Dieses Buch beginnt mit einem Geburtstagsgeschenk: Charlas Mann wird 40, und sie schenkt ihm ein Jahr lang Sex mit ihr. Jeden Tag. Wenn er will.
Und da fängt die Aufklärungsreise der Autorin Charla Muller schon an. Denn ihr Mann ist nicht – wie sie erwartete – uneingeschränkt happy über das Geschenk, sondern bittet um Bedenkzeit, ob er wirklich jeden Tag Sex haben will. Charla ist kurz geschockt, war sie doch davon ausgegangen, jeder Mann wolle stets und rund um die Uhr Sex und eigentlich auch egal mit welcher Frau. Ihr Mann klärt sie auf, dass dem nicht so sei, und so hat die kreative Schenkerin schon am Tag 1 ihres Experiments etwas dazugelernt.
Es folgen 364 weitere Tage,von denen Charla Muller in „365 Nächte. Ein intimer Erfahrungsbericht“ erzählt. Als ich von ihrem Selbstversuch und dem Buch darüber gehört habe, wollte ich es sofort lesen, denn vermutlich würde jede_r von uns unfassbar viel lernen, würden wir ein Jahr lang jeden Tag Sex haben – über uns selbst, unsere_n Partner_in, über unsere Körper, unsere Gelüste.
Leider – und das ist der große Schwachpunkt des Buches und irgendwie auch des Experiments – startet Charla Muller an einem sehr unaufgeklärten, um nicht zu sagen: verklemmten Punkt. Im Laufe des Jahres werden sie und ihr Mann es gerade mal schaffen, ihre Gedanken in Bezug auf Sex auszutauschen – von Experimenten oder ausgefallenen Wünschen sind die beiden dagegen Lichtjahre entfernt. Es geht vor allem um das Hinterfragen der eigenen Vorstellungen von Sex, und die sind bei Muller einfach gestrickt, nämlich: Männer wollen und können immer, Frauen drücken sich lieber um Sex, Spaß hat vor allem der Mann, eine Frau kann beim Sex auch einfach mal so daliegen und abwarten, dass es vorbei geht. Das sei bei ihr so und bei all ihren Freundinnen auch, schreibt Muller. Das macht aber das Lesen an vielen Stellen frustrierend.
ANDERERSEITS: Werden genau diese Vorurteile, die Muller dem Sex, Männern und Frauen gegenüber hegt, dann im Laufe des einen Jahres auch ordentlich durchgerüttelt. Sie und ihr Mann sprechen – scheinbar zum ersten Mal – ernsthaft über ihr Sexleben und überraschen sich dabei gegenseitig. Und sie stellt fest – was sich als Quintessenz des ganzen Buchs lesen lässt–: Sex sollte man nicht auf morgen verschieben, sondern lieber gleich haben.
Erschienen bei Kein & Aber, Zürich 2009. 272 Seiten, 16 Euro 90.
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