Einträge mit dem Tag ‘Schwarze Menschen in Deutschland’


Nicht in der Bequemlichkeit der Mehrheitsmeinungen verblassen

26. Januar 2017 von Magda
Dieser Text ist Teil 124 von 128 der Serie Die Feministische Bibliothek
Sie begann den nächsten Versuch, etwas Neues zu erzählen, mit einer Sprache, die all dem gerecht werden müsste. Oder zumindest versuchen sollte, nicht in der Bequemlichkeit der Mehrheitsmeinungen zu verblassen. (S. 199)

„Biskaya“ ist ein afropolitaner Roman der Berliner Aktivist*in, Performer*in und Autor*in SchwarzRund über das Leben von Schwarzen Menschen in Berlin.

Musik steht im Mittelpunkt der Hauptprotagonistin Tue, eine dreißigjährige queere Schwarze Musikerin, die mit drei Elternteilen aufgewachsen und Sängerin einer deutschsprachigen Indie-Band ist. Mit dieser verbindet sie eine konfliktreiche Hass-Liebe: Die Liebe zur Musik trifft auf unsensible Bandkollegen, die Tue zwar gerne als Aushängeschild sehen, aber ihre politischen Botschaften lieber nicht hören wollen. Zu Schwarz, zu queer darf ein Aushängeschild nicht sein.

Dann ist da noch der fürsorgliche, unendlich sympathische und super-stylische Matthew sowie später auch die jugendliche Sarah (Pronomen: sie oder gar nichts), die Tue stets liebevoll einen Spiegel vor die Augen hält und ihren eigenen Rucksack an Familiengeschichte zu tragen hat. Die beiden stellen die engsten Verbündeten oder Freund_innen oder so etwas wie eine Familie für Tue dar. Genau kann mensch das nicht sagen, denn Tue ist viel für sich allein und hat zuweilen Mühe, zwischen Panikattacken, einem schwierigen Verhältnis zum Essen, einem Klinikaufenthalt, das absehbare Ende der Band sowie erlebter rassistischer und sexualisierter Gewalt Verbindungen zu ihrem sozialen Umfeld aufzubauen. Ihre wichtigste Beziehung pflegt Tue weiterhin zur Musik, zu ihren immer politischer werdenden Texten und ihren vollgekritzelten Zetteln, die sie säckeweise sammelt und wochenlang sortiert, bis sich der Staub zwischen ihren Zehen sammelt.

Ihre Herkunftsfamilie existiert in ihrem Leben nur in Form von Rückblenden, Briefen und Erinnerungen. Referenzpunkt ist das kleine Biskaya, eine eigenständige Schwarze europäische Insel vor der Küste Europas. Blicke in die Vergangenheit geben dem Roman die historische Tiefe und einen Twist am Ende, der die Widersprüchlichkeiten und Tragiken des Lebens aufzeigt. Deutscher Kolonialismus und heteronormative Familienkonstellationen spielen im Roman genau so eine Rolle wie Krisen und Ängste, wobei die Protagonist_innen nur selten belehrend oder moralisierend erscheinen. Es ist Platz für Imperfektion und für gegenseitigen kritischen Austausch.

Messerscharfe Witze, die gleichzeitig Situationen aufdecken und verstörend wirken. Sarkastische Kommentare, die den Nagel auf den Kopf treffen, und oft genug auch zielgenau in die Wunde. Ich weiß nicht, ob ich alle Zwischentöne dieses komplexen Zusammenspiels menschlicher Höhen und Tiefen und allem, was dazwischen liegt, einfangen oder begreifen konnte (das muss mensch auch nicht, um gefesselt zu sein). Ich weiß nur, dass mir in den letzten Jahren oftmals die Konzentration dafür fehlte, ein Buch von vorne bis nach hinten zu verschlingen, und dieses gehörte sicherlich zu denen, die ich ungern aus den Händen legte.

Schwarzrund: „Biskaya,“ erschienen 2016 im zaglossus Verlag.


