Archiv für August 2010


Ist Feminismus das neue Must-Have?

31. August 2010 von Verena

Ob Lady Gaga Feministin ist, oder nicht wird ja immer wieder heiß diskutiert. Aber wer so zielstrebig seine eigene Karriere verfolgt, Gender zum Thema von Videos und Magazintiteln macht und auch sonst eine eigene – vom Mainstream abweichende – Meinung zu formulieren weiß, der muss doch irgendwie dazu gehören. Anders sieht es bei Beyoncé aus, über deren feministisches Potential hier auch schon mal die Meinungen auseinander gingen.
Jetzt hat der Popstar der Dailymail ein Interview gegeben, in dem sich auch folgende Sätze finden:

‘I think I am a feminist in a way. It’s not something I consciously decided I was going to be; perhaps it’s because I grew up in a singing group with other women, and that was so helpful to me. It kept me out of so much trouble and out of bad relationships. My friendships with my girls are just so much a part of me that there are things I am never going to do that would upset that bond. I never want to betray that friendship because I love being a woman and I love being a friend to other women.

(Übersetzung: Ich denke schon, dass ich auf eine bestimmte Art Feministin bin. Das ist nichts, was ich bewusst entschieden haben; vielleicht liegt es daran, dass ich in einer Girlgroup aufgewachsen bin und mir das sehr geholfen hat. Es hat mich vor einer Menge Ärger und schlechten Beziehungen bewahrt. Die Freundschaft zu meinen Mädels ist so sehr ein Teil von mir, dass ich bestimmte Dinge nie tun würde, die diesen Bund gefährden könnten. Ich würde diese Freundschaft niemals hintergehen, denn ich liebe es, eine Frau zu sein und liebe es, die Freundin anderer Frauen zu sein.)

Nun, da scheint es doch mehr um Frauenfreundschaft und Solidarität zu gehen als um Feminismus. Sieht so aus, als würde das F-Wort nicht länger als absolutes No-Go betrachtet sondern als neues Must-Have, mit dem es schick ist, sich zu schmücken. (So wie jüngst Sarah Palin) Nur sollte Mrs. Knowles (oder heißt sie jetzt Mrs. Jay-Z) dann auch wissen, dass es beim Feminismus um mehr geht als bloß darum nice zu anderen girls zu sein und gemeinsam den jüngsten Verlobungsring zu bejubeln.


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Lesben sichtbar machen

30. August 2010 von Helga
Dieser Text ist Teil 47 von 115 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

www.KARNELE.de

Wie heißt du?
Nele Tabler

Seit wann bloggst du?
Ich habe damit 1999 bei lesbenliebenleben begonnen, diese Seite ist 2002 in der heutigen Karnele aufgegangen. Allerdings kannten wir das Wort „Blog“ noch nicht und haben von Kolumnen, Artikeln, Glossen gesprochen.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Bei lesbenliebenleben ging es darum, Lesben sichtbar zu machen. Wir wollten keine reine „Konsum-“ oder Infoseite für Lesben ins Netz zu stellen, sondern in einer allgemein verständlichen lockeren Sprache über die vielen Facetten des lesbischen Lebens schreiben. Für Deutschland war das noch ziemlich ungewöhnlich gewesen, wir haben uns dabei an Seiten von Lesben aus den USA orientiert.

Worüber schreibst du?
Priorität haben Themen, die irgendwie mit lesbischen Leben zu tun haben: Politik, Beziehung, Filme, Bücher usw. Häufig wird etwas von außen an mich herangetragen. Motto „Ist das nicht interessant/fürchterlich/absurd? Kannst Du nicht mal was darüber schreiben?“ Der nächste Satz lautet meist: „Nenne aber bloß nicht meinen Namen!“ Da geht es um Lesben, die Probleme wegen ihrer sexuellen Orientierung haben, sich am Arbeitsplatz oder von irgendeinem Amt diskriminiert fühlen. Ich versuche dann, solche Einzelerlebnisse in einem allgemeinen Text wie z. B. über Gehaltsunterschiede bei Frauen und Männern zu verarbeiten. (mehr …)


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Selbermach-Sonntag (29.8.2010)

29. August 2010 von Verena

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim Spielen Mein Ärger-Budget diese Woche ging vor allem für den ewigen Regen drauf. Wer von euch noch andere miese Erfahrungen gemacht hat oder vielleicht auch ein paar gute, der werde sie hier los…
Schönen Sonntag!


