Einträge mit dem Tag ‘Opfer’


Konsenskarneval, sexualisierte Gewalt und UN-Rüge für Rassismus in Deutschland – kurz verlinkt

1. März 2017 von der Mädchenmannschaft

deutschsprachige Links

Melanie Trommer wurde von Feminismus im Pott zum Konsenskarneval interviewt: „Wir wollten, dass der Fokus endlich auf die Typen gelegt wird: Sie sind es, die mit dem Alkohol vorsichtiger sein sollten und an deren Anstand appelliert werden sollte.“

Vier Frauen werden lesbenfeindlich und sexistisch angegangen, verprügelt und mit dem Tod bedroht. Die Polizei stellt klar: wer weiß ist, ist deutsch und wer deutsch ist, kann kein Täter sein.

Der Tagesspiegel schreibt zu Ergebnissen einer UN-Untersuchung zu Rassismus in Deutschland: „Das Urteil fällt vernichtend aus.

Wie sprechen über sexualisierte Gewalt? Welche Bezeichnungen finden Menschen, die diese erfahren haben? Darum ist gerade eine Debatte entbrannt. Empfehlenswerte Texte gibt es bei Identitätskritik, wo es heißt „Betroffenheit schützt nicht davor Scheiße zu sein“ und bei der ZEIT, wo Marion Detjen über die „Gewalt ohne Namen“ schreibt.

Nicola Hinz hat auf ihrem Blog Das Lied der dicken DameFettlogik überwinden“ von Nadja Hermann gelesen und ihre Kritiken zusammengestellt.

#TeamWallraff – Was sich ändern muss, heißt es bei Behindertenparkplatz.

englischsprachige Links

Im Guardian schreibt Rashmee Kumar über Brown Girls and 195 Lewis, zwei neue Webserien von und über queere WoC.

Raquel Willis hat auf Twitter eine „history of black transgender people“ zusammengestellt.

Termine

Über 100 Veranstaltungen, Demos, Filmvorführungen und mehr rund um den Frauenkampf-Tag in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben wir auch in diesem Jahr in einer Übersicht zusammengestellt! Tipps zu weiteren Veranstaltungen können jederzeit in den Kommentaren aufgeführt werden.
Außerdem gibt es Frauentags-Veranstaltungslisten beispielsweise beim Feministischen Netzwerk und dem Gunda-Werner-Institut.

4. März in Köln: Ab jetzt ist eine Anmeldung möglich: #body*talk. Rollenbilder, Schönheitsdiktate und Empowerment im Netz.

4. März in Wien: Podiumsdiskussion – Zum Stand feministischer Kämpfe mit Mädchenmannschaftsbeteiligung. (FB-Link)

9. bis 11. März in Bern: CKSTER-Festival zum Thema Gender Hacking.

11. März in Berlin: 7. Barcamp Frauen. Infos findet Ihr hier.

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?


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Immer noch schuld an Vergewaltigungen: die Opfer

30. März 2011 von Helga

In Bremen sind 6 junge Männer freigesprochen wurden, nachdem sie eine 17-Jährige brutal vergewaltigt hatten. Der Grund: Das Opfer war aufgrund der Schwere der Taten nicht vernehmungsfähig und konnte so nicht im Einzelnen erötern, wer was getan hatte. Und es geht noch schlimmer (Triggerwarnung!), so die taz.

„Vergewaltigung“ dürfe man nicht nennen, was da passiert sei, sagte Verteidiger Eberhard Schulz. „Es gibt auch junge Frauen, die sind sexhungrig“, pflichtete sein Anwaltskollege Matthias Koch bei. […]
Die 17-Jährige habe Abtreibungen hinter sich und Erlebnisse mit sexueller Gewalt, so Richter Keller. Wenn sie jetzt traumatisiert sei, liege das vielleicht nicht nur an jener Nacht zum 1. Juli 2007. Die junge Frau habe offenbar Probleme, sich deutlich abzugrenzen.

Die Aussagen der Anwälte sind schon widerwärtig genug, die des Richters und der Verlauf des taz-Artikels hinterlassen allerdings auch einen faden Beigeschmack. Was Abtreibungen mit einer Massenvergewaltigung zu tun haben, erschließt sich nicht. Soll es vielleicht ein Hinweis darauf sein, dass die Frau bereits Sex hatte und damit auch mit weiterem Sex rechnen musste? Und warum erfahren die Leser_innen, sie habe Probleme, sich abzugrenzen – das rechtfertigt doch in keiner Weise Grenzüberschreitungen. Oder dass sie nicht direkt zur Polizei ging, sondern zunächst alles verdrängte? Schließlich heißt es im Artikel auch, sie habe sich nicht gewehrt, sondern alles hingenommen.

Aus diesen Hinweisen heraus wird ein Bild geschaffen, nach dem es sich hier eben nicht um ein Opfer handelt, dass alles richtig gemacht hat. Das sich massiv gewehrt hat, gleich zur Polizei ging und ansonsten keinerlei sexuelle Erfahrungen hatte. Dabei ist schon lange klar, dass es kein richtiges Verhalten gibt, das jede_r anders reagiert und es manchmal Jahre dauern kann, bis ein Opfer sich selbst eingesteht, welches Unrecht geschehen ist. Denn oft genug ist der Gang zur Polizei, das Erläutern des Tatherganges, das Eingestehen der eigenen Hilflosigkeit, der Verletzungen etwas so furchtbares, dass es einfach an die Seite geschoben wird, um den Rest der eigenen Würde zu behalten.

Trotz allem wurde anscheinend im Gericht, wie auch im Artikel noch einmal ganz genau das Leben des Opfers auseinandergenommen, seine bisherige Lebens­geschichte seziert, über Motive spekuliert. Als ob das in irgendeiner Weise das Unrecht beinflusst hätte. Kein Wort zu den Hintergründen der Täter und ihrer Motivation tatsächlich Unrecht zu begehen. Kein Wort, wie es von ihrer Seite aus zur Tat kam. Wie lange noch, bis es uns endlich egal ist, wie „vergewaltigbar“ ein Mensch ist und wir stattdessen bei denen anfangen, die eine Vergewaltigung verhindern könnten – denen die sie begehen.


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