„Bei gleicher Qualifikation werden Frauen bevorzugt …“

Gerade schließe ich mein Studium ab und beginne somit, eine Arbeitsstelle zu suchen. Nach den ersten drei Ablehnungen kann ich definitiv sagen: Es gab schon erbaulichere Phasen in meinem Leben, aber keine Angst, ich bin fest davon überzeugt, dass das schon noch wird.

Quotenmann

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Ob es an den ArbeitgeberInnen liegt, bei denen ich mich bewerbe, oder ob es sich wirklich schon flächendeckend so eingebürgert hat, weiß ich nicht, aber den Spruch „… bei gleicher Qualifikation werden Frauen bevorzugt …“ finde ich in jeder Stellenausschreibung. Und ich muss sagen, ich finde das gut – selbst wenn ich dadurch einen Job mal nicht bekommen sollte. Lustig finde ich aber schon, dass ich schon von mehreren Seiten auf diese Tatsache angesprochen wurde – und dies meist im Brustton der Empörung.

Ich kann mich dem nicht anschließen und das hat auch seinen Grund. Gehen wir doch einmal davon aus, dass beide wirklich gleich qualifiziert sind, warum dann den Mann bevorzugen? Frauen wurden und werden in unserer Gesellschaft und explizit auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt und diskriminiert, diese Benachteiligung schrittweise abbauen zu wollen, finde ich mehr als nur fair. Und wenn beide „gleich“ sind, muss ja einer bevorzugt werden.

Aber seien wir doch mal ehrlich: Wann kommt es denn einmal vor, dass zwei Bewerber nach der Sichtung ihres Lebenslaufs, ihrer Zeugnisse und einem eingehenden Bewerbungsgespräch immer noch „gleich qualifiziert“ sind bzw. nach Meinung der ArbeitgeberInnen gleich gut ins Team passen? Ich glaube, so etwas gibt es gar nicht. In Wahrheit gibt es immer Präferenzen, die einer gleichen Qualifikation entgegensprechen. Wer sich nach einer Absage mit Verweis auf den besagten Spruch herausredet, macht es sich meiner Meinung schlicht zu einfach. Erstens kann es ja sein, dass falls die Frau genommen wurde, sie einfach besser war und zweitens bin ich fest davon überzeugt, dass bei vielen Einstellungen Frauen nach wie vor benachteiligt werden, sei es, dass noch prinzipielle Vorurteile herrschen, der Angst vor der Schwangerschaft oder der Überzeugung dass mit Hans oder Franz abends eher mal ein Bier getrunken werden kann als mit Monika oder Ruth. Ganz zu schweigen von den Witzen, die dann vielleicht nicht mehr gerissen werden können.

Ich hoffe, dass der Satz zur Anwendung kommt, auch wenn ich vielleicht einmal davon betroffen bin. Aber wer wirklich Gleichstellung, Emanzipation und Gerechtigkeit will, der muss eben auch dort anfangen, wo es weh tut. So lange Frauen weniger verdienen, seltener eingestellt werden oder in Führungsposition unterrepräsentiert sind, gilt es, dafür zu kämpfen, dieses Unrecht zu beseitigen.

So ein Spruch bei einer Stellenausschreibung wird das wohl alleine nicht schaffen, aber vielleicht kann er ja ein bisschen helfen.

21 Kommentare zu „„Bei gleicher Qualifikation werden Frauen bevorzugt …“

  1. Hängt das nicht auch davon ab, von welcher Branche wir sprechen? Ich habe es erlebt, dass nach abgeschlossener Qualifikation zum Babysitter einem Mann trotzdem nicht zugetraut wird, verantwortungsvoll mit Kleinkindern umgehen zu können. Da wird dann doch lieber die Frau genommen …

  2. Sag mal Werner, warum verzichtest Du eigentlich nicht gleich auf Deinen Beruf, schliesslich gibt es immer eine Frau, die Deine Stelle haben will und sie vermutlich genauso gut ausfüllen könnte, wie Du?

    Ich finde Deine Haltung extrem inkonsequent …

  3. Du würdest für mich auf nen Job oder eine Beförderung verzichten bzw fremdbestimmt verzichten lassen nur weil ich ne Frau bin ? Find ich lustig…

  4. Danke für den Artikel! Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Arbeitssuche.

    Meiner Erfahrung nach kommt es so gut wie nie zu einer Situation, wo wirklich das Geschlecht zugunsten der Frau den Ausschlag gibt. (Eine Ausnahme ist witzigerweise mein eigener Arbeitgeber, aber da bei uns trotzdem 80-90% Männer beschäftigt sind, mache ich mir da keine Sorgen.)

    Dagegen ist es oft die Standarderklärung von Männern, wenn eine Frau den Job bekommen hat, auf den sie sich beworben hatten. Auch wenn sie die Qualifikationen der Frau überhaupt nicht kennen.

