Einträge der Rubrik ‘Ökonomie’


Die politische Dimension von Fett

5. Januar 2015 von Magda
Dieser Text ist Teil 34 von 44 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Wenn von dicken Körpern die Rede ist, werden gesellschaftliche Machtverhältnisse verhandelt. Dieser Artikel erschien in der 600. Jubiläumsausgabe der ak – analyse & kritik – zeitung für linke Debatte und Praxis (16.12.2014).

Maggie De Block

Maggie De Block

»Darf eine Gesundheitsministerin übergewichtig sein?« titelte unlängst die FAZ (15.11.2014) und widmete der belgischen Gesundheitsministerin und früheren Ärztin Maggie De Block einen ganzen Artikel – besser gesagt: ihrem Gewicht und ihren Essgewohnheiten. Auch andere Tageszeitungen füllten ihre Spalten mit reißerischen Titeln, stellten Mutmaßungen über Gewicht und Gesundheitszustand sowie die »Glaubwürdigkeit« der Ministerin an. Der Berliner Tagespiegel (20.11.2014) resümiert gönnerhaft, dass De Block Gesundheitsministerin sein dürfe, da sie »ihr Fettsein nicht als größtes anzustrebendes Glück propagiert«. In der FAZ kommt auch der Ehemann De Blocks zu Wort: »Es gibt in der Welt vielleicht schönere Frauen als Maggie, aber für mich ist sie die ideale Frau.«

Es irritiert, dass diese Zeitungen nicht etwa De Blocks jüngste Politiken als Staatssekretärin für Asylpolitik, Immigration und soziale Integration (2011-2014) und deren desaströse Folgen für Asylsuchende in Belgien thematisieren, sondern ihren Körper in den Fokus rücken. Es irritiert auch, dass anscheinend gesellschaftlicher Konsens darüber herrscht, dass eine dicke Politikerin unmöglich für das Amt einer Gesundheitsministerin geeignet sein kann und männliche Journalisten Zeile um Zeile abwertend über den Körper einer Frau schreiben können, ohne dass ein nennenswerter Aufschrei erfolgt.

Der Körper als Kampfzone

Wir leben in einer Zeit, in der die Angst vor dem Fettwerden gesellschaftliche Normalität ist, in der Kinder in Diätcamps mit minimalster Kalorienzufuhr gesteckt werden und Ärzt_innen FdH (»Friss die Hälfte«) für einen angemessenen Ernährungstipp halten. Wir leben in einer Zeit, in der Lehrer_innen aufgrund eines Body-Mass-Index (BMI) von über 30 in manchen Bundesländern nicht verbeamtet werden können. (1) Wir leben in einer Zeit, in der Diäten, Diätpillen, Magenverkleinerungen und dickenfeindliche Sprüche und ihre verheerenden Auswirkungen auf Körper und Seele für »gesünder« als ein dicker Körper als solcher gilt. Die Fixierung auf einen schlanken Körper und die Angst vor Fett(sein) nehmen absurde Dimensionen an: Die Kompetenzen einer Politikerin werden angezweifelt, weil sie einen dicken Körper hat und nicht etwa, weil sie kritikwürdige politische Entscheidungen in ihrer Berufskarriere gefällt hat. Sexismus, Dickenfeindlichkeit und die Nicht-Thematisierung von rassistischer Politik reichen sich die Hand.

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Programmier-Lern-Euphorie – und wie emanzipatorisch ist das jetzt?

12. Dezember 2014 von Gastautor_in

Kathrin bloggt gelegentlich unter buildingsnbridges, wo auch der folgende Beitrag kürzlich erschienen ist – den sie uns erfreulicherweise als Crosspost angeboten hat.

Programmieren war ja mal ein frauen*dominierter Job, bevor es ein männer*dominierter Job wurde. Als erste Person, die Programme schrieb, ist Ada Lovelace in die Geschichte eingegangen. Damals, im 19. Jahrhundert, konnten Rechen-Maschinen noch nicht so viel – die Mathematikerin schuf mit ihrer Arbeit jedoch eine wichtige Grundlage für ihre Weiterentwicklung. Davor und danach sind auf dem Zeitstrahl der Informatik-Historien dann oft nur noch weiße Männer zu finden. Klar: in Geschichtsschreibung und Wissenschaft werden die Beiträge nicht männlicher, nicht weiß/westlicher Protagonist_innen routinemäßig unsichtbar gemacht. (Ich wusste bis vor ein paar Wochen nicht, woher das Wort Algorithmus kommt.)

Und nachdem einige Jahrzehnte lang die professionelle Nutzung von Computern von Frauen* geprägt worden war (Biografien u.a. hier oder hier) – ohne, dass sie dafür unbedingt viel Anerkennung bekommen hätten – wurde ihr Anteil in den 1980ern dann auch tatsächlich kleiner. Während die Rechenmaschinen zu immer mächtigeren Werkzeugen wurden. Und das Prestige, das mit ihrer Bedienung verbunden war, wuchs.

