Archiv für August 2009


Angela Merkel in der Emma

31. August 2009 von Susanne

In der druckfrischen September-Emma hat Bundeskanzlerin Angela Merkel Alice Schwarzer ein Interview gegeben. Darin spricht sie auch über die immer noch bestehende direkte Lohnungleichheit, die immer noch bei rund zehn Prozent liegt, und gibt Frauen einen Rat:

“Ich rate jeder Frau, die für die gleiche Arbeit weniger als ihr Kollege verdient, selbstbewusst zum Chef zu gehen und zu sagen: Da muss sich was ändern!”

Joah, gut, ein netter Tipp. Wären die Frauen da draußen vermutlich nicht allein drauf gekommen. Aber Ironie beiseite. Angela Merkel ist sich des Problems bewusst, will aber keine politischen Konsequenzen aus der Benachteiligung ihrer Geschlechtsgenossinnen ziehen. Sie lehnt im Interview staatliche Regelungen ab, fordert aber im gleichen Atemzug, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen – will aber auch dieses Ziel ausschließlich dadurch erreichen, dass

“[wir] von seiten der Politik immer wieder mahnen und Druck machen.”

Zu all dem fallen Alice Schwarzer leider keine wirklich kritischen Nachfragen ein; das Interview wirkt so kurz vor der Wahl vor allem wie ein schönes Wahlkampfgeschenk von Emma an Angela.

Angela Merkels einzige weibliche Konkurrenz, die grüne Spitzenkandidatin Renate Künast, sowie die bayrische FDP-Landesvorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger reagierten auch prompt auf das Interview:

Gleiche Löhne sind nach Meinung von FDP und den Grünen nicht nur eine Frage des Selbstbewusstseins: […] Leutheusser-Schnarrenberger sagte dem Tagesspiegel, die Ursachen für Lohnunterschiede seien “komplexer” als von Merkel dargestellt. “Viel zu viele Frauen arbeiten in Teilzeit und in Minijobs, weil ausreichende Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder fehlen”, sagte die FDP-Politikerin. Zahlreiche Studien belegten, dass in “kaum einem anderen europäischen Land so wenige Mütter arbeiten wie in Deutschland”. […] Renate Künast, sagte, Merkel habe “keine Ahnung von der Lebenswirklichkeit von Frauen”. Sie mache die Frauen zu “Bittstellerinnen, statt ihnen mit Gesetzen den Rücken zu stärken.” Es sei “beschämend, dass Frauen immer noch fast ein Viertel weniger verdienen als Männer.” Nötig sei ein Gleichstellungsgesetz für die Wirtschaft.


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Männer und Frauen sind gleichberechtigt.

31. August 2009 von Helga

Am 27. September ist Bundestagswahl! Die Mädchenmannschaft erleichtert euch den Blick in die Wahlprogramme und fasst in den folgenden Wochen jeweils die frauenpolitischen Themen der großen Parteien für euch zusammen.
Aber Achtung: Unsere Vorstellung der einzelnen Programme schließt keinerlei Wahlempfehlung mit ein!

Diese Woche geht es um das Regierungsprogramm der SPD. Steinmeier hat mit seinem Kompetenzteam, das mehrheitlich mit Politikerinnen besetzt ist, schon einmal vorgelegt. Auch in der Einleitung gibt es markige Worte:

Wir wollen die Gleichstellung von Männern und Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen weiter voranbringen. Dazu gehören die gleiche Teilhabe an existenzsichernder Arbeit und berufliche Aufstiegsmöglichkeiten sowie gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit ebenso wie die partnerschaftliche Teilung der familiären Sorge. Gleichberechtigung muss zur Gleichbehandlung und tatsächlichen Gleichstellung führen.

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Doch was ist konkret geplant? Ein Blick auf die verschiedenen Programmpunkte.

