Offener Brief: Rassismus und Sexismus am Theater an der Parkaue in Berlin

Dass die Arbeitsbedingungen an vielen deutschen Theatern geprägt sind von Angst, Druck und Überlastung, ist bekannt. Auch dass Rassismus an Theatern Alltag ist und keine Ausnahme, ist kein Geheimnis und wird seit Jahren diskutiert. Trotzdem hat sich bisher wenig an den Strukturen der Institutionen verändert.

Aktuelles Beispiel: Ein offener Brief ehemaliger Mitarbeiter_innen des Theaters an der Parkaue (TAP) in Berlin, in dem rassistische und sexistische Vorfälle detailliert beschrieben werden.

Verschiedenen Medien wie der taz und dem nd liegen der Brief vor, in dem die Verfasser_innen nicht nur den Umgang mit den diskriminierenden Vorfällen von Seiten der Leitung des Hauses kritisieren, sondern auch die all­gemeinen Arbeits­bedingungen am Theater an der Parkaue, wegen denen die Mitarbeiter_innen das Haus ver­lassen haben.

Diesen Brief veröffentlichen wir hier in gesamter Länge:


An die Senatsverwaltung für Kultur und Europa
Senator Dr. Klaus Lederer
Brunnenstr. 188-190
10119 Berlin
Berlin, im Juni 2019

Sehr geehrter Herr Senator Dr. Klaus Lederer,

wir wenden uns an Sie, um auf die Arbeits­bedingungen am Theater an der Parkaue – Junges Staats­theater Berlin (TAP) in Berlin Lichtenberg aufmerksam zu machen. Wir sind eine Gruppe von zwischen 2015 und 2019 am TAP beschäftigten Mitarbeiter*innen aus verschiedenen Abteilungen und Bereichen des Hauses. In dieser Zeit haben wir erlebt, dass zahl­reiche Mitarbeiter*innen aufgrund der für sie unzumut­baren Arbeits­bedingungen das Theater verließen. Auch wir tragen gesundheit­liche und psychische Konsequenzen aus der Arbeit am TAP.

Folgender Vorfall ist ein Beispiel der unzumut­baren Arbeits­bedingungen am TAP und gleichzeitig in seiner besonderen Schwere Anlass unseres Schreibens: Im April des vergangenen Jahres verließ eine Schau­spielerin wenige Tage vor der Premiere die laufende Proben­arbeit des Theater­stücks „Die Reise um die Erde in 80 Tagen“ in der Regie des theater­eigenen Schauspiel­direktors Volker Metzler. Sie begründete ihren Ausstieg damit, im Rahmen der Proben rassistisch diskriminiert worden zu sein. Am 14. April 2018 feierte das Theater­stück – ohne die Schau­spielerin – Premiere.

Über ein Jahr nach dem Vorfall wurde durch die rück­wirkende Absetzung des Stücks und die Beurlaubung des Regisseurs und Schauspiel­direktors die rassistische Diskriminierung von der Theater­leitung anerkannt. Trotz dieser Maß­nahmen befürchten wir, dass unter der Intendanz von Kay Wuschek Diskriminierungen auch in Zukunft nicht recht­zeitig angegangen und auf­gearbeitet werden. Um Ihnen unsere Befürchtungen zu erläutern, möchten wir hier die Arbeits­bedingungen am TAP, den Verlauf der Aufarbeitung der rassistischen Diskriminierung und auch den Umgang der Leitung mit zwei Förder­programmen für Diversität am TAP skizzieren.

1.) Arbeitsbedingungen:

