In ihrem Post „Look, Kitten, I Am Too a Feminist! Fauxminism and Men“ diskutiert die US-Bloggerin Megan Milanese das Problem der falschen männlichen Feministen und listet direkt noch zehn Kriterien auf, woran jene Pseudo-Alliierten erkannt werden können. Der Quotenmann findet den Ansatz richtig, ist aber eben deshalb wenig geneigt, selber eine Theorie über den Unterschied zwischen echten und falschen Feministen zu präsentieren. Denn das wäre nicht nur zwangsläufig eine Art Plädoyer in eigener Sache, sondern würde auch gegen eine zentrale – und durchaus vernünftige – Intuition der Autorin stoßen:
“While men certainly have a place in feminism, they need to understand that this place will be radically different from the place they currently enjoy in the current social climate.”
(zu deutsch: „Auch wenn Männer selbstverständlich ihren Platz im Feminismus haben, müssen sie verstehen, dass dieser sich radikal von dem unterscheiden wird, den sie im gegenwärtigen sozialen Klima genießen.“)
Vielmehr möchte der Quotenmann seine LeserInnen einladen, sich mit dieser allgemeinen Frage zu beschäftigen, während er sich hier auf einen einzigen Aspekt der Diskussion konzentriert. Milanese hat recht, wenn sie klarstellt, dass die Probleme der Männer für eine feministische Theorie (ebenso wie für eine Frauenministerin) gar nicht in den Vordergrund gehören. Wer – wie manche LeitartiklerInnen in den deutschen Medien – dies bezweifelt oder relativiert, hat das große Bild aus dem Blick verloren und schwelgt in einer angeblichen Opferrolle. Die Zusammenhänge sind aber aus einer konstruktivistischen Perspektive wohl etwas komplizierter. Die Autorin schreibt:
“While it is true the Patriarchy Hurts Men, Too™, the fact of the matter is that the problems that men face that don’t stem from class, race, sexuality, or able-bodiedness issues tend to stem from socially ingrained misogyny. It is a systemic devaluation of femininity that creates the rigidly defined masculinity by which men must abide. If men have a problem with masculinity as it currently exists, perhaps they should consider increasing the social status and viability of femininity in all people. They could also address the notion that femininity and masculinity are not mutually exclusive.”
(zu deutsch: „Es stimmt: Das Patriarchat schadet auch Männern. Aber Tatsache ist, dass die Probleme, die Männer betreffen, und die nicht durch Klasse, Ethnie/Hautfarbe, Sexualität oder (körperliche) Befähigung bestimmt werden, von sozial tief verwurzeltem Frauenhass stammen. Es ist die systematische Abwertung von Weiblichkeit, die diese rigide definierte Männlichkeit erschafft, an die sich Männer zu halten haben. Wenn Männer ein Problem mit dem gegenwärtigen Männlichkeitskonzept haben, sollten sie vielleicht darüber nachdenken, den sozialen Status und die Lebensfähigkeit von Weiblichkeit auf alle Menschen zu erweitern. Genausogut können sie den Gedanken aufgreifen, dass Weiblichkeit und Männlichkeit eineinander nicht ausschließen.“)
Einerseits hängen die Genderrollen „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“, so wie sie jetzt in unseren Gesellschaften definiert und konstruiert sind, so eng zusammen, dass die immer noch unterdrückenden Normen, die einen Mann zum (westlichen heutigen) Mann machen, gar nicht dekonstruiert werden können, ohne dass erst die entsprechenden, viel repressiveren Normen, die eine Frau zur (westlichen heutigen) Frau machen, aufgehoben werden müssen. „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“, so wie sie in der Realität existieren, sind eben keine gleichberechtigten Korrelate, deshalb stimmt der Umkehrschluss nicht: Es kann eine Weile dauern, bis die emanzipierte Frau ihr männliches Pendant bekommt. Die (marxistische) Logik dieses Argumentes lautet: Erst rebelliert der Teil des Gesellschaftsmechanismus, wo es die höchste Spannung angestaut hat.
Andererseits sind „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ letztendlich nur künstlich konstruierte Kategorien, die einen künstlichen Gegensatz bilden. Einmal abgesehen von ihrer machtdiskursiven Rolle in den konkreten Geschichten unserer Gesellschaften, bleiben sie, an und für sich, genauso willkürlich wie jede andere beliebige Kategorie. Was wir aus diesem körperbildbestimmenden Erbe machen, inwieweit wir es als gegeben akzeptieren, ist in dem (existenzialistischen) Sinne unsere Sache. Ehe sich die Gesellschaft weiter von den traditionellen Genderrollen emanzipiert, können wir also als Individuen die Konstruktion unseres eigenen Geschlechtes hinterfragen und gewissermaßen „auflockern“. Und damit würden wir Männer vielleicht auch auf einem sicheren, weil reflektierten Weg zum echten Feminismus.

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