Arbeitspolitik:
“Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit” ist das Motto. Erreicht werden soll dies über den Mindestlohn, weil viele Frauen in strukturell schlecht bezahlten Jobs arbeiten. Außerdem sollen eine (noch nicht näher benannte) Stelle und Betriebsräte die Lohngerechtigkeit im Unternehmen überprüfen können. Bei Ausschreibungen sollen Betriebe zum Zug kommen, die Männer und Frauen in der Entlohnung gleich behandeln. Die meist weiblichen Teilzeitbeschäftigten sollen durch “Maßnahmen” bessere Qualifizierungs- und Aufstiegschancen erhalten. Gleichzeitig soll ein Anspruch auf zwei Jahre Teilzeitarbeit für Familiengründung oder Pflege von Angehörigen geschaffen werden, bei letzterem auch eine kurzfristige, bezahle Freistellung für bis zu zehn Tage. Auch der Ausbau von Betriebskindergärten soll vorangetrieben werden. Der Einsatz von Langzeitkonten soll Zeitsouveränität gewährleisten und diverse Modellprojekte für humane Arbeitszeiten erforscht werden. Schließlich spricht sich die SPD für die Quote (40% Frauenanteil in den Aufsichtsgremien der Unternehmen) aus.

Steuerpolitik

Unser Einkommenssteuerrecht zementiert mit dem Ehegattensplitting und der Steuerklasse V die alten Rollenmuster. […] Wir wollen das Ehegattensplitting so verändern, dass für beide Partner Erwerbsanreize gegeben sind, die Steuerlast zwischen den Eheleuten gerecht verteilt wird und der Splittingvorteil bei hohen Einkommen gekappt wird. Frei werdende Mittel werden wir in die Erziehung und die Bildung von Kindern investieren.

Bildungspolitik
Zum einen soll es Vereinbarungen mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen geben, mehr Frauen in Leitungspositionen zu befördern – finanzielle Sanktionen bei Nichteinhaltung inklusive. Zum anderen soll der Frauenanteil am wissenschaftlichen Personal bis 2020 auf 40 % erhöht werden, dazu plant man ein Professorinnenprogramm und ein Investitionsprogramm für Kindertagesstätten und Krippen an den Hochschulen. Die geschlechtsspezifische Berufs- und Studienwahl soll durch enge Zusammenarbeit von Eltern, Schulen und Beratungsstellen aufgebrochen werden.

Familienpolitik
Der Rechtsanspruch auf Betreuung, der ab 2013 für alle Einjährigen gilt, soll zu einem Anspruch auf Ganztagsbetreuung ausgeweitet werden. Die Kindertagesstätten sollen dabei zu “Eltern-Kind-Zentren” ausgebaut werden.

Wir wollen, dass Mütter und Väter gleichzeitig Elterngeld und Elternzeit in Anspruch nehmen können. Dafür wollen wir die Zahl der Partnermonate von zwei auf vier („12+4-Modell“) erhöhen und den gleichzeitigen Anspruch auf Teilzeitbeschäftigung und Elterngeld von sieben auf sechzehn Monate erweitern.

Alleinerziehende und Familien mit niedrigem Einkommen sollen besser von den Arbeitsagenturen (zu deren Zukunft steht nichts im Wahlprogramm) betreut werden und Zugang zu “personen- und haushaltsnahen Dienstleistungen” bekommen.

Gleichstellung
Neben den bereits aufgeführten Punkten will sich die SPD noch für folgende Belange einsetzen:

  • Bekämpfung von Gewalt. Gewalt gegen Frauen, die Verletzung ihrer Menschenwürde, Ausbeutung und Frauenhandel werden wir nicht dulden […]
  • Gleichstellung eingetragener Lebenspartnerschaften.
  • Gleichstellungspolitik als Querschnittsaufgabe. […] In allen Politik-bereichen werden wir jede Maßnahme dahingehend überprüfen, ob sie die Gleichstellung von Frauen und Männern voranbringt.
  • Respekt gegenüber Homosexuellen, Bisexuellen und Transgendern.
  • Gewalt in Familien brandmarken. „Häusliche Gewalt“ ist weder ein Tabuthema noch „Privatsache“, sondern kriminelles Unrecht. Wir wollen daher eine konsequente Umsetzung des Gewaltschutzgesetzes. Den nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen werden wir fortentwickeln.
  • Kinder schützen. Sexueller Gewalt gegen Kinder und Kinderpornographie sagen wir den Kampf an – mit Hilfe des Strafrechts und auch im Internet. Wenn nötig, müssen Kinder auch vor ihren Eltern geschützt werden.
  • Frauenrechte stärken. […] Wir wollen den Kampf gegen die Genital-verstümmelung fortsetzen und weltweit helfen, Gewalt gegen Frauen zu beenden.
  • Homophobie weltweit ächten. Wir setzen uns aktiv für die Verhinderung der Verfolgung Angehöriger sexueller Minderheiten ein. Auf internationaler Ebene wollen wir die Umsetzung der Yogyakarta-Prinzipien befördern.
  • Für Gleichstellung, gegen Diskriminierung. Mit einer ambitionierten Politik für Gleichstellung und gegen Diskriminierung wollen wir Europa zu einem diskriminierungsfreien Raum der Chancengleichheit machen. […]

