Will Steak haben!

von Katrin

Bild über Deutsche Welle

Oh du mein liebes Bisschen! – dachte ich, bei dieser Ankündigung: Ja, es gibt sie nun, die Koch-Zeitschrift für den Mann. Und was prangt vom Titel? Ein blutiges Steak. Wenn das Testosteron da nicht mal einen Freudentanz aufführt. Ganz passend auch der Titel: Beef! – ja, mit einem Ausrufezeichen. Die Deutsche Welle zitiert dazu den Chefredakteur von Beef!:

„Als Zielgruppe hat Spielhagen alle Männer im Visier, die kochen wollen und weniger die Menschen, die kochen, weil sie kochen müssen. Bei diesen Menschen, die kochen müssen, handelt es sich nach Einschätzung von Spielhagen um Frauen.“

Außerdem brauchen Männer vor allem eins: Fleisch! In rauen Mengen. Viel wichtiger aber noch ist natürlich die alles entscheidende Frage, die in Beef! auch beantwortet werden soll:

„Kann man Frauen ins Bett kochen?“

Also: Auf auf liebe Männer! – und schnell zu beef.de – da gibt es die Zeitung zum Blättern.




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Eintrag geschrieben: Montag, 19. Oktober 2009 um 18:16 Uhr unter Kultur, Medienkritik. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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28 Kommentare

  1. Morjanne sagt:

    Achja, das ist so lächerlich klischeehaft – zum Schreien komisch. Bin gespannt, wann ich die ersten testosterongeschwellten Männer mit BEEF! unterm Arm einkaufen gehen sehe.

    Aber man will ja nicht nur lästern (auch wenn der Chefredakteur mit seiner These, Männer seien die einzigen, die aus Spaß an der Freude kochen, das geradezu provoziert) – schön, dass jetzt auch der fleischjagende Neanderthaler sein eigenes Blättchen hat. Und wer außer mir musste noch an Al Bundy denken???

  2. Verena sagt:

    Kleiner familiärer Dialog zu dem Thema:

    Er: Es gibt es jetzt eine neue Kochzeitschrift für den Mann: beef!
    Sie (ahnungslos): Wie heißt die – Mief?

    :)

  3. Colleen sagt:

    Boah, ich könnt kotzen. Da haben wir mal wieder ein Paradebeispiel von Sexismus und Speziesmus in einem.
    Hab das Heft auf der Internetseite mal durchgeblättert und wer hätts gedacht – natürlich darf eine komplett (!) nackte Frau nicht fehlen!

    Geht sowas denn nicht einfach geschlechtsneutral? Muss man sich denn dazu immer jedem nur möglichen Klischee bedienen? Und dann auch noch mit dem primitiven Namen „Beef“ als wäre kochen gleich Fleisch zubereiten.

  4. Neeva sagt:

    Ich glaube, ich werde diese Zeitungswerbung mal meinem Lieblingsmann zeigen. Mal gucken, ob er das auch so platt sexistisch findet wie ich.

    Interessant ist allerdings das Konzept, die Zutaten gleich alle bestellen zu können. Vielleicht sollte ich einen Testanruf tätigen, ob einem kochenmüssenden weiblichen Wesen überhaupt etwas verkauft wird …

  5. Weltgeist sagt:

    Es ist doch immer wieder ein Genuss, diese testosteronberauschten Ungeheuer am Nasenring durch die Arena zu führen, nicht wahr?

    Das Ressentiment gegen die Fleischeslust, das sich hier offenbart, ist aber auch nicht besser als jene Zeitschrift.

  6. Ben sagt:

    Öh… wofür braucht’s die denn? Wir (also die Hobbyköche dieser Welt) haben doch schon die „Feinschmecker“! Nein, im Ernst, was soll der Quatsch? Damit das ganze schön „männlich“ ist, kommen in der nächsten Ausgabe dann Ernährungsratschläge von der Fußballnationalmannschaft? Für mich klingt das wie „Playboy ohne nackte Frauen“. *seufz*

  7. Markus sagt:

    Ja, ich glaube ich möchte gern einen Zeitschrift für gute Fleischrezepte haben. Aber bitte keine sexistische.

