Einträge mit dem Tag ‘Rotzlöffelfeminismus’


Feministische Männer, oder: eine Verheißung, die keine ist

18. Februar 2016 von Nadia

Dieser Artikel erschien zuerst in der ak – analyse & kritik – zeitung für linke Debatte und Praxis, Nr. 613  am 16.2.2016. Mit freundlicher Genehmigung dürfen wir Nadias Text hier noch einmal veröffentlichen.

Wann immer es in meiner feministischen Laufbahn um feministische Cis-Männer ging, sie mir begegneten, ich mit ihnen sprach oder mir zum Feminismus konvertierte Mannsbilder via Telefon, Mail, Blog-Kommentarspalte oder Sprachnachricht mitteilten, sie hätten es jetzt begriffen und würden sich ab sofort »für die Sache« einsetzen, kam es zu gespenstischen Szenen und Erlebnissen, von denen ich die meisten gerne vergessen würde.

So konnte es vorkommen, dass Männer, die erst drei Tage zuvor bewusst das Wort »Geschlechterungerechtigkeit« in ihrem Gehirn von der einen in die andere Ecke geschoben hatten, mir lautstark Nachhilfe in Sachen Feminismus geben wollten. Andere Männer nutzten das dazugewonnene Feminismus-Label, um vor allem in sozialen Netzwerken auf Sympathiefang zu gehen – und am Ende eigentlich andere Transferprodukte zu bewerben: Musik, Kunst, Text, Bild, Ton oder einfach sich selbst.

Ebenfalls immer wieder gruseln mich jene Demos, bei denen es vor allem linke Mackertypen sind, die sich vorne das Mikro schnappen, um »Kein Gott, kein Staat, KEIN PATRIARCHAT!!!« zu brüllen – denn das kann ja sonst niemand anderes so gut. Das ganze habe ich übrigens auch schon bei feministischen Festivals erlebt, bei denen Typenbands ganz beherzt so viel Raum wie nur möglich einnahmen.

Dazu passt die Anekdote, die mir irgendwann eine der Gründerinnen der feministischen Partei DIE FRAUEN erzählte: Dort habe man es inzwischen aufgegeben, Männer als Mitglieder aufzunehmen. Die seien nämlich in der Regel immer schnellstens an allen anderen weiblichen Parteimitgliedern vorbeigerauscht, um mindestens Schatzmeister oder Fraktionsleiter zu werden. Hand aufs Herz: Ich kenne eigentlich keinen Feministen, der mir nicht auf den Keks geht.

Keks ist sowieso ein gutes Stichwort: Von allen feministischen Cis-Männern ist es nämlich vor allem der Keks-Feminist, der in freier Wildbahn am häufigsten vorkommt. Ihn und vier weitere typische Exemplare dieser Gattung möchte ich im Folgenden kurz vorstellen, muss jedoch betonen: Die Liste ist wahrscheinlich noch unendlich erweiterbar, und die Typen überschneiden sich teilweise.

1. Der Keks-Feminist

Der Keks-Feminist ist auf der Suche nach ständigen Belohnungen beziehungsweise erwartet diese auch – und zwar immer dann, wenn er etwas (vermeintlich) Feministisches gesagt/getan/gedacht/erahnt hat. Teilweise ist sein Feminismus auch einfach nur ein Akt der Kapitalerhaltung oder -mehrung, und zwar meist im sozialen Sinne: Keks-Feministen bewegen sich nämlich oft in Umfeldern, in denen feministische Einstellungen zum Grundrepertoire des Alltagsdenkens gehören.

Der Keks-Feminist ist eine äußerst beharrliche Gattung: Wenn er merkt, dass er den Cookie nicht bekommt, beharrt er im Notfall auf Brot. Der Keks-Feminist ist so sehr davon überzeugt, dass seine Arbeit honoriert werden muss, dass er gerne auch den Bezahlfeminismus anvisiert, und zwar, indem er versucht, sich berufsfeministisch zu etablieren. Beliebte Berufsfelder sind dabei für ihn journalistische Arbeit oder am besten gleich Tätigkeiten als Frauenbeauftragter. Damit teilt er sich einen Posten mit dem nächsten Exemplar: dem Breitbein-Feministen.

