Einträge mit dem Tag ‘Schlankheitswahn’


Hört auf Körper in ‚gut’ und ‚schlecht’ einzuteilen

25. Januar 2012 von Magda
Dieser Text ist Teil 41 von 42 der Serie Meine Meinung

In letzter Zeit schwirrt im Netz ein Bild umher, welches mit den immer gleichen Kommentaren gelobt wird: „Keine Frau sollte sich runterhungern!“ und „Esst mal wieder mehr! Das sieht besser aus als diese abgemagerten Models“ oder „Richtige Männer stehen auf Frauen mit Rundungen!“

Das Bild zeigt insgesamt 8 Frauen*: Die oberen vier sind prominente und nach gängiger Definition schlanke Schauspielerinnen oder Models, die Dritte von rechts zum Beispiel Keira Knightley. Die unteren vier Persönlichkeiten sind Prominente aus vergangenen Zeiten, darunter die Schauspielerin und oft als ‘Sexsymbol’ bezeichnete Marilyn Monroe. Verziert wird die Collage mit dem Spruch „Wann wurde dies… attraktiver als das?“

When did this become hotter than this? ("Wann wurde dies... attraktiver als das?")

Die Kommentare zu diesem Foto veranschaulichen exakt, was mir an diesem Bild gewaltig stinkt: Hier werden bestimmte Körperformen als ‘ideale weibliche Figur’ propagiert, die in jedem Fall ‘schöner’, ‘begehrenswerter’ und ‘gesünder’ seien als die oberen vier Körper, getreu dem Motto: “Gegen Schlankheitswahn, für gesunde, schöne Körper!“

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Liebe Brigitte-Redaktion,

22. Dezember 2009 von Susanne

noch vor kurzem habe ich euch applaudiert, weil ihr in Zukunft eure Mode an ganz normalen Frauen und nicht mehr an professionellen Models zeigen wollt.

Und jetzt bekomme ich auf eurer Webseite wirklich empfohlen, mein Weihnachten in einer kalten Wohnung zu verbringen, bei Neonlicht? Ich soll lieber schlafen anstatt mit Freunden und Familie zechen zu gehen? Gewürztee (oder gleich: Wasser) trinken statt Plätzchen zu essen? Und den dritten Kartoffelkloß in fettiger Soße soll ich mir auch noch verkneifen? Nur damit ich über die Weihnachtsfeiertage nicht zunehme?

Also, ich frag jetzt noch mal nach: Ist das wirklich euer Ernst? Dann kann ich eure Model-Aktion nämlich ganz und gar nicht mehr ernst nehmen. Vielleicht nutzt ihr die kommenden freien Tage, noch mal über euer Engagement auf dem Markt der Essstörungsmedien zu überdenken?

Schöne Feiertage, eure Susanne


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Weiße Schönheit

13. Juli 2009 von Magda

Wenn wir von einem “Schönheitsideal” reden, sprechen wir häufig über Jugend, makellose Haut und vor allen Dingen Gewicht – im günstigsten Falle nicht zu viel davon – aber natürlich auch nicht zu wenig: Die Grenzen von “schön schlank” und “ekelhaft dünn” sind da schwammig und man fragt sich, ob eine Frau diesem Ideal überhaupt je gerecht werden kann (geschweige denn möchte), ohne Gefahr zu laufen, gleich wieder negativ aufzufallen (dazu passt diese Meldung über Paris Hilton und Lindsay Lohan, die immer dünner werden). Aber ein Schönheitsideal muss schwer zu erreichen sein, sonst hielte es Frauen (und immer mehr auch Männer) nicht kontinuierlich beschäftigt – sei es, darauf hinzuarbeiten, sich darüber zu ärgern oder es ganz und gar abzulehnen.

Dass so ein Ideal nicht nur etwas mit einer bestimmten Körperform zu tun hat, sondern auch mit einer weißen Hautfarbe, wurde besonders in letzter Zeit in US-amerikanischen Blogs kritisch diskutiert. Im Laufe des letzten Jahres häuften sich Berichte über das weißer Airbrushen von öffentlichen Personen wie Beyoncé Knowles, Sängerin, oder Freida Pinto, Schauspielerin, bekannt aus “Slumdog Millionaire” (vgl. racewire.com), was vermuten lässt, dass Schönheit nicht nur mit dem Entfernen von Hautunreinheiten oder dem Glätten von Gesichtsfältchen zu tun hat, welche regelmäßig mit diversen Fotoprogrammen wegretuschiert werden, sondern auch mit Weißheit: Auf den Laufstegen sieht man häufig nur weiße Frauen – gute 95% (vgl. jezebel.com). In Zeitschriften und Magazinen sieht es nicht anders aus.

So mag die aktuelle Debatte über den Einsatz von bestimmten Tennisspielerinnen auf “Wimbledons geheiligten Centre Court” nicht überraschen: Spielen durften dort vor allem Frauen, die dem gängigen Schönheitsideal entsprechen – und auch weiß sind. Sportliche Leistungen stehen weniger im Vordergrund; so hatten die Fünfte auf der Rangliste Svetlana Kuznetsova und die Zweitplatzierte Serena Williams noch nicht die Ehre, dort zu spielen. Ein Sprecher des All England Club, Johnny Perkins, gab in der Daily Mail auch freimütig zu: “Good looks are a factor. It’s not a coincidence that those [on Centre Court] are attractive.”

Der Sexismus ist vielen offensichtlich: Frauen, die einem bestimmten Schönheitsideal entsprechen, werden anderen – sportlich auch erfolgreicheren – Frauen bevorzugt. Die rassistische Dimension, zeigt sich etwas versteckter, aber wird bei genauerem Hinsehen auch deutlich: Die Top 10 der schönsten Tennisspielerinnen der 2009er Australian Open sind alle schmal, hochgewachsen, überwiegend blond und weiß.

Ein Schönheitsideal, welches nicht nur u.a. eine schlanke Gestalt und Jugend beinhaltet, sondern auch das Weißsein in den Mittelpunkt stellt, offenbart nicht nur dessen eklatanten Sexismus und Jugendwahn, sondern auch rassistische Dimensionen, welche insbesondere Women of Color gesellschaftlich äußerst ungünstig situiert. Sie werden nicht nur häufig medial marginalisiert, sondern können einem Schönheitsideal, welches weiße Hautfarbe als eines seiner Grundpfeiler versteht, gar nicht gerecht werden – es sei denn, man bearbeitet ihre Gesichter mit Photoshop so lange, dass sie (fast) der weißen Norm entsprechen.


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Du fette Sau

3. Juli 2009 von Susanne

Gerade fand ich diese schöne Postkarte in meinem Briefkasten – Absender: mein ehemaliges Sportstudio.

fitness

Die Karte wirft bei mir so früh am Morgen schon wieder viel zu viele Fragen auf: Ist jeder, der nicht mehr ins Sportstudio geht, eine fette Sau? Macht man heute SO Werbung? Spricht das irgendjemanden hier an? Hab ich Recht damit, mich über die Karte schlapp zu lachen und mich gleichzeitig richtig dumm von der Seite angequatscht zu fühlen? Und wenn ich sogar ordentlich dick und rund wäre – wieso müsste ich dann “endlich” abnehmen? Zählt nicht gerade in der Krise jedes Pfund, quasi als Zukunftsversicherung?

Aber vor allem: HÄ?!


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