Women and peace and security
von BarbaraVor gut vier Wochen wurde die UN-Resolution 1820 verabschiedet: “Women and peace and security“. Durch die Resolution werden Vergewaltigungen in Kriegszonen als große weltweite Gefahr erkannt. Die Vereinten Nationen sprechen sich dafür aus, Zivilistinnen zu schützen,
to eliminate all forms of violence against women and girls, including by ending impunity and by ensuring the protection of civilians, in particular women and girls, during and after armed conflicts, in accordance with the obligations States have undertaken under international humanitarian law and international human rights law.
Frauen sind mehr als Opfer, ihnen Gewalt anzutun, gilt als Kriegsstrategie, als
a tactic of war to humiliate, dominate, instil fear in, disperse and/or forcibly relocate civilian members of a community or ethnic group.
In der Zeit schrieb Andrea Böhm zur neuen Resolution:
Zum ersten Mal in der Geschichte der Vereinten Nationen hat deren mächtigstes Gremium anerkannt, dass sexuelle Gewalt das Ausmaß einer globalen Krise angenommen hat. Es hat anerkannt, dass Vergewaltigungen immer wieder als Kriegsstrategie eingesetzt werden und als Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder Teil eines Völkermords zu ahnden sind.
UN-Truppen sollen künftig eingesetzt werden, um Frauen in Krisengebieten vor Vergewaltigungen zu schützen. Unter den Un-Truppen sollen auch Soldatinnen sein. Und alle Soldaten müssen verstehen, dass die Vergewaltigung von Zivilistinnen eine Straftat ist. All das ist ein Anfang.
US-Außenministerin Condoleezza Rice, die diese legendäre UN-Versammlung leitete, beklagte neben den Gewalttaten gegen Frauen etwa in Birma, in Darfur und im Kongo auch, dass Frauen keine hohen Positionen bei den United Nations bestritten. Bis heute hätten nur sechs Frauen einflussreiche Posten wie jenen einer stellvertretenden Generalsekretärin eingenommen.
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Eintrag geschrieben: Montag, 21. Juli 2008 um 22:09 Uhr unter Frauenfakten, Himmelschreiendes Unrecht. RSS 2.0. Kommentieren. Trackback.







Barbara, sorry, aber wenn Kriege genozidär geführt werden – z.B. bei ethnischen Konflikten – dann wird das wohl eher wenig Effekt haben. Aber, ja, schön, daß das jetzt auch dabei steht.
Was die UN-Soldaten betrifft, die ja auch schon mal in Verschiebeaktionen und Prostitution verwickelt waren, das ist vielleicht eher ein Problem, dem man sich wirklich administrativ annehmen kann. Aber wie soll man das Grundproblem lösen? Krieg, Adreanlin, Testosteron, Männer auf einem Haufen, die nicht selten eine Lebensgefährliche Aufgabe haben – was soll man da anderes erwarten als ein sexuell aufgeladenes Umfeld?
Und wenn man ein Lager mit 1000 UN-Soldaten aufschlägt, bildet sich schnell eine lokale Infrastruktur in der die sexuelle Versorgung der Soldaten zu einer interessanten Einnahmequelle wird. Je nach Einsatzort erfolgt die Prostitution dann freiwillig(er) oder weniger freiwillig.
Die Bundeswehr redet über das Thema gar nicht, seit es mitte der 1990er im Zusammenhang mit den ersten Einsätzen mal ein paar Artikel gab. Aber das Problem wird so nicht geringer.
Condoleezza Rice beklagt Gewalt. Die Bigotterie kennt keine Grenzen..
Krieg, Adrenalin!, Testosteron, Männer auf einem Haufen, die nicht selten eine Lebensgefährliche Aufgabe haben – was soll man da anderes erwarten als ein sexuell aufgeladenes Umfeld?
Ja genau, wenn Männer auf einem Haufen sind dann sind Vergewaltigungen quasi vorprogrammiert, die können ja gar nicht anders, muss frau wohl so hinnehmen!!!!