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Feminist Fun Friday: Die Stalkerkommentar-Edition!

20. September 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 5 von 14 der Serie Feminist Fun Friday

Da die Mädchenmannschaft (MM) – alias Die Taliban Des Netzfeminismus‘ (MM) – ja bekannt­lich nord­korea­nische Zu­stän­de™* pflegt in der Mo­dera­tions­poli­tik, was lei­der da­zu führ­te, dass be­stimmte Anti­feminist_innen trau­rig darüber sind nicht mehr mitdiskutieren [sic] zu können, dürfen wir uns nun an einer neuen Stalking-Strategie erfreuen: dem stali­nisti­schen Ju­bel­kommen­tar, schein­bar in­spi­riert durch in­ten­si­ves „Ko­mmu­nika­tions­guerilla“-Wiki­pedia­ein­trags-Stu­dium. Immerhin sind solche Kommentare un­ter­halt­samer als die üb­li­chen Be­schimpf­ungen, Be­droh­ungen und Patho­lo­gi­sier­ungen, mit denen femi­ni­sti­sche Blogger­innen routine­mäßig kon­fron­tiert werden. Und während sich gewisse Leute die Zeit für lange Fake-Kommentare nehmen und sich nicht von der MM los­reissen können, haben sie dann kurz keine Zeit dafür weitere anti­femi­ni­sti­sche Tex­te zu ver­fassen oder daran zu ar­beiten, wie man femi­ni­sti­sche Aktivist_innen 2013 schlicht „hysterisch“ nennen kann, ohne das Wort be­nu­tzen zu müssen. Win-Win!

Ein schönes Beispiel dafür liefert zum wiederholten Male „Milla,“ die_der Anna-Sarahs Beitrag zur Ambivalenz von Feminismus und Popkultur lieber nicht lesen wollte, sondern gleich versuchte möglichst viele aufgeschnappte Vokabeln in einem kleinen, sinnlosen Phrasen-Exkurs unterzubringen; inklusive eines rassistischen Twists am Ende. Da dieser „Kommentar“ bereits für sich spricht, haben wir nur ein paar schicke Bildchen zur Untermalung/Kommentierung eingefügt – viel Spaß :)!

[*“Nord­korea­ni­sche Zu­stän­de“ be­deu­tet nach die­ser Definition, dass der Ver­such, einen (re­la­ti­ven) safe space im eigenen Blog zu schaffen, in dem die Re­pro­duk­tion von Se­xis­mus, Ra­ssis­mus, Hetero­sexis­mus, Trans*-Feind­lich­keit, Fat­sha­ming, etc. kei­nen Platz fin­den soll, son­dern auf explizit kommunizierten Grund­lagen (weiter)dis­ku­tiert wird, Die Frei­heit™ von Sexist_innen, Rassist_innen, Hetero­sexist_innen, Cis-Sexist_innen, Dicken­hasser_innen, etc. ohne Lächeln und so­mit ver­fassungs­wi­drig ein­schränkt, da diese gern überall Menschen dis­kri­mi­nie­ren, be­drohen und be­schimpf­en wür­den oder be­stimm­te Dis­kus­si­on­en un­ter­bin­den; nicht nur in den rest­li­chen 99% des In­ter­nets (als Spiegel ge­sell­schaft­li­cher Reali­tät). Bitter.]

„Einen feministisch akzeptablen Musikgeschmack zu entwickeln, ist eine anspruchsvolle und lohnenswerte Aufgabe. Es ist ein Prozess.

Wenn am Ende dann nur wenig übrig bleibt, von dem, was vormals begeisterte, dann ist das ein Beleg für die Gründlichkeit der eigenen Bemühung.

Das ist also nichts Schlechtes, wenn dieser Weg schwierig ist!!

Ein geschützter Raum, in dem fast nur Männerkapellen erklingen, ist jedenfalls kein geschützter Raum mehr.

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