It’s my party and I cry if I want to – Zum Tod von Lesley Gore

Dieser Text ist Teil 46 von 53 der Serie Wer war eigentlich …

Gestern verstarb die Sängerin, Songwriterin, Schauspielerin und Aktivistin Lesley Gore im Alter von 68 Jahren an Krebs. Dies teilte ihre Partnerin Lois Gatton mit: „Sie war ein wunderbarer Mensch – fürsorglich, großherzig, eine großartige Feministin, eine großartige Frau, ein großartiger Mensch, eine großartige Philanthropin.“

Mit 16 Jahren nahm Gore Gesangsunterricht in New York. Tapes, die sie aufnahm, gelangten zum Produzenten Quincy Jones und er wollte mit ihr arbeiten. Gleich ihre erste Single „It’s my Party (And I’ll Cry If I Want To)“ (1963) wurde zum Nummer-1-Hit in den USA. Trotz des großen Erfolgs besuchte Gore weiter die Highschool – und vor ihrem Wohnhaus campten Fans. Einen weiteren Hit (und ihre letzte Top-10-Single) landete sie mit „You Don’t Own Me“, der 1996 als Abschlussong im Film The First Wives Club (Der Club der Teufelinnen) gesungen von Diane Keaton, Bette Midler and Goldie Hawn, noch einmal groß an Beliebtheit gewann. Über den Song, der ihr persönlicher Liebling war, sagte Gore selbst:

When I first heard that song at the age of 16 or 17, feminism wasn’t quite a going proposition yet. Some people talked about it, but it wasn’t in any kind of state at the time. My take on that song was: I’m 17, what a wonderful thing, to be able to stand up on a stage and shake your finger at people and sing you don’t own me.

Gore nahm 12 Alben auf und es erschienen eine Reihe von Compilations. Ihr letztes Album mit neuem Material brachte sie 2005 heraus, „Ever Since“, woraus Songs für Soundtracks für Serien wie CSI und The L Word übernommen wurden. Für den Film Fame (1980) schrieb sie gemeinsam mit ihrem Bruder Michael Gore den Song „Out Here on My Own„, welcher für einen Oscar nominiert wurde.

Neben ihrer Musikkarriere (und einigen Schauspielabstechern) beendete sie außerdem ein Studium am Sarah Lawrence College und engagierte sich politisch. Im Jahr 1968 war sie als Freiwillige aktiv in der Präsidentschaftskampagne von Robert Kennedy. Es verband sie außerdem eine Freundschaft mit der feministischen Aktivistin und Politikern Bella Abzug. Auch für diese setzte sie sich ein. Darüberhinaus war sie immer wieder in verschiedenen Projekten und Aktionen aktiv. In den 2000ern trat sie im Fernsehen als Gastgeberin des LGBT-Newsmagazins In The Life auf.

I’m young and I love to be young
I’m free and I love to be free
To live my life the way I want
To say and do whatever I please

‘Audre Lorde’s Germany’

Der Text erschien zu erst auf Deutsch beim Blog der Feministischen Studien.

Audre Lorde's Germany - Audre Lorde Icon by Kim Everett. Poster design Pawel Zoneff.
Audre Lorde’s Germany – Audre Lorde Icon by Kim Everett. Poster design Pawel Zoneff.

Audre Lorde was a library science scholar. She earned a BA in Library Science at Hunter College, New York (1954-1959) and went on to acquire an MA in the same at Columbia University New York (CUNY) in 1961. In addition to her multifaceted professional, political, social, academic, authorial and publishing activities, Lorde worked at the Mount Vernon Public Library and as Head Librarian at the Town School Library in New York City. I had never really picked up on this aspect of Audre Lorde’s life and work before. I emphasize this information, since it seems to lend greater clarity to Lorde’s farsightedness, her encompassing perspective on multifarious political and personal strands of meaning, which work together to structure the course of a life.

