Warum polnische Schwangere zur Abtreibung nach Berlin kommen – Praktische feministische Solidarität

Ciocia Basia, auf Deutsch „Tante Barbara“, ist eine Gruppe von Aktivist*innen, die sich für das Recht auf Abtreibung einsetzt. Sie unterstützen ungewollt Schwangere aus Polen dabei, in Berlin sichere und straffreie Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen.

In Polen sind Abtreibungen nur möglich, wenn die Gesundheit oder das Leben der schwangeren Person gefährdet sind, wenn die Schwangerschaft Folge einer Straftat ist oder wenn der Fötus schwer beschädigt ist. Damit hat Polen hat eine der striktesten Abtreibungsgesetzgebungen Europas. Nur noch Malta, San Marino, Liechtenstein, Andorra, Monaco, Irland und Nordirland haben ähnlich strenge oder noch strengere Gesetze.

Das war allerdings nicht immer so: Einst hatte Polen eine der liberalsten Abtreibungsregelungen Europas. Nach erfolgreichen Kampagnen in den 1920er und 1930er Jahren gegen das damals noch vollständige Abtreibungsverbot wurde der Abbruch 1932 legalisiert, wenn er entweder aus medizinischen Gründen notwendig oder die Schwangerschaft Folge einer Straftat war. 1956 wurden Schwangerschaftsabbrüche in der kommunistischen Volksrepublik Polen weiter erleichtert und waren fortan auch für den Fall einer schwierigen Lebenssituation der Schwangeren möglich.

Stop misusing the bible for your propaganda
I am Christian and pro choice. It’s not a contradiction. Stop misusing the bible for your propaganda! Proteste gegen den Marsch für das Leben, Berlin 16.09.2017

Mit Ende des kommunistischen Regimes und den Verfassungsänderungen der dritten Polnischen Republik 1989 wurde das Recht auf Abtreibung radikal beschnitten. 1993 trat das heute gültige Gesetz in Kraft, das Abtreibungen nur in den drei oben genannten Fällen erlaubt. Großen Einfluss auf diese Verschärfung hatte die katholische Kirche. Im polnischen Kollektivgedächtnis ist stark verankert, dass die Kirche der antikommunistischen Opposition geholfen hat, das Regime zu Fall zu bringen. Quasi im Austausch dafür wollte die katholische Kirche einen großen Einfluss auf das politische Leben in Polen haben. Den hat sie bekommen: Die Kirche wird vom Staat subventioniert, der Religionsunterricht in den Schulen ist staatlich finanziert, bei vielen politischen Veranstaltungen sind Bischöfe anwesend. Dementsprechend ist es kein Wunder, dass sich nicht mal die die »linke« Regierung von Leszek Miller (2001-2005) getraut hat, das Recht auf Abtreibung wieder durchzusetzen.

Seit September 2016 droht stattdessen eine weitere Verschärfung des Abtreibungsgesetzes. Damals hatte die christlich-fundamentalistische Stiftung Ordo Iuris ein Gesetz entworfen, das Abtreibung nur noch erlaubt, wenn das Leben der Schwangeren akut bedroht ist und zusätzlich Haftstrafen für die abtreibende Person vorsieht (bisher machen sich diejenigen strafbar, die bei der Abtreibung helfen). Der Gesetzesentwurf wurde von der Bürger_inneninitiative »Stop Abtreibung« als Petition ins Parlament gebracht und am 23. September 2016 in erster Lesung verabschiedet. Diese Entscheidung löste in Polen und über Polen hinaus massive Proteste unter den Schlagwörtern #czarnyprotest und #blackprotest aus. In vielen Städten inner- und außerhalb Polens gab es Demonstrationen, hunderttausende Menschen gingen für das Recht auf Abtreibung auf die Straße.

Restriktive Abtreibungsgesetze in Polen machen es nötig für den Eingriff ins Ausland zu fahren.

Angesichts dieser wohl unerwarteten Proteste lehnte das Parlament den Gesetzesentwurf in der zweiten Lesung ab und es blieb vorerst bei der alten (wohlgemerkt sowieso schon extrem restriktiven) Gesetzgebung. Im März 2018 gab es einen erneuten Vorstoß, die Gesetzgebung zu verschärfen, wieder gingen Zehntausende auf die Straße. Im Moment ist unklar, was passieren wird: Das Parlament hat die Entscheidung auf unbestimmte Zeit verschoben.