Oh je! sehr komisches Bild, da wie Babara schon erwähnt hat, diese Vergewaltigungen nicht rein sexuell motiviert sind, sondern Teil einer Unterdrückungsstrategie.
Vergewaltigungen unter bestimmten Umständen zu legitimieren ist wirklich das Letzte!
Und außerdem hat dein unqualifiziertes Comment nichts damit zu tun, dass man anfangen muss Frauen gezielt zu schützen, besser zu spät als nie!!!
Also erst denken, dann…
Louise, besser mal genau lesen vor dem Rumbrüllen….Mir ging es nicht um die Kriegsparteien in einem ethnischen Konflikt, denn die lassen sich von UN-Papier nicht beeindrucken, sorry (wie ich ja auch oben schon geschrieben habe). Wer soll denn Frauen gezielt schützen in einem Genozid oder genozidären Krieg? Genau. Zumeist andere Männer. Und damit sind wir dann wieder bei den UN-Soldaten und den Problemen, die durch solche Einsätze entstehen.
“Krieg, Adrenalin!, Testosteron, Männer auf einem Haufen, die nicht selten eine Lebensgefährliche Aufgabe haben – was soll man da anderes erwarten als ein sexuell aufgeladenes Umfeld?”
Wer würde denn Vergewaltigung rechtfertigen wollen (und wo zum Geier steht das denn da???), denn das geht ja nicht. Aber wir sollten zumindest versuchen, ein problematisches Umfeld zu verstehen, daß wir wohl beide glücklicherweise nie persönlich erleben können. Und zu diesem Umfeld gehört auch Adrenalin, Testosteron und Männer auf einem Haufen, die da sind, um die Drecksarbeit für unsere Außenpolitik zu machen. Und wenn Du nicht der Meinung bist, daß das ein sexualisiertes Umfeld erzeugt, in der manche dabei durchdrehen, dann kann ich Dir auch nicht helfen. Eine Bekannte von mir war bei der ISAF in Kabul und sie war durchaus willens die Problematik einer solchen Situation zu verstehen…
Ja Nils, die Amerikaner nutzen ja auch so oft Vergewaltigung als Kriegswaffe. Wie kann sich Frau Rice nur beklagen…
Ist zwar schön, dass die UNO derlei anerkennt, wird aber nichts nutzen, denn jedes Land hat so seinen Bewacher in der UNO, in der Regel blockieren entweder Russland, China oder die EU die sanktionierung von faschistoiden Diktaturen.
ich finde es gut, dass dieses Thema wenigstens als Problem erkannt wird. In den “Neuen Kriegen” (nach Herfried Münkler) wird Vergwaltigung halt wirklich systematisch eingesetzt um den Gegner damit noch mehr zu schwächen (weil man die Frauen damit ächtet) und dass dies einfach mal erkannt wird, ist doch ein erster Schritt. Der Zweite wäre dann, in den entsprechenden Krisengebieten zum aktiven Schutz der Frauen zu gelangen. Ich würde die UN-Soldaten, die in irgendwelche sexuellen Geschichten verwickelt sind als ein völlig von dem oben beschriebenen Problem unabhängiges sehen; ihnen ist zunächst zu vertrauen; nicht jeder Mann in einer Armee ist ein potentieller Vergewaltiger!
Und natürlich kann so eine Resolution Dinge beeinflussen. Das Argument mit den Frauen in Burkas ist bis heute eines der meistgenannten zur Rechtfertigung des Afghanistan-Krieges; wenn Vergewaltigungen von Frauen derart problematisiert und fokussiert werden, könnten sie in so manchem Fall zu einem Einsatz in einem Krisengebiet führen, den es sonst nicht gegeben hätte. Das bleibt natürlich abzuwarten, aber für völlig nutzlos sollte mensch die ganze Sache nicht gleich erklären.
Eine neue Dimension, die sich hier öffnet, ist ja, dass Armeen vielleicht auch durch diese neue Fokussierung auf Frauen in den “Neuen Kriegen” für Frauen interessanter werden und eine andere Bedeutung bekommen. Vielleicht. Große Spekulation, aber ich könnt’s mir vorstellen. Als ich das erste Mal von dieser Art der Kriegsführung hörte, da war mein erster Gedanke zumindest: Verdammt, eigentlich müsste man zu den Blauhelmen gehen.
