Blut in Bechern

von Liz

Die Furcht, Blut könne während der Periode auslaufen, schwebt wie ein weißer Geist zwischen den Beinen. Aber er lässt sich ver­treiben – nicht nur mit Menstruations­bechern, stellt Liz Weidinger in ihrer Genderkolumne im freitag fest, welche wir freundlicherweise auf der Mädchenmannschaft zweitverwerten dürfen.

Als ich vor ein, zwei Jahren über ein gefrorenes Herz aus Blut gestolpert bin, wurde ich neugierig. Ich habe dieses Herz auf einem Bild gefunden, auf einem Bild aus den Tiefen feministischer Foto-Blogs. Es sah nicht nur gut aus, wie es da auf der Haut des Trägers vor sich hin schmolz und sich langsam Bluts­tropfen bildeten, sondern war gleich­zeitig mysteriös.

Bei weiteren Recherchen stellte sich heraus, dass dieses Herz aus Menstruations­blut bestand, das mit einem wieder­verwendbaren Menstruations­becher aus medizinischem Silikon als Tampon­alternative gesammelt wurde. Von da aus führte mich das Netz immer weiter zu verschiedensten Abbildungen von Menstruationsblut und umfassenden Ausführungen der Vorteile und Nachteile von Menstruations­bechern im Gegensatz zu klassischen Tampons oder Binden. Und genau dafür liebe ich das Internet und feministische Diskurs­räume: Hier war er endlich, der lässige Umgang mit der Regel. Keine über­bordende gute Laune in weißen Klamotten und blauer Flüssigkeit, keine Heimlich­tuerei, kein Ekel.

„Adventures in Menstruating“

Dass so ein unaufgeregter Umgang nicht allen Menschen liegt und ein bisschen „leakage fear“ in jedem Kopf umherspukt ist kein Wunder. Chella Quint, Zine-Macherin, Komikerin und Performerin aus Brooklyn, analysiert die Gründe dafür wunderbar und nimmt in ihrem TEDxTalk aus Sheffield Werbung für Monatshygieneprodukte auseinander. Sie beschäftigt sich schon länger mit dem Thema und hat mehrere „Adventures in Menstruating“-Zines gemacht. Damit ist sie eine der „menstrual activists”, die Chris Bobel, Direktorin des Women’s Studies Program an der Universität von Massachusetts, für ihr Buch New Blood über Dritte-Welle-Feminismus und Menstruationspolitiken interviewt hat.

Aber nicht nur Werbung für Hygieneprodukte, sondern auch die Repräsentationen von Menstruation in Filmen und Serien lässt den komischen und tabuisierten gesell­schaftlichen Umgang mit dem bisschen Monats­blut erkennen. Es funktioniert hervorragend in Horror­filmen und kann ausgezeichnet dazu verwendet werden, dem Publikum ein bisschen Ekel zu bescheren. Auf Jezebel.com findet sich ein wunderbarer Zusammenschnitt von über 25 Filmbeispielen.

Mit der Periode in der Popkultur hat sich auch die Australierin Lauren Rosewarne beschäftigt und in diesem Sommer ein Buch dazu veröffentlicht. In ihrer Analyse untersuchte sie zum Beispiel Serien wie Madmen, The Big Bang Theory, Friends und Filme wie Annie Hall oder Anchorman. Sie fand reichlich Szenen, die Perioden widerlich erscheinen ließen oder die menstruierende Person sogar auf die böse Seite zogen, im Gegen­satz zu wenigen positiven Dar­stellungen.

Das Vice-Magazine liefert in einer Modestrecke da schon deutlich unaufgeregtere Repräsentationen: So cool kann man eben nur mit Blutfleck aussehen. Es bestätigt damit jedoch auch nur ein weiteres Mal die Tabuisierung der Menstruation. Schließ­lich ist das Magazin dafür bekannt, ohne platte Provokation nichts so schnell ins Heft zu nehmen.