Auch hinter diesem Gesetzesentwurf steckt wie schon Ende 2016 die Initiative »Stop Abtreibung«, ein Bündnis aus selbsternannten Lebensschützer_innen. Doch: Wo Lebensschutz draufsteht, ist kein Lebensschutz drin. Schwangerschaftsabbrüche zu verbieten führt nicht dazu, dass ungewollt Schwangere weniger abtreiben. Sie tun es nur unter unsicheren Bedingungen und müssen ihr eigenes Leben gefährden. 2008 starben laut Weltgesundheitsorganisation weltweit 47.000 Menschen an den Folgen unsicherer Abbrüche.

Proteste gegen den Marsch für das Leben, Berlin 16.09.2017

Es geht den selbsternannten Lebensschützer_innen also nicht um den Schutz von Leben, sondern um Kontrolle über den Körper der Schwangeren. Auch in Deutschland sind fundamentalistische Lebensschützer_innen aktiv und nutzen z.B. den Paragraphen 219a, um Ärzt_innen, die auf ihrer Webseite über Abtreibung informieren, anzuklagen. Nicht zuletzt dadurch sind auch die wenigen hart erkämpften reproduktiven Rechte in Deutschland in Gefahr: Zwar ist der Schwangerschaftsabbruch bis zur 12. Woche straffrei, doch in vielen Regionen gibt es kaum noch Kliniken, die Abtreibungen durchführen. Mit der AfD sitzt eine Partei im Bundestag, die sich explizit antifeministisch und gegen das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche positioniert.

Der Kampf um körperliche Selbstbestimmung muss also weiter gefochten werden. Wir müssen auf die Straße gehen, gegen entmündigende Gesetzgebungen. Wir müssen Einfluss nehmen auf Debatten und Diskurse, auf politische Prozesse und auf Entscheidungsträger_innen. Und wir müssen diejenigen, die jetzt ungewollt schwanger sind, praktisch unterstützen. Das tun wir von Ciocia Basia – und setzen das Recht auf Abtreibung Tag für Tag praktisch um.

Infos: Ciocia Basia

Ciocia Basia ist eine Gruppe von Aktivist*innen in Berlin, die Menschen aus Polen dabei unterstützt, in Berlin sicher und straffrei abzutreiben. Wer ungewollt schwanger ist, kann uns über Telefon, E-Mail oder Facebook erreichen. Wir klären dann über Möglichkeiten auf – bis zur 7. Schwangerschaftswoche ist in Deutschland ein medikamentöser Abbruch möglich, bis zur 12. ein operativer. Personen, die schon in einem fortgeschritteneren Schwangerschaftsstadium sind, vermitteln wir in die Niederlande oder nach Großbritannien, wo Schwangerschaftsabbrüche bis zur 22. bzw. bis zur 24. Woche legal sind.

Für diejenigen, die nach Deutschland kommen, organisieren wir Termine für die gesetzlich verpflichtende Schwangerschaftskonfliktberatung und für die Abtreibung in der Klinik. Wir begleiten, übersetzen und organisieren, wenn nötig, auch Unterkünfte.

Diejenigen, die sich den Abbruch nicht selbst leisten können, unterstützen wir auch finanziell. Bisher konnten wir uns mit Soliparties und Spenden gut über Wasser halten – doch wir werden in Polen immer bekannter und bekommen dementsprechend mehr Anfragen. Das Recht auf körperliche Selbstbestimmung darf aber nicht vom Einkommen einhängen! Wenn ihr sicherstellen wollt, dass wir auch weiterhin allen ungewollt Schwangeren helfen können, könnt ihr hier spenden: https://www.gofundme.com/tantebarbara

 

Telefon: 0152 10385680

E-Mail: ciocia.basia@riseup.net

Facebook: facebook.com/ciociabasiaberlin

 

Was passiert mit Deutschlands Schwangeren und Hebammen? Scheißegal.

Dieser Text ist Teil 48 von 60 der Serie Meine Meinung

Ich bin sauer. Seit einiger Zeit sitze ich an einem Text über die Situation der Hebammen. Deren Haftpflichtprämien werden am 1. Juli nämlich wieder einmal steigen und wieder einmal gibt es aus der Politik nur laue Worte und bei den Einigungen mit den Krankenkassen nur Minischritte. Wie 2010 und 2011. Wieder einmal haben über 100.000 Menschen ihre Unterstützung bekundet, in einer aktuellen Campact-Kampagne. Wieder einmal wird das nichts bringen, wie zuletzt die bis heute erfolgreichste Massenpetition folgenlos blieb. Was wieder einmal heißt: Frauen sind der deutschen Politik scheißegal.