Aber Kriegsvergewaltigungen hat es doch einfach schon immer gegeben, und mal ehrlich: wie soll man denn jemandem, den man monate- oder jahrelang aufs Töten gedrillt hat noch beibringen, was gute, faire saubere Gewalt sein soll und was dann nicht mehr erlaubt ist.
Und “Neue Kriege” unterscheiden sich von den alten doch vor allem darin, daß das Töten (zumindest in den high tech Armeen der westlichen Industrienationen) eher per Knopfdruck von weitem passiert als von Angesicht zu Angesicht.
Wahrscheinlich lässt das dann auch direkte Gewalt von Menschen an Menschen so drastisch erscheinen. Sieht halt fieser aus als eine Lenkrakete auf dem Monitor.
Natürlich sind Kriegsvergewaltigungen furchtbar, aber meiner Meinung kannes dafür nur eine Lösung geben: Kein Krieg.
jj: “und Männer auf einem Haufen, die da sind, um die Drecksarbeit für unsere Außenpolitik zu machen.”
In Deutschland ist es jeder Frau und jedem Mann freigestellt, ob sie oder er diese “Drecksarbeit” machen will. Das Argument, dass es immer nur die Männer sind, die im Krieg den Kopf hinhalten müssen, zieht also nicht.
@Michiko: Ich hab die Zahlen gerade nicht im Kopf, aber Dschingis Khan hat angeblich mehrer tausend Nachkommen gezeugt, ich denke auch, dass das durchaus eine Kriegsstrategie war und die Frauen nicht unbedingt freiwillig mitgemacht haben
Gelesen habe ich das in einem interessanten Artikel von Roy Baumeister, der allerdings extrem biologistisch argumentiert und an manchen Stellen allzu polemisch ist:
http://www.psy.fsu.edu/~baumeistertice/goodaboutmen.htm
Also mehrere Tausend ist ja wohl übertrieben.
Ich sagte ja, dass ich die Zahlen nicht mehr im Kopf hatte, in der Tat waren es wohl nicht mehrere Tausend sondern “nur” mehr als Tausend, aber macht das jetzt so einen großen Unterschied?
Ja, glaubt Du auch an den Osterhasen?
Miriam, aus der Wikipedia -
naja, so ganz freigestellt ist das nur Frauen -
Art. 12a GG (vor 2001: Sie (Frauen) dürfen auf keinen Fall Dienst mit der Waffe leisten, nach 2001: Sie (Frauen) dürfen auf keinen Fall zum Dienst mit der Waffe verpflichtet werden).
Und was die KSK betrifft -
“Weibliche Soldaten sind in den Kommandokompanien bisher nicht vertreten. Eine Quotenregelung wie bei einigen Sondereinheiten der Polizei gibt es in diesem Bereich ebenfalls nicht. Es steht weiblichen Soldaten jedoch jederzeit frei, sich zu einem Eignungsfeststellungsverfahren zu melden. In den Unterstützungsbereichen der Kommandokompanien, wie den Fernmelde-, Stabs- und Versorgungskomponenten, sowie bei den Rechnungsführern des KSK werden auch Frauen verwendet.”