Was nicht drin ist:
Wer nach der Position zur Behandlung von Zwangsprostituierten, dem Umgang mit sexualisierter Gewalt, zu Scheidungs- oder Unterhaltsrecht, zur Prostitution oder zu Schwangerschaftsabbrüchen sucht, wird nicht fündig.

Weitere Informationen gibt’s bei der Frauenorganisation der SPD, der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) und auf dem Blog Aufstiegssprossen unter www.neofeminismus.de.


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Selbermach-Sonntag (30.8.09)

30. August 2009 von Susanne

Und wieder eine Woche rum. Es ist Selbermach-Sonntag und Zeit für eure Themen, Links und Texte der Woche.

Schönen Sonntag!


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Samstagabendbeat

29. August 2009 von Verena

Herzlichen Glückwunsch Me’shell Ndegeocello!!!

Die US-amerikanische Musikerin wird heute 40 Jahre alt und gilt als eine der besten E-Bass Spielerinnen weiltweit. Mit ihrem Stil aus Funk, Blues, HipHop und Spoken Word Poetry gilt sie als Vorreiterin für Musikerinnen wie Erykah Badu oder Ursula Rucker. Zahlreiche Soloalben veröffentlichte Ndegeocello seit Mitte der 90er Jahre, in deren Texten Politik, Sexismus und Rassismus stets eine große Rolle spielen.


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Frankreichs Debatte um Kinder und Renten

29. August 2009 von Franziska

Saludos,

heute möchte ich mal eine Frage zur Debatte stellen. Diese betrifft zwar nicht die EU-Ebene, wird aber in fast allen EU-Ländern diskutiert. Klar, die Europäische Union hat hier keine direkte Gesetzeskompetenz, aber der Vergleich von Debatten ist doch immer ganz interessant.

Es geht um Gleichstellung, Kinder und die Rente. In Frankreich wurde gerade von der Regierung eine große Debatte losgetreten: „Quelle retraite pour les mères de famille“ – Welche Rente für Familienmütter?

Worum es geht: In Frankreich müssen Arbeitnehmer, um eine volle Rente zu erhalten, 161 Trimester Beiträge zahlen (etwas mehr als 40 Jahre). Frauen kriegen pro Kind (geboren oder adoptiert) automatisch 8 Trimester angerechnet. Wenn eine Frau drei Kinder hat, kann sie also sechs Jahre früher in Rente gehen als eine Frau ohne Kinder oder als ein Mann. Zielsetzung war, für Frauen die Reduzierung und/oder Erschwerung von Arbeitszeit durch Mutterschaft, damit verbundener geringerer Gehälter und Karrierechancen, auszugleichen. Auch wenn französische Mütter wesentlich schneller wieder anfangen zu arbeiten als ihre deutschen Kolleginnen, nehmen sie trotzdem zumindest ein paar Monate Mutterschutz, danach organisieren sie zumeist die Kinderbetreuung, kriegen weniger verantwortliche Jobs, weil auch französische Chefs diese tendenziell lieber an Menschen ohne elterlich Verantwortung geben, und verdienen im Durchschnitt weniger als die Männer. Die Anrechnungstrimester sind aber unabhängig davon, ob Mütter arbeiten oder nicht. 2005 haben deswegen 90 Prozent aller Frauen davon profitiert, im Durchschnitt 18 Trimester. Das kostet den französischen Staat im Jahr vier Milliarden Euro.

