachts nicht aufstehen: Das Kind wird einfach „angedockt“ und man kann schön liegen bleiben, während Junior sich den Bauch vollhaut. Wenn man mit Kind unterwegs ist, kann man, so man es sich traut (schönen Gruß und Gratulation an die mir bekannte Frau, die neulich im Hotel Seeblick so offensiv am Fenster sitzend gestillt hat, dass jede/r Passant/in an ihrem persönlichen Mutterstillglück teilhaben konnte) bei Bedarf die Milchtüte auspacken. Auch der ökonomische Aspekt ist nicht zu verachten: Man spart einfach einen Haufen Kohle, weil man keine Fertignahrung kaufen muss, keine Flaschen braucht, nichts auskochen muss, und und und. Darüber hinaus macht mir Stillen Spaß und es sind manchmal unvergessliche Momente, auch wenn das jetzt nach Megaklischee klingt.
Das Stillen hat nur den Haken: dass es abhängig macht, und zwar das Kind von mir. So hatte ich zum Beispiel letztes Wochenende einen Arbeitstermin in Dresden. Eine Woche vorher haben wir versucht, dem Kind eine Flasche mit Muttermilch darin anzubieten. Und hat das Kind das getrunken? Mitnichten! Und ich war der festen Überzeugung, mit ein bisschen Übung würden das Papa und Sohn hinbekommen, aber leider: Fehlanzeige. Deshalb waren wir dann zu viert bei meinem Arbeitstermin und zwischendurch wurde dann mal gestillt … Für mich selbst war das das kleinere Problem, denn mir wurde das Kind ja quasi immer nur zugereicht. Richtig stressig war es für den Rest der Familie, der, weil Mutti auf Arbeit musste, mitfahren und sich an einer Ausfallstraße über mehrere Stunden die Zeit vertreiben durfte. Also war letztendlich nicht nur das Baby abhängig von seiner Nahrungsquelle, sondern auch dessen Vater und Schwester.
Was ich damit sagen will: Nicht alles rund ums Stillen ist so einfach, wie es immer scheint. Es entstehen Abhängigkeiten, die für alle Beteiligten anstrengend sein können. Gerade mit mehreren Kindern ist der Organisationsaufwand oft ganz schön groß. Dazu kommt, dass dieses immer-und-überall-stillen auch den Nachteil hat, dass ab einem bestimmten Alter des Babys in einer fremden Umgebung dann auch alles andere spannender ist als die Mutterbrust und man dann das Problem haben kann, dass das Kind nichts trinkt, weil es die ganze Zeit gucken und staunen muss. Und so kommt es, dass man das Stillen letztendlich wieder so organisiert, dass das Kind in der vertrauten Umgebung ist, sprich: zu Hause.
Also kann ich Frauen, die nicht stillen wollen (und manchmal auch nicht können) sehr gut verstehen. Auch wenn die gesundheitlichen und sonstigen „Vorteile“ des Stillens auf der Hand liegen, so kann es doch für manche Familie stressfreier sein, „zur Flasche“ zu greifen. Und ich finde, das muss man genauso „dürfen“ wie Stillen.
Mein Freund und ich, wir freuen uns auf jeden Fall auf den ersten Karottenbrei in ein paar Wochen, der uns alle vier wieder ein bisschen freier macht!

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