http://de.wikipedia.org/wiki/Frauen_im_Milit%C3%A4r
Zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr werden auch die Männer nicht gezwungen und genau darum ging es, dass “Männer die Drecksarbeit für unsere Außenpolitik machen müssen”
access denied: Kannst ja mal nach dem “Genghis Khan effect” googeln…
Miriam,
jo. [Sarkasmus]Ich finde auch, das sollten sie lassen. Mehr Frauen an die Front am Hindukusch. Vielleicht haben Frauen und Männer dann auch bald die gleiche Lebenserwartung…[/Sarkasmus]
Katrin,
“Das Argument mit den Frauen in Burkas ist bis heute eines der meistgenannten zur Rechtfertigung des Afghanistan-Krieges;”
eigentlich ist es eher andersherum – die USA haben Mitte der 1990er die Taliban in Afghanistan begrüßt, weil sie als dominante ethnische Minderheit (Duranni Paschtunen) zum ersten Mal eine wirkliche Gegenmacht gegen die rivalisierenden Warlords gebildet haben. Frauenrechte spielten dabei nicht so wirklich eine Rolle, die Taliban haben den Opiumanbau reduziert und zunächst wohl auch nicht unbedingt den Wahabiten eine Heimstätte geboten. Zumindest nicht so, wie es wurde, als die USA infolge der Levinsky-Affäre die Frauenrechte in Afghanistan auf die Tagesordnung gesetzt haben und der innerafghanische Konflikt wieder stärker ethnisch wurde (Bamian und so). Ist halt die Frage inwieweit externe Intervention zur kulturellen Veränderung hilfreich, sinnvoll, notwendig oder schädlich ist? Im Westen Afghanistans sieht das anders aus als im Süden und Norden. Ethnische Traditionen sind auch hier letztlich wichtiger als Religion. Im von Iran und ethnisch persisch geprägten Westen, tadschikisch/usbekisch geprägten Norden ist das alles etwas anders als im paschtunisch geprägten Süden (und auch intra-paschtunisch gibt es jede Menge traditionelle Untschiede und gewaltsame Auseinandersetzungen). Das ist alles nicht so einfach in der Realität wie auf dem Reißbrett. Ich kenne mich theoretisch ein wenig aus, aber ich würde mir nicht anmaßen ein Urteil über die Realität vor Ort abgeben zu wollen. Letzte Woche lief im Auslandsjournal Extra auf 3Sat ein interessanter Bericht eines französischen Kamerateams, das mit einer französischen Einheit unterwegs war. Vielleicht ist das ja noch irgendwo in der ZDF Mediathek zu finden.
Ich finde es eigentlich schon etwas daneben das als “große weltweite Gefahr” oder “Ausmaß einer globalen Krise” zu bezeichnen und
“Aber es steht jeder Regierung frei, den Kampf gegen sexuelle Kriegsgewalt als sicherheitspolitische Priorität aufzunehmen, Experten mit Studien und Handlungskonzepten zu beauftragen, Fachleute ins diplomatische Korps zu holen, hochrangige internationale Konferenzen einzuberufen.”
zu fordern. Mir dreht sich auch ein bischen der Magen um wenn ich “Frauen sind mehr als Opfer” lese. Es ist richtig, dass Vergewaltigung als Kriegsverbrechen von den UN anerkannt wurde, aber irgendwo hab ich schon damit ein Problem hier zwischen Opfern der Kriege und “mehr als Opfer” zu unterscheiden. Schließlich sollte doch eigentlich jedes Opfer das gleiche Recht auf Schutz/Verteidigung haben.
Witzlos wäre es wenn vermehrt Frauen deswegen zum Militär gehen würden, nur um Frauen zu schützen/verteidigen oder das Militär sich gleich nur auf den Schutz der Frauen fokussieren würden. Außerdem halte ich es für ein Märchen es würde mit mehr Frauen in den Armeen weniger Kriegsverbrechen geben.
Hallo, Goofos? Kannst du lesen? Mit “Frauen sind mehr als Opfer” wird hier gemeint, dass ihre Vergewaltigung strategisch eingesetzt wird, dass sie planmäßig vergewaltigt werden, und sie nicht zufällige zivile Opfer sind. Aber war ja klar, dass selbst bei diesem Thema ein Kommentar von dir kommen musste, der den Wunsch nach und den Kampf für Gerechtigkeit von FeministInnen als übertrieben darstellt. War wirklich nicht anders zu erwarten. Entschuldigung, aber langsam hab ich die Schnauze voll von dir.