Die guten Seiten des Bechers

Wenn der positive Umgang mit der Periode gesamt­gesell­schaftlich wohl noch etwas Mühe und Geduld benötigt, hilft der Menstruations­becher seiner Verwenderin im persön­lichen Verhältnis zum Monatsblut auf jeden Fall. Statt das Einweg-Menstruations­utensil so schnell wie möglich in den Müll­eimer zu werfen, kann mit dem Becher die Menge des Blutes abgemessen, die Konsistenz im Wasch­becken analysiert, das Blut zu Kunst gemacht und der Becher danach wieder eingesetzt werden.

Und dann sind da noch die ganzen Argumente um Nach­haltigkeit, Ökologie und Kapitalismus­kritik, die mit dem Hype um Produkte wie den Menstruations­becher wichtig sind. Die Verwendung des Bechers kann damit schnell zur revolutionär-feministischen Handlung und Absage an die kurzsichtige Wegwerfgesellschaft werden – durch das Nicht-Kaufen von so alltäglichen Dingen wie Tampons, durch die Komsum­entscheidung für wieder­verwendbare Materialien und gegen unfair angebaute, chemisch behandelte Baumwolle im Unterleib. Eine solche Sichtweise schießt jedoch über das Ziel hinaus, denn Menstruations­becher sind auch nur das Produkt eines gewinn­orientierten Unternehmens. Ein wichtiger Unterschied zu Herstellern von Always oder o.b. ist jedoch, dass diese Unternehmen sehr viel angenehmere Werbe­spots produzieren und ihre Ziel­gruppe ernster nehmen. Und, dass es weit weniger anstrengend ist, wenn mal wieder vergessen wurde eine neue Binden- oder Tampon­packung zu kaufen. Und während selbst­genähte Stoff­binden hier eine gute weitere Alternative bieten, sollte das Menstruations­produkt aus der feministischen Comedy-Webserie Vag Magazine wohl nicht so ernst genommen werden:

Vag Magazine Episode 3: „Swamp Ophelia“ from Vag Magazine on Vimeo.




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Eintrag geschrieben: Freitag, 21. September 2012 um 13:03 Uhr unter Körper. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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18 Kommentare

  1. Skreee sagt:

    Ich benutze seit rund fünf Jahren Cups, und wenige Anschaffungen haben mir das Leben so erleichtert. Ich produziere keinen Müll, hab bisher damit rund 400 Euro gespart, und habe während meiner Tage deutlich weniger Schmerzen. Vor allem aber kenne ich meinen Körper jetzt besser; ich weiß besser, wann ich wieviel blute.
    Ich weiß, dass Cups nicht für jede Frau geeignet sind, das soll jetzt nicht wie Werbung klingen, aber ich bin sehr zufrieden.
    Ich wünschte, die Dinger wären bekannter und günstiger in der Anschaffung, damit mehr Frauen sie mal ausprobieren können.

  2. Angelika sagt:

    diese aktuelle zusammenfassung gefällt mir total gut.
    vielen dank fürs mit-teilen hier !

    @Skreee „Ich wünschte, die Dinger wären bekannter und günstiger in der Anschaffung, damit mehr Frauen sie mal ausprobieren können.“
    das sehe ich auch so und du hast die zahlen/fakten ja genannt. aber m.E. : es wird, es wird ;)

  3. Susi sagt:

    Nennt mich verklemmt, aber ich kanns mir nicht vorstellen auf der Büro-Toilette (oder jeder anderen öffentlichen Toilette) so nen Cup zu benutzen, zumal das Waschbecken ja im Vorraum ist.

  4. Skreee sagt:

    @Susi: ich find das nicht verklemmt. Es gibt Umstände, unter denen Tampons oder Binden praktikabler sind. Es gibt Menschen, die blutige Finger nicht mögen. Es steht mir nicht zu, über die Präferenzen oder Lebensumstände anderer Menschen ernsthaft zu urteilen.
    Als kleines „Gegenargument“ sei angemerkt, dass die Cups allerdings mehr Blut aufnehmen als ein Standard-Tampon, d.h. wenn man Glück hat, muss man ihn im Büro gar nicht auskippen. Bei mir geht das übrigens auch meistens relativ unblutig vonstatten, zumindest nichts, was man nicht mit etwas Klopapier schnell abwischen kann.

