Aufgrund der aktuellen sexistischen Axe-Werbung gab es erfreulicherweise einige Beschwerden beim Werberat. Dieser reagierte nun vor kurzem. An Leser_in bohemienne richtete er folgendes:
wir nehmen Bezug auf Ihre Beschwerde vom 14. Mai und unseren Zwischenbescheid vom 19. Mai 2010.
Zu 1: Nach Eingang der Stellungnahme des werbenden Unternehmens haben wir die Angelegenheit den Mitgliedern des Deutschen Werberats zur Beurteilungvorgelegt. Diese sind zu der Auffassung gelangt, dass die og. Werbung nicht zu beanstanden ist und zwar aus folgenden Gründen: Die Werbemaßnahme enthält zwar erotische Elemente, denen aber keine Frauen herabwürdigende oder diskriminierende Aussage zu entnehmen ist. Im Gegenteil: Das Model nimmt eine eher dominante Position auf dem Plakat ein. Der Slogan „Reizt Frauen, nicht die Haut!“ mag isoliert betrachtet als anzüglich aufgefasst werden. Aber die eher spielerisch-provokante Art, mit der das Thema Verführung bzw.Verhältnis Frau-Mann in die Werbemaßnahme eingebettet ist, lässt durchaus den augenzwinkernden Tenor der Darstellung erkennen.
Zu 2.: Nach Überprüfung der oben genannten Werbemaßnahme sehen wir unter Berücksichtigung der uns inzwischen zugegangenen Stellungnahme des werbenden Unternehmens keinen Anlass für eine Beanstandung. Der Deutsche Werberat, die selbstdisziplinäre Einrichtung der Werbewirtschaft in Deutschland, beanstandet eine werbliche Maßnahme dann, wenn sie gegen seine Verlautbarungen oder die darin zum Ausdruck kommenden herrschenden gesellschaftlichen Grundüberzeugungen verstößt. Dies ist unter anderem dann der Fall, wenn Darstellungen oder Aussagen in der Werbung erfolgen, die Frauen herabwürdigen oder diskriminieren. Bei vorliegender Werbemaßnahme können wir eine solche Herabwürdigung oder Diskriminierung von Frauen jedoch nicht erkennen. Das Thema Frau-Mann-Verführung wird in dem Online-Spiel auf schon fast comicartige Art und Weise behandelt: mit fliegenden Männern (ohne Flugzeug o.ä.) und einem Model, das sich mehrfach verwandelt (bis hin zumKondensstreifen). An keiner Stelle des Spiels wird die Frau in eine runterwürfigen oder herabwürdigen Pose vorgeführt. Inwieweit die comicartige Überzeichnung der Beziehung von Frau und Mann (siehe auch die eingeblendeten Hände) schon fast albern zu nennen ist, kann nicht Kriterium für eine Beanstandung durch den Werberat sein. Frauendiskriminierung liegt jedoch nach unserer Auffassung nicht vor.
Mit freundlichen Grüßen“ (Quelle)
Es klingt, als habe der Deutsche Werberat die „inzwischen zugegangene Stellungnahme des werbenden Unternehmens“ sehr wohlwollend berücksichtigt oder einfach gleich abgeschrieben. Solche ignoranten und privilegierten Antworten auf Beschwerden sind mir sonst nur bei rassistischen Vorfällen bekannt. Auch in Österreich häufen sich die Beschwerden beim dortigen Werberat. Eine Antwort steht noch aus.
Unser_e Leser_in Sarah hat ihre Wut in kreative Energie umgewandelt und folgende Adbusting-Vorlage gebastelt, die an dieser Stelle heruntergeladen und ausgedruckt werden kann. Die Vorlage ist zweimal auf DIN A4 abgebildet, also fertig zum Ausschneiden und Aufkleben. Feel free to ad!


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