goofos und Michiko: ich kann nur Herfried Münkler “Die Neuen Kriege” als Literatur zu diesem Thema empfehlen, da wird dann deutlich, warum diese Vergewaltigungen sehr wohl ein anderes Ausmaß und eine andere Bedeutung haben, als bei früheren Kriegen. Früher war das eher so eine Art “Kollateralschaden” des Krieges (bitte nicht erschlagen für diese Ausdrucksweise, aber ich weiß nicht, wie ich es anders beschreiben soll); heute ist es Strategie, bzw. selbst eine Waffe. Lesen! Lohnt sich! Dann versteht ihr vielleicht auch ein bisschen besser, warum es diese Resolution gibt. Geben MUSS
@jj:
Dass die Befreiung der Frauen ein häufig genanntes Argument für den Krieg gegen die Taliban war, widerspricht doch nicht der Tatsache, dass die Taliban vorher von den Amerikanern unterstützt wurden. Dass es den meisten Frauen in Afghanistan und dem Irak heute noch beschissener geht als vor 10 Jahren spricht ja auch dafür wie wichtig George W. und Konsorten die Situation der Frauen ist. Dann hat er noch so was von Massenvernichtungswaffen gemurmelt, die nie gefunden wurden… Glaubst du echt, dass wir glauben, dass der Afganistankrieg begonnen wurde, um die Frauen zu retten?
Ich glaube eher, dass es Katrin darum geht, dass es als Argument endlich “zieht”, die Situation Frauen anzuprangern. Dass es von “steht irgendwo auf der Liste” nach ganz weit oben gerutscht ist. Dass es bis zur praktischen Umsetzung noch ein weiter Weg ist, steht ausser Frage, aber es ist ein Anfang.
Na, access denied, wenn die Bush-Camarilla Vergewaltigung nicht als Kriegswaffe benutzen dann ist ja alles in bester Ordnung.
also wenn ich es richtig verstanden hab geht es um vergewaltigung als psychological warfare und weniger darum, dass in kriegzeiten “manche dabei durchdrehen”.
(dass mit dem “durchdrehen” -allzu charmanter euphemismus übrigens – scheint nebenbei nicht nur ein testosteron problem, siehe lynndie e.)
In den “Neuen Kriegen” (nach Herfried Münkler) wird Vergwaltigung halt wirklich systematisch eingesetzt um den Gegner damit noch mehr zu schwächen (weil man die Frauen damit ächtet)
Bin ich die Einzige, die sich jedesmal darueber aufregt, wie selbstverstaendlich akzeptiert wird, dass vergewaltigte Frauen anschliessend aus ihrer jeweiligen Gemeinschaft ausgeschlossen werden?
Schon klar, das ist oft die Realitaet, aber wenn man die Funktionsweise dieser Kriegsstrategie schon mal erkannt hat, warum kommt dann keiner darauf, zu erklaeren, dass man sich dafuer einsetzen will, dass Vergewaltigungsopfer wie andere Gewaltopfer behandelt – und angesehen – werden. Also als jemand, der Hilfe und aerztliche Zuwendung braucht und nicht als irgendwie stigmatisiert und unrein.
Wenn man gegen die Tendenz vergewaltigte Frauen noch obendrein zu diskriminieren vorgehen wuerde, waere die Strategie der gezielten Vergwaltigung naemlich nicht mehr annaehernd so wirksam.
Ich verstehe schon was damit gemeint ist, löst für mich aber nicht den Konflikt zwischen Opfer und Opfer zu unterscheiden. Ich sehe das als Kriegsverbrechen, werde das aber nicht höher werten wie andere Kriegsverbrechen. Deswegen würde ich es auch als Falsch betrachten wenn es erst zu einem Einsatz kommen würde (oder nur deswegen) wenn in einer Kriegszone vergewaltigt wird. Ich blende dabei die Möglichkeit aus, dass es Kriege nur mit dieser einen Strategie geben könnte und gehe eher davon aus das ist dann sicherlich nicht das einzige Verbrechen. Natürlich wäre es immernoch besser wenn es überhaupt zu einem Einsatz käme, ändert aber eben immernoch nicht meine Meinung, dass ich dabei zwischen Opfer und Opfer nicht unterscheiden möchte.