  • Es herrscht ein Klima der Angst, das wir vor allem auf Kay Wuscheks Führungs­stil zurückführen: Er schreit regelmäßig in großen Runden Mit­arbeiter*innen an. Mit­arbeiter*innen fühlen sich häufig beleidigt und befinden sich in Sorge vor Wutausbrüchen durch den Intendanten. Weinende Mit­arbeiter*innen gehören zum Alltag am TAP. Z.B. steht Kay Wuschek in einer abteilungs­übergreifenden Besprechung auf und ahmt eine Abteilungs­leitung in Gestik und Mimik nach. Seine Darstellung muss von einer leitenden Mitarbeiterin unterbrochen werden. Ein weiteres Beispiel: Auf einer Voll­versammlung beginnt Kay Wuschek auf eine Rück­frage eines Mitarbeiters hin plötzlich minutenlang zu schreien. Wort­laut kann nicht erinnert werden.
  • Unklarheiten über Zuständig­keiten und Konflikte beherrschen den Arbeitsalltag.
  • Vertrauliche Informationen, wie beispiels­weise sensible Krankheits­daten, werden in großen Runden weiter­gegeben. Z.B. werden die Gründe für einen Krankenhaus­aufenthalt eines*r Mitarbeiter*in in einer Besprechung vor allen Anwesenden diskutiert und bewertet. Des Weiteren: Als eine Gruppe von Mitarbeiter*innen in einem vertrau­lichen Brief an die Theater­leitung ihre Über­lastung mitteilt, weiß schnell das ganze Haus davon. An den genannten Gründen der Belastung wird nichts verändert.
  • Befristete Verträge (Normalvertrag Bühne) werden als Druck­mittel eingesetzt. Dies führt im Zusammen­spiel mit dem hohen Arbeits­pensum zu starker psychischer Belastung.
  • Der Intendant toleriert Macht­verhältnisse, in denen sich Frauen unwohl fühlen: Es ist Alltag am TAP, Sprüche zu hören wie „Ihr sitzt nur auf euren hübschen Ärschen“.
  • Es gibt einen sehr hohen Krankheits­stand und massive Kündigungs­wellen, vor allem von jungen Frauen.

2.) Umgang mit der rassistischen Diskriminierung:

  • In den Proben zum Stück „Die Reise um die Erde in 80 Tagen“ ist es zu rassistischen Diskriminierungen gekommen. Zu der Schau­spielerin wurde im ungefähren Wort­laut unter anderem gesagt: Wenn du vor der schwarzen Wand sitzt, sieht man dich fast nicht. Außerdem: Sing mal was. Das könnt ihr doch ihr N*. Dies sind nur zwei von vielen Beispielen.
  • Die Aufarbeitung der rassistischen Diskriminierung der Schauspielerin (interne Voll­versammlungen, Absetzung des Stücks „80 Tage“, Beurlaubung des Schauspiel­direktors) fand erst im Zuge von medialem Druck und über ein Jahr nach dem Vorfall statt.
  • Die Nachbereitung des Vorfalls hat sich im gesamten Jahr danach (März 2018 – März 2019) theater­intern auf zwei Aushänge bzw. E-Mails und ein einziges Treffen mit den Produktions-Beteiligten beschränkt, in dem sich jedoch weder Kay Wuschek noch Volker Metzler äußerten. Kay Wuschek räumte weder sich noch den Beteiligten Zeit für die Aufarbeitung der rassistischen Diskriminierung ein.
  • Die Schauspieler, die sich der Schauspielerin gegenüber ebenfalls rassistisch geäußert hatten, spielten weiter­hin das Stück und nahmen ohne weitere Sensibilisierungs­maßnahmen zu Alltags­rassismus an Publikums­gesprächen für Kinder und Jugendliche teil.
  • Obwohl der Vorfall in sozialen Medien sowie in Verteilern der Berliner Theater­szene längst bekannt war, gab es keine öffent­liche Entschuldigung und Stellung­nahme durch die Leitung des TAP weder nach innen noch nach außen.

3.) Umgang mit den Förder­programmen für Diversität am TAP (seit Juni 2018):

