In der Serie „Der Kommentar“ veröffentlichen wir ab sofort eure Gedanken zu einem Thema eurer Wahl. Den Anfang macht Ani K., die über unerwünschte Anmachen in der Disco schreibt:
Ich geh gern tanzen. Samstagabends hüpfe ich meist bis fünf Uhr morgens zu irgendwelchen Beats herum. Dass da auch andere auf der Tanzfläche sind, kriege ich meist gar nicht mehr richtig mit. Da ich aber rein optisch schnell als Frau erkennbar bin, wird mir die Tatsache, hier nicht allein zu sein, allerdings häufig recht aufdringlich ins Bewusstsein gerufen. Eine Disko ist nun mal ein Ort der Anmache, des Kennenlernens und auch des Körperkontaktes – in dieser Reihenfolge kann das alles beim Tanzen passieren.
Ich bin allerdings immer davon ausgegangen, dass Menschen von vorne zunächst doch interessanter sind als von hinten. Das scheinen manche anders zu sehen. Während meines letzten Diskobesuchs wurde mein Tanzen plötzlich von der Empfindung unterbrochen, ich hätte etwas am Po kleben. Ziemlich schnell war klar, dass es sich dabei um die Leistengegend eines mir unbekannten Diskobesuchers handelte, die, meiner Hüfte folgend, treu jede meiner Bewegungen mitmachte. Der zu der Leiste Gehörende legte dann alsbald zwecks Ausbalancierung seine Hände aus meine Oberschenkel. Mittlerweile hatte ich zunehmend das Gefühl, hier würde eine Art Analverkehr in Klamotten simuliert, wobei mir der anale Part zugedacht schien. Zufälligerweise wurde ich in diesem Moment sehr durstig, entwand mich der Umklammerung des mittlerweile eher (leicht neben dem Rhythmus) bum… als Tanzenden und ging etwas trinken. Dass ich in den restlichen 3 ½ Stunden in dieser Disko noch genau viermal etwas (und zwar immer wieder einen anderen Unbekannten) am Po kleben hatte, finde ich merkwürdig.
Ich tanze gerne, allein, aber auch zu zweit, und ich habe absolut nichts gegen sexy tanzen, sexy sein oder Sex überhaupt, in welcher Position und mit wem auch immer. Ich lasse mich gerne anmachen und würde mir wünschen, öfter mal den Mut zu haben, jemanden anzumachen.
Aber vielleicht möchte ich ja bei potenziellen (sexy) Tanzpartnern erst mal wenigstens wissen, wie sie aussehen; zumindest spontan sympathisch finden möchte ich Menschen doch, bevor sie mir unerwartet (und oft auch unerwünscht) buchstäblich in den Allerwertesten kriechen.
Beschwere ich mich jedoch über diese „Anmachtechnik“, sage ich nur ein Wort darüber, um mehr zu tun als mich immer nur flink der „Penetration“ zu entziehen, ernte ich bloß ein müdes „Dann zieh dir halt nicht so einen kurzen Rock an“.
Nach der Disko-Nacht fragte mich mein Vater: „Na, waren hübsche Jungs da? Haben euch viele angesprochen?“ Tja. Natürlich waren hübsche Jungs da! Wenn sie uns bloß mal angesprochen hätten!
ANI K.
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