Einträge mit dem Tag ‘Transgender’


Beyond the hype: Reflexionen über Caitlyn Jenner

3. Juni 2015 von Hengameh

Am Montag flutete das neue Cover des Magazins „Vanity Fair“ sämtliche Timelines und Newsfeeds. Mit den Armen hinter dem Rücken verschränkt posiert Caitlyn Jenner stolz vor Annie Leibovitz‘ Kamera. Auf diesem Foto zeigt sich sich zum ersten Mal nach ihren Operationen in einer so großen Öffentlichkeit und stellt sich mit ihrem neuen Namen vor: #CallMeCaitlyn.

Ihr Coming-Out als Transfrau wird in erster Linie mit Begeisterung, Bestätigung und Liebe aufgenommen. In transfeindlichen und insbesondere transmisogynen mehrheitsgesellschaftlichen Strukturen sind diese Reaktion ohne Zweifel ein Schritt in Richtung Trans-Akzeptanz. Ihre korrekte Adressierung mit ihrem Namen und ihren Pronomen zeugt von Respekt und sollte unbedingt weiterhin so eingehalten werden. Aber wie geht’s weiter?

Die Schauspielerin, Filmproduzentin und Aktivistin Laverne Cox veröffentlichte über das Ereignis einen sehr differenzierten Text auf ihrem offiziellen Tumblr-Blog. Sie schreibt nicht nur über ihre Euphorie, sondern reflektiert auch ihre und Caitlyns Privilegien als berühmte Transfrauen, die als cis passen können. Cox macht deutlich, dass der Kampf nicht mit einem positiv rezipierten Outing aufhört, sondern noch lange fortgeführt werden muss.

Natürlich ist es legitim, sich für Caitlyn zu freuen. Aber es ist auch notwendig, weiterzudenken. Caitlyn Jenner ist eine weiße, schlanke, Cis-Normen bedienende, reiche, republikanische Frau, die trans verortet ist. Würde ihre Person so stark zelebriert werden, wenn Teile dieser Privilegien und Positionen nicht da wären? Gerade die „Facial Feminization“-Operation muss in der Regel immer privat finanziert werden und ist sehr teuer. Wie viele Transfrauen haben diese Ressourcen? Wie viele haben Zugang zu einer (für sie sicheren) Erwerbsarbeit? Und: Ist der Lob für Jenners Authentizität nicht ein offensichtliches Aufsetzen von Cisnormen?

Wie viele Schwarze_Transfrauen_of Color starben allein in diesem Jahr durch Mord oder Suizid? Wie viele von ihnen können wir namentlich benennen? Wie viele von ihnen hatten einen Lebensstil, der annähernd dem Caitlyn Jenners ähnelt? Wie viele von ihnen waren auf Magazincovern oder überhaupt in der Zeitung?

Wird die Tatsache, dass Caitlyn Jenner trans ist, etwas an der Verteilung ihrer Ressourcen ändern? Wird sie diese auf arme Trans-Jugendliche aus der Arbeiter_innenklasse umverteilen? Wird ihr Schicksal Einfluss auf das Leben junger Transpersonen haben? Wird es Dinge erleichtern? Kann sie Dinge für ärmere Transpersonen erleichtern, wenn sie Republikanerin ist? Was ist mit der Solidarität mit Transfemininitäten, die sexarbeiten? Können junge Transpersonen, die nicht als Cis passen, nicht schlank, nicht reich und nicht weiß sind etwas aus dem Hype um ihre Person gewinnen, seien es sichere Räume, Straßen und Wohnplätze oder überhaupt einen empowernden Moment? Oder wird er den Anspruch an Transpersonen bestärken, Cisschönheitsnormen zu erfüllen um akzeptiert zu werden?

Ja, es ist total schön, dass Caitlyn Jenner so viel Unterstützung für ihr Coming-Out bekommt, aber es wäre auch schön, wenn ein bisschen weitergedacht würde und andere Transfrauen mit weniger Privilegien auch nur einen Bruchteil dieser Glorifizierung abbekämen. Es liegt in der Verantwortung journalistischer Medien, nicht nur das für sie bequemste Beispiel an Transpersonen zu hypen, sondern die Lebensrealitäten anderer, viel mehr Gewalt erfahrenden Transpersonen sichtbar zu machen und diesbezüglich Berichterstattung zu leisten, Transpersonen korrekt zu adressieren und mit vertraulichen Informationen wie Geburtsnamen verantwortungsvoll umzugehen, nicht-binär verortete Personen in ihren Positionen zu respektieren, von Transfeindlichkeit betroffene Personen für sich sprechen zu lassen.


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IDAHOT* – Sollten homosexuelle und transgender Personen getrennt kämpfen?

15. Mai 2015 von Jayrôme

—- English version below —

 

PRO UND KONTRA, DAS  ‚T‘  AUS  ‚LSBT‘  ZU ENTFERNEN

Sollten homosexuelle und transgender Personen getrennt kämpfen?

Der 17. Mai ist der Internationale Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie (IDAHOT*). Das Datum erinnert an den 17. Mai 1990, jenen Tag an dem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität aus ihrem Krankheiten-Katalog strich. Bis heute aber führt die WHO transgender Identitäten als Störung auf.

Nicht nur aus diesem Grund plädieren einige transgender Aktivist_innen für eine Trennung von lesbischen, schwulen und bisexuellen Menschen auf der einen Seite und transgender Menschen auf der anderen. Sie möchten den Kampf lieber getrennt weiterführen.

Wir haben den Eindruck, dass die Inklusion des ‚T’s in den LSBT-Überbegriff im besten Fall verwirrend, im schlimmsten Fall nicht sehr hilfreich bei der Suche nach wirklicher Gleichberechtigung für transgender Personen ist.

sagt Frances Shiels, Vorsitzende des nordirischen transgender Vereins Focus: The Identity Trust. Und auch transgender Autor Lee Hurley erklärt, warum es Zeit ist, dass ‚T‘ aus LSBT zu entfernen.

Maria Sundin, die von 2010 bis 2013 Mitglied des geschäftsführenden Vorstands von Transgender Europe (TGEU) war, widerspricht:

Nicht getrennt von einander zu arbeiten, offen zu sein für alle Formen von trans und nicht-konforme Geschlechter-Identitäten und außerdem von der LGBTQI-Familie unterstützt werden – das war auschlaggebend für unseren Erfolg.

In diesem Text werde ich das Pro und Kontra, also die gängigen Argumente, die für oder gegen Transgender-Separatismus sprechen, auflisten.

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