  • Am TAP sollten zwei Förder­programme für Diversität stattfinden (ein Organisations­entwicklungs­prozess von Diversity.Arts.Culture (DAC) und die Förderung 360° der Kulturstiftung des Bundes). Beide Förderungen wurden unabhängig von und zeitlich vor dem Diskriminierungs­vorfall in der Produktion „Die Reise um die Erde in 80 Tagen“ von der Theaterleitung beantragt.
  • Kay Wuschek nahm sich für beide Förder­programme kaum Zeit und war nicht dazu bereit, ihre Umsetzung an seinem Haus möglich zu machen: Weder nahm er am Auftakt­workshop der Agentin für Diversität teil, noch war er am Workshop-Tag der Organisations­entwicklerinnen von DAC (31.10.18) am Haus. Durch seine Abwesenheit wurde der Beleg­schaft der Eindruck vermittelt, die Förder­programme seien unwichtig.
  • Kay Wuschek stellte die Agentin für Diversität der Belegschaft nie offiziell vor. Statt sie und die Förder­programme bei der Spiel­zeit­eröffnung 2018/2019 vorzustellen, diskreditierte er die Diversitäts­entwicklungen am Theater per se. Er sagte im ungefähren Wortlaut: Wir leben in schweren Zeiten, in denen es nicht mehr möglich ist, dass ein Schwarzer einen Indianer spielt, ohne dass man als Rassist diffamiert wird, oder dass ein nicht-Schwuler einen Schwulen spielt. Mehr sagte er zu den beiden anlaufenden Förderungen an diesem Tag und auch später nicht.
  • Er räumte auch der Belegschaft keine Zeit im Betriebs­alltag ein, um überhaupt an dem Prozess zu arbeiten. Wir befürchten, dass es am TAP unter der aktuellen Leitung und unter den von uns beschriebenen Arbeits­bedingungen wieder zu ähnlichen Diskriminierungen kommen wird und weitere Mitarbeiter*innen zu Schaden kommen. Es ist unser Anliegen, dass jetzige und zukünftige Mitarbeiter*innen vor weiteren Diskriminierungen geschützt werden und keine körperlichen oder psychischen gesund­heitlichen Folgen von der Arbeit am TAP davontragen müssen.

Das TAP ist ein staatliches Kinder- und Jugend­theater und eine von Ihnen geförderte Institution mit der Aufgabe, Theater an Kinder und Jugendliche zu vermitteln. In unseren Augen kann unter der derzeitigen Leitung dieser Aufgabe nicht verantwortungs­voll nachgegangen werden.

Aus Angst vor beruflichen Nachteilen in der eng vernetzten (Berliner) Theater­szene haben wir uns dazu ent­schlossen, unseren Brief anonym zu verfassen.

Konsenskarneval, sexualisierte Gewalt und UN-Rüge für Rassismus in Deutschland – kurz verlinkt

deutschsprachige Links

Melanie Trommer wurde von Feminismus im Pott zum Konsenskarneval interviewt: „Wir wollten, dass der Fokus endlich auf die Typen gelegt wird: Sie sind es, die mit dem Alkohol vorsichtiger sein sollten und an deren Anstand appelliert werden sollte.“

Vier Frauen werden lesbenfeindlich und sexistisch angegangen, verprügelt und mit dem Tod bedroht. Die Polizei stellt klar: wer weiß ist, ist deutsch und wer deutsch ist, kann kein Täter sein.

Der Tagesspiegel schreibt zu Ergebnissen einer UN-Untersuchung zu Rassismus in Deutschland: „Das Urteil fällt vernichtend aus.

Wie sprechen über sexualisierte Gewalt? Welche Bezeichnungen finden Menschen, die diese erfahren haben? Darum ist gerade eine Debatte entbrannt. Empfehlenswerte Texte gibt es bei Identitätskritik, wo es heißt „Betroffenheit schützt nicht davor Scheiße zu sein“ und bei der ZEIT, wo Marion Detjen über die „Gewalt ohne Namen“ schreibt.

Nicola Hinz hat auf ihrem Blog Das Lied der dicken DameFettlogik überwinden“ von Nadja Hermann gelesen und ihre Kritiken zusammengestellt.

#TeamWallraff – Was sich ändern muss, heißt es bei Behindertenparkplatz.

englischsprachige Links

Im Guardian schreibt Rashmee Kumar über Brown Girls and 195 Lewis, zwei neue Webserien von und über queere WoC.

Raquel Willis hat auf Twitter eine „history of black transgender people“ zusammengestellt.

Termine

Über 100 Veranstaltungen, Demos, Filmvorführungen und mehr rund um den Frauenkampf-Tag in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben wir auch in diesem Jahr in einer Übersicht zusammengestellt! Tipps zu weiteren Veranstaltungen können jederzeit in den Kommentaren aufgeführt werden.
Außerdem gibt es Frauentags-Veranstaltungslisten beispielsweise beim Feministischen Netzwerk und dem Gunda-Werner-Institut.

4. März in Köln: Ab jetzt ist eine Anmeldung möglich: #body*talk. Rollenbilder, Schönheitsdiktate und Empowerment im Netz.

4. März in Wien: Podiumsdiskussion – Zum Stand feministischer Kämpfe mit Mädchenmannschaftsbeteiligung. (FB-Link)

9. bis 11. März in Bern: CKSTER-Festival zum Thema Gender Hacking.

11. März in Berlin: 7. Barcamp Frauen. Infos findet Ihr hier.

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?