Etwas seltsam finde ich, dass gerade dazu die Frauen bei den Blauhelmen eingesetzt werden sollen um “Zivilistinnen” zu beschützen oder wenn Frauen nur deswegen zu den Blauhelmen gehen würden. Als ein Soldat würde ich unter Umständen anfangen mein simples Freund/Feind-Schema, und wieso ich mich rekrutieren hätte lassen, zu überdenken. Sicherlich nicht nur sondern auch wegen “1820 – schreibts euch hinter die Ohren!”.
Die Symbolik dahinter bleibt trotzdem schwammig. Frauen zu den Blauhelmen um Zivilistinnen zu schützen oder weil dann die gewalttätigen Männer nicht mehr allein unter sich wären? So ganz ergibt sich das mir noch nicht und bei der zweiten Möglichkeit hab ich ja schon angedeutet, dass ich das für ein Märchen halten würde wenn es dadurch besser wäre.
@Lini, das ist schade, dabei hab ich echt noch so oft Rücksicht auf dich genommen. Man weiß ja schließlich nicht wer der andere im Internet ist.
Nils, wenn Du es einfach nicht raffst, kann ich Dir auch nicht helfen. Rice Statement gegen Vergewaltigung ist glaubwürdig, da die US-Armee eben nicht plündernd, mordend und vergewaltigend durch die Gegend zieht. Im Gegensatz zu z.B. den Sudanesen, den Kosovoalbanern oder den Taliban. Und es sind vorrangig deutsche Soldaten, die bei Zwangsprostituierten angetroffen werden, keine amerikanischen. Ob Du es nun willst oder nicht, die US-Armee gehört neben der israelischen zu den zivilisiertesten Armeen der Welt, auch wenn so ne Scheisse wie Abu Ghraib oder Guantanamo nicht für sie spricht.
access denied, ich finde du hast einen merkwürdigen Begriff von “zivilisiert”.
Hunderttausende zumeist Zwangsrekrutierte mit Clusterbomben zu zerfetzen, aufgrund einer lanzierten Lüge von Massenvernichtungswaffen, und sich dann hinstellen und Gewalt beklagen – egal welche Form sie hat – ist und bleibt für mich unterste Bigotterie.
Es gibt keinen zivilisierten Krieg, wenn du über deinen feministischen Tellerrand nicht hinausblicken kannst dann kann ich dir auch nicht helfen.
access und Nils: ihr geratet ein wenig off topic, finde ich. Das ist doch eine ellenlange Diskussion, die ihr da gerade anzettelt, wohin genau sie hier führen soll, weiß ich dabei nicht.
Neeva: du hast schon recht, das sollte mit zur Strategie gehören und entschuldige bitte, dass ich das nicht geschrieben habe, sollte in der Tat selbstverständlich sein.
Soweit ich mich noch an meinen Geschichtsunterricht erinnere, wurden in allen “nicht zivilisierten” Kulturen, die Frauen, entweder als Kriegsbeute geraubt/getötet und vorher geschändet. Den Männern wurde meist “das Fell vom Leibe gezogen, etc.!”
Dass dieses, immer noch “steinzeitliche Verhalten”, heute von einer Miss Condoleezza Rice, US-Außenministerin (ohne Kinder und Familie!), so “beachtet” wird, betrachte ich als Strategie, ihres EGO.
Diese Thematik ist äußerst notwendig, zeigt uns – nicht nur den Frauen auf der ganzen Welt, in welchem “humanistischen” Zustand die meisten Menschen sind. In Kriegszeiten haben sie noch die “Erlaubnis” zu jeglicher Unmenschlichkeit und wie wir ALLE aus den, uns sicher all bekannten Fotos ersehen konnten, nicht nur die Männer! “Die Steinzeit ist noch nicht zu Ende!”
Beim Lesen der jeweiligen “Anmerkungen” in diesem Forum, beschleicht mich immer das subjektive Empfinden, dass der Krieg – nicht nur gegen die Männer in verbal/zumeist intellektueller Form gekonnt fortgesetzt wird.
