„Wir haben alle etwas davon, wenn Frauen ihr Wissen teilen“

von Helga

Im März startete mit Girls Can Blog ein neues Blog, das Bloggerinnen vorstellt. Gründerin Annina Luzie Schmid im Interview über ihre Beweggründe, die Fragen an die Bloggerinnen und was uns in nächster Zeit noch erwartet.

Worum geht es bei Girls Can Blog?

Girls Can Blog ist ein Blog, der Mädchen und junge Frauen dazu animieren möchte, im Internet aktiv zu werden. Dazu werden auf der Seite bloggende Frauen jeden Alters vorstellt. Sie sollen Vorbilder sein und von ihren Erfahrungen in und mit dem Internet berichten. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie sich für Mode, Politik, Musik oder etwas ganz anderes interessieren. Girls Can Blog möchte zeigen, dass wir alle etwas davon haben, wenn Frauen ihr Wissen teilen. Und, dass es Spaß machen kann, seine Meinung zu sagen.

Wie bist Du dazu gekommen, das Projekt zu starten?

Es ist bekannt, dass männliche Blogger es mit ihren Beiträgen viel öfter in die etablierten Offline-Medien schaffen als weibliche. Ich habe mich gefragt, warum das so ist und wo all die weiblichen Meinungsführer eigentlich stecken. Gerade für Jugendliche – die ja bekanntermaßen viel Zeit im Internet verbringen – sind gute, starke Vorbilder wichtig für die Identitätsfindung. Mir fehlte ein Wegweiser nach dem Motto: Du suchst etwas Lesenswertes zu „Thema X? – Klicke hier!“ Ich verbringe oft viel Zeit damit, das Internet zu durchsuchen, und bemerke häufig erst im Nachhinein, dass ich etwas Spannendes verpasst habe – die Mädchenmannschaft zum Beispiel kenne ich erst seit Anfang des Jahres. Hätte es eine Seite wie Girls Can Blog früher gegeben, wäre das nicht passiert.

Wonach wählst Du die vorgestellten Bloggerinnen aus?

Nach dem Anspruch, den sie an ihren Blog stellen. Leserzahlen oder Blogalter sind weniger entscheidend. Mir ist wichtig, dass ein Blog Persönlichkeit hat und mit einer gewissen Regelmäßigkeit betrieben wird. Hilfreich ist ein klares, möglichst originelles Thema. Besonders bei Modeblogs ist es wichtig, dass sie sich von der Masse abheben – für Zwölftklässlerinnen, die einmal im Jahr zu Primark fahren und ansonsten über ihre Hausaufgaben bloggen, könnte es mit einem Interview bei Girls Can Blog also schwierig werden. Zwölftklässlerinnen hingegen, die im Chemieunterricht ihr eigenes Make-Up mischen und darüber schreiben, würde ich wahnsinnig gern vorstellen.

Ich kenne eine tolle Bloggerin, wie schlage ich dir vor? Hat sie die Chance, vorgestellt zu werden?

Klar, alle tollen Bloggerinnen haben Chancen, vorgestellt zu werden! Wer möchte, schickt Vorschläge am besten per Email an girlscanblog (at) googlemail (dot) com, ich freue mich über Post. Es kann dann allerdings eine Weile dauern bis das entsprechende Interview online geht: Erst muss ich die URLs durchsehen und mir ein Urteil über die Blogs bilden. Wenn dann die Interviewanfrage raus ist, dauert es erneut, bis Antwort da ist, ich sie übersetzt und fertig formatiert habe. Und wenn dann auch noch die letzte vorgestellte Bloggerin über ein ähnliches Thema schreibt, kann es nochmal einige Wochen dauern bis der neue Beitrag online geht. So möchte ich sichergehen, dass es den Lesern nicht langweilig wird.

Die Fragen drehen sich viel um Technik – warum?

Das hat mehrere Gründe: Zum einen wollte ich zeigen, dass man kein IT-Profi sein muss, um bloggen zu können. Zum anderen scheinen sich die meisten Bloggerinnen selbst beigebracht haben, was sie wissen müssen, um im Netz zurechtzukommen. Von diesem Wissen können nicht nur Web-Anfänger profitieren. Auch für mich ist es interessant zu sehen, wie die anderen das Bloggen angehen, welche Tipps und Tricks ich noch nicht kenne. Abgesehen von diesen zwei Punkten wollte ich allen, die immer noch glauben, dass Frauen und Technik nicht zusammen passen, ein paar Gegenargumente liefern.

In der Projektbeschreibung steht, dass Du das gerne ausbauen willst. Wie sieht es da aus, was ist geplant?

Es gibt erst Ideen, noch keine spruchreifen Pläne. Ich betreibe Girls Can Blog unentgeltlich in meiner Freizeit, so dass ich leider nicht ganz so viel Energie auf das Projekt verwenden kann, wie ich gerne würde. Langfristig wäre es natürlich schön, die Initiative offline zu bringen – dazu wäre zunächst mehr Presse- und Öffentlichkeitsarbeit nötig (an dieser Stelle vielen Dank für das Interview!). Über Hinweise auf Organisationen, die Projekte wie Girls Can Blog durch Fördergelder unterstützen, wäre ich sehr froh. Für die nahe Zukunft würde ich mir wünschen, dass auf Girls Can Blog mehr internationale Blogs vertreten sind – erste Bemühungen in diese Richtung laufen.




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 25. Mai 2010 um 10:03 Uhr unter Netz(kultur). RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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2 Kommentare

  1. blockhouse sagt:

    Zwölftklässlerinnen hingegen, die im Chemieunterricht ihr eigenes Make-Up mischen und darüber schreiben, würde ich wahnsinnig gern vorstellen.

    da würden sich die offline medien auch freuen. wendy und bravo girl.

  2. Bis zur Meinungsführerin ist es ein weiter Weg, oft durch entsetzliche Jahre der Einsamkeit hindurch. Als Junge lehrten mich Comichelden, dass Schurken sich zusammenrotten, Helden alleine kämpfen. Wo aber ist die Friederike Nietzsche, deren Wort kommende Meinungsführerinnen leitet? Ich bin gespannt.