Der Cis-Begriff, Sexismus und Rassismus im Kulturbetrieb und Chelsea Manning – kurz verlinkt

Dieser Text ist Teil 328 von 395 der Serie Kurz notiert

Laura Gelhaar hat ein Buch geschrieben. Es trägt den Titel „Kann man da noch was machen? Geschichten aus dem Alltag einer Rollstuhlfahrerin.“. In der Welt wurde sie porträtiert.

Beim Missy Magazine schreibt Tove Tovesson über Chelsea Manning, den Einsatz von Isolationshaft und einem fragwürdigen Justizsystem.

Laufmoos schreibt über die Herkunft des Begriffs „cis“.

Die aktuelle an.schläge ist mit dem Titelthema „Kulturarbeit. Kunst und Sexismus“ erschienen. Dieses Mal können alle Artikel des Schwerpunkt online nachgelesen werden. Gabi Horak schreibt beispielsweise über die Arbeitsbedingungen von Kartenverkäufer_innen und Museums-Guides und Lea Susemichel geht der sexistischen Tradition des Kulturbegriffs auf den Grund.

Dazu passend weiter: Mit der analyse&kritik spricht Sharon Dodua Otoo über Rassismus und den deutschen Literaturbetrieb und sagt: „Literatur ist für mich eine Intervention, an den jetzigen Zuständen zu rütteln.“

Jutta Limbach, die als erste Frau die Präsidentschaft des Bundesverfassungsgerichts übernommen hatte, ist verstorben. Der rbb würdigt sie mit einem Nachruf.

Magda wurde für ein halbstündiges Radio-Feature von Deutschlandradio Kultur interviewt: „Dick und stolz drauf.

Arge Dicke Weiber aus Wien (Österreich) suchen dickenfreundliche Mediziner_innen, egal welchen Faches, um eine Liste zu erstellen.

Hannah Rosenblatt rantet auf Ein Blog von Vielen über die Forderung den Mut zu haben die eigene Stimme zu benutzen und wie unterschiedlich gewertet wird, je nach dem in welchem Kontext Personen ihre Gewalterfahrungen schildern.

Stark und selbstbewusst durch Musik! – Das Rock Camp München für Mädchen freut sich über Spenden.

Anhören könnt ihr einen Audio-Mitschnitt der Podiusmsdiskussion „One Solution: Feminism? Feministische Strategien Gegen Den Rechtsruck Und Die AfD„, an denen Vertreter_innen der Interventionistische Linke Berlin (IL), Women in Exile & Friends, des Marsch für das Leben? What the Fuck-Bündnis und des Forschungsnetzwerks „Frauen und Rechtsextremismus“ teilnahmen.

Termine in Berlin, Karlsruhe, Nordrhein-Wetsfalen und Traun (Österreich)

23. bis 25. September in Karlsruhe: Lady*fest Karlsruhe.

24. – 25. September in Nordrhein-Westfalen: Die Nacht der Jugendkultur.

01.10. in Berlin: „Voll Fett!“ Sensibilisierungsworkshop und Ideenwerkstatt für Fachkräfte der sozialen Arbeit von Magda Albrecht

01.10. in Traun (Ö): Theateraufführung „Geheimsache Rosa Luxemburg

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?

Sexualisierte Gewalt in Köln (und anderswo), Abtreibungsrechte und Backlash zu #Campusrassismus – kurz verlinkt

Dieser Text ist Teil 307 von 395 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Zur Gewalt in der Silvesternacht in Köln wurde bereits vieles geschrieben (und vor allem vielles, was eine lieber nicht gelesen hätte). Einen Artikel, der eigentlich alle Debatten auf den Punkt bringt, hat Hengameh Yaghoobifarah in der taz veröffenlicht. Dort schließt sie mit der Erkenntnis: „Es sind nicht männliche Geflüchtete, die Vergewaltigungskultur aufrecht erhalten, sondern die sehr selektive Anhörung der Betroffenen und Victim-Blaming, wie es jetzt Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker anhand von Verhaltensregeln für Frauen à la „eine Armlänge Distanz“ betreibt.“

Im Dezember gab es die Twitteraktion #Campusrassismus (wie wiesen darauf hin). accalmie hat ein Storify mit Tweets angelegt, die aufzeigen, wie (wenig überraschend) mit Rassismus auf diese Aktion reagiert wurde.

