Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen
17. März 2009 von BarbaraJede vierte Frau hat mindestens einmal Gewalt in einer Paarbeziehung erlebt, so das Ergebnis der Anfang März vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend veröffentlichten Studie “Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen“. Die Ergebnisse basieren auf der Studie „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland“, die 2004 erstellt wurde und nun noch einmal bzgl. Gewalt in Paarbeziehungen untersucht wurde. Damals gaben über 10.000 in Deutschland lebende Frauen Auskunft, 2143 dieser Fälle wurden nun noch einmal betrachtet.
Konkret:
23 Prozent der Befragten nannten körperliche, und 7 Prozent sexuelle Übergriffe durch einen Partner oder Ex-Partner, wobei es Überschneidungen gab und sexuelle Gewalt häufig in Kombination mit körperlicher Gewalt auftrat. Darüber hinaus war etwa jede fünfte bis siebte Frau, die zum Befragungszeitpunkt in einer Paarbeziehung lebte (13–20 Prozent), in relevantem Maße Formen psychisch-verbaler Gewalt, Kontrolle und Dominanz durch den aktuellen Partner ausgesetzt.
Die Gewalthandlungen werden in der Studie noch klassifiziert, es wird unterschieden von “‘nur’ Drohung” bis zu “darüber hinaus: Waffengewalt”. Die Empfindungen der Frauen werden ebenso klassifiziert, es geht bei “Hatte Angst, in Situation ernsthaft oder lebensgefährlich verletzt zu werden” bis zu “Situation wird als Gewalt eingestuft”. Also wird Frauen leichte/mäßige Gewalt (26 Prozent der Situation), tendenziell schwere Gewalt (45 Prozent der Situationen) oder sehr schwere bis lebensbedrohliche Gewalt (28 Prozent der Situationen) angetan.
Trennung, Alkoholkonsum und vorherige Androhung von Gewalt spielen häufig eine entscheidende Rolle. Und: Die Gewaltsituationen gibt es überall, quer durch alle sozialen und ethnischen sowie Bildungs- und Altersgruppen. Doch im Umgang damit gibt es Unterschiede:
In der Untersuchung zeichnet sich deutlich ab, dass Angebote zur Unterstützung gewaltbetroffener Frauen in der Öffentlichkeitsarbeit bislang einige Bevölkerungsgruppen nicht oder nur sehr unzureichend erreichen. Dazu gehören Frauen mit geringerem Bildungsstand sowie Migrantinnen der mittleren und älteren Altersgruppen, die nicht in Deutschland geboren und aufgewachsen sind und die über keine oder wenige Sprachkenntnisse verfügen, außerdem generell Frauen, die stärker sozial isoliert und damit besonders vulnerabel für schwere Gewalt und Misshandlung in Paarbeziehungen sind.
Gewalt gegen Frauen in Deutschland ist kein Minderheiten-, Randgruppen- oder Unterschichtenproblem. Es bedarf deshalb einer Unterstützung der Frauen von Gesellschaft, Öffentlichkeit und Politik. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen:
Wir müssen alles tun, um diese Gewalt zu verhindern und abzuwehren. Die Bundesregierung hat mit dem Aktionsplan II zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen mehr als 130 Maßnahmen auf den Weg gebracht.
Der Aktionsplan II greift in den Bereichen Prävention, Rechtsetzung durch den Bund, Hilfesystem zur Unterstützung und Beratung Gewalt betroffener Frauen, Bundesweite Vernetzung im Hilfesystem, Kooperationen zwischen staatlichen Institutionen und nichtstaatlichen Hilfsangeboten, Arbeit mit Tätern und Täterinnen, Qualifizierung und Sensibilisierung, Forschung, Europäische und sonstige internationale Zusammenarbeit sowie Unterstützungsmaßnahmen für Frauen im Ausland. Dass diese Maßnahmen alleine nicht ausreichen, versteht sich: Gewalt ist natürlich auch ein gesellschaftliches Problem.
Facebook | | 