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Das literarische Jahr 2016 – deutschsprachig aus Schwarzer Perspektive

14. November 2016 von Gastautor_in
Dieser Text ist Teil 119 von 128 der Serie Die Feministische Bibliothek

SchwarzRund kam als Schwarze Deutsche Dominikaner*in mit drei Jahren nach Bremen, lebt seit fast zehn Jahren in Berlin. Seit 2013 publiziert sie auf ihrem Blog schwarzrund.de und in diversen Magazinen. Mehrdimensionale Lebensrealitäten inner- und außerhalb von Communitys verhandelt sie in Performance-Texten, Vorträgen und Veranstaltungsreihen. Gerade erschienen ist ihr Roman „Biskaya“, ein afropolitaner Roman über das Leben von Schwarzen Menschen in Berlin. Folgende Büchersammlung erschien zuerst auf SchwarzRund:

2016 ist, wie jedes Jahr, ein Jahr, in dem weiße Vorherrschaft viel politischen Mist produziert, aber eben auch künstlerisch Schwarze Perspektiven nicht mitverhandelt. Doch wie immer gilt: Schwarze Menschen schaffen es deswegen/daraus/trotz allem und weiterhin ihre Perspektiven selbst in die Welt zu bringen. Außerdem gewinnen Schwarze Menschen auch den Bachmannpreis 2016, Sharon Dodua Otoo übertraf mit Ihrem Text „Herr Gröttrup setzt sich hin Maßstäbe, die die Jury sich nichtmal hätte erdenken können. Hier die Veröffentlichungen, von denen ich mitbekommen habe, bitte kommentiert damit ich die Liste ergänzen kann! Ich habe nicht alle Bücher gelesen, daher kann ich für nichts garantieren.


Talking Back – Strategien Schwarzer österreichischer Geschichtsschreibung
Claudia Unterweger, 19,95€ kaufen

Lese ich gerade, es folgt dann mein Eindruck.

 

 

 

 


gummiband-familien – rubberband families D/engl

Familienbuch von WoMANtís RANDom, 18€ kaufen.
Ein Familienbuch mit großartigen Illustrationen, Suchspielen, neuen Worten und Details zum verlieben!

 

 

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30 Jahre Initiative Schwarze Menschen in Deutschland

24. September 2015 von Anna-Sarah

Die ISD, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, wird dieses Jahr 30 Jahre alt. Happy Birthday! Zu diesem Anlass lädt sie zu einer Veranstaltungsreihe ein, die gestern gestartet ist und bis Januar 2016 in Frankfurt und Wiesbaden läuft. Marie-Sophie Adeoso hat zu diesem Anlass einen Artikel über Geschichte, Funktion und Bedeutung der ISD geschrieben, der gestern in der Frankfurter Rundschau erschien.

Aus der Ankündigung zur Veranstaltungsreihe:

30ig Jahre ISD heißt drei Jahrzehnte, in denen die Interessen und politischen Anliegen Schwarzer Menschen in Deutschland vertreten und sichtbar gemacht wurden.

Indem Schwarze Menschen aus ihrer eigenen Perspektive ihre Lebensrealität und Geschichte durch gegenwartsbezogenere Arbeiten sichtbar machen, wird ihr Recht auf Teilhabe und Partizipation in Deutschland zur gelebten Realität.

Das Programm
Mi, 23.9.15, 19 Uhr, #BlackLivesMatter
Vortrag & Panel mit Lecia Brooks (Southern Poverty Law Center, Alabama), Jamie Schearer ( ISD) & Sewit Hailab (United 4 Eritrea) über Racial Profiling & Refugee-Politics. Moderation Hadija Haruna-Oelker. Haus am Dom, Domplatz 3, 60311 Frankfurt

Fr, 09.10.15, 19 Uhr, WE #1 – Schwarze Poesie auf Reisen
Satzbeats & bittersüße Kritik an Strukturen poetisieren Stefanie-Lahya Aukongo, Sarah Mouwani, Amanda Babichie Papaya & SchwarzRund. Bildungsstätte Anne Frank, Hansaallee 150, 60320 Frankfurt

Do, 12.11.15, 19 Uhr, “Vernissage „Daima. Images of Women of Color in Germany“ Mit Sharon Dodua Otoo & Christelle Nkwendja-Ngnoubamdjum. Anschließend: Filmvorführung von „Auf den 2. Blick“ (Sheri Hagen). Deutsches Filmhaus, Murnaustraße 6, 65189 Wiesbaden