Da redet die Familienministerin wieder und wieder von Wahlfreiheit. Aber wenn es um die Gestaltung der Geburt geht, um die Wahl zwischen Kranken­haus, Geburts­haus und Hausgeburt, dann ist Ende mit der Wahl­freiheit. Dass die Wege für die Schwangeren immer weiter werden ist genauso egal, wie die Tatsache, dass die Hebammen in den Krankenhäusern völlig überlastet sind. Ja, hm, Nachfrage nach 1:1 Betreuung ist da, müsste man was tun. Tut dann aber niemand. Ordentliche, ver­trauens­volle Begleitung von Müttern und Neu­ge­borenen bei der Geburt: scheißegal.

Wieder einmal geht es um die Bezahlung und Anerkennung eines typischen Frauenberufs. Schöne Worte und fehlende Unter­stützung durch wechselnde Ge­sundheits­minister zeigen da vor allem, wie scheißegal ihnen diese Frauen sind. Auch der Spitzen­verband der Kranken­kassen erdreistet sich noch, das jahrelange Ver­schleppen der Einigungs­pro­zesse damit zu begründen, dass Hebammen so wichtig für Schwangere seien. Wollt ihr uns verarschen?

Seit zwei Jahren schreiben wir nun schon darüber und es ist jedes Mal das Gleiche. Hebammen geben ihren Beruf auf, Schwangere haben es immer schwieriger und passiert ist – nichts. Seid doch einfach ehrlich, liebe Politik und liebe Kranken­kassen. Hier geht’s um Frauen und ihre Körper und ihre Arbeit. Und die sind auch 2012 weiter Gedöns. Oder einfach: Scheißegal.

Morgen, am 29. Juni demonstrieren schwangere Frauen und Hebammen vor dem Berliner Kanzleramt (und freuen sich natürlich über zahlreiche Unterstützung).

Samstagabendbeat für die Schwangeren dieser Welt

Schon von 2008 aber (leider) immer noch aktuell: Die Kampagne von oxfam, die sich für sichere Schwangerschaften und Geburten einsetzt.

If you think this is dangerous, try giving birth in poor countries without a midwife, hospital or medicine.

Wenn Du denkst, das sei gefährlich, versuche, in einem armen Land ohne Hebamme, Krankenhaus oder Medizin zu gebären.

Tatsächlich waren die Breakdancerinnen professionelle Tänzerinnen in Schwangerschaftsanzügen, aber mitgrooven ist auch mit Bauch ausdrücklich erwünscht!

HIV, Sexarbeit, inhaftierte Schwangere, social media, Verschleierung, Gaza, die Maus, Körper und Punk

Dieser Text ist Teil 77 von 395 der Serie Kurz notiert

Kleines Land, großes Problem: DieStandard.at berichtet über die wachsenden Probleme mit AIDS und HIV in El Salvador. Laut der Hilfsorganisation Plan International liegt der Anteil heterosexueller Übertragung inzwischen bei 77 Prozent. Vor allem das fehlende Problembewußtsein verstärke die Krise noch.

Auf altmuslimah berichtet die Fotografin Kate Orne von ihren Recherchen in pakistanischen Bordellen und dem Kampf der Sexarbeiterinnen, um ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Unglaublich: NPR berichtet über inhaftierte Schwangere in den USA, die bei der Geburt hinter Gittern weiterhin gefesselt bleiben.

DieStandard.at hat die europäischen Verschleierungsverbote bzw. Pläne dazu im Überblick.

Im Gaza-Steifen dürfen Frauen künftig in Cafés keine Wasserpfeifen mehr rauchen. Unter dem Deckmantel des Gesundheitsschutzes ein weiterer Schritt hin zum konservativen „Gemeinwesen staatlich verordneter Gottesfurcht” fürchtet die Süddeutsche.

Die FAZ porträtiert die Erfinderin der Maus – Isolde Schmitt-Menzel. Obwohl die Maus bereits seit 40 Jahren über unsere Fernsehbildschirme wandert, zunächst als „Maus im Laden” dann in der „Sendung mit der Maus“, wußte das sogar an ihrer ehemaligen Hochschule bis vor kurzem kaum jemand.

DieStandard.at berichtet wie vor 40 Jahren die ersten Frauen in Wien eine Straßenbahn führen durften – unter argwöhnischer Beobachtung ihrer Kollegen.

Social media-Netzwerke werden stärker von Frauen als von Männern genutzt. Warum? Die Antwort von Jessica Fay Carter auf mashable.com lautet: Weil sie vom sozialen und kulturellen Kapital auch stärker profitieren.

Auf TheF-Bomb schreibt Danielle über ihre Erfahrungen als “‘Phat‘ Girl in a Skinny World„.

