Einträge mit dem Tag ‘Tag der deutschen Einheit’


Deutschland ist sich einig.

3. Oktober 2017 von Nadine

Jedes Jahr klopft man sich zum Tag der Deutschen Einheit wieder auf die Schulter, dass es die DDR zum Glück nicht mehr gibt, wird sich „mmmmhhh“-nend zunicken bei der Aussage, dass die Angleichung zwischen Ost und West noch nicht vollständig vollzogen ist und wird im Fernsehen mit Dokumentationen zugeschüttet von jubelnden Menschen an und auf der Mauer oder Genscher auf dem Balkon. Theoretisch kann feminist_in jedes Jahr zum 3.10. oder 9.11. May Ayim zitieren. Deutschland, eine Feier in weiß.

Und auch in diesem Jahr, wenige Tage nachdem das erste Mal seit der NS-Zeit wieder Nazis mit eigener Fraktion im Bundestag sitzen und man überall das Problem vermutet, nur nicht im gesamtdeutschen Rassismus, seiner Geschichte und dem unverantwortlichen Umgang damit. Deutschland ist sich einig.

Trotz aller (noch) bestehenden Unterschiede. Nach der Wahl haben alle Parteien bis auf die Linke beschlossen, dass man sich jetzt doch (endlich!!) den Problemen der „Flüchtlingsfrage“ und inneren Sicherheit zuwenden müsse. Deutschland schreit nach mehr Rassismus, Deutschland liefert ihn. Pflichtbewusst, ordentlich, pünktlich, effizient. Rassismus gegen Rechts und wem das aus der bürgerlichen Mitte an manchen Stellen dann doch etwas zu krass ist, der bemüht sich halt um einen positiven Heimatbegriff. Die Heimat der Aufrechten weißen statt die Heimat der Rechten. Sich aufrichtig den Problemen der Menschen widmen, die die AfD gewählt haben, die in Zukunft die AfD wählen könnten. Wie im Frühjahr 2019, wenn in Sachsen ein neuer Landtag zur Wahl steht und die AfD realistische Chancen auf den Wahlgewinn hat, während die christlich sächsische Union ein paar Tage Bedenkzeit und vielleicht eine Mitgliederbefragung einfordern wird, um eine Antwort auf die Frage zu finden, ob man im Jahr 2019 eigentlich mit Nazis koalieren sollte oder nicht. Besonders in Deutschland…

… dem mächtigsten Staat der EU und in Europa. Doch das interessiert die Einwohner aus Dorfchemnitz nicht, der 1500-Menschen-Gemeinde aus Mittelsachsen, in der es „nichts gibt außer einen Fleischer und einen Bäcker“, in der sich die Menschen abgehängt fühlen in ihren (enteigneten) Häuschen auf ihren großen (enteigneten) Grundstücken, von denen jeder Zweite die AfD wählte, auf Nachfrage es aber niemand gewesen sein will. „Frau Petry war die Einzige, die sich hier hat blicken lassen“, lässt erahnen, dass die weiße deutsche Seele gestreichelt werden will. Rassistische Gesetze reichen nicht. Ökonomischer Aufstieg von weißen Deutschen dank Ausbeutung, Enteignung und Völkermord reicht nicht. Rassistische Terrorgruppen, die unbehelligt mordend durch Deutschland ziehen können reichen nicht. Rassistischer Alltag reicht nicht. Weiße Enklaven reichen nicht. Man will hören, wie sehr man Opfer ist, jammern können und Mitleid bekommen, politisches Unwissen als politischen Unmut zelebrieren. Deutschland ist sich einig.

…dass es noch mehr Studien und Analysen braucht, um herauszufinden, warum denn nun so viele Leute die AfD gewählt haben. Aber bitte nicht von extern, das sind maximal Gesprächsbeiträge. Nicht objektiv. Angst dagegen, die ist objektiv. Solange sie weiß ist. Deutschland ist sich einig.

Zum Weiterlesen:

 


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Kleiderkommunismus und klassistische Kinderspielplätze – die Blogschau

4. Oktober 2014 von Nadine
Dieser Text ist Teil 261 von 295 der Serie Die Blogschau

Auf ihrem neuen Fa(t)shion-Blog Queer Vanity schreibt Heng, warum für sie als dicke Person of Color das Tauschen von Klamotten mit dünnen (weißen) Personen mittlerweile eher No-Go ist.

AufZehenspitzen wirft einen kritischen Blick auf klassistische Praxen von Eltern auf Kinderspielplätzen.

Anlässlich des 28. September, dem Tag der Entkriminalisierung von Abtreibung in Lateinamerika, bieten e*vibes einen Überblick über die Abtreibungsgesetzgebung in Lateinamerika und der Karibik auf deutsch und englisch, den sie gemeinsam mit der brasilianischen Autorin Ester de Oliveira übersetzt haben.

Anschläge, das österreichische feministische Monatsmagazin, beschäftigt sich in ihrer aktuellen Ausgabe u.a. mit Feminismus und Klassenkampf. Alle Artikel zu diesem Thema können auch online nachgelesen werden.

Gestern war der 3. Oktober: Wie es um die „Einheit“ im weißdeutsch-türkischen Zusammenleben bestellt ist, darauf wirft Heterosexismus hacken einen rassismuskritischen Blick und erinnert schlaglichtartig an Ereignisse der Vergangenheit.


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