Dieses System muss nun aufgrund mehrerer Gerichtsurteile gerändert werden. Väter hatten geklagt und gewonnen: Sie haben betreut, Auszeiten genommen, Karriereeinbrüche eingesteckt – und wollen nun bei der Rente davon profitieren können wie Mütter. Die Gerichtsverfahren sind bis zur obersten Instanz durchgefochten – jetzt muss der Gesetzgeber handeln. Die Kläger beriefen sich unter anderem auf das Antidiskriminierungsverbot der Europäischen Menschenrechtscharta (hat nix mit der EU zu tun).

Jetzt ist die große Frage, was tun?

  • Allen Vätern auch sechs Trimester pro Kind anrechnen. Das würde das System finanziell sprengen, und außerdem der de facto Realität der „Väterzeit“ nicht entsprechen. In Frankreich entscheidet sich genau ein Prozent der Väter für Vaterzeit.
  • Alle, egal ob Frau oder Mann, die nicht arbeiten gehen, um Kinder zu betreuen, kriegen pro Kindertrimester ein Rententrimester. Das würde aber Anreize neu setzen: Der Anreiz wäre nicht, mehr Kinder zu kriegen an sich, sondern zu Hause zu bleiben bei den Kindern. Das würde aber die Zielsetzung der Regelung auf den Kopf drehen. Man würde das fördern, was man eigentlich entschädigen will: Gehaltsausfall, Nachteile am Arbeitsmarkt, Karriereknicks etc.
  • Das erste Jahr geht automatisch zugunsten der Mutter. Für das zweite entscheiden die Eltern, wer von beiden die drei verbleibenden Trimester erhält. Aber was passiert bei einer Trennung? Wann muss man sich entscheiden? Wer überprüft die Freiwilligkeit solcher Entscheidungen?

Eine sehr spannende Debatte. Also: Was meint ihr?

Adiós, eure Franziska


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Fußballfieber

28. August 2009 von Magda

Na gut, ich gebe es zu: Ich bin eine der ZuschauerInnen, die Fussball nur spannend findet, wenn Europa- oder Weltmeisterschaften stattfinden. Aber dann verpasse ich selten wichtige Spiele und fiebere vor öffentlichen Leinwänden mit. Es würde zwar nicht so weit kommen, dass ich mir eine Deutschlandflagge auf die Wange male oder gar an meinen Balkon hänge, dennoch freue ich mich, wenn die deutsche Nationalmannschaft gewinnt.

Noch bis zum 10. September findet die 10. Fussball Europameisterschaft der Frauen in Finnland statt, was mir erst vor einigen Tagen aufgefallen ist – entweder war ich in einem sommerlichen Tiefschlaf und die Vielzahl an Werbung ist an mir vorbeigekommen, oder die EM der Frauen steht nicht so ganz im medialen Interesse wie das der Maenner – was ich wohl eher vermute. Also kein zweites Sommer-Märchen!

Dabei müssten doch gerade Fussball-Fans der deutschen Mannschaft momentan einen hohen Puls haben: Nachem die deutsche Nationalmannschaft schon am Montag (24.08.) gegen Norwegen mit 4:0 gewann, spielten sie die Französinnen gestern (27.08.) mit 5:1 an die Wand. In der Gruppe B sind sie mit 6 Punkten auf dem ersten Platz mit nur einem Gegentor und stehen somit im Viertelfinale. Im dritten und letzten Gruppenspiel am kommenden Sonntag (30.08., 15 Uhr) wird  die deutsche Nationalmannschaft auf Island treffen (mehr Infos zu den Spielen hier).

Qualifiziert haben sich Finnland (Gastgeber-Land), Deutschland (Titelverteidigerinnen), Dänemark, England, Frankreich, Island, Italiern, Niederlande, Norwegen, Russland, Schweden und die Ukraine.