Unter anderem dieser Prestigegewinn wird dafür verantwortlich gemacht, dass Informatik – wie vieles, was als ‘Technik’ gilt – heute vielerorts ein Männerjob ist. Nicht schön, aber mächtig: das Klischee des Programmierers oder ‘Nerds’ ist das eines Typens, der nicht gut aussieht und seine nur spärlich vorhandenen sozialen Kompetenzen selten nutzt – aber durch sein Technikverständnis potenziell die Welt beherrschen kann.

Seit ich vor zwei Jahren meinen Rechner mit einem BIOS-Update kaputtgemacht habe – da wusste ich noch nicht, was eine BIOS ist und wollte verstehen, was passiert war – habe ich angefangen, mich auch technisch mit Computern zu beschäftigen. Und seitdem fällt mir auf, wie viele Institutionen und Gruppen offenbar gerade damit beschäftigt sind, Informatik aus der Nerd-Ecke zu holen. Besonders Programmieren wird zugänglicher, und es wird immer wieder betont, dass auch Menschen es lernen können, die nicht schon ihr ganzes Leben lang genau das gemacht haben. In Berlin gibt es wöchentlich mehrere kostenfreie Workshops, die ich besuchen kann, wenn ich will. (Auch, weil für mich bestimmte Barrieren keine Rolle spielen – selbstverständliches Englisch-Sprechen zum Beispiel oder Rolli-Unzugänglichkeit vieler Veranstaltungsorte.) Es gibt bergeweise Ressourcen online, darunter richtig gut konzipierte Kurse – von meinem ersten Python-Kurs zehre ich jetzt im Informatikstudium noch. Und es gibt Initiativen wie die Rails Girls, die sich besonders an Frauen richten (über die Offenheit gegenüber nicht-binären Genderidentitäten weiß ich nichts). Quasi in jeder Stadt, in der es gentrifizierende Cafés mit Free Wifi gibt.

Seit ich mich mehr mit Rechnern beschäftige, bin ich – simsalabim! – in einer neuen Erzählung über feministisches Empowerment gelandet. Als Protagonistin mit Superheldinnen-Faktor: Leute machen High Five mit mir, wenn ich erzähle, was ich studiere! Die Stimmung: yey, Frauen* lernen programmieren! Wir holen die ganze Nerdigkeit nach, die wir in unserer Jugend nicht haben konnten (oder hatten, aber dafür ausgelacht wurden) und zeigen es den Mackern. Und so übernehmen wir die Weltherrschaft dann doch noch.

Ich glaube, in die Programmier-Euphorie spielt neben der Freude, sich vom weißen Macker nichts mehr sagen lassen zu müssen, auch das Bewusstsein rein, dass ‘Code’ die neue weltweit verstandene und bedeutsame Sprache ist – die auf allen Arbeitsmärkten gefragt ist, Tendenz steigend. Das Wissen, eine größere Absicherung in Bezug auf zukünftige Jobs zu haben, ist ziemlich angenehm – das merke ich an mir selbst und höre ich ähnlich von anderen Leuten, auch wenn es nicht für alle die gleiche Rolle spielt.

Selbstständigkeit und Zugang zu besser bezahlten Jobs können Empowerment bedeuten. Ja, in dieser Gesellschaft ist Überleben leider immer auch Überleben im Kapitalismus, und da gibt es keine ‘Chancengleichheit’. Wenn ich aber mit dem Slogan “If they can do it, I can do it as well!” zum Programmieren motiviert werden soll – wie auf der Seite der Rails Girls Berlin unter der Rubrik ‘Success Stories’ – hört sich das für mich nicht unbedingt feministisch an. Keine Erwähnung von Sexismus und anderen -ismen, mit denen Menschen davon abgehalten werden, zu lernen oder ihr Wissen anzuwenden. Sondern nur das “from zero to hero(ine)”-Motiv: trau dich, du schaffst das! Programmieren macht total Spaß, es ist leicht zu lernen und spannend und du kriegst coole Jobs!

Das mit den “coolen Jobs” ist halt auch so eine Sache. Während bestimmte Skills so viel zugänglicher werden (und sich das Berufsbild vom stereotypen Nerd, der in seinem Leben nie was anderes gemacht hat als zocken/hacken/nerden) weg bewegt, schwindet auch tatsächlich der Weltherrschafts-Faktor des Programmierens. Wenn ich mir mal anschaue, wer so alles Programmier-Kurse für Frauen und/oder die breite Masse unterstützt: Da ist zum Beispiel die Initiative Jeder kann programmieren, gefördert unter anderem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie dem Riesen-Unternehmen Intel. Das ist nicht Zugänglichkeit, damit wir uns alle empowern können, sondern das Bemühen darum, dass wir genau das Richtige lernen – denn Programmieren ist die neue Schlüsselkompetenz, und es werden Arbeitskräfte gebraucht, die das drauf haben. Ja, auch Frauen* – und ja, auch hochmotivierte Menschen außerhalb der EU und der USA. Und gut, dass Long-Distance-Beschäftigungsverhältnisse durch das Internet so einfach sind, denn da lassen sich Kosten sparen. Wird da eigentlich irgendwas demokratisiert, oder vor allem Angestellte für boomende Branchen produziert? (Und für welche Branchen eigentlich? Die in vielen Darstellungen zweitberühmtesten Programmiererinnen sind Jean Bartnik, Grace Hopper und ihre Zeitgenossinnen – die meisten von ihnen arbeiteten für die US-Armee.)

