Zum Tod von „Transgender Warrior“ Leslie Feinberg

von Nadine
Dieser Text ist Teil 43 von 50 der Serie Wer war eigentlich …
Cover von Stone Butch Blues

Quelle: en.wikipedia.org

Nach jahrelangem Kampf gegen verschiedene Krankheiten ist Aktivist_in und Autor_in Leslie Feinberg am Samstag im Alter von 65 Jahren verstorben. Aktivist_in, Partner_in in crime und Wegbegleiterin Minnie Bruce Pratt hat auf Advocate.com einen liebevollen und faktenreichen Nachruf auf Feinbergs Leben und Wirken verfasst.

Leslie Feinberg zählt neben Sylvia Rivera und Marsha P. Johnson zu einer der tragenden Figuren der us-amerikanischen Trans Liberation und LGBT-Bewegung. Ihr_sein Leben hatte und hat enormen Einfluss auf politische Bewegungen, Theoriebildung, literarisches Schreiben von und über Lesben und Trans* und Aktivist_innen weit über die USA hinaus. Pratt zitiert Feinberg im Nachruf:

In a statement at the end of her life, she said she had “never been in search of a common umbrella identity, or even an umbrella term, that brings together people of oppressed sexes, gender expressions, and sexualities” and added that she believed in the right of self-determination of oppressed individuals, communities, groups, and nations.

Am Ende ihres Lebens sagte sie, sie sei niemals auf der Suche nach einem weit verbreiteten Sammelbegriff für Identitäten gewesen, geschweige denn einem Begriff, der Menschen unterdrückten Genders, Gender Ausdrucksformen oder Sexualitäten zusammenbringt und fügte hinzu, dass sie an das Recht auf Selbstbestimmung von Individuen, Communitys, Gruppen und Nationen glaubt

In diesem Zitat von Feinberg spiegelt sich die Mehrdimensionalität ihrer_seiner politischen Perspektive wieder: Trans*diskriminierung und Hetero_Sexismus kann nicht von Rassismus und Klassenunterdrückung/Klassismus getrennt werden. So sprach sich Feinberg beständig in Reden und Texten gegen Kriege, Militarisierung, Gefängnisse, rassistische Gewalt durch Staat und staatliche Behörden, Diskriminierung im Gesundheitssystem, Ausbeutung von Arbeiter_innen (of Color) und Kapitalismus aus, organisierte mehrere Demonstrationen und Märsche mit, unterstützte aktivistische Gruppen. Zuletzt setzte sich Leslie Feinberg für die Freilassung von CeCe McDonald ein.

Zu Feinbergs bekanntesten Veröffentlichungen zählen die Romane Stone Butch Blues (1984) und Drag King Dreams (2006) sowie die Sachbücher Transgender Liberation: A Movement Whose Time Has Come (1992), Transgender Warriors: Making History (1996) und Trans Liberation: Beyond Pink or Blue (1999).

In der Woche des Trans*(gender) Day of Remembrance hinterlässt Leslie Feinberg viele trauernde Menschen weltweit, deren Leben durch ihr_sein Schaffen und Schreiben inspiriert und geprägt wurde.

weitere Informationen

Die Webseite von Leslie Feinberg wird gerade überarbeitet. Auf dieser wird demnächst Stone Butch Blues anlässlich des 20. Geburtstags des Romans frei zugänglich sein. Komplettiert wird die Veröffentlichung mit einer Slideshow zur Kampagne für die Freilassung von Cece McDonald. Auf Feinbergs anderer Webseite transgenderwarrior.org findet ihr ein ganzes Archiv über Leslies Schaffen, unter anderem eine deutschsprachige Übersetzung von Transgender Liberation von 1992.

Lavender & Red: Feinbergs Artikel im Workers World Magazine zu den Verknüpfungen von sozialistischen und LGBT-Bewegungen

Vortrag von Leslie Feinberg zu Trans(gender) Bewegungen

Sunny Drake hat anlässlich des Todes von Feinberg einen Text geschrieben, der sich um (Zugehörigkeit) von älteren Menschen in politischen Bewegungen dreht (auf englisch).

Termine:

19.11., Berlin: Queer Edge Tresen der trans*genialen f_antifa zum Trans*(gender) Day of Remembrance mit einem Film von Susan Stryker zum Widerstand von Trans* gegen Polizeigewalt vor dem Stonewall Riot.

20.11., Berlin: Veranstaltung von GLADT e.V. und LesMigraS zum TDoR im Südblock mit Performances von Lia La Novia, Julz und Jayrôme C. Robinet.

Beide Veranstaltungen sind kostenfrei und mit einem Rollstuhl zugänglich. Die Veranstaltung im Südblock findet in deutscher und englischer Lautsprache statt. Die Performances werden schriftlich auf eine Wand projiziert. Der Queer Edge Tresen am Mittwoch ist zusätzlich rauch- und drogenfrei.




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 18. November 2014 um 16:16 Uhr unter Aktivismus, Inspiration. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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2 Kommentare

  1. Magda sagt:

    Danke für diesen Nachruf und die vielen Linktipps!

  2. Andrea Krug sagt:

    Danke für den schönen und informativen Nachruf! Kleine Ergänzung: Der Roman „Stone Butch Blues“ ist auf Deutsch erschienen beim Verlag Krug & Schadenberg. Und Leslies zweiter Roman, „Drag King Dreams“ beim Querverlag. Für alle, die lieber deutsch lesen möchten …