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Öffentlich rechtlich nackt

6. Juli 2009 von Barbara

Eine nackte Frau auf blauem Hintergrund. Werbung für DSL-Anschlüsse? Autoreifen? Oder etwa? Nein. Es handelt sich um die aktuelle Plakatkampagne des SWR; für das SWR3 New Pop Festival 2009. Die wurde von Gunther Sachs gestaltet. S-W-R! Gunther Sachs, ein Fotograf, Dokumentarfilmer, Kunstliebhaber und wahrscheinlich bekennender Playboy (letzteres unterstelle ich mal mit gar nicht bösen Absichten) in seinen Siebzigern, fotografiert am liebsten Frauen, und hat gegen neuen Pop sicher nichts einzuwenden. Zum Fotostil von Sachs, dem “sanften Frauenversteher” ein Zitat aus der Süddeutschen Zeitung anlässlich einer Fotoausstellung von Gunther Sachs:

Vergleiche mit dem kürzlich verstorbenen Kollegen Helmut Newton weist er zurück. „Meine Werke sind nicht so aggressiv, ich zeige die Frauen sanfter.“

Okay. Kunst. Nackte Frauen. Playboy-Fotografen. Ästhetik, und und und.

Jetzt kommt aber der SWR dazu. Öffentlich-rechtlich. Eine von Gunther Sachs fotografierte nackte Frau ist das Zentrum einer Plakatkampagne zum SWR3 New Pop Festival 2009. Kann man hier anschauen, und dabei auch im Promotext lesen, was sich Gunther Sachs beim Design gedacht hat.

Fliegende Notenlinien schmiegen sich in warmem Dämmerlicht um einen nackten Frauenkörper in Ballettpose. Weibliche Silhouetten performen schattenwerfend Musik und Tanz auf dem schwarzen Linientrapez …

Schaut man sich das Line-up des Festivals an, bei dem die üblichen Burleske-Damen und sonstige Haut-Zeig-Showelemente gänzlich fehlen, so gibt es eigentlich gar nichts, das erklärt, warum der SWR mit einer nackten Frau für Pop wirbt. Demnach finde ich das Plakatmotiv absolut unpassend gewählt, so übrigens auch die Spex und unsere Leserin Anna (vielen Dank an den Tipp). Ich hoffe sehr auf diesjährige die Saure Gurke* der Medienfrauen für dieses Werk! Und lobe mir da doch den Bayerischen Rundfunk, der in der Plakatkampagne seines letzten großen Popfestivals Laubsägearbeiten fotografieren ließ. Kann man hier anschauen.

*Dieser Anti-Preis wird von den Teilnehmerinnen des Herbsttreffens für Frauen in den Medien an öffentlich-rechtliche Rundfunk- und Fernsehanstalten verliehen.


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