  5. Minako sagt:

    Ich persönlich musste noch kein einziges Mal mein Tässchen unterwegs leeren, außer ich habe halt nicht zu Hause übernachtet und benutze alternative Mensprodukte (bunte Mischung aus verschiedenen Cups und Stoffbinden/Slipeinlagen) seit sage und schreibe 7 Jahren. Und freue mich jetzt noch, wenn ich meine hübschen Binden auspacken kann und die Mens zu etwas wird, wo ich etwas schönes benutzen kann.
    Ich bin gespannt, ob ich auch schon mehrere 100 Euro gespart habe, müsste aber erst nochmal nachgucken wie viel die Tampons, die ich benutzt habe, überhaupt kosten. Ich meine aber mal am Anfang gerechnet zu haben, dass sich die Anschaffung meines ersten Cups nach zwei Jahren lohnt. Das war vor meiner Mensprodukte-Sucht. Ein überaus erst zu nehmendes Problem. :D

  6. Leslie sagt:

    Ich druckse genau deswegen noch damit herum, es ist einfach eklig… Offenbar bin ich wirklich nicht die einzige, die daran noch arbeiten muss.

  7. Katharina sagt:

    Ich habe die Dinger insbesondere beim Reisen in Entwicklungsländern schätzen gelernt, wo Tampons einfach nicht an jeder Strassenecke erhältlich sind. So menstruiert es sich einfach entspannter :-)
    Ich musste aber mehrere Marken/Grössen durchprobieren, bis ich diejenige fand, die mir passt und mit der ich gut zurecht kommt.

  8. Jess sagt:

    Erzählt doch bitte mal, ihr, die ihr Erfahrung habt: Wie machen sich die Dinger denn beim Sport/Schwimmen?

  9. karlotta sagt:

    Ich muss gerade daran denken dass ich noch vor ein paar Wochen ein Gespräch über unsere Erfahrungen mit den Cups mit einer Freundin* in Anwesenheit von drei Männern* hatte. Ich fand es bezeichnend wie genau sich in deren Reaktionen spiegelte, in welchem Ausmaß ich sie sonst als profeministisch – oder nicht – wahrnehme:
    während einer*, der auch schonmal sexistische „Witze“ macht, lautstark seinen* Ekel ausdrückte, waren die anderen beiden interessiert, und der*jenige von allen, der* meiner Wahrnehmung nach im Hinterfragen von Geschlechternormen am weitesten geht und sich auch von sich aus für Queerfeminismus interessiert und stark macht, konnte dann sogar einer Freundin*, die* später dazukam, selbst alle Fragen, die sie* hatte, beantworten.

    Zurück zum Thema: ich selbst war von der Mooncup eher enttäuscht, da ich gehofft hatte, die Reizung und Trockenheit die ich manchmal von Tampons habe damit zu umgehen und das eher schlimmer wurde. Besagte Freundin* allerdings ist begeistert, benutzt sie aber auch noch nicht so lange.

    Aber es geht ja auch wie im Artikel deutlich wird nicht darum die Cups als Allheilmittel anzupreisen sondern endlich mal anzufangen sich untereinander über Erfahrungen mit Vor- und Nachteilen diverser Menstruationsprodukte auszutauschen.

    Als super Quelle für Infos, leider nur auf Englisch, fällt mir noch ein: http://myvag.net/sitemap/

  10. Neeva sagt:

    @Jess
    Beim Schwimmen gelangt bei mir etwas Wasser in den Becher, ich muss also nach dem Schwimmen aufs Klo gehen und die Blut-Wasser-Mischung auskippen. Blut wird allerdings nicht freigesetzt, d.h. niemand sonst im Schwimmbad bekommt etwas mit.
    Meine Anatomie ist allerdings so, dass sich auch Tampons beim Schwimmen von beiden Enden vollsaugen. Das ist wohl nicht bei allen Frauen so.

