Winzig. Pink. Grauenvoll.

von Susanne

Im Magazin der Süddeutschen Zeitung gab es gestern noch einen lesenswerten Text: über die pinke Glitzer-Hölle, in die Frauen von den Marketing“experten“ vieler Unternehmen geschickt werden. Mehr als den Teaser will ich an dieser Stelle gar nicht zitieren, der fasst nämlich kurz und knackig zusammen, worum es hier geht:

Wenn Designer die Aufgabe kriegen, Geräte für Frauen zu gestalten, machen sie sich ungefähr so viele Gedanken wie Barbie.

(Foto von Keith Combs geliehen.)




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Eintrag geschrieben: Samstag, 19. April 2008 um 13:47 Uhr unter Zeitgeschehen. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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19 Kommentare

  1. Viktoria sagt:

    O my godness… das ist ja wirklich schlimm. Der ist auf erwachsene Frauen konzipiert? Doch nicht wirklich, oder? Wäre ja schon schlimm, wenn der für Mädchen wäre, aber dass da erwachsene Frauen Interesse dran haben, glaub ich nur bedingt. Bzw. sind es dann diese Plüsch-rosa-Playboyhäschen. *grusel* Wobei, wenn ich mir mal anschaue, dass einige Mitschülerinnen auch Handys in pink und mit Strasssteinchen hatten… *würg*

  2. Mal eine Frage. Ein Designer, der die Aufgabe bekommt, etwas für die Zielgruppe „Frauen“ zu designen, also ein Produkt bei gleicher Funktionalität in der Anmutung Frauenspezifisch zu machen, was sollte der aus Eurer Sicht tun? Nehmen wir den Laptop da oben? Wie kann man so ein Produkt nur mit ästethischen Mitteln für Frauen interessant machen – ohne dabei auf pink (oder lila für Feministinnen ;)) als Geschmacksklischees (die ja wohl von der Marktforschung belegt werden können) zurück zu greifen? Der Artikel gibt ja leider überhaupt keine Antwort. Aber interessant ist die Frage ja schon.

  3. access denied sagt:

    Haha, den kauf ich mir.

  4. SoE sagt:

    @Tobias Schwarz:

    Wenn jemand ein Produkt nur für Frauen machen wollte, hätte er schon verloren, denn wie bei vielen anderen Dingen auch wären die Unterschiede zwischen Frauen allein größer, als wenn man sich eine andere Gruppe z.B. „Ökobewußte“ suchen würde.

    Zum Beispiel Notebooks für Frauen. Den meisten wäre wohl wichtig, dass es möglichst leicht ist, ein 5 Kilo-Teil schleppt man ungern den ganzen Tag mit sich rum, ebenso äußerst Sperrige. Wobei das 1,60 Frauen wohl wichtiger wäre als denen mit 1,80 Modelgröße. Frauen mit Kindern wäre vielleicht wichtig, dass das Notebook sehr robust ist und leicht zu säubern (also nichts mit Federboa). Kunstfingernagelträgerinnen wollen trotzdem die Tastatur gut nutzen können. Die eine kommt mit IBM’s Gnubbel zurecht, die nächste nimmt das Trackpad, die dritte braucht einen extra USB-Anschluss weil sie stets ne Maus mit hat.

    Im Prinzip kann man aber für alles auch Männer einsetzen, statt Kunstfingernägeln haben einige sehr breite Finger und damit Probleme, aber eben auch nicht alle.

  5. Viktoria sagt:

    Ich denke auch, dass man pauschal nichts machen kann, nichts geschlechtsspezifisches zumindest, weil die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass alle das gleiche toll finden, wie SoE schon schrieb.

    Lustig wären doch mal „Custom-Laptops“, bei denen sich jeder Käufer das Gehäuse individuell aussuchen könnte. Mit verschiedenen Mustern, Farben, Formen etc. da wäre bestimmt für jeden was dabei.

    Wobei für mich ein Standardgerät auch vollkommen ausreichend ist! ;-)

  6. SoE,

    „Wenn jemand ein Produkt nur für Frauen machen wollte, hätte er schon verloren, denn wie bei vielen anderen Dingen auch wären die Unterschiede zwischen Frauen allein größer, als wenn man sich eine andere Gruppe z.B. “Ökobewußte” suchen würde.“

    das war irgendwie, was ich meinte. Und wenn dann die Order kommt „etwas für Frauen“ zu machen, dann bleibt vermutlich nicht viel anderes übrig, als ein paar Studien zu zitieren und eine Focusgruppe zu veranstalten, bei der dann herauskommt, daß Frauen einen „pinken Laptop“ einem grauen vorziehen, damit etwas gemacht werden kann und alle abgesichert sind. Man sollte andererseits aber nicht vergessen, daß bestimmte Farben schon „weiblich“ konnotiert sind – wie eben pink (oder lila). Kann also schon sein, daß manche Frauen auf diese Weise ihre Weiblichkeit /ihr Verständnis von Weiblichkeit „externalisieren“ wollen.