Wer nächste Woche Mittwoch in Berlin ist und auf feinsten Grrrl Punk steht, feiert mit AgathaRespect My Fist und Ex Best Friends in der Scharni 38 ab.

Spanien: Die schwangere Verteidigungsministerin und der „Machismo“

Carme Chacón Am 17. Mai 2008 brachte das Europamagazin der ARD eine Reportage über Spaniens Verteidigungsministerin Carme Chacón. Diese ist mittlerweile fast im achten Monat schwanger.

Ministerpräsident Zapatero hat sich zu Beginn seiner zweiten Legislaturperiode die Gleichstellungspolitik in Spanien auf die Fahne geschrieben und in seinem Kabinett sofort umgesetzt: Mit neun Ministerinnen sitzen dort mehr Frauen als Männer. Dass sogar das Ministerium für Verteidigung eine weibliche Chefin bekam, die dazu noch ein Kind erwartet, schmeckt manchen im Lande, das die Geburtsstätte des Wortes „Machismo“ ist, aber gar nicht. Konservative Medien titelten: „Carme, die mit der Riesenplauke“ oder „Das sympathische Hübschchen in den Dreißigern“ (siehe dazu: ein interessanter Artikel in der Zeit). Die Reporter des Europamagazins starteten eine Umfrage auf den Straßen von Madrid: Was halten die dortigen Männer von der Verteidigungsministerin? Die Antworten waren traurig: Eine Minderheit fand dies prinzipiell kein Problem, sogar gut. Die meisten sahen in der Schwangerschaft ein Problem, manche sogar im Geschlecht. Die könne doch gar nicht ins Ausland reisen, das sei doch für eine Schwangere viel zu gefährlich. Oder: Eine Frau verstehe schlichtweg nichts von solchen Dingen. Chacón demonstrierte mit einem spontanen Truppenbesuch in Afghanistan das Gegenteil.

Abseits der Situation im spanischen Kabinett, betrachtete das Europamagazin die Lage der in Spanien lebenden Frauen. Es sollte untersucht werden, inwieweit die theoretische Gleichstellungspolitik Zapateros in der Realität spanischer Frauen angekommen sei. Die Bilanz war ernüchternd: Zwar gebe es Quoten in Wirtschaft und Politik, doch in der Realität säßen gerade einmal 3,5 Prozent Frauen in den Chefetagen der größten Unternehmen. Zudem verdienten Frauen im Schnitt immer noch viel weniger, bei gleicher Arbeit. Die Realität „normaler“ spanischer Frauen sieht immer noch ziemlich traurig aus. Die Umsetzung der Politik dauert seine Zeit, der „Machismo“ ist der spanischen Bevölkerung noch längst nicht ausgetrieben worden.

(Foto über carmechacon.cat)

§ 218 abschaffen! Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen für alle!

Am Wochenende gab es Grund zur Freude: Nach vielen Jahren unermüdlichen Aktivsmus, noch einmal verstärkt nach dem Tod Savita Halappanavars, gab es in Irland ein Referendum zur Aufhebung des 8. Amendments. Dieser Verfassungszusatz gibt die Grundlage für das absolute Abtreibungsverbot, welches in Irland gilt und ungewollt schwangere Personen entweder zum Austragen zwingt oder dazu, wenn es ihnen möglich ist, außer Landes zu reisen, um eine Abtreibung vorzunehmen. Die Pro-Choice-Aktivist_innen konnten einen klaren Sieg verzeichnen. Der Weg ist nun geebnet für die Legaslisierung von Abtreibungen. Angekündigt wurde ein Gesetz, welches Abtreibungen bis zur 12. Schwangerschaftswoche unabhängig von Gründen erlaubt.

In Deutschland hingegen jährt sich heute zum 25. Mal der Bundesverfassungsgerichts-beschluss zum § 218. In diesem Urteil stellte das Gericht nochmals heraus, dass grundsätzlich Abtreibungen rechtswidrig sind und legte die Beratungspflicht fest. Das Gericht entschied:

Rechtlicher Schutz gebührt dem Ungeborenen auch gegenüber seiner Mutter. Ein solcher Schutz ist nur möglich, wenn der Gesetzgeber ihr einen Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich verbietet und ihr damit die grundsätzliche Rechtspflicht auferlegt, das Kind auszutragen. Das grundsätzliche Verbot des Schwangerschaftsabbruchs und die grundsätzliche Pflicht zum Austragen des Kindes sind zwei untrennbar verbundene Elemente des verfassungsrechtlich gebotenen Schutzes.