  8. Neeva sagt:

    @Markus
    Eine Zeitung mit guten Fleischrezepten würde ich auch kaufen.

    Vermutlich ist der bemühte Machotonfall – nur ja nicht weicheimäßig rüberkommen – nicht mal sehr viel aufgesetzter als die künstliche Begeisterung über die tollen neuen Trends in Frauenzeitschriften. Fällt nur mehr auf, weil seltener.

  9. Christian sagt:

    BEEF! Für Männer mit Minderwertigkeitskomplex.

    wäre bestimmt ehrlicher.

  10. Katrin sagt:

    Neeva – guter Punkt.

    weltgeist: wo ist denn hier Feindlichkeit gegen Fleischeslust?

  11. jj sagt:

    Colleen,

    was ist denn das – „Speziesmus“?

    Und Katrin, wie ist denn Deine Antwort auf die entscheidende Frage?

  12. Colleen sagt:

    Ups, entschuldigung ich hatte mich verschrieben. Gemeint ist natürlich „Speziesismus“ und das bedeutet, dass man Lebewesen allein aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer anderen Spezies anders behandelt. Quasi so wie Sexismus, bloss nicht bezogen aufs Geschlecht sondern auf die Spezies.

    Speziesismus tritt auch oft in Verbindung mit Sexismus auf und umgekehrt. Wer sich für dieses Thema näher interessiert, dem sei das Buch
    „Zum Verzehr bestimmt – Eine feministisch-vegetarische Theorie“ von Carol J. Adams sehr empfohlen.

  13. Matze sagt:

    @ Ben: Siehe Collens ersten Kommentar. War wohl nix mit „ohne nackte Frauen“.

    @Neeva: Sehr sehr schöner Punkt, dem ich gerne zustimmen würde, wenn das nicht bedeuten würde erst dieses BEEF!Einself!-Heft und zum Vergleich diverse Frauenzeitschriften lesen zu müssen.

  14. Karo sagt:

    Als ich die Zeitung durchgeblättert habe, fand ich sie eigentlich ganz ok…bis ich zu dem Frau-ins-Bett-kochen-Artikel gekommen bin. Mega ätzend! Und das Interview von dem Chefredakteur finde ich mehr als ärgerlich. Unglaublich, dass es noch solche Leute gibt. Ob der ne Frau hat?

  15. steve, the pirate sagt:

    @Karo: Das interview finde ich auch ziemlich ätzend. Ich glaube schon, dass der eine Frau hat, allerdings wahrscheinlicht so ein Klischee-Weibchen.
    Wieso wird denn eigentlich immer angenommen, dass Frauen kein Blut sehen können? Wie stellen sich denn die Herren das Wechseln eines Tampons/einer Binde vor?

  16. Katrin sagt:

    @ jj: ??
    meinst du jetzt, ob man mich ins Bett kochen kann??
    du Schelm!

  17. Matze sagt:

    steve the pirate:“ Wie stellen sich denn die Herren das Wechseln eines Tampons/einer Binde vor?“

    Mal nur zum Tampon: Esoterische Musik im Hintergrund, gedämpftes Licht, sitzt die Frau im Schneidersitz vor einer brennenden Duftkerze, zieht den benutzten Tampon aus ihrer Vagina, betrachtet das Monatsblut und deklamiert dabei Lobpreisungen an die Mondgöttin, um mit ihrer feminin-mystischen Seite in engeren Kontakt zu kommen. Danach legt sie den benutzten Tampon in eine Schatulle (mehrdazu gleich), und führt einen frischen ein.

    In der nächsten Vollmondnacht begibt sie sich mit der Schatulle voller gebrauchter Tampons in den Wald, wo sie diese zeremoniell, erneut unter Anrufungen an die Mondgöttin, begräbt. (Normalerweise sind 6-12 Frauen an diesen Begräbnissen beteiligt.)

    —————————————-

    So in etwa läuft das doch bei euch ab, oder irren wir Männer uns da sehr?