englischsprachige Links

Am 02. Januar begann eine Gruppe bewaffneter Männer in Oregon die Besetzung eines staatlichen Gebäudes (im Malheur National Wildlife Refuge), Forderungen umfassen Zugang zu Land und weniger Eingriffe des Staats. The New Yorker schreibt über „The Bundys and the Irony of American Vigilantism„, beim Guardian argumentiert Wajahat Ali „If the Oregon militiamen were Muslim or black, they’d probably be dead by now„, bei Vox gibt es noch wichtige Hintergrundinformationen in „Waco and Ruby Ridge: the 1990s standoffs haunting the Oregon takeover, explained“ und U.S. Uncut erinnert „Here’s What Happened When These Unarmed Native American Sisters Defended Their Land from the Feds„.

Zu den Erfahrungen sexualisierter Gewalt gegen geflüchtete Frauen berichtet die New York Times.

Broadly präsentiert einen Rückblick auf ein nicht besonders gutes Jahr für Abtreibungsrechte in den USA.

Filipino wartime rape victims push for compensation from Japan“ schreibt The Guardian.

Ein Stück bestes Storytelling auf Twitter hat Clutch zusammengefasst: In ihren Tweets erzählt @BlackMajiik über einen weißen Kollegen, der sich weigerte ihren Namen richtig auszusprechen, und wie glorreich sie reagierte.

Rabenmütter, rechte Politikerinnen und #CampusRassismus – kurz verlinkt

Dieser Text ist Teil 3 von 395 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Clara-Zetkin-Frauenpreis 2016: DIE LINKE lobte anlässlich des Frauentages 2016 zum sechsten Mal einen Preis aus, mit dem herausragende Leistungen von Frauen in Gesellschaft und Politik gewürdigt werden. Noch bis zum 31. Januar 2016 könnt ihr euch bewerben bzw. ein Projekt vorschlagen.

Der Raben Mütter e.V. hat eine Anfrage der Seemia Media GmbH erhalten, die einen Beitrag über einen alleinstehenden Vater drehen wollen. In einem öffentlichen Brief, den ihr hier als PDF runterladen könnt, wenden sie sich gegen Stereotype und Vorannahmen über „alleinstehende Väter“ und deren Ex-Partnerinnen, die bereits in der Anfrage enthalten sind.

Bei der ZEIT schreibt Stefanie Lohaus über rechte Spitzen-Politikerinnen wie Frauke Petry oder Marine und Marion Le Pen und fragt, was diese mit Feminismus zu tun haben. (Zum Weiterlesen in diese Richtung empfiehlt sich auch ein Blick in unsere Reihe „Gender und Rechts(extremismus)„.)

Die Aktion #CampusRassismus hat es diese Woche auch in einige Medien geschaft. So können in der ZEIT Amina Yousaf und Zuher Jazmati von ihren Erfahrungen berichten und in der taz wird über die „ganz alltägliche Diskriminierung“ geschrieben.

Englischsprachige Beiträge

Vom Mai bis September 2016 soll im Schwulen Museum Berlin eine Ausstellung mit Titel „Millionaires can be trans*/You are so brave*“ entstehen. Jetzt gibt es einen Open Call für interessierte trans Künstler_innen.

Victoria Law hat dieses Jahr 50 Bücher von Autorinnen of Colour gelesen – aus unterschiedlichsten Genres wie SciFi, Memoiren und Gedichte. Beim Bitch Magazine stellt sie diese vor.

17 Badass Women You Probably Didn’t Hear About In 2015, stellt Buzzfeed vor, darunter Wissenschaftlerinnen, Aktivistinnen und Astronautinnen.

Termine

9. Januar 2016 in Münster: Die antisexistische Gruppe „We love consent“ veranstaltet einen kostenlosen (Spenden werden erbeten) Aktionstag mit FLTI*Rap Workshop, einem Vortrag zu Frauen im Hip Hop Malestream, Konzert und Party. Weitere Infos findet ihr hier (Facebook-Link).

30. – 31. Januar 2016 in Frankfurt am Main: Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) lädt zur Jubiläumsveranstaltung anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens ein. Mehr zum Programm und zur Anmeldung hier.