[…]

Grundrechte der Frau tragen nicht so weit, daß die Rechtspflicht zum Austragen des Kindes – auch nur für eine bestimmte Zeit – generell aufgehoben wäre. Die Grundrechtspositionen der Frau führen allerdings dazu, daß es in Ausnahmelagen zulässig, in manchen dieser Fälle womöglich geboten ist, eine solche Rechtspflicht nicht aufzuerlegen. Es ist Sache des Gesetzgebers, solche Ausnahmetatbestände im einzelnen nach dem Kriterium der Unzumutbarkeit zu bestimmen. Dafür müssen Belastungen gegeben sein, die ein solches Maß an Aufopferung eigener Lebenswerte verlangen, daß dies von der Frau nicht erwartet werden kann.

Bereits in den 1970ern wurde in der BRD gesetzlich festgeschrieben, dass Schwangerschaftsabbrüche bis zur 12. Schwangerschaftswoche illegal aber straffrei seien. Ein Kompromiss, der auch schwer erkämpft wurde, aber der damals wie heute eben keine Legalisierung und damit vor allem schwierigen Zugang und Schikane statt Selbstbestimmung über den eigenen Körper bedeutet. In den 1990ern brandte die Debatte erneut auf, denn standen dort nach der sogenannten Wiedervereiningung die Abtreibungsregelungen von BRD und DDR sich gegenüber. In der DDR waren Schwangerschaftsabbrüche innerhalb der ersten 12. Woche seit 1972 legal. Das Bundesverfassungsericht stärkte die BRD-Regelung. Es betonte, dass der Staat gar eine Verpflichtung habe den „rechtlichen Schutzanspruch des ungeborenen Lebens im allgemeinen Bewußtsein zu erhalten und zu beleben“. Wenn in den letzten Woche also viele vollkommen entrüstet nach Irland guckten, wäre ein gleichermaßen kritischer Blick auf die deutschen Rechtsregelungen angemessen.

Weg mit §219a, Aktion 2018.

Im Verlauf der Debatten rund um § 219a, also das so genannte Werbeverbot (wir berichteten wiederholt), betonten Politiker_innen wiederholt, dass man nur § 219a abschaffen möchten und sie nicht an § 218 ran wollen. Heute ist ein guter Tag um zu sagen: „Das stimmt nicht!“ Wir wollen an § 218 ran. Wir wollen legalisierte Schwangerschaftsabbrüche, guten Zugang unabhängig von Ort, Pass, race, Gender und finanziellen Mitteln, eine Abschaffung der Beratungspflicht und eine Diskursveränderung zu Abtreibungen.

In Berlin gehen heute ab 16.30 Aktivist_innen vor dem Gesundheitsministerium auf die Straße. Motto der Kundgebung: „Schwangerschaftsabbrüche legalisieren! § 219a ist nicht genug. Weg mit § 218!

Lena Waithe auf’m Cover, Abtreibung für alle und mehr Diversity in rassistischen Institutionen? – kurz verlinkt

Dieser Text ist Teil 384 von 395 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Ein Foto des Heimatministeriums sorgte letzte Woche für Kritik: nur weiße Männer. „Aber wünschen wir uns wirklich mehr Diversity in rassistischen Institutionen?“, fragt Hengameh Yaghoobifarah bei der taz.

Ciocia Basia ist eine ehrenamtlich arbeitende Gruppe in Berlin, die ungewollt Schwangeren aus Polen hilft, eine sichere und legale Abtreibung in Deutschland durchzuführen. Dafür benötigt die Gruppe Spenden, um 50 ungewollt Schwangeren den sicheren Abbruch in Deutschland ermöglichen.

Der Mord an einer 85-jährigen Holocaust-Überlebenden erschüttert Frankreich. Mittlerweile stuft die französische Staatsanwaltschaft diesen Fall als antisemitischen Mord ein.

1968 – Was war, was blieb, was kommt von den Frauen?“ Annalena Weber war auf der Podiumsdiskussion der Bücherfrauen auf der Leipziger Buchmesse 2018 und berichtet.

Die Aktion Standesamt 2018 fordert einen selbstbestimmten positiven dritten Geschlechtseintrag für alle, die einen wollen. Folgen könnt ihr auf twitter, facebook und instagram. Der Hashtag: #AktionStandesamt2018.

TagesspiegelQueer hat Magda zu ihrem Buch und ihrer Arbeit interviewt:

Auch BILD Frow hat Magda interviewt und gefragt: Was ist eigentlich eine Fatshionista? Und der österreichische Radiosender genderfrequenz sprach mit Magda über die Fat Acceptence/Fat Liberation Bewegungen, über Selbstoptimierung im Kapitalismus, und darüber, warum Fett politisch ist.

