Beobachtet

Samstagabend in Köln. Auf einer Veranstaltung treffe ich eine Bekannte und frage sie nach einer gemeinsamen Freundin. „Wie geht es Ahlam?“, frage ich sie. „Welche Ahlam?“ – „Ahlam El Rifai*.“ – „Kenne ich nicht.“ Ich wundere mich. „Wir waren doch gemeinsam in Berlin.“ Sie schaut mich stirnrunzelnd an, dann klickt es. „Ach, die Ahlam. Die... weiterlesen →

Die Faust und die Tränen

Tayfun ist still. Sein Leben ist routiniert. Er ist fleißig in der Schule, gut im Sport und loyal zu seinen Freunden. Schule, Sport, Freunde. Schule, Sport, Freunde. Ein ruhiger Mensch. Eine geballte Faust. Es ist Donnerstagabend vor ein paar Jahren in Hamburg. Tayfun ist fertig mit dem Kickbox-Training und schaut auf die Uhr. In 15... weiterlesen →

Ich, ich gehöre hierher

Groß und gerade steht Nazim, etwas breit. Seine gebräunte Haut ist ledrig, die Zähne vergilbt vom Rauchen. Mit seinen tiefschwarzen Augen beobachtet er aufmerksam die Menschen um ihn herum. Nazim ist angekommen. Als sich die Türen öffnen und er seinen Bruder hinter der Absperrung am Berliner Flughafen entdeckt, steckt Nazim seine goldene Halskette unters Hemd.... weiterlesen →

Rosenmonat

Gülay ist Anfang der fünfziger Jahre im Osten der Türkei in einer türkisch-kurdischen Familie geboren worden. Wie alt sie genau ist, weiß sie nicht. Nur dass es im Mai gewesen sein muss, dem Monat der Rose – denn Gülay bedeutet Rosenmonat. Heute lebt sie im Londoner Stadtteil Wood Green, in dem auch viele andere Kurden,... weiterlesen →

Fröhliche Baynachten

Weihnachten ist die langweiligste Zeit des Jahres! - fand ich als Kind einer türkisch-muslimischen Familie, die kein Weihnachten feierte. Im Fernsehen liefen immer nur die gleichen Sachen - obwohl, von "Kevin allein Zuhaus" bekam ich nie genug. Keiner meiner Freunde kam nach draußen zum Spielen, alle hatten zu tun und waren schwer mit der Familie... weiterlesen →

Sie ist eine ganz besondere Perle

März 2011, Tunis in Tunesien. Amina steht im Publikum am Mikrofon und stellt François Hollande, dem französischen Präsidentschaftskandidaten der Sozialisten, eine Frage. Er ist an diesem Abend eingeladen, um über Demokratie zu sprechen. Holland unterbricht sie. "Entschuldigen Sie, Mademoiselle", sagt er zu Amina, "Sie sprechen wirklich sehr gut Französisch." Hollande lächelt. Amina nicht mehr. "Danke,... weiterlesen →

Lasst dies den Anfang vom Ende sein.

Wehret den Anfängen, wehret den Anfängen… So oft rief man diesen Satz in den vergangenen Jahren. So oft, dass er heute bedeutungslos ist. 182 rassistische Morde zählen wir in meinem Land. 182 zu viel. Das ist kein Anfang mehr. "Braune Armee Fraktion!", "Brauner Terrorismus!", "Braune Morde!", Braun! Wie ein Wirbelsturm jagte die Neuigkeit in den... weiterlesen →

Von Wiese zu Wiese hüpfen

Auf der anderen Seite ist das Gras immer grüner - bis man endlich auf der anderen Seite ist. Eine Freundin arbeitet in einem Hamburger Theater. Sie ist türkischer Herkunft, sieht aber mit ihren grünen Augen und den hellbraunen Haaren nicht besonders verdächtig aus, als eine türkische Theatergruppe das Theater besucht. Demonstrativ schwingt die Gruppe vor... weiterlesen →

Wenn die Sehnsucht kommt und geht

Als Hasret das erste Mal weg war, suchte Medine sie überall. In Aufruhr durchkämmten die Bewohner der türkischen Kleinstadt Felder, Häuser und Bäche. Es wurde schließlich später Abend. Die Laternen der Suchenden, der Mond und die Sterne erhellten das Feld der Familie. Verzweifelt bahnte sich Medine den Weg durch die Orangen-, Zitronen- und Feigenbäume. Und... weiterlesen →

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