Einträge mit dem Tag ‘Franz Müntefering’


Schlechte Noten in Geschlechterpolitik

6. Februar 2009 von Barbara

Im Interview mit der Berliner Zeitung spricht Franz Müntefering von “Instrumenten” “auf Zeit”, die helfen, Deutschland gleichberechtigter zu machen.

“Wir müssen auch darüber sprechen, warum relativ wenig Frauen in führenden Positionen sind. Ist es zum Beispiel sinnvoll, etwas zu tun, was in vielen Parteien lange gedeckelt worden ist? Klammer auf Quote Klammer zu. Manchmal muss man auf Zeit solche Instrumente anwenden, um ein Ziel zu erreichen.”

Sehr zaghaft, dieser Quoten-Vorstoß, mit vielen Hintertüren gepolstert: Klammer, auf Zeit, manchmal. Hier will jemand nicht wirklich. Eine Watschn für diese Form Geschlechterpolitik kriegt er von Taz-Redakteurin Heide Oestreich. Münteferings Interview-Andeutungen, dass eine Quote vielleicht doch eine gute Idee sei, erscheine unglaubwürdig, betrachte man die Geschlechterpolitik-Historie der Sozialdemokratischen Partei.

Einer Partei fällt nach zehn Regierungsjahren auf, dass man ein Gleichstellungsgesetz brauchen könnte? Derselben Partei, die vor acht Jahren dieses Gesetz bereits vorgelegt hatte und es dann selbst per Kanzlerdekret wieder einkassierte? Darin wurden übrigens nicht feste Quoten gefordert, sondern flexible Zielmarken und fein austarierbare Instrumente. Dass Müntefering nun pauschal von Quoten spricht, zeigt, dass er sich mit der Materie offenbar nicht ernsthaft zu beschäftigen gedenkt.

Oestreich wittert berechtigt andere Pläne, “das Absägen von weiblichem Spitzenpersonal und geschlechterpolitischen Leuchttürmen”, eine Kampfansage also an die Unions-Frauen Merkel und von der Leyen. Schöne Geschlechterpolitik, Herr Müntefering!


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