Es gibt eine neue Internet-Seite in Leichter Sprache: Einfach Queer.

Im Interview mit ze.tt kommentiert Raúl Krauthausen die vorgeschlagenen neuen Emojis, die Menschen mit Behinderungen darstellen. (Die beiden vorherigen Links stammen übrigens aus dem lesenswerten Newsletter von Raúl.)

Beim Podcast endlich. geht es diesen Monat um Armut und Sterben. Zu Gast ist Francis Seeck, Kulturanthropolog*in und Antidiskriminierungs­trainer*in, der*die zu Armut, Klassismus und Beerdigungen forscht. (Lesetipp: „Recht auf Trauer“ von Francis Seeck).

Englischsprachige Links

Lena Waithe is taking over screens big and small. The star and creator opens up about influence and inspiration, from the Harlem Renaissance to Time’s Up. Also, Autostraddle points out that her recent Vanity Fair Cover is a watershed moment for Black lesbian visibility.

„I am me; I am black; I must be proud of my blackness.“ – Read an excerpt from Winnie Madikizela-Mandela’s memoir, „491 Days: Prisoner Number 1323/69“.

Over the weekend, Denmark received its first-ever public monument to a black woman, a regal statue intended to address the country’s history as a colonial power: “I Am Queen Mary”.

Termine in ganz Deutschland:

Zu den Themen Trauer, Klasse und Sorgearbeit gibt es in den nächsten Monaten viele Lesungen und Veranstaltungen von Francis Seeck in Erfurt, Düsseldorf, Oberhausen, Berlin, Stuttgart …

Aus ihrem Buch „Fa(t)shionista. Rund und glücklich durchs Leben“ liest Magda Albrecht in den nächsten Monaten in Cottbus, Oldenburg, Kiel, Berlin, Düsseldorf, Koblenz, Darmstadt …

5. April in Berlin: Das FFBIZ – das feministische Archiv feiert 2018 seinen 40. Geburtstag mit einer Ausstellung (facebook-Link).

8. April in Berlin: Literaturcafé – Gedenkfeier für Verena Stefan (“Häutungen”, 1975).

10. April in Berlin: Buchpremiere von Kirsten Achtelik, Eike Sanders und Ulli Jentsch: „Kulturkampf und Gewissen. Medizinethische Strategien der ‚Lebensschutz‘-Bewegung“ (facebook-Link).

13. April in Berlin: Hengameh Yaghoobifarah liest eine erweiterte und überarbeitete Fassung des kontrovers diskutierten Textes „Fusion Revisited: Karneval der Kulturlosen“ (facebook-Link).

23. April in Berlin: Körper und Sexualität: geNORMT oder selbstbestimmt? in der Reihe: Feminismus_Körper_Empowerment im Frieda Frauenzentrum.

24. bis 29. April in Köln: 35. Internationale Frauenfilmfestivals.

24. April in Hamburg: Kuba queer.

25. April in Bochum: „Talk Back“ (facebook-Link). Videos & Diskussion über Interventionen in den sozialen Medien mit Nadia Shehadeh & Tarik Tesfu.

26. Apri in Berlin: Körper und Sexualiät: Genormt oder selbstbestimmt? Filmvorführung und Diskussion.

26. April in Berlin: Geschlechterpolitik in der Ukraine.

28. April in Leipzig: Film & Queerparty: Kick it like a feminst*a.

15. Mai in Berlin: Input und Gespräch: Wie funktioniert das Internet und was ist eigentlich Netzpolitik? mit feministischen Hackerinnen* von heart of code.

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?

Nach dem Frauenkampftag ist immer Frauenkampftag – kurz verlinkt

Dieser Text ist Teil 342 von 395 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Bei der taz erschienen gestern einige gute Texte anlässlich des Frauenkampftags: Hengameh Yaghoobifarah schreibt warum zwischen menschenfeindlichen Leuten und noch lernenden Menschen unterscheiden werden muss und über den Segen und Fluch des bestehenden Online-Gedächnis. Fatma Aydemir kommentiert Frauenwiderstand gegen Erdoğans AKP-Regierung. Christa Wichterich analysiert rechtskonservative internationale Allianzen und Netzwerke, die (u.a.) bei der UNO mobil machen.

neues deutschland gibt eine knappe Übersicht über einige der Proteste, die gestern weltweit stattgefunden haben.

Grenzenlos feministisch. International Women’s Struggle Demo 2017, Berlin.