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Samstagabendbeat mit Beyond Pink

28. August 2010 von Magda

Die schwedischen Grrrls von Beyond Pink bringen eine deftige Portion Punk mit:

Beyond Pink sind zu Hause beim Label Emancypunx, welches eine Reihe an feministischen Riot Grrrl und Hardcore Frauen-Punkbands unter Vertrag hat. Wer die Mädels live erleben will, kommt am nächsten Samstag, den 4. September, in die Köpi nach Berlin.


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Gekommen, um zu bloggen

28. August 2010 von Verena
Dieser Text ist Teil 63 von 254 der Serie Die Blogschau

Einen kritischen Blick auf die Errungenschaft Pille werfen Bettina Enzenhofer und Irmi Wutscher in an.schläge, hier über linksnet verlinkt.

Beim Missy Magazine gibt es seit der aktuellen Ausgabe eine neue Rubrik: Inspiriert von der New Yorker Künstlerin Miranda July, sind die LeserInnen aufgefordert in “Bake a Cake, Build a Bomb”, selber aktiv kreativ zu werden und vielleicht einen der tollen Preise zu gewinnen.  Worum es dieses Mal geht, lest ihr hier.

Außerdem bloggt diesen Monat Modebloggerin Mary Scherpe von StilinBerlin bei Missy. Dabei wird  nicht nur Fashion bebildert sondern auch leckere Sachen, mit denen das Outfit bekleckert werden kann.

So sieht "Sonntags" bei Missy-Gastbloggerin Mary Scherpe aus

Girls can blog weist auf die Online Petition der Reporter ohne Grenzen zur Freilassung der iranischen Bloggerin Shiva Nazar Ahari hin.

Bloggen Frauen anders? Dieser mittlerweile häufiger kursierenden Frage geht Antje Schrupp mal von einer anderen Seite auf den Grund. Anders als wer?

Im Heimathafen Neukölln stehen am Donnerstag, 3. September, prügelnde und boxende Mädchen im Mittelpunkt des Theaterstücks “Sisters” und der anschließenden Podiumsdiskussion – mit Mädchen-Boxen und Mädchen-Rap.

Auch am Donnerstag, dem 3. September, rocken unter anderem Frau Kraushaar und DJ Patex das Ladyfest in Darmstadt. Unter dem Motto “Pretty Girls Play Faves” darf im Weststadtcafé gefeiert werden. 

Und vor den Terminen noch ein Blogtipp: Sie kam und blieb - unter dem Namen bloggt seit einigen Wochen ein feministisches Kollektiv aus Bern über die linke, feministische und queere Szene. Einfach mal vorbei gucken.

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter post(at)maedchenmannschaft.net Bescheid.


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Du willst eine Gehaltserhöhung? Dann wasch den Intimbereich!

27. August 2010 von Helga
Dieser Text ist Teil 40 von 59 der Serie In Bildern: Das denkt die Welt
Anzeige aus dem Women's Day Magazine für summer's eve – Unter der Überschrift Confidence at Work: How to ask for a raise kommt als erster Tip, den Tag mit einer Dusche zu beginnen, inklusive Intimwaschlotion, sowie eine Packung Intimwaschtücher für zwischendurch einzupacken

Bild über Daily Kos - Draufklicken zur Großansicht

Eine Anzeige für summer’s eve erklärt im Women’s Day Magazine worauf frau achten sollte, wenn sie eine Gehaltserhöhung will. Das Wichtigste:

1: It should start with your usual routine and all the things you do to feel your best, including showering with Summer's Eve® Feminine Wash or throwing a packet of Summer's Eve® Feminine Cleansing Cloth into your bag for a quick freshness pick-me-up during the day.

Bild über Daily Kos

Ja liebe Ladies, für die berufliche Karriere ist ein frisch duftender Intimbereich das A und O (via twitter.com/ju_les).