Das “Ich kann alles lernen”-Gefühl, das sich nach dem ersten, und dem zweiten, und dem xten selbstgeschriebenen Programm einstellt, möchte ich nicht missen. Oder die Möglichkeit, selbstbewusst über Technik, die ich benutze, zu entscheiden. Und die Chance, im Informatikstudium Kompetenzsimulation von den Profis zu lernen. Aber ich weiß nicht, ob der Ort, den ich damit erreichen werde, sich irgendwie unabhängiger anfühlen wird. Oder vielleicht genauso stressig und prekär, wie Arbeitsleben bisher auch war.


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Und es bewegt sich doch? Koalition beschließt Frauenquote

26. November 2014 von Charlott

Wie die tagesschau berichtet, hat sich die SPD-CDU/CSU-Koalition nun hinsichtlich des Themas Frauenquote geeinigt. Vorgesehen ist das folgende: Für 108 börsennotierten und mitbestimmungspflichtigen so genannte große Unternehmen wird eine 30-Prozent-Quote für Aufsichtsräte eingeführt. Diese wird ohne Ausnahmen (welche CDU/CSU bisher für verschiedene Branchen erkämpfen wollte) gelten. Außerdem sollen weitere ca. 3500 mittelgroße (börsennotierte und mitbestimmungspflichtige) Firmen sich eigene Zielvorgaben setzen. Das Gesetz soll am 11.Dezember im Kabinett beschlossen werden und ab 2016 gelten.

Und wird es auch Sanktionen geben? Ja, eine. Plätze, die Frauen zuständen aber nicht mit ihnen besetzt werden, müssen dann leer bleiben. Ich muss zu geben, ich habe lange gebraucht um daran das große Sanktionspotential zu sehen, denn was ist denn die Konsequenz? Statt einer größeren Männer-Küngel-Gruppe eine etwas kleinere? Gerade im Hinblick auf die eigentliche Funktion von Aufsichtsräten – nämlich zu beaufsichtigen scheint diese Konsequenz seltsam. Auf der anderen Seite heißt es für die Unternehmen wirklich, dass sie neu entscheiden müssen, wer denn nun im Aufsichtrat sitzt, denn in den meisten Fällen (einige wenige erfüllen bereits die Quotierung) werden Männer, die bisher dort sind ihre Plätze verlassen müssen – oder aber der Aufsichtsrat muss ausgeweitet werden.

Ansonsten bleibt es eigentlich dabei, was ich fast auf den Tag vor einem Jahr an dieser Stelle schrieb, als sich SPD und CDU/CSU auf die Formulierung für den Koalitionsvertrag geeinigt hatten:

Da hat sich die so genannte Große Koalition also ein hübsches emanzipatorisches Feigenblättchen geschaffen. Denn davon abgesehen, dass der Anteil sehr gering ist und nur ein bestimmter Teil von Unternehmen überhaupt betroffen – welche Personen können eigentlich davon profitieren? Was nützt diese Quote, wenn andere hetero_cis_sexistische, rassistische, klassistische, ableistische Strukturen nicht mitgedacht werden, bzw. an diesen gearbeitet wird. Welche Personen haben die Möglichkeit potentielle Kandidat_innen für einen Aufsichtsratsposten zu werden? (Und dann gibt es natürlich noch weiterführende Fragen.)

Das EU-Parlament hatte übrigens vor einem Jahr beschlossen, dass bis 2020 eine Quote von 40% verbindlich sein soll. Aber auch diese bliebe natürlich letzten Endes eine Makulatur in einem kaputten (oder besonders gut funktionierendem – je nach Perspektive) System (Kapitalismus).

Es bewegt sich nun also etwas? Aber wohin eigentlich?

Analysen und Kritiken zu Ökonomie, die über eine Quotendiskussion hinausgehen (bzw. diese auch etwas differenzierter führen) findet ihr in unserer Rubrik Ökonomie und in unserer Reihe Ökonomie_Kritik.

 


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GDL-Streik: Mobilität für George, Gina & deine Mutter

7. November 2014 von Gastautor_in
Dieser Text ist Teil von 16 der Serie Ökonomie_Kritik

Frederik bloggt auf  Techno Candy und twittert auch.

Die Lokführer_innen streiken, die Fahrgäste drängeln und seufzen, die Medien hetzen und die Bahn-Verantwortlichen lassen eine Schmierenkampagne auf die Leute im Arbeitskampf niederregnen.