Audre Lorde’s works are marked by an incredible diversity of perspectives and themes. Thus a perspective informed by this discipline must definitely have reinforced Lorde’s extant talent that enabled her to visualize, record and understand social realities as interwoven complexes of unequal positionings. It appears as if imaginations, languages and narrative constructions (her own and those of others) were easily accessible and comprehensible to Lorde. At any rate there was a source from which Lorde acquired these vectors of connectivity, which then allowed her to build further bridges to other perspectives. Lorde’s work demonstrates the direct engagement with and the articulation of life themes and requirements for action in larger social groups. This multi-perspectival stance is apparent in Lorde’s poetry and prose – it is the common denominator in the approaches, ambivalences, crises, relationship networks, activism and communication processes thematised in her work.

This article’s point of departure involves the question of which aspects of an active life should be commemorated. Which life episodes can be rendered visible and productive in retrospect and to what end?

The Stories of Our Lives: Historicisation as a feminist task

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Keine feministische Ikone. Zum Tod von Doris Lessing.

Dieser Text ist Teil 36 von 53 der Serie Wer war eigentlich …

 Doris Lessing, British writer, at lit.cologne, Cologne literature festival 2006, GermanyGestern verstarb die britische Schrifstellerin Doris Lessing im Alter von 94 Jahren. Vor sechs Jahren hatte sie den Literatur- Nobelpreis gewonnen – als 11. Frau und älteste Person, die diesen Preis jemals zugesprochen bekam. Das Nobel-Kommitee sah in ihr die:

[…] Epikerin weiblicher Erfahrung, die sich mit Skepsis, Leidenschaft und visionärer Kraft eine zersplitterte Zivilisation zur Prüfung vorgenommen hat.

Lessing wurde am 22. Oktober 1919 im heutigen Iran geboren. Sechs Jahre später zog ihre Familie nach Süd-Rhodesien (dem heutigen Zimbabwe), wo sie auf einer Maisfarm aufwuchs. Mit 14 Jahren verließ Lessing die Schule und arbeitete in unterschiedlichsten Jobs. Sie begann erste Geschichten an Magazine zu verkaufen, arbeitete an Manuskripten und engagierte sich in der kommunistischen Partei.  Nach zwei geschiedenen Ehen zog Lessing 1949 mit ihrem jüngsten Sohn nach Großbritannien, um weiter an ihrer Schrifstellerinnen-Karriere zu arbeiten. Ihr Debüt-Roman The Grass is Singing erschien 1950, im Jahr 1962 wurde mit The Golden Notebook ein feministischer Klassiker veröffentlicht.  Nach Zimbabwe und Südafrika durfte sie aufgrund ihrer Literatur, die sich anti-kolonial positionierte, und ihre Anti-Apartheid-Rethoriken lange nicht mehr einreisen. Bis zu ihrem Tod hat sie einen beeindruckenden Korpus erschaffen. Sie schrieb Romane, Kurzgeschichten, Opern-Libretti, Kinderbücher, eine Graphic Novel, Gedichte, Memoiren und Essays. Auch vor unterschiedlichsten Genres machte sie nicht halt und so wandte sie sich unter anderem auch science fiction zu.

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Penis-Bilder und fromme Jugend – die Blogschau

Dieser Text ist Teil 6 von 295 der Serie Die Blogschau

Viel Rabbatz um das Penis-Bild letztens in der Zeit, kluge Gedanken dazu von: Les petits Plaisirs.

Der Stand zur Aktion zum Aufreger „Antreibungsgegner_innen billiger zur Demo“: Alles zur Bahn-Petition nochmal hier und eine Petition an die Bahn.

Eine sehr schöne Rezension zu Carolin Emckes „Wie wir begehren“ war letzte Woche auf Common Reader zu lesen.

Sexarbeiter_innen fordern Respekt für ihre Grundrechte in einem parallelen Gipfel zur AIDS-Konferenz 2012; alles darüber ist zum Beispiel bei menschenhandel heute nachzulesen.