    Beim Laufen/Wandern merke ich nichts, seit ich den Stiel komplett abgeschnitten habe. Sonst konnte der auch im normalen Alltag unten rausgucken und dann drücken/scheuern.

    Ein Plus, das ich noch in keinem Artikel gesehen habe: Durch das Ein- und Aussetzen lernt frau automatisch eine genauere bewusste Kontrolle über die Beckenbodenmuskeln.

  11. Minako sagt:

    Bei mir ist es wie bei Neeva, beim Schwimmen kommt auch etwas Wasser rein, aber raus kommt nichts. Tampons musste ich früher direkt nach dem aus dem Wasser kommen wechseln, weil die vollgesaugt waren.
    Sport… mache ich nicht wirklich, aber so wie ich das bei anderen höre, gibt es da keine Probleme.

  12. Jane sagt:

    @karlotta: Das mit der Mooncup gibt mir zu denken, weil ich das gleiche Problem mit Tampons habe und auch dachte, dass ich das so lösen kann. Ist das bei anderen Cups nicht der Fall? Ich habe auch ein bisschen Sorge, weil ich auf manche Sachen in dem Bereich allergisch reagiere, zb die Beschichtung von Latexkondomen. Ich bin mir total unsicher welches Modell ich mir anschaffen soll.

  13. hannah sagt:

    und schon bestellt! :)

  14. Jess sagt:

    Ich überlege auch, mal Cups auszuprobieren (v.a. wegen des Müll-Aspekts bei Tampons und co.).
    Es gab vor einer Weile einen interessanten Bericht hier:

    http://www.magi-mania.de/meine-neuen-menstruationstassen-von-meluna/

    Spannend fand ich vor allem die Kommentare (mittlerweile über 200). Da es ein recht mainstreamiger Kosmetik-Blog ist, findet sich auch die ein oder andere „Iiiiih–baaah–eklig“-Stimme, aber auch viele fundierte Erfahrungsberichte mit Pro/Contra über die verschiedenen Modelle, Techniken zum Einsetzen und Leeren, etc.

  15. Sel sagt:

    Ich finde die Tässchen auch großartig.
    Seit mittlerweile 3 Jahren nutze ich eine Lunette und würde höchstens noch mal andere Marken ausprobieren – zu Tampons und Binden zurückzukehren wäre da definitiv keine Alternative.
    Mit Trockenheit hatte ich nach dem Umstieg keinerlei Probleme mehr und beim Sport, selbst beim Schwimmen, war immer alles wunderbar.

    Interessant finde ich, dass ich in meiner Altersgruppe – ich bin Anfang 20 – damit fast ausschließlich auf „Ihh-Bäh“-Reaktionen stoße, falls es mal angesprochen wird, während meine Frau Mama aktuell erfolgreich ihren ganzen weiblichen Freundeskreis anfixt. (… nachdem ich 2 Jahre lang Versuchskaninchen gespielt habe und sie sich dann selbst drangetraut hat. =D)

  16. Name sagt:

    Die meluna sind auch nicht teuer, bei roots of compassion gibt es die für 15,50€ in hübschen Farben( lila <3)
    Wer also mal testen will kann die ausprobieren, denke der Preis ist echt super

  17. anna sagt:

    Betreffend Sport: Eine Freundin von mir ist Judoka und benutzt ihren Cup unfallfrei bei Wettkämpfen.

  18. Name sagt:

    bin sehr zufrieden mit dem Becher von „Diva Cup“. Hätte ich das Ding nur schon Jahre früher gehabt, es erleichter den Alltag total. Kein unangenehmes austrocknen. Das Ding passt super, habe nur wie viele benutzerinnen den Griff unten deutlich gekürzt.
    Komisch nur warum alle denen ich davon erzähle (zwischen 20 und 30) das eklig finden oder sich nicht trauen es auszuprobieren..?