Der Anfang zu einer Änderung, ist meiner Ansicht nach: Zuerst die eigene Situation, nicht nur “im Kopf” zu begreifen und den tagtäglichen, jeweiligen Frust hier anonym oder meinem persönlichen Umfeld, verbal oder variabel auszuagieren, sondern darüber nachzudenken, dass wir ALLE von der jeweiligen Gesellschaftsform/Religion, etc.(Generationsübergreifend) geprägt sind, Gehirn gewaschen sind. Mit den gegenseitigen Anschuldigungen und Rechthabereien kommen wir zu gar nichts, und ich wiederhole mich: Dies ist auch so gewollt!
Bei uns ALLEN ist die Steinzeit noch nicht zu Ende, denn unser Reptilienhirn ist wesentlich aktiver, als…
Zum nochmaligen Lesen:
“Systematische Vergewaltigungen sind so effektiv, weil sie nicht nur töten und verletzen, sondern darüber hinaus eine Familie, ein Dorf eine ethnische Gruppe zerstören können.
Im Kongo war und ist es gängige Praxis von Rebellen, Frauen vor den Augen ihrer Männer zu vergewaltigen und zu verstümmeln. In Darfur ist es gängige Praxis der Dschandschawid-Milizen, vergewaltigte Frauen nackt mit einem Brandmal in ihre Dörfer zurückzuschicken. Der Körper des Opfers als Nachricht, als Aufforderung an die ganze Gruppe, zu fliehen. Für diese Form der Vertreibung müssen die Täter nicht mal Gewehrkugeln verschwenden. Und sie wissen, dass die meisten Opfer und ihre Familien aus Scham schweigen.
Deswegen ist Vergewaltigung eine so wirkungsvolle Waffe: Es ist das einzige Verbrechen, bei dem das Stigma der Tat am Opfer haften bleibt, nicht am Täter. Dieses Stigma gilt, wenn auch unterschiedlich stark, überall auf der Welt. Aber wo immer die Ehre der Männer von der »Reinheit« der Frauen abhängig gemacht wird, funktioniert diese Kriegsstrategie besonders gut.
Dies ist kein afrikanisches Problem. Birma, Bosnien, das Kosovo, Tschetschenien sind oder waren Tatorte sexueller Kriegsgewalt, deren Zerstörung auch in Friedenszeiten weiterwirkt. Es waren bosnische Frauen, die Mitte der neunziger Jahre das Unvorstellbare wagten: Sie machten ihre Vergewaltigung durch serbische Truppen öffentlich und forderten die Bestrafung der Täter. Ohne den Mut der Verzweiflung dieser Frauen gäbe es heute keine internationalen Prozesse wegen sexueller Kriegsgewalt, deren Opfer im Übrigen nicht ausschließlich Frauen, sondern auch Männer sind. Und vermutlich gäbe es keine Resolution 1820.
Jeder Soldat muss lernen: Vergewaltigung ist eine Straftat!”
Ich halte es ja für gut und sinnvoll, daß die UN-Resolution gegen Massenvergewaltigungen als Kriegsstrategie zustandegekommen ist, nur: Wer hat den erklärt, die UN sei irrelevant? Wer ist denn stärkster Oppenent gegen den internationalen Strafgerichtshof und hat erklärt, seine Staatsbürger gegebenenfalls mit Waffengewalt aus der Obhut des Gerichts zu befreien? (Im Rom-Statut von 2002, das die rechtliche Grundlage für den internationalen Strafgerichtshof bildet, ist übrigens Massenvergewaltigung explizit als völkerrechtlicher Straftatbestand benannt) Condoleezza Rice kann wohl als ein Spiritus Rector dieser Politik betrachtet werden, nun stellt sie sich hin und propagiert internationale Zusammenarbeit.
Der Begriff “Kriegsverbrechen” ist sicherlich notwendig, bringt aber die Gefahr mit sich, daß der Eindruck einer nichtverbrecherischen Kriegsführung entsteht. Im Krieg sind immer alle menschlichen Grenzen aufgehoben, es wird gegebenenfalls jedes Mittel als Waffe eingesetzt. Nach Aussage von Kurnaz gehört übrigens sexuelle Folter zum “Programm” von Guantánamo, und ich bin wenig geneigt zu glauben daß Lynndie England sich ihr Programm zur sexuellen Demütigung alleine ausgedacht hat. Aber das ist natürlich mal wieder kein feministisches Thema..