Nun kann man nur hoffen, dass die Sportlerinnen auch irgendwann einmal die Honorare ihrer männlichen Kollegen erreichen (oder diese etwas knapper bemessen werden, bei den hohen Gagen wird einem ja schwindelig) – gleiche Arbeit, gleicher Lohn, so war das doch, oder?! Dem stehen allerdings einige Barrieren entgegen: Zum einen fehlen SponsorInnen und zum anderen ist das gesellschaftliche Ansehen von Frauenfussball auch noch nicht mit dem des Männerfußballs zu vergleichen. Man beachte auch folgende sprachliche Besonderheiten:

Männer spielen Fußball. Frauen spielen Frauenfußball.

Dennoch hat der Frauenfussball in den letzten Jahren beachtliche Erfolge gefeiert. Auf hr online fasst Nicole Rautenberg die Geschichte des Frauenfußballs in Deutschland kurz&knackig zusammen: Nachdem 1955 Frauenfußball verboten wurde, fand ein Jahr später bereits das erste Länderspiel gegen Holland statt. Ende der 60er Jahe wurden die Kickerinnen immer populärer und man diskutierte über die Besonderheiten beim Frauenfußball, z.B. ob die Regeln verändert werden sollten, die Tore kleiner gemacht werden oder die Spielerinnen gar Brustpanzer tragen sollen (darauf wurde verzicht). Mit dem deutschen Titelgewinn bei den Europameisterschaften 1989 im eigenen Land gewannen die Fußballerinen jeweils ein Tee Service (ja genau, ein Tee Service). Heute gibt es Prämien von 50.000 Euro bei Europa- oder Weltmeisterschaft-Gewinn (bisher gewannen die deutschen Kickerinnen 6 EM’s und 2 WM’s).

Eine beachtliche Leistung angesichts der Tatsache, dass Frauenfußball erst in den letzten Jahren wirklich mediales Interesse und vor allen Dingen Begeisterung unter den Fußball Fans auslöste. Ich bin gespannt auf das Viertelfinale und freue mich auch auf ein eventuelles Halbfinale. Die Spielerinnen holen einene erneuten Titel? Nicht ausgeschlossen!


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Babys, Bäuchlein und Blödiane: Was die letzte Woche noch so war

28. August 2009 von Meredith
Dieser Text ist Teil 11 von 257 der Serie Kurz notiert

Wie jede Woche: Kurz notiert, was hier unkommentiert blieb.

Die amerikanischen Medien diskutierten über ein Foto in der US-Ausgabe der Zeitschrift Glamour, auf dem ein sog. Plus-Size-Modell mit einer Bauchfalte zu sehen ist. Weil das so unheimlich gut bei den Leserinnen ankam, klopfen sich jetzt die Redakteure gegenseitig auf die Schulter und tun so, als würde sich am sog. Schönheitsideal mal etwas ändern.

Das ist Lizzie Miller. Bild via glamour.com

Das ist Lizzie Miller. Bild via glamour.com

Die US-Pornoindustrie diskutiert auch: Über die Frage, ob Safe Sex als Standard eingeführt werden sollte. Interessanterweise sind nicht nur die großen Produzenten und Geldmacher dagegen, sondern offenbar auch viele weibliche Performer, wie Tracy Clark-Flory auf Salon.com berichtet. Gründe sind vor allem, dass Kondome bei lang anhaltendem Geschlechtsverkehr irgendwann anfangen, weh zu tun und auf Grund der Reibung eine erhöhte Infektionsgefahr verursachen. Die gute Fee der Pornoindustrie Belladonna zwingt ihre Kollegen deswegen drei Tage vor jedem Dreh zu einem umfassenden Test und schwört darauf.

Autorin Katie Roiphe wirft “den Feministinnen” vor, dass sie die Freude und das Suchtpotential eines Babys verschweigen, und erzählt von ihrer Abneigung dagegen, drei Monate nach der Geburt ihres Kindes wieder arbeiten zu gehen.