Please fasten your Ramadan: Einen Live-Bericht dazu gibt es auf Gazelle – über die ersten sieben Tage.

Luise F. Pusch hat sich mit der neuen (zugegebenermaßen bemühten) Gender-Sprache im Spiegel beschäftigt, ärgert sich über die sexistische Berichterstattung zu Olympia und hat gleich noch das Gendering-Tool von Microsoft ausprobiert.

Different Needs lobt die August-Ausgabe von Decibel Magazin, die das Titel-Thema „Queens of Noise. Women in Metal“ hat.

Behindertenparkplatz teilt die intesivsten drei Monate ihres Lebens mit allen Leser_innen: Trainieren für und Tanzen auf der Olympia-Eröffnungsfeier.

Die Distel hatte in der letzten Woche einen absolut hörenswerten Podcast – es ging unter anderem um Stricken, Spinnen und Selbstversorgung.

Antje Schrupp stellte auf ihrem Blog „Das ABC des glücklichen Lebens“ vor, dass sie gemeinsam mit acht Denkfreundinnen geschrieben hat.

„In die­sem Post habe ich ver­sucht, meine Ge­dan­ken und Ge­füh­le und Er­leb­nis­se be­züg­lich mei­ner ehe­ma­li­gen christ­li­chen Glau­bens­ge­mein­schaft ein­zu­ord­nen, den re­li­giö­sen Miss­brauch und die Stig­ma­ti­sie­run­gen, die ich er­lebt habe, den Scha­den, den es an­rich­te­te und die Ver­ant­wor­tung, die ich trage.“ Der eindruckvolle Text „Fromme Jugend“ erschien letzte Woche auf Baum der Glückseligkeit.

Als Female-to-male zum Frauenarzt: „Alle Jahre wieder – Billy beim Gynäkologen“. Billy ist im August Gastblogger beim Missy Magazine.

Und ein Termin nach dem Klick: Weiterlesen „Penis-Bilder und fromme Jugend – die Blogschau“

Gegner oder Gegnerinnen – was 5 Buchstaben ausmachen können

Über die Aktion „Nicht meine Ministerin“, deren Offenen Brief wir gestern hier veröffentlichten, schrieb sogleich noch Spiegel Online. Dem feministisch geübten Auge fiel dabei vor allem eines auf: das generische Maskulinum, immer wieder heißt es „die Gegner“. Dabei sind in der Erstunterzeichnungsliste neben 3 Organisationen 37 Frauen und 13 Männer aufgeführt. Mit ihrer Antwort auf meine Kritik hat Spiegel Online natürlich recht:

Ja, es sind auch Männer unter den „Schröder-Gegnern“. Aber eben nicht nur und hinter einem Mann ver­schwinden beim generischen Maskulinum leider 9 Frauen genau wie 99.999 oder sogar 9 Millionen Frauen. Dass Frauen vielleicht mitgemeint, aber selten mitgedacht werden, erläuterte erst vor kurzem das Sprachlog – seit Jahren bloggt über Geschlecht und Sprache bereits Luise Pusch, zum Weltfrauentag gab sie der Deutschen Welle ein Interview mit vielen schönen Beispielen.

Wie stark sich der Einfluss von Sprache auf unser Denken auswirken kann, zeigt auch die folgende Studie, die die Spektrum ausgegraben hat:

Von der Sprache hängt sogar ab, wie schnell Kinder herausfinden, ob sie Jungen oder Mädchen sind. Im Jahr 1983 verglich Alexander Guiora von der University of Michigan in Ann Arbor drei Gruppen von Kindern, die Hebräisch, Englisch oder Finnisch als Muttersprache hatten. Das Hebräische bezeichnet das Geschlecht ausgiebig – sogar das Wort „du“ variiert dementsprechend –, Finnisch macht keine solchen Unterschiede, und Englisch liegt dazwischen. Dementsprechend finden hebräische Kinder ihr eigenes Geschlecht rund ein Jahr früher heraus als finnische; englische nehmen diesbezüglich einen Mittelplatz ein.