  7. Phil sagt:

    Ich kenne genügend selbstbewusste Frauen die auf sowas stehen.
    Es handelt sich um „Geschmack“ – und über den, lässt sich bekanntlich nicht streiten – Zielgruppe hin oder her.

  8. Juli sagt:

    Für diese Frauen ist das ja ganz wunderbar. Das können die sich meinetwegen gern alles kaufen. Aber für alle anderen Frauen, die eben nicht auf Pink und Plüsch und Glitzer stehen, ist es ein Problem, wenn die Marketingmenschen davon ausgehen, dass alle Frauen auf dieses niedliche Zeug stehen.

    Und irgendwie fühle ich mich auch nicht ernstgenommen, wenn alle Sachen, die ich kaufen soll, aussehen als wären sie für 6-Jährige konzipziert. In dem Alter stand ich auch auf Prinzessinnenkitsch.

  9. Phil sagt:

    @ Juli
    Aber gerade für deinen Geschmack – kannst du dir ja einen normalen Laptop kaufen ;)

    Das Marketing richtet sich nach Zielgruppen – und der japanische Markt, für den das Gerät sicher konzipiert ist, wird es dankend aufnehmen. Ob es einen USB-Stick mehr oder weniger in rosa mit glitzer gibt, stört genauso viel, wie der berühmte Sack Reis. Wenn es sich verkauft ist es gut – wenn nicht – dann nicht ;)

    Und nicht jede Zielgruppe zu der du nicht gehörst, nimmt dich nicht ernst. Egal ob du jetzt Männlein oder Weiblein bist …

  10. Judith sagt:

    vielleicht geht’s ja nur mir so, aber bei dem foto hab ich eher an zielgruppen-stereotypien von „schwule männer“ als von „hetero frauen“ gedacht.
    so oder so, hab ich hier großes vertrauen in die gesetzmäßigkeiten von angebot und nachfrage. wenn es einen markt für rosa-plüschige notebooks gibt bei frauen- bitte, sollen sie sie haben. wenn nicht -bitte noch mal guut nachdenken, liebe markeiting experten.

    dass allein die farbe pink eigentlich bei gewissen (ziel-)gruppen diese „würg“-reaktion auslöst, find ich eigenltich auch ein ganz lustiges phänomen. die unlösbare verbindung von einer harmlosen farbe mit prinzessinnen-preeteen-romantik ist ja eigneltich auch seltsam. überhaupt, warum sind „mädchenspielsachen“ eigenltich, wenn man erwachsen ist, immer so schrecklich uncool und jungs hegen und pflegen ihre „jungsspielsachen“ bis ins hohe alter (wer kennt nicht die väter mit der elektrischen eisenbahn) vielleicht, weil jungs einfach länger unvernünftig sein dürfen? weil jungs sein generell cooler ist, als mädchen sein und darum auch jungsspielsachen automatisch als cooler gelten.
    ist das problem das so viele (jaja, ich schon auch) mit der farbe pink haben, nicht eher ein problem mit dem mädchen sein?

    dazu fällt mir ein:

    Girls can wear jeans
    And cut their hair short
    Wear shirts and boots
    ‚Cause it’s OK to be a boy
    But for a boy to look like a girl is degrading
    ‚Cause you think that being a girl is degrading

  11. Phil sagt:

    @judith
    Jungen-Spielsachen sind nicht aus Prinzip cooler. Nur interessiert es einen Jungen nicht so sehr ob einer seine Spielsachen mag oder nicht. Jungens suchen auch im alter ihre Spielkameraden danach aus – ob sie ihr Spielzeug mögen oder ihre Interessen teilen.

    Bei manchen Männern gelten Lokomotiven als genauso uncool – wie bei anderen Computer.

    Leben ist – was du draus machst ;-)

  12. Susanne sagt:

    @ Judith: Ich finde nicht, dass Kritik an der Einfallslosigkeit von Marketingexperten gleich ein Problem mit Weiblichkeit offenbart. Das finde ich dann doch einen kruden Schluss.