#CampusRassismus

Am Samstag starteten die People of Color Hochschulgruppe Mainz und die People of Color Hochschulgruppe Frankfurt a.M. gemeinsam mit Kooperationspartner_innen wie #schauhin und dem ISD e.V. die Hastag-Aktion #CampusRassismus. Aufgerufen werden Student_innen of Color ihre Erfahrungen im deutschen Universitätssystem über Twitter und Facebook zu teilen und so in geballter Form sichtbar zu machen. In der Ankündigung heißt es:

Rassismus als gesamtgesellschaftliches Phänomen macht aber auch vor dem Campus nicht stopp. Oft wird vor allem die Universität – ebenso wie andere Bildungsinstitutionen – als Ort der objektiven Wissenschaft, der intellektuellen, und sachlichen Diskussionen wahrgenommen und dargestellt.

Viele Studierende of Color erleben eine andere Wirklichkeit auf dem Campus, den Vorlesungen und Seminaren. Oder aber bereits bei der Einschreibung.

[…] In diesem Jahr machten Schwarze Student_innen und Student_innen of Color weltweit auf rassistische Strukturen und Wissensinhalte an ihren Universitäten aufmerksam. In Solidarität mit den Schwarzen Student_innen in Südafrika, Nordamerika, sowie England und weltweit, möchten wir trotz der vielen gesellschaftlichen und strukturellen Unterschiede auf mögliche Gemeinsamkeiten aufmerksam machen.

Am Wochenende wurde bereits in vielen Beiträgen auf die unterschiedlichen rassistischen Ebenen hingewiesen, auf Curricula und andere strukturelle Einschreibungen, Gespräche unter Mitstudent_innen, rassistische Aussagen von Dozent_innen:

Die Aktion läuft noch bis zum 18. Dezember.

Rassismusforschung, Inklusion und Widersprüche – die Blogschau

Dieser Text ist Teil 287 von 295 der Serie Die Blogschau

Auf Ein Blog von Vielen schreibt Hannah einen offenen Brief an ihren Lehrer über (scheiternde) Inklusion, (fehlende) Achtsamkeitkeit, vermeintliche „politische Korrektheit“ und behindert werden:

Eine Behinderung im Leben zu haben, gilt als etwas Persönliches und nicht als etwas, das alle betrifft. Auch dann, wenn es nur eine Person ist, die damit lebt. Nie bezieht ihr meinen Kampf auf euch, unseren Umgang miteinander, unsere gemeinsame Sprache, unsere jeweiligen Sozialisierungen, unsere spezifischen Lebenserfahrungen, den Kontext, die Räume, die Themen und die Arbeiten, die wir produzieren und begutachten, sondern immer auf mich. Wenn ich Probleme habe, soll ich was sagen. Soll ich wissen, ich kann immer kommen.

Im Internet gibt es eine ganze Reihe von Orten, wo Stimmen und Erinnerungen von Überlebenden des Holocaust und Nationalsozialismus versammelt sind. intersubjektiven stellt Organisationen, Quellensammlungen und Archive vor.

die transgeniale f_antifa hat sich entschlossen auf * hinter den Begriffen trans sowie Mann und Frau zu verzichten und erkläutert ihre Entscheidung in einem Blogeintrag: „JETZT NEU! Ohne Sternchen!

Dieses Semester veranstaltet die TU Berlin eine Ringvorlesung zu Rassismusforschung. Auf sibiuanar schreibt Hendrik Zusammenfassungen/ Besprechungen der Veranstaltungen, so bisher zu den Vorrägen von Nora Räthzel zur Geschichte der Rassismusforschung in Deutschland, Urmila Goel zu Verflochtene Machtverhältnisse und Noa Ha zu Dekoloniale Theorie und Perspektiven auf Stadt.

Auf Stop! Talking. geht es nochmals um Identitäten und Intersektionalität: „Identity politics are an essential strategy. Identities are not essential.“

Wenn ihr mal wieder nach Fatshion-Blogs aus dem deutschsprachigen Raum sucht, dann könntet ihr auch mal Dressing Outside The Box vorbeischauen. Da verbloggt die 27-jährige Modedesignerin Isabelle wunderbare Outfits.

Auf Gott und Co schreibt Antje über die Podiumsdiskussion „Kopftuch-Debatte! Beschneidungsdebatte! Kirchenprivileg-Debatte? Zum Verhältnis von Staat und Religionen aus feministischen Perspektiven“ mit u.a. Yasemin Shooman und Hannah Tzuberi.