Der Streik tut weh, weil die Leute das Gefühl haben, dass sie sich nicht mehr frei bewegen können und in ihrer Mobilität eingeschränkt werden. Ich habe gestern einen Tweet verfasst, der bis jetzt 43 mal retweetet wurde (fame!) (üblicherweise werde ich von meinen großzügigen Follower_innen 0-2 mal retweetet), den ich jetzt noch ein bisschen ausführen will.

Was ist denn eingeschränkte Mobilität?

Eingeschränkte Mobilität, das ist das alltägliche Versagen der Deutschen Bahn. Das sind unendlich steigende Ticketpreise im Nah- und Fernverkehr (bei 19,20 Euro ALG II für den ÖPNV pro Monat), Ausfälle und Verspätungen wegen beschädigter Bahnen und Strecken, ein lückenhaftes Streckennetz, immer mehr geschlossene Bahnhöfe, kaum funktionierender Ersatzverkehr bei Störungen, und das Winterprinzip (Pro Schneeflocke eine gecancelte Fahrt). Das ist die Konsequenz von Privatisierung öffentlicher Güter.

Eingeschränkte Mobilität, das sind die Barrieren, die Leute mit Rollstuhl, Rollator, Krücken vom Reisen abhalten, das sind Zugfahrer_innen, die keine Zeit haben, die Rampe auszufahren, das sind fehlerhafte oder undeutliche Durchsagen, das sind überfüllte, stickige, zu heiße oder zu kalte Wagen. Das ist Ableismus.

Eingeschränkte Mobilität, das sind die inneren EU-Grenzen, die nur für weiße Menschen easy zu überqueren sind, das ist Racial Profiling bei Ticket- und Ausweiskontrollen, das ist Polizeigewalt und rassistische Schikane durch Behörden und Beamte, das sind die äußeren EU-Grenzen, an denen Leute ertrinken, verhungern, verdursten und ermordet werden. Das ist Rassismus.

Eingeschränkte Mobilität, das ist Catcalling auf der Straße, Sexismus am Arbeitsplatz, Rapeculture, Angst haben müssen, wenn mensch alleine nach Hause gehen will, das ist Gewalt und Kontrolle in Beziehungen, das sind Morde und Gewalt an trans Frauen, Queers und Sexarbeiter_innen, das ist die Potenzierung dieser Gewalt für all jene, in deren Lebensrealität Rassismus, Cissexismus und Armut eine Rolle spielen. Das ist Patriarchat.

Eingeschränkte Mobilität, das ist, wenn Feminismus plötzlich heißt, dass einige weiße cis Frauen die Möglichkeit haben, auf Kosten migratisierter, armer Personen unterschiedlichen Genders ähnliche giftige Privilegien abzuräumen wie einige weiße cis Männer sie genießen. Wenn Haushaltsarbeit, Pflegearbeit und Kinderbetreuung als klassische weibliche Arbeiten unterbezahlt und isoliert stattfinden, sodass eine Organisierung der Arbeiter_innen schwierig und ein Streik kaum denkbar wird. Wenn Deutschland das Land ist, in dem die Klassenreise nach „oben“ in ganz Europa am schwersten ist (mal abgesehen von der Reise nach Europa). Wenn ganze Stadtviertel entvölkert und neu besiedelt werden, sodass jene, die in den schicken Lofts irgendwas am Computer (Mac!) rumklicken, zur Arbeit mit dem Fahrrad fahren können (green!), und jene, die die Lofts putzen, eineinhalb Stunden in der nun streikenden S-Bahn verbringen müssen, um überhaupt ihren outgesourcten Job antreten zu können (5 Euro!).

Das sind Gründe, die Wut nicht auf die Gewerkschaft der Lokführer_innen oder gar auf die Streikenden selbst abzuladen. Das sind Gründe, die Bahn und alle anderen Unternehmen zu beklauen und zu betrügen. Das sind Gründe, unsere eigene Arbeit zu analysieren und zu verstehen, um dann in den Streik zu treten, welche Arbeit auch immer wir ausführen.


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iZelle und „social freezing“ – Plötzliches Interesse an reproduktiven Rechten im Kapitalismus

21. Oktober 2014 von Charlott

Mitarbeiter_innen von Google und Facebook in den USA sollen bei den Kosten für das Einfrieren von Eizellen unterstützt werden („Social Egg Freezing“). Letzte Woche löste diese Tatsache eine große Debatte auch in deutschsprachigen Medien aus. Bei der Süddeutschen wurde getitelt „Gefrierschrank macht noch keine Gleichberechtigung“ und durchaus etwas differenzierter die Tatsachen betrachtet, bei Spiegel Online wurde in einem Kommentar verkündet „Warum ich den Eizellen-Plan von Apple und Facebook pervers finde„. Bei der Zeit wurde mit „Ein Hoch auf die Produktivität“ plötzlich so etwas wie Kapitalismuskritik geübt und dann nur zwei Stunden später biologistisch-ätzend und androzentrisch von der „Herstellung des Menschen“ gefaselt. Der Medienkompass des Spiegels zeigt, dass sich die Berichte der größeren deutschsprachigen Medien irgendwo einpendeln zwischen „Angebot schafft keine Gleichberechtigung“ und „es ist eh eine risikoreiche Technik“.