Feminismus im Pott war auf der Kölner Tagung #bodytalk, auf der auch Magda zu Gast war und berichtet über alle Inputs. Nun sind auch die Videos der Inputs online. Reinschauen lohnt sich!

Ein Buchprojekt über Schwarze Frauen in Biel sollte die Sichtbarkeit Schwarzer Frauen in der Schweiz stärken und ihre Perspektiven und Geschichten sammeln, doch es fand sich keine Finanzierung. In der WOZ eine «Miniausgabe» des Buchs publiziert.

Die nächste Antragsgelder für Förderungen durch Magnus Hirschfeld Stiftung ist der 15. April! Besonders werden auch lesbische Geschichts-, Bildungs- und Forschungsprojekte zur Bewerbung aufgefordert (FB-Link). Die möglichen Fördersummen reichen von mehreren Hundert bis zu 25.000 Euro.

Eiken Bruhn zeigt in der taz in vielen Regionen Deutschlands bieten Kliniken keine Schwangerschaftsabbrüche an. Dass ungewollt schwangere Personen bis zu 150 Kilometer Wege auf sich nehmen müssen, ist keine einfache Ausnahme. In den meisten Regionen ist zu dem die Wahlfreiheit stark eingeschränkt und es wird nur ein chirurgischer Abbruch unter Vollnarkose angeboten. (Hinweis: Wichtig wäre, wenn in Texte zu Abtreibung auch deutlich würde, dass nicht alle Schwangere Frauen sind – auch dieses Nicht-Erkennen ist sicher ein weiter Faktor, der Menschen den Zugang erschwert.)

Women United Against Deportation. International Women’s Struggle Demo 2017, Berlin.

In Popkultur wird Vielfalt stärker sichtbar. Doch wie viel bringt sie, wenn Alltagsmenschen ignorant bleiben?, fragt Tove Tovesson beim Missy Magazine.

Kreativer Beitrag zur medialen Debatte um sexistische Werbung: Die Gruppe f.i.e.s (feministische initiative emanzipatorischer streetartkünstler*innen) hat vor ein paar Tagen einige Plakate in Berlin verändert.

Die Mutter eines inhaftierten Sportjournalisten hofft auf internationale Unterstützung auch für unbekannte Kollegen, schreibt Ali Çelikkan bei der taz.gazete.

Vina Yun interviewt im Missy Magazine Sylvia Köchel, die in ihrem Buch „Das Bedürfnis nach gerechter Sühne“. Wege von »Berufsverbrecherinnen« in das Konzentrationslager Ravensbrück den Geschichten von sogenannten Berufsverbrecherinnen und deren Verfolgung unter dem NS-Regime nachgeht.

Außerdem sei euch ans Herz gelegt: Der Podcast „Ausbildung inklusive“ von Hannah C. Rosenblatt. In kurzen (2-5-minütige) Episoden erzählt Hannah das Lernen und Leben mit Behinderung. So geht es beispielsweise um „das Nichts zwischen Hartz 4 und Bafög“, „Mit dem Assistenzhund zur Schule gehen“ und „die Potenzierung des Stressfaktor „Asperger-Syndrom“ um den Faktor „Traumafolgen““.

Der Artikel ist vom letzten Jahr, aber das Thema brandaktuell: Wie heterosexuelle Paare sich über die ungleich verteilte Hausarbeit belügen, in der ak – analyse und kritik.

englischsprachige Links

Ein paar Euros übrig? Deine Unterstützung trägt dazu bei 27 kreative Köpfe aus aller Welt zur Queers and Comics Konferenz nach San Francisco (USA) zu bringen. Deine Taler werden auch mit ein paar schicken Goodies belohnt: Zines, Comics oder Buttons.

Auf i-D sagen Feminist_innen aus unterschiedlichen Ländern (aber sehr Europa-zentriert), was sich ihrer Meinung nach ändern muss. Mit Blick auf Deutschland schreiben da Hengameh Yaghoobifarah, Dominique Booker und Olive Duran.

Ein englischsprachiges Essay über die Rezeption und Instrumentalisierung von Audre Lorde und ihren Aussagen: „Appropriating Lorde: On the Need to Locate The Oppressor Within Us.

I am queer. What is your superpower? International Women’s Struggle Demo 2017, Berlin.

In Bochum wird im November eine internationale Konferenz zu „Doing Science – Doing Excellence – Doing Inequalities? Interrogating the Paradigm of Excellence in Academia“ stattfinden. Abstracts können bis zum 31. März eingereicht werden.

Neuer Flavia Dzodan Text: „Alt-Feminism and the white nationalist women who love it„!