    Ehrlich gesagt war mir eigentlich überhaupt nicht bewusst, dass Frauen andere technische Geräte als Männer brauchen. Für mich waren Computer und Co. bis dahin unisex; die sollen einfach funktionieren. Die Aufteilung in einen Frauen- und einen Männermarkt ging ganz klar von den Unternehmen aus – wahrscheinlich, um den Markt auszubauen.

    Sollte es nun aber tatsächlich so sein, dass Frauen zum Beispiel andere Anforderungen an ihr Technik-Spielzeug stellen als Männer (jetzt mal so pauschal über den Daumen gepeilt), dann erwarte ich doch schon ein bisschen mehr von unseren Unternehmen, als die Geräte einfach pink anzumalen. Das hat nichts damit zu tun, ob ich jetzt Schwarz „besser“ finde, weil es „männlich“ ist und Rosa „minderwertiger“, weil es „weiblich“ ist. Beides sind nur Farben. Aber die Vorstellung von Produktdesignern darüber, wie Frauen funktionieren, finde ich dann doch eine rechte Frechheit.

  13. Phil sagt:

    Ich möchte mal die Frage in den Raum stellen – ob ein studierter Produktdesigner – sich das alles „wirklich denkt“. In der Regel denkt er „produzieren wir was in rosa – das erschließt neue Zielgruppen“. Ob das nun homosexuelle Männer – oder preteen Girls sind …

    Denkt ihr wirklich – der rosa iPod sei speziell für Frauen entwickelt worden?
    Oder das MacBook Air weil es den Anforderungen einer Frau entspricht?

    Ich denke ein Vibrator mit so nem Klitoris-Stimulator ist speziell für Frauen entwickelt worden ;-) „Aber die Vorstellung von Produktdesignern darüber, wie Frauen funktionieren, finde ich dann doch eine rechte Frechheit.“

  14. Susanne sagt:

    @ Phil: Gibs zu, du bist Produktdesigner? Das würde deine flammende Verteidigung dieser Berufsgruppe etwas verständlicher machen…

    Tatsächlich kriegen die aber die Aufgabe, etwas für FRAUEN zu machen, so meine Erfahrung aus mehreren Gesprächen. Das ist nicht nur bei Technik der Fall, sondern auch krass im Sportbereich, wo dann zum Beispiel rosa Snowboards extra für die Girls angeboten werden.

  15. Judith sagt:

    @susanne. geb ich dir total recht. das mit dem phänomen rosa ist doof, ist zugegeben auch nur ein nebenschauplatz.
    eure kritik an „wir malen das dings in der klischee-frauen-farbe an und schon ist es mega-frauen-kompatibel und schwupps neue zielgruppe erschlossen“ ist sowas von gerechtfertigt. hätt ich natürlich dazu schreiben sollen in meinem vorherigen comment. mach ich dann hiermit. :-)

  16. Phil sagt:

    @Susanne
    Ich bin Pädagoge.

    Was mich an dieser Diskussion fasziniert, die Eindeutigkeit der Zielgruppe. Da hat niemand gesagt: Mach ein Laptop für Frauen -sondern- mach ein „Hello-Kitty“ Laptop.

    Ein Snowboard – ist ein unisexuelles Produkt – genau wie ein Laptop. Wenn es also Gender-Typisch getrimmt werden soll – geht es nur durch Farben und Motive, was ich vollkommen legitim finde.

    Persönlich fände ich dann den eingebauten OB-Halter beim Snowboard, leicht abartig.

    Interessant ist allerdings: Es gibt mehr unisexuelle Produkte „speziell“ für Frauen als für Männer und hier zeichnen sich klare Tendenzen ab.

    Abwarten – bald gibt es das SnowBoard mit Rosenduft ;o)

  17. Judith sagt:

    bin mir auch nicht sicher, ob grau, silber und schwarz beziehungsweise mac-weiß jetzt umgekehrt die lieblingsfarben von jungs sind. diesen komischen grauton in dem pcs lange zeit immer waren, fand glaub ich niemand so prickelnd. wenn der trend generell zu mehr auswahl im design geht find ich das gut. wie in dem link von SoE zum beispiel. da können sich die produktdesigner gerne verwirklichen.

  18. Phil sagt:

    Ich darf aus dem Artikel zitieren:
    „Wo also anfangen? Zur Abwechslung vielleicht mit einem schwarzen Rasierer, ohne jeden Schnickschnack, ein Rasierer, der einfach nur das tut, was er soll: Haare entfernen.“

    Aber den schwarzen Rasierer gibt es doch schon?
    Oder soll man einfach drauf schreiben: „Für Frauen“?