Noah Sow schreibt Lieferscheine für Gegengewalt bzw Widerstand, heute an den „Fitnessenthusiast“. (Edit: Beschreibung verändert, siehe Kommentar)

Auf Don’t degrade Debs, darling! gibt es gleich zwei tolle Beiträge: In „Die Lösung für alles Mögliche: Serien schauen!“ geht es um die Funktionen, die Seriengucken haben kann und in „Politik in Widersprüchen“ wird die Widersprüchlichkeit von sozialen Positionierungen seziert und gefragt, wie diese sinnvoll in Positionierungsdebatten eingebaut werden können.


Habt ihr diese Woche etwas geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Regelmäßig verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.

Studien zu „Übergewicht“, Rassismus in Kitas und Universitäten, Game of rape culture Thrones – kurz verlinkt

Dieser Text ist Teil 282 von 395 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links:

Die Beratungsstelle für Opfer rassistischer, antisemitischer und rechtsextremer Gewalt in Berlin – ReachOut – hat eine Broschüre herausgegeben: „Grundlagen für eine diskriminierungsfreie Pädagogik im Kindergarten“.

Es wir derzeit eine Publikation über die letzten 30 Jahre ISD/jüngere Schwarze Bewegung in Deutschland vorbereitet. Für ein Kapitel zu „Black & Queer“ gibt es eine Umfrage, um so viele Erfahrungen wie möglich abzubilden.

Vice interviewt einige der Mitglieder von Rawiya, einem Kollektiv von Dokumentar-Forografinnen aus verschiedenen arabischen/ nord-afrikanischen Ländern.

Der Tagesspiegel berichtet von der Veranstaltung mit Angela Davis und Gina Dent in der Werkstatt der Kulturen. Auch die Aktivist_innen vom Oranienplatz haben ein Statement zum Besuch der beiden Aktivistinnen in Berlin geschrieben. Die Geflüchtetenbewegung sei die soziale Bewegung des 21. Jahrhunderts, sagt Davis in nachfolgendem Interview:

Kennt ihr eigentlich schon das Portal lesbengeschichte.org? Die mehrsprachige Webseite stellt lesbische Geschichte, Kultur, Biographien, Filme… vor.

Bei der Grassroots Akademie ist ein Statement von Kien Nghi Ha nachzulesen zu rassistischen Strukturen im deutschen Unibetrieb.

Folter und Misshandlungen durch die Bundespolizei – deckten Mitwisser den Täter?„, fragt ProAsyl.

Englischsprachige Links:

[Spoiler für Game of Thrones] The Mary Sue erklärt, warum sie nicht weiter für Game of Thrones werben werden.

„Overlooking these women’s contributions doesn’t just misrepresent the era, it’s also helped solidify philosophy’s status as a white men’s club.“ – The Atlantic schreibt über das Projekt Vox, bei dem Wissenschaftler_innen und Student_innen Texte und Übersetzungen von Philosophinnen aus dem 17. Jahrhundert zusammenstellen und Vorschläge für ein Curriculum erstellen.

Schlechte Filmideen überall: Disney will tatsächlich die Geschichte eines weißen, us-amerikanischen Vaters verfilmen, der im Sudan eine Flagge in den Boden rammte um seiner Tochter ein Königreich zu geben (just like colonialism never happened), schreibt Madame Noire. Janet Mock wirft außerdem einen Blick auf den neuen Film ‚Aloha‘ und der Tradition von Aneignung und Unsichtbarmachung von Kanaka Maoli (den Native Hawaiians) im us-amerikanischen Film.

Fünf Gründe, warum die omnipräsenten Studien zur „Übergewichts-Epidemie“ die Existenz einer solchen „Epidemie“ nicht wirklich beweisen, nennt Melissa A. Fabello bei eveydayfeminism.

Die Studentin Emma Sulkowicz wurde durch einen Kommilitonen vergewaltigt. Daraufhin trug sie auf ihren Wegen über den Campus monatelang eine Matratze mit sich, um ein visuelles Statement auch gegen den Umgang ihrer Uni mit dem Vorfall zu setzen. Nun hat Sulkowicz ihr Studium beendet – und die Matratze war auch in der Abschlusszeremonie dabei, berichtet Mashable.