Um Babys geht es auch auf der Website des New Scientist. Dort ist ein Artikel über das Bemühen eines schweizer Unternehmens für Reproduktionstechnik, in Khartoum (Sudan),  Arusha (Tanzania) und Kapstadt (Südafrika) Kliniken für IVF aufzubauen, wo Paare nur 300$ für die künstliche Befruchtung zahlen sollen – ein Bruchteil dessen, was der Vorgang normalerweise kostet. Die Nachfrage in diesen afrikanischen Ländern ist trotz der hohen Geburtenraten deswegen so hoch, weil kinderlose Frauen dort extrem diskriminiert werden. Viele Leser halten das Projekt trotzdem für ungeheuerlich – ihre Kommentare unter dem Artikel sind es jedenfalls.

Im Zeitschriftenhandel da draußen in der Offline-Welt gibt es die neue Geo zu kaufen, mit dem Titelthema: “Die neue Macht der Frauen”, wo es um große Herrscherinnen der Vergangenheit und Aktualität geht. Persönlich zieht mich die Sondereditierung des Themas: “Frauen und was sie alles schon gemacht haben”  eher weniger an. Aber in diesem Text wird intelligent und fundiert der Frage nachgegangen, wie sich unsere Vorstellung von Macht und Geschlecht verändert hat, mit der klassischen “Eine Sonderrunde für die Frauen” hat das nichts zu tun.

Ach so, und wer nicht weiß, wer die mächtigsten Frauen von heute sind, kann hier nochmal nachschauen.


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Aufregung um Ministerinnen

26. August 2009 von Helga

Erstmals nach 30 Jahren sollten wieder Ministerinnen ins iranische Kabinett berufen werden. Allerdings keine Vorkämpferinnen für Frauenrechte: Die Kandidatin für das Sozialministerium, Fatemeh Ajorlou, gilt aufgrund ihrer bisherigen Arbeit im Parlament als Reaktionärin, berichtete dieStandard.at.

Sie meint, dass eine zu enge Zusammenarbeit von Männern und Frauen die „Prostitution“ fördert und dass der Zugang der Frauen zu Universitäten durch Quoten beschränkt werden soll. Sie vertritt auch das (nicht durch Informationspflicht der Ehefrau eingeschränkte) Recht des Mannes auf Polygamie.

Wieder einmal zeigte sich, dass Frausein kein Grund ist, sich für Frauen einzusetzen. Doch trotz ihrer konservativen Einstellung sind die Kandidatinnen einigen Politikern und Geistlichen ein Dorn im Auge, so FR online.

Es bestünden „religiöse Zweifel“ an der Führungsfähigkeit von Frauen, das sollte die Regierung berücksichtigen, sagte der Abgeordnete Mohammed Taghi Rahbar einer konservativen Zeitung. […]
Zudem sagte Rahbar, er werde in seiner Ansicht von ranghohen Geistlichen wie Ayatollah Nasser Makarem Schirasi und Lotfollah Safi Golpaigani unterstützt. Ayatollah Jussef Tabataba, der in Ispahan wöchentlich die Freitagspredigt hält, sagte, er hoffe, dass das Parlament die Worte des Präsidenten zu Ministerinnen „nicht akzeptieren“ werde.


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“Feministin? Damit kann ich gut leben”

25. August 2009 von Susanne

Die SPD-Politikerin Manuela Schwesig, Familienministerin in Mecklenburg-Vorpommern und im Schattenkabinett von Frank-Walter Steinmeier, hat der Taz ein interessantes Interview gegeben. Zum Beispiel spricht sie übers Frausein in der Politik und über Frauen in Führungspositionen:

Frau Schwesig, Sie sind die “optische Aufhellung von Steinmeiers Schattenkabinett”, so nannte es neulich ein Journalist. Fühlen Sie sich eigentlich ernst genommen?
Diese Bewertung zeigt doch sehr anschaulich, dass Männer und Frauen in unserem Land immer noch unterschiedlich behandelt werden. Frauen werden immer noch zu oft auf ihr Äußeres reduziert. Ich bin nicht wegen meines Aussehens, sondern wegen meiner Kompetenz ins Team Steinmeier berufen worden. Als Sozial- und Gesundheitsministerin in einem strukturell schwierigen Land trage ich bereits Verantwortung und bringe dort gute Dinge nach vorne. Ich weiß, was ich kann und was ich will.