  5. @Sonja

    „Meiner Erfahrung nach kommt es so gut wie nie zu einer Situation, wo wirklich das Geschlecht zugunsten der Frau den Ausschlag gibt.“

    Woher weißt du das? Gerade im öffentlichen Dienst (in der Privatwirtschaft gibt es so etwas ja fast nie) wird doch kein Buch darüber geführt bzw selbst wenn es geführt würde so wird es nicht veröffentlicht, wieviele „Quotenfrauen“ es nun genau gibt. Soweit ich weiß wird das doch alles in irgendwelchen Hinterzimmern ausgemauschelt und unter Verschluss gehalten.

    Oder kannst du mir eine Quelle nennen wo ich sehe in wieviel Prozent der Fälle so entschieden wurde?

  6. @Sandra:

    Sicher – allein schon die Vorstellung, mit so Typen, die Bier saufen und Blondinenwitze reissen, die Arbeitswelt zu teilen, verursacht mir Gleichberechtigungsschmerzen.

    Hab‘ ich dafür vierzig Jahre studiert?

  7. @Sandra: Deswegen sag ich ja „Meiner Erfahrung nach“. Ich kenne keine Statistiken darüber, aber es gibt ja genug Statistiken über – beispielsweise – Frauen in Führungspositionen, in Aufsichtsräten, in Vorständen… daher scheint mir die massive Bevorteilung von Frauen sehr unwahrscheinlich. Zahlen hätte ich aber auch sehr gern, da stimme ich dir zu – falls jemand welche hat, her damit!

  8. Wenn wir Gleichberechtigung wollen, dann auch da, wo es weh tut. Genau! Und dass heißt für mich, als Frau, auch einmal nicht genommen zu werden nur weil ich eine Frau bin und wenn der Mann bevorzugt wird, dann nicht gleich den Gedanken zu hegen, dass ich benachteiligt wurde, aufgrund meines Geschlechts. Natürlich brauchen wir mehr Frauen in den Führungsetagen usw. aber bitte nicht nur weil es Frauen sind!!! Bitte nicht!! Auch bei gleicher Qualifikation darf das Geschlecht nicht darüber entscheiden, wer den Job bekommt. Und ich denke, dass das der Weg ist, den wir einschlagen können, müssen und wollen

  9. Wie sagte doch kürzlich neu Frauenministerin Köhler: Unterhaltsvorschuss wird an Mutter gezahlt, wenn Vater nicht zahlen will – wohlgemerkt WILL. Dies ungeachtet der Tatsache, dass sobald Vater Geld erübrigen kann, er den Vorschuss begleichen muss. Deshalb heißt es ja auch Vorschuss. Nee, Frau Frauenministerin, diese Väter KÖNNEN nicht zahlen, denn den Job hat eine zwar kinderlose, aber eben eine FRAU bekommen, damit Unrecht beseitigt wird.

  10. Danke, Werner. Bitte mehr Männer (und Frauen) mit dieser Einstellung ! Und weiterhin viel Glück bei der Jobsuche !

  11. Hey,

    @Sandra und Sonja zu der Frage nach Zahlen: Die würden mich auch interessieren. Ich arbeite im Öffentlichen Dienst (Uni) und habe subjektiv gefilteretes Anekdotenwissen gesammelt ;)

    Das deutet darauf hin, dass die bevorzugungs-Regel kaum je Anwendung findet, aus genau den Gründen, die Werner anführt. Es gibt kaum je zwei gleich gut geeignete Bewerber. Eine Freundin von mir hat in der Uni als Frauenbeauftragte gearbeitet und dabei öftern Bewerbungsgesprächen beigesessen und sie hat nie von so einem Fall erzählt. Wenn ein Mann eingestellt wurde, dann konnten die Einstellenden immer plausible begründen, warum der geeigneter war als seine Mitbewerberinnen. Diskrimminierendes Verhalten hat sie nie entdeckt.

    Dann ist da natürlich die Frage, ob so eine Regelung überhaupt etwas nützt. Denn es werden auch an Universitäten (anderer ÖD weiß ich nicht) immer noch mehr Männer als Frauen eingestellt, je höher qualifizerte Positionen, desto mehr.

    Zum Thema Hinterzimmer: Mein Anekdotenwissen bestätigt, ja, es wird viel im Hinterzimmer beschlossen. Und ich habe den Verdacht, dass diese Praxis Frauen schadet, weil sie weniger gut vernetzt sind oder sie seltener als brilliante Wissenschaftlerinnen auffallen als Männer.

    Ich kenne eine Person, die sich selbst eine Frauenquote von 50% für die beiden Stellen, die sie zu vergeben hate, gesetzt hatte. Hätte sie das nicht getan, sagt sie, hätte sie die Stellen gar nicht ausgeschrieben, da sie viele gute Männer kennen würde aber keine Frau. Schwupps, hatte sie 2 Bewerberinnen, die sie gern genommen hätte. Ging aber nicht, denn eine der beiden Stelle war schon an einen talentierten jungen Mann vergeben….

    Fazit: Das spricht (1) für mehr Tranzparenz und Offenheit (wo kaum jemand was enrsthaftes gegen haben sollte und (2) für eine Quote (wo es ernsthafte Gründe gegen gibt, da muss man abwägen.