Natürlich gibt es noch andere Möglichkeiten, auf die Zusammensetzung einer Gruppe einzugehen. Während sich für offizielle Reden etwa ein „Gegnerinnen und Gegner“ eingebürgert hat, bietet es sich bei Texten stets an, zu quantifizieren und etwa „die Gruppe, der vor allem Frauen angehören“ zu schreiben. Ein ganz anderer Weg ist natürlich die Verwendung von Binnen-I oder Gender Gap, also Gegner_innen.

Doch egal welche Form gewählt wird – am Ende ist bereits dies eine politische Entscheidung. Ab wann sind in einer Gruppe so viele Frauen oder so wenig, dass es betont werden muss oder einfach auffällt? Welche Erwartung gibt es an diese Gruppe? Wie hätte es wohl gewirkt, wenn sich nur Männer gegen Kristina Schröders (Nicht-)Politik positioniert hätten oder aber kein Mann unter den Erst­unter­zeichnenden gewesen wäre? Gegner oder Gegnerinnen – fünf Buchstaben hinter denen noch viel mehr steckt.

Den Offenen Brief kann mensch derweilen weiter mitzeichnen.

Applaus für… Sharon Adler

Dieser Text ist Teil 21 von 41 der Serie Applaus für

Morgen wird der Berliner Frauenpreis verliehen. Preisträgerin ist in diesem Jahr Sharon Adler, Herausgeberin des online Magazins AVIVA-Berlin. Wir haben mit Sharon gesprochen und sie gefragt, was der Berliner Frauenpreis genau ist und warum sie ihn bekommt.

Bild von Sharon Adler
Sharon Adler
(Copyright: Aurélia Vartanian)

Sharon, du bekommst am 8. März den Berliner Frauenpreis. Herzlichen Glückwunsch! Was genau ist das für ein Preis?
Danke Dir!
Der Berliner Frauenpreis wird seit 1988 jährlich vergeben, laut Senatsverwaltung an „Berlinerinnen, die sich in herausragender Weise und mit überdurchschnittlichem Engagement für die Emanzipation der Geschlechter einsetzen.“
Über die Vergabe des Preises entschied eine Jury, der neben Staatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt die Sozialwissenschaftlerin und Leiterin der Amadeu-Antonio-Stiftung, Anetta Kahane, die Wissenschaftlerin vom Institut für Management der FU Berlin, Gertraude Krell, die Vorsitzende des Verbandes polnischer Unternehmerinnen e.V., Lucyna Krolikowska, und die Preisträgerin des Jahres 2011, Jutta Allmendinger, angehören.

Und warum bekommst du ihn?
Gern möchte ich an dieser Stelle auszugsweise meine Freundin Mo Asumang zitieren, die mich für den Preis vorgeschlagen hat und auch die Laudatio im Roten Rathaus halten wird:
„Sharon Adler setzt sich mit ihrer Arbeit seit mittlerweile mehr als zwölf Jahren unermüdlich und an beinahe 365 Tagen im Jahr für Emanzipation und gegen Sexismus, Antisemitismus, Rassismus, Diskriminierung aller Art und für universelle Menschenrechte ein. AVIVA-Berlin wurde von ihr allein am Küchentisch gegründet, allein aus ihrer Vision heraus, ein Online-Frauenmagazin zu etablieren, das es in dieser Form nicht gab und auch heute noch einzigartig ist“. Das vollständige Statement könnt ihr gern auf AVIVA-Berlin nachlesen.