Sicher ist eine Verknüpfung von (finanziellem) Zugang zu reproduktiven Technologien und dem eigenen Arbeitgeber keine großartige Lösung. Aber als vor einigen Monaten in den USA Gerichtsurteile gefällt wurden, die Firmen zugestanden, aus „Gewissensgründen“ ihren Mitarbeiter_innen den Zugang zu bestimmten Verhütungsmitteln zu verwehren, da fiel das Medienecho doch bedeutend verhaltener aus und die wenigsten Journalist_innen stürzten sich auf das grundlegende Problem der Verbindung zwischen Arbeitgeber und reproduktiven Rechten. Ich möchte keine Lobeshymnen auf die Firmen, um die es hier geht, singen  – Angestelltenstruktur, Datenschutz u.ä. geben ja genug Anlässe zur Kritik. Aber die finanzielle Unterstützung beim Einfrieren der Eizellen ist nicht die einzige Maßnahme, die es dort hinsichtlich des Komplexes „Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familie“ gibt. Sie bieten u.a. bezahlte Elternzeiten, finanzielle Boni oder Unterstützungen bei Adoptionen.

Fakt ist auch, dass diese reproduktive Technik kein Garantie dafür ist, dass Menschen zu einem späteren Zeiptunkt im Leben Kinder bekommen können (und es natürlich auch ein für viele unangenehmer medizinischer Eingriff bleibt) – in Medienberichten wird das manchmal so verkündet, als wüssten die betroffenen Personen dies nicht. Für einige aber mag es trotzdem eine gute Option und manchmal gar die einzige sein (beispielsweise bei Erkrankungen). Dann ist es doch gut, wenigstens nicht auf den (nicht zu unterschätzenden!) Kosten allein sitzen zu bleiben.

„Social Egg Freezing“ ist nicht die Antwort auf alle Fragen. Das hat aber meines Erachtens tatsächlich auch niemand behauptet. Worum geht es also wirklich? Auffällig ist, dass die Debatte gerade an dem Punkt ausbricht, wo es plötzlich um reproduktive Technologien geht. Und nicht nur in den Mainstreammedien,  auch bei einigen Feminist_innen schwingen da Vorstellungen mit von „natürlicher (=richtiger) Schwangerschaft“ und damit einhergehend auch implizit darüber, welche Familienmodelle als richtig und möglich erachtet werden. Es werden zum einen besonders Frauen (andere Möglichkeiten potentiell schwangerer Menschen werden ausgeblendet) angegriffen für Entscheidungen über ihren Körper (natürlich auch nichts Neues), aber zum anderen wird in der Debatte auch außen vor gelassen, für wen reproduktive Technologien eine der wenigen Optionen überhaupt sein können. Nämlich für Menschen, die gerade weil sie keine ableisierten Cis-Hetero-Paare mit dem nötigen finanziellen Polster sind, eh vielerorts keinerlei Zugang haben. Und sicher ließen sich auch bestimmte Praxen reproduktiver Techniken komplexer diskutieren, aber wenn sie unter dem (sehr dünnen) Mäntelchen der Kapitalismuskritik pauschal abgewertet werden, lohnt sich schon der genauere Blick, wer hier angegriffen und augeschlossen wird.


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Applaus für … eine Toilettenaufsicht und das erstrittene Trinkgeld

26. September 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 31 von 39 der Serie Applaus für

Ihr geht auf eine öffentliche Toilette, beispielsweise in einem Einkaufszentrum. Im  Vorraum steht ein Tisch, darauf ein  Teller, wo schon einige Münzen hingelegt haben, daneben sitzt eine Frau – die Toilettenaufsicht oder Putzpersonal. Wenn ihr beim Gehen ebenfalls Geld auf den Teller legt – für wen?

Ein Reinigungsunternehmen war der Meinung das Geld sei eine „freiwillige Nutzungsgebühr“ und würde somit vollständig dem Unternehmen zustehen. Eine Aufsicht hatte auf ihren Anteil geklagt und argumentiert, die Nutzer_innen geben das Geld als Trinkgeld. In einem ersten Verfahren hatte das Arbeitsgericht bereits verkündet, dass sie prinzipiell Recht auf einen Anteil hat, gestern nun hat sie sich mit der Firma außergerichtlich auf 1000€ geeinigt.