Termine

Noch Veranstaltungen finden sich in unserer Frauenkampftags-Veranstaltungsliste.

Berlin, 10 bis 13. März 2017: Theaterstück im Ballhaus Naunynstraße „Scheppernde Antworten auf dröhnende Fragen“ von Nora Abdel-Maksoud, Theresa Henning und Salome Dastmalchi (Publikumsgespräch am 11. März).

Berlin, 25. März: Workshop „reclaim movement für dicke_fette* queere körper“ (eine Anmeldung ist notwendig).

Sexismus fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu. International Women’s Struggle Demo 2017, Berlin.

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?

Barrierearmer Aktivismus, rechte Propaganda zu sexualisierter Gewalt und ein African Feminist Internet – kurz verlinkt

Dieser Text ist Teil 341 von 395 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Noch bis Sonntag läuft mit der Berlinale eines der weltweit größten Filmfestivals. Der Tagesspiegel hat zu diesem Anlass unterschiedlichste Zahlen zu Geschlecht in der Filmwelt zusammengetragen und ausgewertet: Wie viele Frauen studieren Regie? Wessen Fime bekommen wieviel Förderung? Werden mehr Filme von Männern oder Frauen in Zeitungen besprochen? Wie werden Neben- und Hintergrundsrollen besetzt? (Wie diese Beispielfragen bereits deutlich machen, bleiben die Zahlen (und auch die Analysen) aber klar in der Zweigeschlechtlichkeit verankert und weitere Differenzkategorien bleiben unbeachtet.)

Der Fall Gina-Lisa ist abgeschlossen – aber Fragen bleiben„, schreibt Sylvia Margret Steinitz beim Stern.

In der Silvesternacht soll in Frankfurt ein „Sex-Mob“ agiert haben – doch diese medial weit verbreitete Geschichte ist nur eines: eine Lüge. AfD Wahrheiten schreibt über die und Verbreitung des Gerüchts/ der Propaganda. der Notwendigkeit von Faktenchecks und Geduld bei Medien-Konsument_innen.

Erinnerung: Noch bis zum 1. März 2017 können Anträge mit Ideen und Pläne für Projekte bei filia.die frauenstiftung eingereicht werden. Die Projekte sollen dazu beitragen, dass Mädchen und junge Fauen frei von Gewalt leben und dass sie in der Gesellschaft mitentscheiden können. Unterstützt werden Projekte mit bis zu 5.000€. Die eingegangenen Anträge werden von den Mädchen und jungen Frauen des Mädchenbeirats gelesen und diskutiert.

pro familia Berlin sucht zum 01. Mai 2017 (die Stelle ist bis zum 30.04.2019 befristet) eine Fachliche Koordinator_in für 20 Wochenstunden für das neue Projekt „Fachinformations- und
Vernetzungsstellen für die qualifizierte Hilfe und Unterstützung von schwangeren, geflüchteten Frauen“.

englischsprachige Links

Romantic Love is Killing Us: Who Takes Care of Us When We Are Single?„, fragt Caleb Luna.

Sechs behinderte Aktivist_innen sprechen bei Autostraddle über die Themen, die sie gerade bewegen, aktivistische Erfahrungen und der Umgang mit Barrieren beim Aktivismus. Außerdem findet sich unter dem Artikel eine Accessible Resistance Resource List.

Irene Kagoya präsentiert bei GenderIT ihre Vorstellungen von einem African Feminist Internet.

„You have a right to exist safely in digital spaces.“, heißt es im DIY guide to feminist cybersecurity, wo es ausführliche Anleitungen und Erklärungen rund um technische Schutzoptionen geht.

Termine in Berlin, Bern, Köln, Stuttgart, Wien

17. Februar in Berlin: Fachgespräch: „Wer hat Angst vor Geschlechterforschung? Strategien für ein Forschungsfeld unter Druck„. Anmeldung bis zum 14.02. über die Webseite.

21. bis 25. Februar in Stuttgart: meccanica feminale findet statt mit einer ganzen Reihe von Kursen, einige gehen einen Tage, andere eine halbe Woche.

4. März in Köln: Ab jetzt ist eine Anmeldung möglich: #body*talk. Rollenbilder, Schönheitsdiktate und Empowerment im Netz.

4. März in Wien: Podiumsdiskussion – Zum Stand feministischer Kämpfe mit Mädchenmannschaftsbeteiligung. (FB-Link)

9. bis 11. März in Bern: CKSTER-Festival zum Thema Gender Hacking.

11. März in Berlin: 7. Barcamp Frauen. Infos findet Ihr hier.

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?

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