Kannst du mir ein bisschen mehr über AVIVA erzählen? Worum geht es bei euch, wer liest euch?
Unsere LeserInnen sind so unterschiedlich wie unsere Themen und die AVIVEN. Kurz gesagt, geht es bei AVIVA um Politik, Jüdisches Leben, Literatur, Musik und Informationen, wie etwa Veranstaltungshinweise zu Seminaren, Kongressen, Tagungen etc. – immer von Frauen für Frauen mit Fokus auf frauen- und genderpolitische Entwicklungen. Themen, die in den Mainstream-Medien so nicht vorkommen und bestenfalls als Randthemen behandelt werden. Generell finden wir, dass Frauen und ihre Leistungen nicht ausreichend gewürdigt werden. Wenn sie vorkommen, dann als Glamour Girls oder mit dem Zeigefinger darauf, wie viele Frauen doch schon in der Politik zu finden sind und wir deswegen keine Quote brauchen…
AVIVA-Berlin ist bis heute ein verlagsunabhängiges Medium und immer noch lieben wir die Herausforderung, kontinuierlich Beiträge zu Themen und Inhalten ins Netz stellen, die unserer Meinung nach mehr Aufmerksamkeit und ihren Platz im Netz verdienen.

Welche Seiten liest du denn regelmäßig? Was möchtest du uns bzw unseren Leser_innen empfehlen?
Ich lese u.a. die Jüdische Allgemeine Wochenzeitung, FemBio Frauen-Biographieforschung, das Weblog des Journalistinnenbunds, und, ja, auch sehr gerne die Mädchenmannschaft.

Nochmal zurück zum Frauenpreis: Die Verleihung ist ja öffentlich. Was muss ich machen, wenn ich gerne kommen möchte?
Einfach hinkommen! Mensch braucht keine Einladung.
Am 8. März ab 18 Uhr geht es im Roten Rathaus los – erst wird Dilek Kolat, Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, den Preis an mich überreichen, dann Mo Asumang die Laudatio halten. Die Musik kommt live von Sookee und Vivian Kanner. Und danach haben wir uns ein vegetarisches Buffet gewünscht – ich hoffe, wir sehen uns und feiern gemeinsam!

600. Geburtstag von Jeanne d’Arc

Dieser Text ist Teil 28 von 53 der Serie Wer war eigentlich …

Ein bis heute ungebrochener Mythos, allerdings auch angereichert mit ordentlich Pathos: Die „Retterin Frankreichs“, die auf dem Scheiterhaufen landete und 450 Jahre später vom Vatikan heilig gesprochen wurde, feiert heute ihren 600. Geburtstag – auf die Rezeption ihres Lebens blickend findet man auch ein Allerlei aus Jungfrauenwahn, Nationalmythos und der Faszination für Frömmigkeit. In vielen Texten zum Phänomen wird latent verklärt der Rückblick auf ein sagenumwobenes Leben gewagt:

„Auf Befehl unseres Herrn“ trägt sie bereits Männerkleidung und Waffen und zieht schließlich mit zehntausend Mann gen Orléans, das sie am 7. Mai, im weißen Harnisch, mit einer kleinen Streitaxt bewaffnet und auf einem schwarzen Kampfross sitzend, von den Engländern befreit. Am 17. Juli wird Karl VII. in Reims in der Kathedrale von Notre Dame gekrönt. Die wundersame, unwahrscheinliche und steile Karriere der Jeanne d’Arc hat ihren Höhepunkt erreicht. (Quelle: fembio)

Mit ordentlich Schmalz zwischen den Buchstaben verfasste auch der Historiker Jules Michelet in seiner „Großen Geschichte Frankreichs“ seinen Johanna-Lobgesang: „Der Retter Frankreichs konnte nur eine Frau sein. Frankreich selbst war Frau, es hatte die Wendigkeit und auch die liebenswerte Zartheit, das anrührende Mitgefühl einer Frau ( … ) Jene, die widerständig sind und so bis zum Ende ihr Ziel verfolgen, sie sind die wahrhaft Auserwählten.“