Die Gewerkschaften hoffen darauf, dass dieses Urteil den Startschuss für weitere Kämpfe und Verfahren gibt. So schrieb heute.de:

„Dieses Urteil könnte und sollte auch andere Sitzerinnen ermutigen, für ihre Rechte zu kämpfen“, sagte Gewerkschaftssekretärin Heike Stoffels [der  IG Bau] dem WDR. Stoffels betonte, die Trennung von Putzpersonal und Trinkgeld-Aufsicht sei ein raffiniertes Modell der Reinigungsfirma. Denn für einen Beruf, den es eigentlich gar nicht gebe, müsse die Firma auch nicht nach Tarif bezahlen. Statt der 9,31 Euro Tariflohn für Reinigungskräfte bekämen die „Sitzer“ – so der Fachausdruck für diesen Job – mit 5,20 Euro [brutto] nur knapp mehr als die Hälfte. Die Löhne des Putzpersonals zahle das Centro Oberhausen.

Fünf Euro Zwanzig Brutto-Lohn die Stunde und dann behält die Firma auch noch das Trinkgeld ein? Überraschend ist das leider nicht, um so mehr Applaus gebührt der Klägerin, die sich erfolgreich zur Wehr setzen konnte.


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Ganz bewusst und aktivistisch shoppen gehen?

30. Juli 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 14 von 16 der Serie Ökonomie_Kritik

Jeden Tag treffen die meisten von uns – mal mehr mal weniger bewusst, mal mehr mal weniger frei – Konsumentscheidungen. Der Kaffee zum Frühstück: Bio? Fairtrade? Oder lieber ein günstigerer, der den Weg in die roten Zahlen nicht auch noch beschleunigt? Und sonst auf den Teller: Vegane Kost oder doch ein bißchen Hackfleisch? Im Kleiderschrank: Textilien von Primark oder Zara? Und wo bekomm ich eigentlich Kleidung in meiner Größe her?

In der letzten Woche erschienen ein paar Texte, die sich kritisch mit Konsumkritik auseinandersetzen und auch fragen, an wen diese Kritik denn häufig gerichtet wird. So heißt es bei RiotMango unter dem Titel „pseudo konsumkritik, my fat ass!„: „und ja, ich finde eine kapitalismus- und konsumkritische perspektive auch wichtig. aber ich finde es auch auffällig, dass… 1.) konsumkritik vor allen dingen an menschen gerichtet wird, die im kapitalismus häufig nicht mal mitgedacht werden #klassismus #fatshaming 2.) und konsumkritik sich fast nie auf zigaretten, alkohol oder drogen bezieht (würde wohl auch das linke selbstverständnis zerstören)“. Puzzlestücke fokussiert sich in ihrem Beitrag auf das beliebte Argument, dass Menschen mit weniger ökonomischen Ressourcen eben Second Hand Kleidung kaufen sollten anstatt bei billigen Bekleidungsketten wie Primark. Sie macht deutlich, dass nicht alle Menschen überhaupt Zugang zu solchen Läden haben, dort passende Kleidung finden und gleichermaßen anerkannt werden für ihren Second Hand Style.

Gerügt für ihre Konsumentscheidungen werden meistens jene, die eh schon beschränktere Auswahlmöglichkeiten haben. Menschen, deren dicke_fette Körper von der Bekleidungsindustrie selten mitgedacht werden. Die aber gerade deswegen durch gut sitzende, bequeme, schöne Mode auch Empowerment erfahren. Oder_und Personen, die aufgrund ihrer Ressourcen (ökonomischen, zeitlichen etc.) ebenfalls nicht aus dem vollen Angebot des glitzernden Kapitalismus schöpfen können. Neben empowernden Momenten, die Mode auch mit sich bringen kann (siehe auch dieses Interview zu Kleidung für Menschen, die sich außerhalb der dominanten Geschlechterbinarität bewegen), wird in solchen Diskussionen gern übersehen, dass es für Menschen (über)lebenswichtig sein kann, die „richtige“ Kleidung zu tragen, das „Styling“ zu perfektionieren.

Neben Kleidung wird „guter“ vs. „schlechter“ Konsum oft am Beispiel von Ernährung ausgetragen – vegan, bio, Fairtrade, lokal (nicht unbedingt in der Kombination, gern auch als einzelne Themen). Die Problematiken, die dabei häufig außer Acht gelassen werden, sind auch hier mannigfaltig:  Unverträglichkeiten und andere körperliche Voraussetzungen, die bestimmte Ernährungsweisen bestimmen_ausschließen. (Ökonomischer und sonstiger) Zugang zu Nahrungsmitteln (Stichwort beispielsweise: Essensmarken für asylsuchende Menschen in Deutschland). Anbauauswirkungen und -umstände bestimmter (Trend-)Ernährungsmittel. Dass nicht immer alles gleichzeitig im Blick ist, liegt auch daran, dass diese Fragen komplex sind, aber nur allzuhäufig wird trotzdem „guter Konsum“ als einfache Antwort angeboten.