Fr, 13.11.15, 19 Uhr, „Synchronicity“ Lesung und Gespräch
Mit Sharon Dodua Otoo & Denise Bergold-Caldwell über Verschränkungen von Diskriminierungsformen & „Heldinnen im Alltag“. Deutsches Filmhaus

Di, 17.11.15, 19 Uhr, Schwarze Blicke und Schwarze Realitäten
Fotografie, Engagement und Widerstand: Mit Black Feminist Postcolonial – Theoretikerin Dr. des. Nana Adusei-Poku. Deutsches Filmhaus

Do, 03.12.15, 19 Uhr, SpiegelBlicke – 30 Jahre Initiative Schwarze Menschen in Deutschland.
Buchvorstellung & Gespräch mit den ISD-Herausgeberinnen über Errungenschaften, Herausforderungen & Selbstfindungsprozesse der letzten 30 Jahre. Deutsches Filmhaus

Sa 30.01.16, 17 Uhr, Jubiläumsveranstaltung
Die ISD feiert mit Ausstellungen, Theater, Film & Storytelling. Mehr Informationen ab November unter: www.isdonline.de. jugend-kultur-kirche sankt peter, Bleichstraße 33, 60313 Frankfurt

Die Veranstaltungsreihe gibt es auch als Facebook-Event!


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Theatertipp: „Wo genau liegt nochmal Togo?“

22. Januar 2014 von Anna-Sarah
Veranstaltungsfoto zum Stück "Wo genau liegt nochmal Togo?" - vier Personen, die in Rückenansicht zu sehen sind, blicken auf eine Museumsvitrine voller Zigarettenverpackungen

Szenenfoto (c) Juliane Kremberg

Im vergangenen Herbst sah ich in Oldenburg ein Stück, das eigentlich gar kein „fertiges“ Stück, sondern ein sicht- und erlebbar gemachter Arbeitsprozess war: Wo genau liegt nochmal Togo? von und mit Simone Dede Ayivi, Katharina Kellermann, Juliane Kremberg und Anahi Pérez. Und wenn ich in Berlin wäre, hätte ich eine_n Kindersitter_in aufgetrieben, um es mir noch einmal anzusehen, auch wenn es diesmal Eintritt kostet. Was ich hiermit allen, die es einrichten können, ans Herz legen möchte.

Aus der Ankündigung:

Was hat sich als rassistische (Bild)-Sprache und koloniale Projektion in unserem Alltag bis heute festgesetzt? Anhand der deutsch-togoischen Geschichte forschen Ayivi, Kellermann, Kremberg und Pérez zum Kolonialismus. Sie thematisieren deutsche Kolonialgewalt als das, worüber MAN nicht spricht und verweigern sich strikt dem, was MAN kennt. Mit dem Ziel, Deutschland vor einer kolonialen Amnesie zu bewahren, macht sich die Gruppe auf die Suche nach Spuren afrikanischer Geschichte, nach Fundstücken kolonialer Vergangenheit und Gegenwart. Ist es möglich, sich im Raum des Theaters wahrhaftig zu erinnern?

Am kommenden Dienstag, 28.1., um 19:30 in den Sophiensaelen in Berlin-Mitte. Hier geht’s zu Facebook-Event.


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Neu im Kino: „Auf den zweiten Blick“

18. Oktober 2013 von Magda
Dieser Text ist Teil 10 von 29 der Serie Die Feministische Videothek

Auf den zweiten Blick“ ist ein Film über zwei sehende und vier sehbehinderte Menschen im Großstadtmoloch Berlin, die auf unterschiedlichste Weise Zuneigung füreinander entwickeln. Das Regiedebüt der Autorin und Produzentin des Films Sheri Hagen erhielt keinen einzigen Cent Förderung, umso glücklicher können wir uns schätzen, dass das Projekt trotzdem realisiert wurde und gerade in Deutschland in einigen Kinos anläuft. (Ich hoffe, dass weitere Städte dazukommen.)