Systematische Massenvergewaltigungen sind auch ein Verbrechen für sich, und es ist gut daß sie international geächtet werden. Auch wenn der Grund zur Ächtung oft pure Heuchelei ist, wird die Hemmschwelle vielleicht doch ein wenig steigen – Sie wären ja ein gefundenenes Fressen für die gegnerische Propaganda. An der Grausamkeit von Kriegen wird das aber insgesamt wenig ändern.
Wenn ich im feministischen Sinn On-Topic bleibe, dann fange ich irgendwann an Leni Riefenstahl so zu diskutieren, wie Alice Schwarzer dies tut.
Barbara, warum ist es eigentlich erwähnenswert, dass Condoleezza Rince keine Kinder und Familie hat?
Das finde ich auch irrelevant. Eine hochintelligente und vielseitig talentierte Persönlichkeit. Schade, daß sie die falschen Ziele hat.
..zur Heuchelei der Mrs. Rice: Die Welt, die wohl über den Verdacht des Antiamerikanismus erhaben sein sollte.
Barbara hat den Sinn und Zweck der Resolution prima erklärt. Aber die Erwähnung, dass Ms. Rice keine Kinder hat (Familie wohl schon, sie meinte wohl eher “ledig”) ist überflüssig wie ein Kropf.
Erst einmal:
“Wer würde denn Vergewaltigung rechtfertigen wollen (und wo zum Geier steht das denn da???)”
Vergewaltigung wird jeden Tag von Männern aus aller Welt im Internet gerechtfertigt, schliesslich ist man da schön anonym und kann endlich mal gefahrlos der Welt kundtun, was man wirklich denkt….
Meistgenannte Rechtfertigung von Männern für Vergewaltigung: KRIEG !!!
Manche Männer betrachten Vergewaltigungen als angemessene Entschädigung für all das Ungemach, das ein Mann im Krieg ertragen muss. Mir wurde auch schon mehrfach angedroht, falls mein Land (Schweiz) je in einen Krieg geraten würde mit dem Land des Schreibenden, so würde auch ich “dran glauben müssen”. Was die Nationalität solcher Schreiberlinge angeht, so handelt es sich meistens um Russen, Deutsche und Amerikaner. (Aber gut, die Taliban haben wohl keinen Internet-Anschluss.)
Zweitens:
“Deswegen ist Vergewaltigung eine so wirkungsvolle Waffe: Es ist das einzige Verbrechen, bei dem das Stigma der Tat am Opfer haften bleibt, nicht am Täter. Dieses Stigma gilt, wenn auch unterschiedlich stark, überall auf der Welt.”
Wie wahr, und dies nicht nur in Kriegszeiten!
Ich habe im Internet viel Kontakt zu anderen Vergewaltigungsopfern, die meisten machen keine Anzeige, viele (auch ich) sprechen ausserhalb des Netzes niemals mit jemandem darüber, weil wir zu Recht befürchten, dass unser Umfeld – Familie / Gesellschaft / Staat – nicht auf unserer Seite ist.
Es reicht schon, die Zeitungsberichte über Gerichtsverfahren zu Sexualverbrechen zu verfolgen, um zu wissen, warum man besser die Klappe hält. Und wenn man dann in den Leserbriefen Volkes Stimme vernimmt, wird einem endgültig schlecht. Hier in der Schweiz wird selbst einem 5j. Mädchen die Schuld an der Vergewaltigung gegeben, weil es “allein auf den Spielplatz ging und ein zu kurzes Röckchen trug”.
…. und dann noch das…..:
“Ob Du es nun willst oder nicht, die US-Armee gehört neben der israelischen zu den zivilisiertesten Armeen der Welt”
Wenn das nicht so himmelstraurig wäre, dann wäre es zum totlachen!
Hier noch der Originalton eines, der es wissen muss, meines amerikanischen Brieffreundes, der bei den Marines war:
“They treat their own people like shit, and they treat other countries like total shit.”