Skaten in Afghanistan

von Magda

Schon vor einigen Wochen in der JungleWorld erschienen und gerade wieder über den Artikel gestolpert: „Skaten ist hier auch ein Mädchensport“. Der größte Sportkomplex in Afghanistan liegt in Kabul, heißt „Skateistan“ und bietet zur Zeit bis zu 200 Kindern Platz zum Skaten. Im Artikel wird betont, dass die Skateschule nicht nur zum Skateboardfahren animieren möchte, sondern Kinder und Jugendliche mit verschiedensten sozialen, ethnischen und religiösen Hintergründen zusammenbringen will, um sie zum friedlichen und respektvollen Zusammenleben zu ermutigen.

Interessant ist, dass Skaten in Afghanistan keinesfalls ein „Jungsding“ ist, denn als relativ neue Sportart wurde es bisher noch nicht in die typische Jungs- oder Mädchenecke gedrängt. Im Interview mit Sophie Friedel, Skateboarderin und Volontärin im Skateistan, heißt es dazu:

Skaten war früher ein neunzigprozentiges Jungsding. Ist das bei euch anders?

Skaten ist hier neu, deswegen gibt’s da noch keine Stereotype. Oli und Sharna kamen hier mit ihren Boards nach Kabul und haben gesehen, dass hier auch Frauen das machen können, und wir probieren jetzt, zur Hälfte Jungs, zur Hälfte Mädchen zu unterrichten, es gibt immer abwechselnd Jungstage und Mädchentage, das ist super für die Mädchen. Vom Sport her ist Skaten auch ein Mädchensport, Fahrradfahren dürfen sie hier nicht, weil viele Afghanen es kulturell nicht in Ordnung finden, wenn Frauen auf Fahrrädern sitzen.

(…)

Und wie finden es afghanische Väter, wenn man ihren Töchtern das Skaten beibringen will?

Es kommt vor, dass die Männer meinen, sie müssten die Mädchen schützen, vor allem wenn sie ins Heiratsalter kommen. So ab 13 oder 14 ist es schwierig, die Mädchen in die Schule zu bekommen, weil dann oft die älteren Brüder, die mit den Taliban aufgewachsen und sehr konservativ sind, nicht möchten, dass ihre Schwestern das Haus verlassen. Bei den kleinen Mädchen ist es dagegen überhaupt kein Problem. Wir fangen mit den Fünfjährigen an, von fünf bis zwölf Jahre ist das kein Thema, aber von zwölf bis 17 ist es schwieriger. Wir haben ja girls-only-Tage, und wir haben am Zaun einen Sichtschutz angebracht, damit man nicht ins Gebäude sehen kann. Wir haben auch zwei Wächter vor dem Haus, die aufpassen, damit keine Fremden hineingehen. So können wir Vertrauen aufbauen, und im Moment haben wir wieder ein paar Mädchen hinzubekommen.




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 31. März 2010 um 14:37 Uhr unter Inspiration. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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Ein Kommentar

  1. Patrick sagt:

    Oh je, so was finde ich echt schwer zu lesen, dass die da einen undurchsichtigen Zaun aufbauen mussten und Wachen haben, und mit der Pubertät ist für die Mädels dann alles vorbei.

    Aber vorher super, dass die skateboarden :)