Zwischenzeitlich vergessen, wurde die Erinnerung an Jeanne d’Arc vor allem literarisch unter anderem durch Voltaire und Schiller wieder ins öffentliche Bewusstsein gerufen – im 19. Jahrhundert schließlich wurde Johanna zum französischen Nationalmythos erklärt. Bis heute reißen sich verschiedene Strömungen und Institutionen um erfolgreiche Instrumentalisierungen: Die Kirche schätzte  ihre Frömmigkeit, die liberalen Republikaner strichen ihren Mut gegenüber dem Herschaftssystem vor, im Zweiten Weltkrieg war sie die Symbolfigur für den Widerstand gegen die deutsche Besatzung und für die extreme Rechte in Frankreich ist Jeanne d’Arc heute eine Ikone. Interessant bleibt also nicht nur ihr Leben und Wirken, sondern auch die Art und Entfaltung der öffentlichen Bewunderung für Jeanne d’Arc.

„Frauen und Frieden“ – zum Tode von Christa Wolf

Die Schriftstellerin Christa Wolf ist heute morgen im Alter von 82 Jahren in Berlin gestorben. FemBio nennt Wolf neben Günter Grass „Deutschlands renommierteste Schriftstellerpersönlichkeit“. Eines ihrer bekanntesten Bücher (wenn nicht sogar das bekannteste) ist „Der geteilte Himmel“, ein Buch über eine Liebe, die schließlich an der Teilung Deutschlands scheitert. „Der geteilte Himmel“ war für Wolf auch über die deutschsprachigen Grenzen hinaus ein Erfolg.

diestandard.at schreibt in ihrem Nachruf:

In ihren Büchern griff die DDR-Autorin immer wieder Schicksale von Menschen auf, die von der deutschen Teilung gezeichnet waren. […] Für viele Menschen in der DDR galt sie auch als eine moralische Instanz.

Wolf hatte sich lange für gesellschaftliche Reformen in der DDR eingesetzt und als SED-Mitglied gegen Willkürmaßnahmen der Staats- und Parteiführung und gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann protestiert. Zeitweise arbeitete sie aber auch mit der Stasi zusammen.

Über ihr Buch „Kassandra“ schreibt Die Zeit:

Im Roman Kassandra versteckte sie eine Botschaft für den Zensurapparat der DDR. „Ich wartete gespannt, ob sie es wagen würden, die Botschaft der Erzählung zu verstehen, nämlich dass Troja untergehen muss. Sie haben es nicht gewagt und die Erzählung ungekürzt gedruckt. Die Leser in der DDR verstanden sie.“ Sie habe dieses Land DDR einmal geliebt, schrieb Wolf nach dem Ende der DDR an ihren Kollegen Günter Grass. Sie meinte damit die Menschen, nicht den Machtapparat.

Und FemBio zum gleichen Werk:

In Kassandra (1983) griff Wolf auf den antiken Mythos zurück, um die Anfänge des Krieges in der patriarchalischen Kultur der Griechen zu untersuchen. Wolfs schon längst feministische Ansätze werden durch Auseinandersetzungen mit Schriften der »westlichen« Frauenbewegung vertieft und erweitert; sie wird jetzt als gesamtdeutsche Schriftstellerin anerkannt.

1989 gehörte sie zu jenen Intellektuellen, die sich für den Fortbestand einer vom Westen unabhängigen DDR einsetzen. 2003 erschien ihr Buch „Ein Tag im Jahr. 1960-2000“, ein Protokoll persönlicher Notizen, die sie jedes Jahr am 27. September niedergeschrieben hatte: „Entstanden ist ein beeindruckendes Zeugnis ihrer Existenz aus Autorin, als Zeitgenossin, als Frau, Mutter, als Bürgerin der DDR und schließlich der BRD“ (Klappentext).

Wolf wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, wie dem Bremer Literaturpreis, dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur, dem Geschwister-Scholl-Preis und dem Deutschen Bücherpreis.

