Zweimal bin ich in der letzten Zeit über eine böse Entwicklung bei Frauen gestolpert: Der vom Partner initierten Metamorphose zum Kulleraugenweibchen.
Eine Bekannte von mir hat jahrelang ein ausschweifendes Privatleben genossen, viel Sex, viel Unverbindlichkeiten, eine große Liebe gefolgt von fieser Enttäuschung. Dann ist sie auf Nummer Sicher gegangen und hat sich einen Beamten mit geregelten Grundsätzen geangelt. Jetzt hockt sie mit dem gemeinsamen Kind in der Wohnung des Beamten, für die sie – obwohl ohne Einkommen – genauso mit aufkommen muss, wie für alle anderen Kosten. Er behandelt sie nicht mal sonderlich gut. Sie ist todunglücklich, aber ändern will sie rein gar nichts. „Wie auch“, sagt sie – „ich kann doch mit Kind und ohne Geld nirgendwohin.“

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de
In der anderen Geschichte ist die Frau zwar finanziell unabhängig, weil berufstätig, aber ihr Äußeres hat sie extrem den Vorstellungen ihres Partner angepasst. Zwanzig Kilo weniger, mit künstlichen Fingernägeln, langen Haaren und hochhackigen Schuhen steigt sie in den Sportwagen ihres Freundes. Und nein, das ist kein Klischee…
Sich verlieben, ein Pärchen bilden und Beziehungspflege zu betreiben, klar das erfordert Kompromisse, aber bis zur Selbstaufgabe oder Komplettüberholung? Und was bitte sind das für Kompromisse, wenn die Frauen sich von selbstbewussten Wesen zu verschüchterten Angsthasen oder stereotypen Schaufensterpuppen verwandeln?
Männer, die sich der neuen Freundin zuliebe einer Runderneuerung unterziehen, kann ich genausowenig ernst nehmen. Mein Freund mag keine Raucherinnen? Ok, der Versuch, es sich ihm zuliebe abzugewöhnen ist es wert. Mein Freund mag tigergeprintete Baumwollstrings? In Ordnung, streif ich mir halt mal so ein Höschen über. Mein Freund mag meine Ausrucksweise nicht? Ok, dann gehen wir besser getrennte Wege.
Den anderen zu ermutigen, mal was Neues auszuprobieren – mit Kickboxen, ungarisch kochen oder töpfern anzufangen – ist wünschenswert. Aber immer nur den Vorstellungen des anderen folgend und nicht der eigenen Vision, die Partnerin zum Pussycat-Double umzumodeln.
Frauen, mit denen man vorher Spaß haben und locker sein konnte, achten plötzlich darauf, dass sie ja rechtzeitig zuhause sind, sonst wird er schrecklich böse. Frauen, die sich wohl in ihrer Haut fühlten und sich mit wenig Aufwand zurecht gemacht haben, wandeln sich zur hungernden Spaßbremse. Und ich rede hier nicht von Mädchen unter zwanzig, die sich noch ausprobieren wollen, vielleicht ihren Typ noch nicht gefunden haben und ja, leichter zu vereinnahmen und verunsichern sind. Ich spreche von erwachsenen Frauen, die immer souverän ihr Ich verteidigt haben und nun zugunsten einer ungesunden Partnerschaft von der selbstbestimmten Bildfläche verschwinden.
Ach und übrigens: Die Typen in besagten Beziehungen sind die Alten geblieben…

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