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Musikerinnen packen aus

27. August 2010 von Barbara

Lady Gaga, Beth Ditto, M.I.A und natürlich Madonna – Popmusik scheint in weiblicher Hand. Doch können Frauen im Musikbusiness wirklich mitreden? Das amerikanische National Public Radio hat über 700 Musikerinnen gebeten, einen Bogen mit 18 Fragen zu ihrer Situation auszufüllen.

“a female musician needs to rely on her sexual power more heavily than she needs to rely on her musical ability – I’d say those factors are reversed for a male musician” Libbie Schrader, 30, aus New York

Das ist der Unterschied zwischen einer Musikerin und einem Musiker. Besser gesagt, es ist ein Unterschied. Die Studie “Hey Ladies. Being a Woman today”, die der öffentlich-rechtliche Hörfunk der USA, National Public Radio, gerade veröffentlicht hat, zeigt noch andere Situationen, in denen einer Musikerin bewusst wird, dass sie weiblich ist. Und vor allem dann, wenn alle um sie herum männlich sind, merkt sie oft, dass weiblich häufig gleichzusetzen ist mit benachteiligt.

(mehr …)


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Unterwegs im September

27. August 2010 von Helga

Resturlaub, Lust was zu unternehmen und keine Ahnung was? Auch im September gibt es noch einige feministisch-queere Veranstaltungen zu besuchen:

Anfang September, genauer gesagt vom 3. bis 5. lädt in Köln das Gapfest. Entstanden aus dem Ladyfest 2008 wird es diesmal „queere, antikommerzielle, kunstvolle, humoristische, theortische, handfeste, kulinarische, antinationale, pornografische, feuchtfröhliche, feministische, antisexistische,musikalische, antifaschistische, aktionistische, unerhörte, verrückende, antihomophobe und kontroverse Inhalte” geben. Ob Einsatz gegen Transphobie oder queere Pädagogik – die Workshops, Vorträge und Aufführungen sind bunt gemischt.

Ebenfalls am 3. September ist auch in Darmstadt ladyFEST*-Zeit. Präsentiert vom Missy Magazine treten u.a. Frau Kraushaar und DJ Patex im Westendcafé auf.

Zum achten Mal geht’s in dann Berlin rund – vom 16. bis 19. September lockt das LaD.I.Y.fest mit Konzerten, Filmvorführungen, Workshops und vielem mehr.

Grüner Hintergrund, darauf in rosa eine Faust in einem Venusspiegel mit der Silhouette Berlins - darauf in Dunkelgrün: LAD.I.Y.FEST BERLIN 2010 16.09. - 19.09. - darunter weitere Informationen und: visit ladyfest.net for more

Bereits seit 2002 gibt es den Eclectic Tech Carnival bzw. /ETC – Regionalgruppen veranstalten dabei Zusammenkünfte zu Open Source Technologien. Nach Stationen u.a. in Kroatien, El Salvador und Schweden geht es dieses Jahr nach Brüssel. Am 25. und 26. September bringen sich dort interessierte Frauen wieder gegenseitig bei, wie man Webseiten erstellt, Mails verschlüsselt oder einen Rechner zusammenbaut.

Am gleichen Wochenende geht es auch in Schottland, genauer gesagt in Edinburgh, rund. SoapBox heißt die Veranstaltung von Anarcha-Feminist Kollektive und dem Ladyfest. Abtreibung in Irland, Armut, feministische Comedy und vieles mehr stehen auf dem Programm.


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Nicht nur Islamist_innen in Pakistan

26. August 2010 von Helga

Über die Gründe der anfänglichen Spendenzurückhaltung gegenüber Pakistan ist viel spekuliert worden – immer wieder werden dabei eine Reihe an Vorurteilen genannt. Leider kommen gerade gute Nachrichten selten in unserer Presse an. So hat es ein Jahr gedauert, bis die NZZ über die Gleichstellung von Transgendern in Pakistan und Indien berichtet. In beiden Ländern ist es inzwischen möglich, im Pass und bei Behördengängen neben „weiblich” oder „männlich” auch „other” bzw. „eunuch” (eine Bezeichnung aus der britischen Kolonialherrschaft, Kastration wurde tatsächlich bereits im 17. Jahrhundert verboten) anzukreuzen.