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Solidarität, aber bitte ohne Sexismus – ein paar Gedanken zur Occupy-Bewegung

Ich muss ja gestehen, dass mein Herz ein wenig aufging, als die Occupy Wall Street Proteste in den USA los­gingen. Ich schaute mir herz­zerreißende Videos an, die Massen an Menschen zeigten, die in einem gemeinsamen Protest die unterschiedlichsten gesell­schaft­lichen Miss­stände an­prangerten: Die Hin­richtung von Troy Davis, die exemplarisch für das rassistische Justiz­systems der USA steht; die Kriege, in denen die USA ver­strickt sind; eine banken- und wirtschafts­freundliche Politik; ein Kapitalismus, der nie allen Menschen nützen kann; die Polizei­gewalt gegen die Demonstrierenden etc. Die simple Bot­schaft: „Wir sind die 99% und nehmen die ‚Gier‘ der 1% nicht mehr hin“. Nun ja, extrem ver­kürzt und populistisch, aber: eine Bot­schaft muss einfach ver­daulich sein, höre ich ja immer wieder.

Doch als ich mich durch die Solidaritäts­bekundungen der Demonstrierenden klickte, die in Video- oder Fotoform durch das Internet schwirren, kamen die ersten Zweifel auf: Wer ist das eigentlich genau, diese 99%? Was fordern sie denn? In Hin­blick auf die deutsche Occupy Wallstreet Bewegung fasst Nadia mein ungutes Gefühl auf Philibuster zusammen:

„Mir persönlich fehlt der Inhalt, die Positionierung, der theoretische oder zumindest der intellektuelle Überbau“.

Auch auf Stop! Talking gibt es einen sehr lesens­werten (englischen) Artikel, der mein Unbehagen gut zusammen­fasst. Darin beschreibt accalmie die möglichen Probleme, die auf­treten können, wenn eine Bewegung so „offen“ und ver­meintlich inklusiv organisiert ist, wie dies bei Occupy-deine-Stadt der Fall ist: Wenn alle an­gesprochen werden sollen und der einzige gemeinsame Nenner die Wut auf die „1%“ sein soll, klingt das selbstverständlich wie ein Protest für alle. In der Theorie ist das toll, aber für die Praxis heisst das: Dann müssen auch gewisse Standards (z.B. ein anti-sexistischer Anspruch) verankert sein, um gesamt­gesellschaft­lichen sexistischen Tendenzen ent­gegen­zu­wirken.

Interessiert, was die deutsche Occupy-Bewegung so macht, klickte ich mich also durch die Occupy-Germany Seite und fand auch flugs den Hinweis, dass es „keine Hierarchien“ in der Bewegung gäbe. Meine Alarm­glocken glühten dunkelrot, denn eine Bewegung, die gesell­schaftliche Miss­stände anprangert und von nicht-existenten Hierarchien schwafelt, offenbart leider, dass sie keine gesell­schaftliche Analyse hat. Ich kenne keine Gruppe, keine Vereinigung, keine Bewegung, die frei von Hierarchien ist, denn diese sind gesell­schaftlich verankert, formen unser Handeln, bestimmen unsere Sprech­position. Auch bekleckert sich die Occupy-Bewegung nicht mit Ruhm, wenn sie eigentlich nur die männliche Form kennt, Frauen aber auf einmal doch auf­tauchen:

„Wir sind Wissenschaftler, Politiker, Studenten, Schüler und Haus­frauen.“

Puh. Als Feministin schlackern mir da gewaltig die Ohren. Die Haus­frau am Ende der Auf­zählung zeigt erst, wie wenig das Paradigma „In der männlichen Form sind doch alle mitgemeint!“ zutrifft. Und bevor ich jetzt die ersten „Spalterinnen!“-Rufe höre von Menschen, die genervt davon sind, dass Feminist_innen linke Bewegungen auf ihr feministisches Potential abklopfen, stelle ich mal die rhetorische Frage: Sollten feministische Ziele nicht selbst­verständlich Teil linker Kämpfe sein?

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