Eine ähnlich „einfache“ Antwort scheint mir ein starker Fokus auf Kritik an Werbung. Natürlich prägen große Plakate und Werbespots im TV und Kino unsere Umwelt. Sie re_produzieren und normalisieren Gewalt und_oder *Ismen am laufenden Band, bzw. im laufenden Bild. Dies einzuschränken ist wichtig. Doch sollte bei diesen konkreten Auseinandersetzungen der Kontext nicht aus dem Blick geraten. Sonst stehen wir irgendwann mit weniger *istischen Werbungen aber immer noch ausbeuterischem Kapitalismus da. Und wem ist da am Ende geholfen? Jenen, die auch jetzt schon ihre Kaufkraft (die ja auch häufig auf privilegierten Positionen in einer rassistischen_hetero_sexistischen_ableistischen Gesellschaft beruht) für den Wandel ™ einsetzen können?

Die Veränderung von Konsumgewohnheiten wird an allen möglichen Orten beschworen, von feministischen Kreise bis hin zur FAZ. In letzterer wird aber wenigstens gar nicht erst so getan, als ob es sich um eine Option für alle handelt, heißt es dort doch: “ Sie leben in einem der reichsten Länder der Erde, Sie sind hervorragend ausgebildet, Sie haben Spaß am Leben und finden sich ganz gut.“ Konsum kann schnell zum Ablasshandel werden: Wer mehr zahlt, die besseren ™ Produkte wählt, kann mit guten Gewissen durch unsere kapitalistische, zerstörerische Welt gehen. (Das Auto bleibt natürlich in der Garage.)

Ich habe kein Problem mit „bewusstem Konsum“ – wie auch immer dieser dann aussehen mag. Ich finde es aber problematisch, wenn dieser quasi zu Aktivismus deklariert wird und ein Lebensstil, den eine_r sich eben auch erst einmal (auf verschiedenen Ebenen) leisten können muss, zur moralischen Selbstüberhöhung instrumentalisiert wird. (Weniger/Anders) Shoppen gehen als Aktivismus-Ersatzhandlung. Eigentlich ist natürlich „bei sich selbst anfangen“ ein guter Start für Veränderungen. Das Konsumverhalten zu ändern, kann gerade auch die Vorstellung (Illusion?) geben, im kleinen Rahmen etwas zu ändern. Schließlich wird doch immer wieder betont, dass die (Nicht-)Nachfrage auf den Markt wirkt. Doch wenn die Systemkritik ausbleibt, stattdessen die (Konsum)Handlungen weniger privilegierter Personen zu den Ursachen von Ausbeutung erklärt werden, dann fehlt dem „bei sich selbst anfangen“ noch eine ordentliche Prise (selbst)kritischer Betrachtung.


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Primark und die eingenähten Etikette: Guerilla-PR?

27. Juni 2014 von Nadia
Dieser Text ist Teil 13 von 16 der Serie Ökonomie_Kritik

Tatsächlicher Protest oder Guerilla-PR* irgendeiner NGO? Sei Tagen wird über die rätselhaften Primark-Etiketten berichtet, die mittlerweile drei Kundinnen in Primark-Kleidung gefunden haben (wollen). „Forced to work for exhausting hours“ steht auf einem Zettel, den die britische Primark-Kundin Rebecca Gallagher gefunden hat. Das zweite Etikett fand Kundin Rebecca Jones: „Degrading sweatshop conditions“. Gallagher kommt aus dem walisischen Gowerton, Rebecca Jones aus Swansea, und eine dritte Kundin aus Belfast, Karen Wisinska, will eine auf chinesisch verfasste Nachricht in einer ungetragenen Primark-Hose gefunden haben.

primark

Mensch könnte diese Aktionen für gelungene Widerstandsakte halten: Näherinnen, die die widrigsten Arbeitsbedingungen aushalten müssen, treten direkt in Kontakt mit den Konsument_innen der von ihnen produzierten Ware – und begehren auf. Fast schon hollywoodreif kann eine_r_m das vorkommen: Stolze Näherin (oder stolzer Näher), gebeutelt vom Leben, näht Messages in Kleider, weil ja mit Sicherheit jede einzelne Made im Industriespeck die aus Versehen eine Primark-Leggins kauft dazu in der Lage sein könnte Ungerechtigkeit auf der Welt zu bekämpfen. (mehr …)


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„We are many, they are few!“ – Von Percy Shelley zu Pauline Newman

1. Mai 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 80 von 131 der Serie Die Feministische Bibliothek

Verso_978_1_78168_098_8_Masks_of_Anarchy_300dpi_CMYK_SiteAnlässlich des 1. Mai möchte ich das Buch Masks of Anarchy. The History of a RADICAL POEM, from Percy Shelley to the Triangle Factory Fire vorstellen, welches zwei Lebensgeschichten verbindet und dabei politische Kämpfe verschiedener Jahrhunderte (und an verschiedenen Orten) verknüpft. In dem von Michael Demson geschriebenen und von Summer McClinton illustriertem Comic  wird in wechselnden Kapiteln zu Percy Shelley und Pauline Newman erzählt.