  18. Ariane sagt:

    Ins Bett kochen? Da können mich die Männer mal… Eine Ausnahme, Männer die in Cordhosen am Herd stehen, Tofu ganz klein schnetzeln, sie anbraten und rechtzeitig mit Miso abschmecken, dazu noch einige Gewürze die ich nicht verrate und dazu einen Reis kochen, der nicht verklebt (neinein, nicht Onkel X, sondern einen eigentlich klebrigen Reis, eben richtig zubereitet, damit er nicht klebt). Wenn der Duft mir in die Nase steigt, da werde ich schwach!

  19. steve, the pirate sagt:

    @Matze: *grins* Meist sitzen wir allerdings im Lotussitz da und nicht im Schneidersitze. Ansonsten läuft das genau so ab.

  20. Ariane sagt:

    Oh, ich erzähle lieber nichts von schmutzigen Regionalbahnklos und Schaffnern die gerade in dem Moment an die Tür klopfen und schreien Fahrkartenkontrolle!

  21. Ben sagt:

    @Matze
    Mist, habe ich übersehen. Noch ein Grund mehr, die Zeitschrift nicht zu kaufen.

    @Markus u. Neeva
    Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederhoeln: Feinschmecker?! Da gibt es jede Menge Fleischrezepte. Btw, wenn ihr Euch für Fleisch interessiert, kann ich „Kochen“ aus dem DK-Verlag empfehlen und ich glaube auch von GU ein entsprechendes Spezialkochbuch gesehen zu haben.

    @ Ariane
    Reis? Tofu?? Miso??? Und dabei kannst Du noch ans Bett denken? Klingt für mich eher nach Zen-Kloster. ;-)

  22. freiesradikal sagt:

    Hm. Also das Rufzeichen könnte sich vielleicht dadurch erklären, dass es bereits ein „Beef – Magazin für kreative Kommunikation“, ohne Rufzeichen, gibt. Aber so genau kenn ich mich da auch nicht aus.
    Prinzipiell find ich’s verzichtbar, bin aber auch weder Mann noch außerordentliche Fleischliebhaberin, auch wenn ich nur koche, weil’s mir Spaß macht ;)

  23. Weltgeist sagt:

    @ Katrin:

    Ich ziehe meinen Kommentar von gestern zurück! Als ich das geschrieben habe, war ich gerade sehr hungrig. Und da habe ich mich eben instinktiv zu der schmackhaften Fleischabbildung auf dem Titel hingezogen gefühlt.
    Dann habe ich das mit dem „ins Bett kochen“ gleich mal ausprobiert. Aber meine Mitbewohnerin hat nicht angebissen. Dabei habe ich diese Aufbackpizza extra noch mit frischem Schinken garniert!

  24. Katharina sagt:

    Mich würde aber der Speziesismus noch mal interessieren. Wo kommt denn der zum Tragen? Bis jetzt ist der mir nur bei den Scheibenweltromanen von Terry Pratchett über den Weg gelaufen, wo sich Trolle, Zwerge und Menschen gegenseitig diskriminieren. Aber ich vermute mal, das hatte Colleen nicht gemeint…

  25. Neeva sagt:

    Ich schätze mal, Colleen meint die Auffassung, bestimmte Tiere seien zum Essen da.

  26. Colleen sagt:

    Ja, so in etwa. Das heisst eben, dass man Tiere anders behandelt (also isst oder einsperrt, z.B.), nur weil sie einer anderen Spezies angehören.
    Hier mal der Wikipediaartikel:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Speziesismus

    Was mich an dieser Zeitschrift eben besonders stört, ist dass mal wieder das enthalten ist, was in einer Männerzeitschrift bloooß nicht fehlen darf: Fleisch.
    Und zwar in Form von toten Tieren und nackten Frauen.

  27. […] Wenn wir schon bei Kalorien sind: Die Debatte erinnert mich ans Kochen. Dass Frauen kochen ist „normal“ und wird erwartet. Wenn Männer kochen, dann ist es etwas besonderes, sie sind „Hobbyköche“ oder „Spitzenköche“, kriegen Fernsehsendungen und Magazine, die explizit auf „Besonderes“ abzielen und das mit starker Betonung von Männlichkeit. […]