Es wird warm, es wird Sommer. Zusammen mit den T-Shirts, kurzen Hosen und Flip Flops wird ein weiteres Gimmick aus dem Winterschlaf geholt, ohne dass der Sommer nicht möglich ist:
Der Grill. Mit ihm zusammen wird auch das schon lang abgesetzt geglaubte Theaterstück „Frauen- und Männerklischees leicht gemacht“ jede Spielsaison wieder neu ins Programm genommen.
Ich weiß, die Witze über die Männer, die sich um das Grillfeuer scharen und die Frauen, die parallel den Salat noch mal umrühren, lassen sich wohl kaum zählen. Trotzdem oder auch vielleicht gerade deswegen bin ich immer wieder baff, wenn ich Grillrituale beobachten darf.
Es wirkt aber auch ein wenig steinzeitlich, gerade, wenn sich größere Gruppen treffen: Die Männer stehen (mit Bier in der Hand) um den Grill, geben gute Ratschläge und üben sich insgesamt in Männlichkeit. Die Frauen sitzen daneben auf einer Decke, unterhalten sich, schneiden Brot und Gemüse und verteilen schon mal die Teller.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de
Warum sind die Grillrollen dermaßen zementiert? Ist das die heimische Grillsozialisation, Papa grillt, Mama bereitet die Salate vor? Aber selbst wenn dem so wäre: Wir schaffen es doch auch, uns in anderen Bereichen von den vorgelebten Rollenmustern zu lösen, sie mindestens kritisch zu hinterfragen und nicht einfach als gegeben hinzunehmen. Wenn es ans Grillen geht, scheint dieser versammelte kritische Geist auf einmal hinfällig.
Was würde passieren, würde jemand die Rollen durchbrechen?
Was wäre, würde sich einer der Männer zu den Frauen setzen und mit ihnen Servietten verteilen, während die anderen Kerle sinnieren, ob man nun mit Bier ablöschen sollte und dass sie im Internet gelesen haben, dass Eierkartons wirklich der beste Anzünder seien? Wie würden die anderen Männer reagieren und wie vor allem die Frauen? Und was ist, wenn eine der Frauen lieber über Steakgarzeiten fachsimpeln würde, anstatt mit den anderen auf dem Boden zu sitzen und noch vor der ersten Wurst einen eingeschlafenen Fuß zu haben? Oder wenn gar eine der Damen Lust hätte, selbst den Grill anzuschmeißen?
Es scheint der Umgang mit Feuer und Fleisch zu sein, der den Grill auf besonders archaische Weise als eindeutig männlich kennzeichnen und dieser Umstand wird warum auch immer von niemand in Frage gestellt.
Oder ist das alles ganz anders und es steckt viel mehr hinter den Grillritualen, als in – diesem Fall – frau auf den ersten Blick vermutet?
Kann es sein, dass wir Feministinnen uns vielleicht auf die falschen, ja, Brandherde konzentriert haben? Waren Chefetagen, Elternzeit und Lohngleichheit nur geschickte Ablenkungsmanöver, während die Kerle von uns allen völlig unbemerkt den Grill wie nebenbei und ohne Probleme als letzte männliche Domäne erhalten haben? Sind die Fachsimpeleien über den neuen Kugelgrill und die eine Szene bei den Simpsons, als Homer Simpson den ganze Spiritus in den Grill … nur vorgetäuschte Themen um in Wirklichkeit ungestört von den Frauen weiterhin die eigentliche Macht unter sich auszumachen?
Sollten wir uns vielleicht weniger auf die DAX-Vorstände und mehr auf diese modernen Feuerstellen konzentrieren? Ich sage: Ja!
Mädels, vergesst die gläserne Decke und erobert die Grills dieser Welt! Wenn meine Theorie stimmt, dann wird sich, wenn wir erst diese Hoheit errungen haben, der Rest schon von selber regeln!
*Hier wird die Überschrift erklärt.

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