Muttiblog oder: wie weiter?

von Melanie
Dieser Text ist Teil 43 von 45 der Serie Muttiblog

Es wurde ein wenig ruhig hier, beim Muttiblog. Zum einen lag das daran, dass ich mit Kind Nummer 2 schwanger war und nun in Elternzeit bin. Aber auch, weil der Muttiblog inzwischen längst nicht mehr die einzige Plattform ist, auf der Mutterschaft aus feministischer Perspektive abgehandelt wird. fuckermothers dürfte Euch ja inzwischen ein Begriff sein, das Onlinemagazin/Blogkollektiv „umstandslos“ inzwischen auch. Vor allem aber bin ich mir diese Serie (also den Muttiblog) mal durchgegangen um zu überlegen: Welche Themen wurden hier noch nicht abgearbeitet? Meistens ging es um Vereinbarkeit, die Umstellung von der Kinderlosigkeit hin zur Auseinandersetzung mit dem Muttersein und welche Einschränkungen das bedeutet oder der Arbeitsteilung mit dem Vater des Kindes.

Das sind und bleiben aktuelle und umkämpfte Felder, wenn wir Mutterschaft aus einer feministischen Perspektive betrachten. So bleibt der Fokus aber auch auf dem „Wie bekomme ich als Mutter noch das größtmögliche Stück vom Kuchen“ – ohne das „System“ selber zu hinterfragen:

Die Kleinfamilie zum Beispiel, auch Kernfamilie genannt. Minime, also mein 3jähriger Sohn kam neulich aus dem Kindergarten und sagte, er habe Mutter-Vater-Kind gespielt. DER Klassiker. Früh übt sich, und so. Dem etwas entgegenzusetzen, wenn man dieses Familienbild selber (vor)lebt ist schwer. Dennoch bin ich sicher: Die Kleinfamilie taugt nichts. Die Frage ist aber: was ist die Alternative? Zurück zur Großfamilie mit mehreren Generationen „Blutsverwandter“? Weder immer praktikabel, noch wünschenswert, ist doch für manche nahezu überhaupt die Rettung, sich selber aus der Herkunftsfamilie lösen zu können. Gleichgesinnte suchen? Wie kann man darauf ein tragendes Netz bauen? Und blendet das nicht wieder die Verantwortlichkeiten von Wirtschaft und Politik aus? Im/Nach dem 2. Weltkrieg gab es „Notgemeinschaften“ von Frauen, die gemeinsam die verschiedenen zu bewältigenden Aufgaben um Produktion und Reproduktion teilten, die waren aber, als die Männer aus dem Krieg wieder kamen, vorbei. In der zweiten Frauenbewegung entstanden Frauenwohnprojekte, auch hier kamen mehrere Frauen mit und ohne Kinder zusammen, um die Lasten von Lohn- und Reproduktionsarbeit zu teilen. Da fällt mir das nächste „Problem“ ein: Wo den passenden Wohnraum finden, wenn man schon mal andere Gleichgesinnte gefunden hat? Es war schon schwer genug, mit anderen WG-geeignete Wohnungen zu finden, mit gleichgroßen Zimmern und davon mehr als zwei.

Was ist mit der Lohnarbeit? Mein Unwohlsein mit den Vereinbarkeitsdebatten kommt vermutlich auch daher, dass Lohnarbeit immer noch Dreh- und Angelpunkt sozialer Absicherung ist und Abhängigkeiten schafft. Dass zweimal 40Stunden-Woche für Eltern irgendwo ein darauf-hinzuarbeitendes Ziel für manche ist. Burnout vorprogrammiert. Aber wer an der Lohnarbeit sägt, dem wird gleich „Kommunismus“ hinterhergerufen und schon ist die Debatte unsachlich. Oder sie kippt ans andere Ende und dann wird von der „Aufwertung“ von Reproduktionsarbeit gesprochen und doch nur versucht, ihren Wert in Zahlen umzurechnen.

Warum hat es keine durchschlagkräftige Mütterbewegung*? Oder hat es eine und sie wird nur nicht (politisch, medial) über die eigenen Netzwerke hinaus wahrgenommen? Wie können Mütter politisch werden, ohne sich auch noch in diesem Feld aufzureiben?