Ich besuchte die Premiere in Berlin und war sehr beeindruckt, da der Film auf mehreren Ebenen mit Seh- und Hörgewohnheiten im deutschen Film bricht. So besteht die Mehrheit der Besetzung aus Schwarzen Schauspieler_innen, die – welch eine Seltenheit in der weiß-deutschen Filmlandschaft – spannende, komplexe Charaktäre jenseits von stereotypen Rollen spielen. Auch die Tatsache, dass der Film die Geschichten von sehbehinderten bzw. blinden Menschen in den Vordergrund rückt, ist eine Rarität im Kino. Ein weiterer Bruch mit der Norm: Nicht alle Paare begehren hetero. Es gibt also doch noch Filme, die unterschiedliche Lebensrealitäten abbilden! Ich mochte die einzelnen, auf sehr schöne Weise miteinander verwobenen Geschichten, die erzählt werden, die verschiedenen Stimmungen des Films und die Filmmusik.

Eine weitere Besonderheit ist die Tatsache, dass der Film eine Audiodeskription anbietet, also eine akustische Erläuterung der Darsteller_innen, Mimik, Gestik, Kameraführungen und Schauplätze, um Menschen mit Sehbehinderungen die Möglichkeit zu geben, den Filminhalten zu folgen, auch wenn sie die Bilder nicht oder nur schwer erkennen können. Soweit ich weiß, wird die Audiodeskription nicht bei allen Vorführungen genutzt, kann aber vorher erfragt werden. Die Audiodeskription selbst hat bei der Berliner Premiere Kritik bekommen, weil diese mit der dargestellten Normalität des Films bricht: während die Hautfarbe von Schwarzen Schauspieler_innen stets explizit benannt wurde, wurden die weißen Schauspieler_innen lediglich anhand von Merkmalen wie Haarfarbe oder Größe beschrieben.

Insgesamt lege ich „Auf den zweiten Blick“ trotzdem allen ans Herz, die schon lange auf einen Film warten, der (Liebes-)Geschichten ohne viel Kitsch (na gut: ein bisschen Kitsch) erzählt, gespielt von tollen Schauspieler_innen mit komplexen Rollen, die in deutschen Filmproduktionen kaum Hauptrollen bekommen.

Wer die Realisierung der Doppel-CD ‚Auf den zweiten Blick‘ (Hörfilm und Filmmusik) unterstützen möchte, kann auf startnext.de etwas spenden. Mehr Infos über den Film findet ihr auf der Homepage und auf Facebook. Infos über die Arbeit von Sheri Hagen gibt es ebenfalls auf Facebook.


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Bügeln Gehen mit Deniz Yücel

23. April 2013 von accalmie

Ach, Deniz, Du trollst so unkreativ. Du bist ein halbes Jahr zu spät dran und originell ist Deine letzte Kolumne auch nicht (und Deiner Verlinkung zur Mädchenmannschaft, die offenbar verdeutlichen soll, wie lächerlich Triggerwarnungen seien, fehlt auch die Pointe – das tut bei Dir aber natürlich nichts zur Sache).

Erst gestern hat Sula einen Text zu den Vorfällen beim „tazlab“ des vergangenen Wochenendes und den darauffolgenden Reaktionen veröffentlicht – und schon holst Du zum verbalen Gegenschlag aus. Von einer kleinen Pause zur Selbstreflektion könnte man ja gar profitieren, also musste es schnell gehen mit der eigenen Eklat-Eskalation. Du findest nämlich, dass sich mit dem N-Wort weiterhin wunderbar provozieren lässt. Das gibt traffic (gerngeschehen!) und man bleibt im Gespräch. Das Gespräch, lieber Deniz, wird an dieser Stelle leider redundant, daher nur schnell noch was zum Abschluss:

Du schreibst, dass „alle auf dem Podium […] um den Zusammenhang von Sprache und Herrschaft,“ wüssten und dass „niemand“ das „Fortleben von Rassismus“ bestreite. Angesichts der Berichte dessen, wie die Podiumsdiskussion am Samstag unter Deiner Leitung ablief (denen Du nicht widersprichst), und angesichts dieses jetzigen Zusammenwurfs (Kolumne ist ja ein Euphemismus, wa…) ignoranter Phrasendrescherei, scheinst zumindest Du nicht gewusst noch gelernt zu haben, dass auch Du Herrschaft mithilfe von Sprache putzmunter reproduziert hast und es weiterhin tust, und dass durch sowohl Deine Verhaltensweise bei und nach der Diskussion das Fortleben von Rassismus illustriert wird. Antirassist_in zu sein ist kein Zustand – es ist ein Prozess. Zu verkünden, dass „wir“ (wer?) ja alle auf einer Seite stünden, ist nicht mehr als ein belustigendes bis erschreckendes – in Deinem Fall heuchlerisches – Lippenbekenntnis, wenn Du im gleichen Atemzug es nicht lassen kannst, trotz der Hinweise von durch Rassismus Betroffene, rassistische Sprache zu reproduzieren. Deine Handlungen zeichnen Deinen Antirassismus aus. Und gerade angesichts der Tatsache, dass Du PoC schlecht verhohlenen Essentialismus vorwirfst (der dazu führe, dass alle armen deutschen, weißen, christlichen Männer* gar nichts mehr sagen dürften in solchen Debatten – all evidence to the contrary…), mutet es geradezu absurd an, dass Du „Antirassist_in“ für einen (essentialistischen…) Zustand hälst, der solche rassistischen Reproduktionen nicht nur dürfen muss, sondern auch einfach „ausgehalten“ werden sollte.

Wer zuerst gebrüllt hat am Samstag, weiß ich nicht. Sula hat geschildert, dass bei Dir nicht nur die Tonstärke, sondern vor allem die lyrics die Musik machten. Dass Du Dir widersprechenden Frauen im Publikum sagtest, sie sollten doch „bügeln gehen“, spricht in jedem Fall für sich (merkste selber, ne?). „Antisexist_in“ ist leider auch kein Zustand. (mehr …)


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Wer war… May Ayim?

3. Mai 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 13 von 51 der Serie Wer war eigentlich …

May Ayim wurde am 3. Mai 1960 als Tochter einer Deutschen und eines Ghanaers in Hamburg geboren. Sie lebte zunächst in einem Heim und wurde dann von einer Pflegefamilie in Nordrhein-Westfalen aufgenommen. Ayim studierte Pädagogik und ließ sich in Berlin zur Logopädin ausbilden, war Dichterin, Schriftstellerin, Aktivistin in der anti-rassistischen und feministischen Bewegung in Deutschland und gilt als eine der Begründer_innen der kritischen Weißseinsforschung in Deutschland. Ihre Gedichte und Texte erzählen u.a. von ihren Kindheitserlebnissen als Schwarzes Mädchen und den damit verknüpften Erfahrungen mit Rassismus und Sexismus in Deutschland.

Quelle: homestorydeutschland. blogspot.com/

Die 1984 im Rahmen ihres Studiums der Pädagogik verfasste Diplomarbeit gilt als eine der ersten Forschungsarbeiten, die sich intensiv mit der Geschichte von Afro-Deutschen befasst und zum Grundlagenwerk in Deutschland und auch den USA wurde. Ihre Arbeit wurde im Buch „Farbe bekennen – Afro-Deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte“ veröffentlicht.

Ayim war 1985 eine der Gründer_innen der inzwischen bundesweiten Initiative Schwarze Deutsche und Schwarze in Deutschland und 1989 des LiteraturFrauen e.V., ein Verein von und für Schriftstellerinnen in Berlin. Außerdem arbeitete sie jahrelang als Lehrbeauftragte, Sprachtherapeutin und Studienberaterin an verschiedenen Berliner Hochschulen. Ayim unternahm im Laufe ihres Lebens mehrere Reisen nach Ghana, in die USA, sprach auf verschiedenen Konferenzen u.a. in London oder in Toronto und hielt eine enge Freundschaft mit der Dichterin Audre Lorde. In dieser Zeit wählte sie den Namen ihres Vaters und nannte sich fortan May Ayim.

Kurz nach ihrer Diagnose der Multiplen Sklerose beendete Ayim am 9. August 1996 ihr Leben. May Ayim wäre heute 50 Jahre alt geworden.

Im Februar 2010 wurde das bis dato nach dem brandenburgischen Kolonialherren Otto Friedrich von der Gröben benannte Gröbenufer im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg in May-Ayim-Ufer umbenannt.

May Ayim: „exotik“ (1985)

nachdem sie mich erst anschwärzten
zogen sie mich dann durch den kakao
um mir schließlich weiß machen zu wollen
es sei vollkommen unangebracht
– schwarz zu sehen

(„Blues in Schwarz Weiss“, Orlanda Frauenverlag)

Weiterführende Lesetipps und Ressourcen:


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