Die Nachricht aus in Indien schaffte es noch bis zu CNN (wir berichteten), darüberhinaus hielt sich das Medieninteresse aber in Grenzen. Betroffen sind in beiden Ländern vor allem die Hijras – Menschen mit meist männlichem Chromosomensatz, die aber männliche Geschlechterrollen ablehnen und sich dementsprechend als Frauen oder Transgender geben und bezeichnen. In Pakistan gehen die Verbesserungen für sie sogar über Schaffung einer eigenen Behördenskategorie hinaus. Dort

… gab der Oberste Richter, Iftikhar M. Chaudhry, einer Petition für die Anerkennung ihres dritten Geschlechtes statt und wies Behörden und Institutionen an, Hijras einzustellen, um ihnen «ein Leben in Schande zu ersparen». Ausserdem sollen sie in den Genuss staatlicher Förder- und Wohlfahrtsprogramme kommen, denn viele Hijras können ihr Überleben nur durch Betteln und homosexuelle Prostitution sichern.

Einen ganz anderen Einblick in die pakistanische Kultur, abseits der stereotypen Berichterstattung, bieten die Beiträge von Sher Bano. Die 17-Jährige ist derzeit in Peshawar, nachdem sie für ein Jahr als Austauschschülerin in den USA lebte. Im Blog On the Ground von Nicholas Kristof ist sie nun Gastbloggerin und berichtet über ihr Leben. Über die Realität arrangierter Hochzeiten genauso wie gerade über die Flutkatastrophe.

Eine Übersicht über die Spendenkonten für die pakistanischen Flutopfer hält die tagesschau bereit, gespendet werden kann auch per SMS.


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Women, we want you!

26. August 2010 von Magda

Am 26. August 1920 trat der 19. Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung in Kraft, mit dem Frauen in allen US-Bundesstaaten das Wahlrecht erlangten. Anlässlich des 90jährigen Jubiläums des US-Frauenwahlrechts in diesem Jahr erschien dieser Text im aktuellen Missy Magazine.

Als die 19-jährige Charlotte Woodward im Jahre 1848 von der geplanten Frauenrechtsversammlung im ländlichen Seneca Falls hörte, war sie sofort Feuer und Flamme: Endlich Hoffnung auf einen besseren Lohn für die junge Näherin. Auf der Versammlung im Bundesstaat New York, die später zum offiziellen Beginn der ersten US-amerikanischen Frauenrechtsbewegung erklärt wurde, wurden fast alle Vorschläge ohne Gegenstimmen angenommen: Gleichberechtigung in der Ausbildung und ein geschlechtergerechtes Eigentums-, Scheidungs- und Sorgerecht. Nur eine Forderung überzeugte nicht alle Anwesenden: Das angestrebte Frauenwahlrecht. Es erschien befremdlich, ja fast unerhört! Zu hoffnungslos erschien der Vorschlag, welcher nach langer Diskussion letztlich dann doch auf der Agenda landete.

So entstand die so genannte Declaration of Sentiments, deren Postulat der “Gleichheit aller Menschen“ nicht nur für männliche Weiße gelten sollte (wie noch die Unabhängigkeitserklärung), sondern für alle. Schwarze Männer erhielten bereits im Jahr 1870 mit dem 15. Zusatzartikel das Wahlrecht, das Stimmrecht für Frauen auf Bundesebene blieb dagegen auch Jahrzehnte nach der Erklärung von Seneca Falls bloße Theorie.

Frauenwahlrechtskämpferinnen vor dem Weißen Haus via wikimedia commons

Frauenwahlrechtskämpferinnen vor dem Weißen Haus via wikimedia commons

Bis US-Amerikanerinnen das allgemeine Frauenwahlrecht erlangten, wurden noch dutzende Volksentscheide durchgeführt, etliche Anträge um Verfassensänderung formuliert, hunderte Versammlungen und Demonstrationen organisiert und über 200 Suffragetten verhaftet. Als im August 1920 – zwei Jahre nachdem Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt hatte – Frauen endlich das erste Mal bei einer Präsidentschaftswahl ihre Stimme abgeben durften, war die einzige noch lebende Teilnehmerin von Seneca Falls die Näherin Woodward. Die nun über 90-jährige war selbst nicht mehr in der Lage, an die Wahlurne zu treten. Aber für Millionen von US-Amerikanerinnen wurde in jenem Jahr der Grundstein der politischen Mitbestimmung gelegt.


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