Aber es ärgert einen doch irgendwie, oder?
Sich darüber zu ärgern ist Energieverschwendung. Wichtig ist für mich, dass Frauen, wenn sie in Führungspositionen sind, nicht vergessen, wie schwer es war, gegen die noch vorhandenen Vorurteile dorthin zu kommen. Ich vermisse manchmal, dass Frauen in Führungspositionen auch ihrerseits Frauen fördern.

Haben Sie da schlechte Erfahrungen gemacht?
Natürlich, wie die meisten anderen Frauen auch. Sehen Sie sich unsere Bundeskanzlerin an. Auch wenn sie in der Union ist, hätte sie doch was für die Frauen tun können. Aber sie übergeht ihr Frausein und macht keine offensive Frauenpolitik. Ich bin davon schon sehr enttäuscht.

Schwesig kritisiert ihre CDU-Konkurrentin, die ein Elternteilgeld für 28 Monate einführen will und wirft ihr vor, letztendlich doch nur die Entscheidung zwischen Beruf und Familie zu erzwingen und nicht beides vereinbar zu machen. Sie spricht über die Notwendigkeit eines gesetzlichen Anspruchs auf Ganztagsbetreuung und auch über die 40 Prozent-Quote, die die SPD in ihrem Wahlprogramm für deutsche Aufsichtsräte fordert:

Ist das für jemanden mit Ihrer Sozialisation – ohne Frauenbewegung und Quotendebatten – nicht etwas fremd?
Überhaupt nicht. Man sieht auch im Osten, dass Frauen trotz Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht automatisch in hohe Positionen kommen. Wir wollen mehr Frauen in Führungspositionen. Dafür brauchen wir verbindliche Regelungen und Zielvorgaben, zum Beispiel einen Frauenförderplan.

(…)

Sind Sie Feministin?
Ich habe längst verinnerlicht, dass Männer und Frauen gleichberechtigt zusammen leben können. Deswegen muss ich das nicht betonen, aber mit dem Begriff kann ich schon gut leben.


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Reproduktion von hegemonialer Männlichkeit in Zigarettenwerbung

25. August 2009 von Magda

Dass in der Werbung öfter bestimmte stereotype Eigenschaften von Weiblichkeit verwendet (und  demnach ständig reproduziert) werden, um Frauen als Zielgruppe zu erreichen, ist bekanntlich nichts neues (wir und feministing berichteten über die Fraueneditionen von Laptops in pink und Glitzer). Dass auch Männer vor einer relativ begrenzten Darstellung von Männlichkeit nicht verschont werden, sieht man an folgender US-amerikanischer Zigarettenwerbung von Camel aus den 1980ern:

Ein Mann, ein Zelt, ein Lagerfeuer.

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Ein Mann, ein Motorrad, die weite Natur.

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Unberechenbare Natur, gefährliche Abenteuer und Muskelkraft.

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Auf sociological images (wo es noch mehr Bilder zu sehen gibt) schreibt die Autorin Gwen folgendes:

A recurring theme is that of a men as rugged individualists who go out and explore wild, remote, presumably dangerous places on their own. The Marlboro Man is the most familiar example, but Camel’s “where a man belongs” campaign also stressed this image.

(zu deutsch: Ein sich häufig wiederholendes Thema ist der Mann als kerniger Individualist, der in die Wildnis hinaus geht und diesen weiten und anscheinend gefährlichen Ort für sich erforscht. Der Marlboro Mann ist das bekannteste Beispiel, aber Camel’s Kampagne “Wo der Mann hingehört” nimmt sich dieser Darstellungsweise an.)

Man könnte natürlich argumentieren, dass solche Darstellungen immer nur eine Facette aufzeigen von dem was einen *Mann* ausmacht. Der Titel “Where a man belongs” ist aber wohl recht eindeutig: Die Bilder beschreiben den Prototypen eines Abenteurers, einen kraftvollen Naturburschen – halt ein *richtiger* Kerl. Ein *richtiger* Mann vertraut halt auf seine Muskeln und begibt sich todesmutig in gefährliche Wildwasserströmungen. Und am schlimmsten: Er raucht im Wald.

Hier gibt es alle Fotos der 1980er Werbekampagne von Camel.


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