Termine in Wien, Göttingen und Berlin

23. Mai, Berlin: Fett voll feiern – eine fette Party im So36.

5./6. Juni, Wien: Femcamp, eine Konferenz mit feministischen Perspektiven, die von den Beiträgen ihrer Teilnehmer_innen lebt

12./13. Juni, Göttingen: Das Antifee Festival startet in die nächste Runde

22. Juni, Berlin: Fachtagung zum Thema Postkolonialismus, die sich intensiv mit der kolonialen Geschichte Berlins und deren Aufarbeitung zu beschäftigen wird

Soli-Miete für Geflüchtete, Deutschland im Antirassismus-Test und die Liebe für Selfies – kurz Verlinkt

Dieser Text ist Teil 281 von 395 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

In Hamburg findet ab dem 12. Mai eine Veranstaltungsreihe zu Klassismus statt, u.a. mit Tanja Abou zum Thema Arbeiter_innentöchter und Prololesben.

Ihr könnt das selbstorganisierte Wohnen der geflüchteten  und  Aktivisten in Berlin mit einer kleiner Soli-Miete unterstützen: Eine E-Mail an soliroom(at)web.de schreiben und nach konkreten Infos fragen. Bereits kleine Beträge helfen! (via @post_gedanken auf twitter).

Gestern und vorgestern wurde geprüft, ob Deutschland die Antirassismus-Konvention erfüllt. ZEIT schrieb über die diskutierten Themen und die kritischen Positionen von Organisationen wie dem Menschenrechtsinstitut, die Ergänzungen/ Anmerkungen zum Bericht der Bundesregierung eingereicht hatten.

Die vom Missy Magazine moderierte Veranstaltung auf dem taz.lab „Sag’s korrekt Bitch“ kann nun nachgehört werden. Es diskutieren Reyhan Şahin, Sprachwissenschaftlerin, Rapperin (‚Lady Bitch Ray‘) und Autorin, Ferda Ataman, Leiterin Mediendienst Integration und Lann Hornscheidt, Professx für Gender Studies und Sprachanalyse an der HU Berlin, zu gendergerechter Sprache.

Nach dem Tod Freddie Grays, eines jungen Schwarzen Manns in Baltimore: Die Staatsanwältin Marilyn Mosby erhob Anklage gegen die fünf Polizist_innen, die für Grays Tod verantwortlich sein sollen, berichtet die taz.

Englischsprachige Links

Bei Rookie gibt Tyler einige Tipps (natürlich auch mit der Einschränkung, dass diese nur Ideen sind und vieles auch nicht oder anders funktionieren könnte): „How to Talk to Your Parents About Transitioning„.

Falls Menschen etwas über die Geschichte von Suffragetten (in den USA) wissen, dann fallen häufig die Namen Susan B. Anthony oder Alice Paul. Autostraddle erweitert durch eine kleine Geschichtsstunde das Feld mit Vorstellungen zu sieben weiteren Aktivistinnen.

Die feministische Fernseh- und Filmkritik-Seite Bitch Flicks hat einen Call for Writers zum Thema „Schlechte Mütter“ gestartet, an dem ihr euch beteiligen könnt.

Dolores Huerta gründete in den 1960ern u.a. gemeinsam mit Cesar Chavez die Organisation United Farm Workers. Auch heute ist sie noch aktiv für Farm-Arbeiter_innenrechte im Einsatz. Gaylynn Burroughs schreibt beim Ms. Magazine über ihren andauernden Aktivismus.

Trust your selfie: Auf The Belle Jar gibt es einen offenen Brief an alle Freund_innen, die gern Selfies von sich schießen – perfekt zum Herumreichen.

Französischsprachige Links

Vierzig französische Politikjournalistinnen protestieren in der Libération gegen Sexismus und sexualisierte Übergriffe.

Termine 

9. Mai, Berlin: Das Cutie.BPoC Fest lässt eine Soli-Sause steigen, um das Festival zu finanzieren. Unterstützer_innen können für ihr Geld nicht nur den Eintritt investieren, sondern auch in eine Tombola mit coolen Preisen oder in eine queere Tarot-Session.

13. Mai, Berlin: Das Missy Magazin veranstaltet eine Party zu ihrer Crowdfunding Kampagne #mehrmissy.

14.-16. Mai, Hildesheim: Simone Dede Ayivi ist mit „Performing Back“, einer künstlerischen Auseinandersetzung mit der Kontinuität deutscher kolonialer Vergangenheit, jeweils um 20:00 im Theaterhaus Hildesheim/ Langer Garten 23c zu Gast// Facebook-Link zum Event.

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