Das sind nur drei von vielenvielen Fragen, die mir grade im Kopf spuken. Welche Fragen habt ihr noch, liebe Muttiblogleser_innen? Wurde Eurer Meinung schon alles gesagt in dieser Serie? Wollt ihr über bestimmte Themen (noch) mehr hören oder habt ganz andere? Seid ihr der Meinung, die aktuellen Debatten gehen am Thema vorbei, sind obsolet oder zu kurz gedacht?

Traut Euch: Wünscht Euch was, ich schaue, ob ich Eure Fragen beantworten, Eure Themen aufnehmen kann. Das Baby schläft grad so friedlich an meinem Bauch gelehnt, ich hab ein wenig Zeit…




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 24. September 2014 um 9:00 Uhr unter Familien_politik. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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5 Kommentare

  1. mom sagt:

    Ich kenne Kleinfamilie und Großfamilie mit mehreren Generationen. Mehrgenerationenfamilie kann toll sein, aber auch anstrengend, und erfahrungsgemäß müssen gerade die Frauen zurückstecken, wenn sie sowohl betreuungsbedürftige Kinder haben als auch Eltern, die schön langsam betreuungsbedürftiger werden.
    Für Kinder und alte Leute ist Großfamilie super, aber ich hatte immer das Gefühl, ich reibe mich genauso auf, wie ich das in einer Kleinfamilie getan hätte.

  2. wundertuetentag sagt:

    Liebe Melanie, danke für diesen Post. Geht mir ähnlich. Ich habe schon sehr lange nicht mehr gebloggt, mein Blog ist gewissermaßen in einem Kokon, einer stillen umbauphase einige Themen reifen jetzt so langsam heran und werden in nächster Zeit geschrieben werden.
    Auch ich habe viel über die Vereinbarkeits Debatte nachgedacht und bin letztlich zu dem Schluss gekommen, dass sie oft sehr einseitig geführt wird, es geht um vollzeit, teilzeit, Chefs. .. aber Künstler innen, Eltern, die Künstler innen sind, kommen nicht wirklich vor. Und für sie trifft die Debatte um die herkömmlichen Jobs eben nicht ganz zu. Es ist eine Sache für sich. (Ein gutes Beispiel ist übrigens der Film Eltern, mit Charly Huebner als Vater und Theaterregisseur und Christiane Paul als Mutter und Ärztin. Es geht um den beruflichen wiedereinstieg des Vaters) mehr dazu demnächst mal in meinem blog. Liebe grüße, Natascha

  3. wundertuetentag sagt:

    auch ich bin beim Thema ‚Eltern und Künstler sein‘ zu dem Schluss gekommen, dass ich nicht über Vereinbarkeit sprechen kann, wenn ich nicht die ganze Arbeitswelt, wie sie zur Zeit ist, samt ihren Werten hinterfrage. Vor allem das ideal der 40 Stunden Woche. Das betrifft besonders Eltern, aber nicht nur die!

  4. wundertuetentag sagt:

    P.s. ich meine nicht nur hauptberufliche Künstler innen, wie in dem Filmbeispiel, sondern finde die übliche Debatte eigentlich nicht passend für alle Menschen, die anders leben und arbeiten (wollen) als die gesellschaftliche Norm.

  5. Kim Berra sagt:

    Also ich habe ehrlich gesagt Zweifel an einem Punkt: die Kleinfamiliie ist nicht einfach untauglich, so pauschal kann das nicht ganz stimmen. Es kommt doch darauf an, wie sich die Leute in den Familien oder ‚Gemeinschaften‘ benehmen, wie sie miteinander umgehen und welche Mentalitäten sie mit sich herumtragen. Ich glaube, noch jede Gemeinschaft kann in Ungerechtigkeit und gar in Gewalt enden/umschlagen.
    Das Problem and der Kleinfamilie schein mir vor allem, dass der Vater in der Regel (voll) arbeiten geht, die Mutter für die Kinder verantwortlich bleibt. Wollen die Eltern die Brust geben, geht es in der Kleinfamilie und bei den allermeisten Arbeitsmodellen auch gar nicht anders. Zumal schon eine Schwangerschaft ein Berufsleben sehr wahrscheinlich zeitweise unterbricht. Eben mit diesen Tatsachen gibt es keinen richtigen Umgang in der Gesellschaft, noch nicht einmal eine (öffentliche) Diskussion. Ich glaube, es gibt eine Art Ökonomismus in den Köpfen, der sich in den letzten Jahren noch verschäft hat. Vielleicht könnte auch hier eine Mütterbewegung helfen.