  12. @Anna: „…Frauen schadet, weil sie weniger gut vernetzt sind..“

    Das ist etwas was ich mich oft Frage. Warum sind Frauen bei gleicher Qualifikation und gleichem Berufwerdegang oft weniger gut vernetzt als Männer?

    Ich persönlich habe meine Doktorandenstelle über eine Bekannte in Erfahrung gebracht, die ich bei einer Frauen-Network-Veranstaltung kennen gelernt habe. Ich habe also schon persönlich gemerkt wie wichtig das richtige Netzwerk ist.

    @Werner
    „.er Überzeugung dass mit Hans oder Franz abends eher mal ein Bier getrunken werden kann als mit Monika oder Ruth…“
    In meinen Arbeitsbereich sind ohnehin schon wenig Frauen, aber mir fällt es auf, dass bei Konferenzen und Workshops etc. eher weniger Frauen danach noch mit auf ein Bier gehen wollen. Dabei kommt man ja bei solchen Gelegenheiten erst richtig mit den Leuten ins Gespräch. Wobei ich auch sagen muss, dass ich als Frau auch viel stärker darauf aufgepasst habe, dass ich nicht zuviel trinke..

  13. Frage 1 von Steve:
    Frauen sind (im Schnitt) schlechter vernetzt, weil es mehr
    gut positionierte Männer als gut positionierte Frauen gibt,
    und weil Frauen eher Frauen gut kennen als Männer. Und
    umgekehrt natürlich. Dass das im Einzelfall anders sein
    kann, und dass natürlich kein Argument ist, sich nicht um
    Vernetzung zu bemühen, ist logisch.

    Frage 2 von Steve:
    In den angesehenen Jobs, von denen wir vermutlich reden,
    sind zum großen Teil Männer. Wenn ich als einzige Frau
    abends mitgehe, dann bin ich mit hoher Wahrscheinlichkeit
    ein Fremdkörper, verderbe also 1. mir und 2. den anderen
    allein durch meine Anwesenheit den Abend. Ich rede hier
    wieder von Durchschnitten, nicht von Einzelfällen! Und im
    Schnitt wird das dazu führen, dass sich Frauen häufiger dafür
    entscheiden, abends nicht noch mal mitzukommen. Oder wenn
    sie sich dafür entscheiden, dass das nicht in Vernetzung resultiert.
    In Jobs, in denen hauptsächlich Frauen sind, funktioniert das
    ganz sicher auch umgekehrt, allerdings sind das i.a. nicht die
    prestigeträchtigen Jobs.

  14. @Katharina: Danke für deine Antwort.
    Bei der letzten Konferenz habe ich dann auch eine Kollegin solange genervt, bis sie in die Bar mitgekommen ist, da ich
    nicht die einzige Frau in der Männergruppe sein wollte. Wie du so schon geschrieben hast, man hat zuerst das Gefühl ein Fremdkörper zu sein.
    Allerdings hatte ich nie das Gefühl jemanden den Abend durch meine Anwesenheit zu verderben. Aber das ist wieder nur mein
    persönliches Empfinden :)

  15. Steve: Ich bin da auch unempfindlich. Bzw. würde ich mich
    eher in einer Frauen- als einer Männergruppe als
    Fremdkörper fühlen, so sehr habe ich schon die Seiten
    gewechselt ;o)
    Aber trotzdem, wie du sagst, wenn man wirklich die einzige
    Frau ist, und dann ev. nicht mal alle gut kennt, ist das
    wirklich eine ziemliche Barriere.

  16. Noch ein Aspekt: meinem Eindruck nach zweifeln mehr Frauen häufig an sich und ihrer Kompetenz. Wer sich nicht sicher ist, eine vielversprechende Nachwuchswissenscahftlerin (oder Führungskraft etc) zu sein, der netzwerkt weniger effizient. Ist nach der Konferenz vielleicht zu K.O. fürs Bier. Oder findet das längst nicht so entspannend wie die selbstsicheren Leute… tja.

  17. Ich war als Student schon in Berufungskomissionen und hatte den Eindruck, dass die Phrase „Frauen bei gleicher Qualifikation bevorzugt“ ihnen fast schon zum Nachteil werden kann. In der Diskussion gab es immer einige (ja vor allem Männer, aber in Einzelfällen auch Frauen), die geradezu panische Angst hatten, Frauen nicht überzubewerten. Es kann sein, dass ich mich irre, aber mein Eindruck war, dass dies teils zu einer kritischeren Prüfung der weiblichen KandidatInnen geführt hat.

    Inwiefern diese „Regel“ sich also tatsächlich positiv auswirkt (die Bloggerin hat ja auch schon richtig bemerkt, dass eine WIRKLICH gleiche Quali im engeren Sinne nie existiert), hängt also auch sehr stark von den EntscheidungsträgerInnen ab. Wir haben von Studiseite immer sehr darauf gepocht. Insofern war es andererseits sicher nicht schlecht, dass es die Formel gibt, denn es war etwas, worauf sich die feministisch positiv Gesinnten berufen konnten.

Kommentare sind geschlossen.

Betrieben von WordPress | Theme: Baskerville 2 von Anders Noren.

Nach oben ↑