Shelley (4. August 1792 – 8. Juli 1822) war ein bedeutender englischer Dichter, der zu Lebzeiten immer wieder aufgrund seiner radikalen politischen Äußerungen verfolgt wurde, und dessen schrifstellerisches Werk tatsächlich erst nach seinem Tod wirkliche Bedeutung erlangte. Im Jahr 1819 schrieb er das titelinspierende Gedicht „The Masque of Anarchy„. Dieses war eine Reaktion auf das sogenannte Antwort Peterloo Massaker in Manchester. Dort hatten sich am 16. August 1819 zehntausende von Protestierende zusammengefunden um eine Repräsentation im politischen System einzuforden. Auslöser dafür waren auch die verherrenden ökonomischen Umstände, eklatante Lohnkürzungen in den Webereien, Arbeitslosigkeit und der Anstieg von Essens-Preisen. Kurz nach dem Beginn der Kundgebung auf dem St Peter’s Field stürmte das Militär mit gezückten Waffen in die Masse. Es starben 15 Menschen, mehrere Hundert wurden verletzt. Shelley befand sich zu dieser Zeit außer Landes, die Ereignisse bestürzten ihn und inspirierten ihm zu seinem Gedicht. Dieses wurde aber zunächst veröffentlicht: Zu radikal, zu aufrührend. Es erschien 1832.

Newman (18. October 1887 – 8. April 1986) floh als Kind mit ihrer Familie in die USA, nachdem ihr Vater, ein Rabbi, 1896 im heutigen Litauen umgebracht wurde. Ab ihrem 9. Lebensjahr arbeitete sie in Fabriken in New York. Mit 11 kam sie in die „Triangle Shirtwaist Factory“, wo sie nach und nach politisch aktiver wird und beginnt Frauen zu organisieren. Sie liest die Jewish Daily Forward, eine sozialistische Zeitung auf Yiddisch, und kommt der Sozialistischen Partei nah. Im Jahr 1907 ist sie kein unbeschriebenes Blatt mehr, die New York Times betitelt sie gar als neue Joan of Arc.  Immer ist sie an den Grenzen und Überschneidungen der – männlich dominierten – Arbeiter(_innen)bewegung und einer feministischen Bewegung, die Arbeiterinnen kaum mit betrachtet, unterwegs. Oft dabei: Das Gedicht von Percy Shelley, welches sie wieder und wieder vorträgt, sich durch dieses inspirieren lässt und mit anderen diskutiert. All ihre Aktionen und Verknüpfungen allein könnten Stoff für eine vielbändige Comic-Reihe geben, hier wird sich auf einen kleineren Ausschnitt begrenzt, der seinen „Höhepunkt“ findet beim Brand in der Triangle Shirtwaist Factory am 25. März 1911 bei dem 146 Arbeiter_innen ums Leben kamen – unter anderem weil die Türen zu den Produktionsräumen von außen verschlossen waren. (Wie aktuell dieses Thema bis heute ist und wie wichtig weiterhin diese Kämpfe erschließt sich schon bei einem einfachen Gedanken an das „Rana-Plaza-Unglück“ vor gut einem Jahr.) Newman, die eben gerade für die Verbesserung der Arbeitsbedingen in diesen Fabriken kämpfte, verlor bei dem Brand viele Freund_innen und Mitstreiter_innen.

„Miners of Kalamazoo! We are many… they are few!“

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Applaus für … eine ehemalige Praktikantin

31. März 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 29 von 39 der Serie Applaus für

Plakat zur Bewerbung von Ausbildungen bei Rewe, gesehen bei der Bravo, wo ein „VIP-Praktikum“ verlost wurde.

17.281,50 Euro, zuzüglich Zinsen. Das ist die Summe, die eine ehemalige Praktikantin eines Bochumer Rewe-Markts in einer gerichtlichen Auseinandersetzung erstreiten konnte. Fast acht Monate hatte die zu dem Zeitpunkt 19-jährige in dem Markt ein unbezahltes Praktikum absolviert. Im Oktober 2012 hatte sie für einen Monat ein „Schnupperpraktikum“ angetreten, danach wurde dies mehrfach verlängert und ihr Hoffnung auf eine Lehrstelle gemacht. Erst im März 2013 wurde tatsächlich ein Ausbildungsvertrag abgeschlossen, der allerdings erst ab September gelten sollte – bis dahin wurde vorausgesetzt, dass sie weiterhin ohne Entlohung in dem Markt arbeitet. Ver.di berichtet:

Schließlich nahm sich die Dauerpraktikantin einen Anwalt. Sie sah zu diesem Zeitpunkt keine Perspektive mehr für eine Ausbildung in dem Rewe-Markt. Ihr Vorteil war, dass sie über ihre Dienstzeiten Buch geführt hatte und somit genaue Angaben zu ihren unbezahlten Arbeitsstunden machen konnte. Das Arbeitsgericht sprach ihr den verdienten Lohn zu.

Der Marktbetreiber will wohl Berufung einlegen.


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