wild und abwaschbar

von Verena

Die besten Weihnachtsgeschenke kommen leider immer erst im Januar. Zum Beispiel Roxxxy – die Gummipuppe mit Sprachfunktion. Nein, nicht was ihr jetzt denkt. Kein „uhhh jaa“ oder „Gib mir Tiernamen“. Nein, „ich mag es, mit dir Händchen zu halten“, soll die Dame sagen.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Als erster Sex-Roboter der Welt wird das Silikonspielzeug mit Computersteuerung vorgestellt und Spiegel Online erklärt die Feinheiten:

Die Kabel aus dem Rücken führen zu einem Laptop, auf dem mehrere Charaktere gespeichert sind, von der „wilden Wendy“ über „S&M Susan“ bis zur „reifen Martha“. Benutzer haben also die Wahl.

Dazu soll es auch Updates geben, die aus dem Internet „herunter geholt“ werden können, um Fähigkeiten und Vokabular zu erweitern.
Ob Roxxxy auch Bier aus dem Kühlschrank holen kann? Geschickt gestapelte Flaschen könnten das Mädchen gar zum Bücken nötigen. Womit wir wieder bei der eigentlichen Funktion der Gummimuschi-Tägerin sind: sexueller Zeitvertreib.
Aber Gummipuppen stehen ja schon länger im Verdacht, für manchen Mann auch auf der Wohnzimmercouch beim Fernsehgucken einen Partnerinnenersatz zu liefern. Und darauf zielen die Hersteller laut Eigenaussage sogar ab:

„Das Sex-Ding ist nur Marketing“, sagt er. „In Wahrheit geht es darum, einen Begleiter zu erschaffen.“ Ziel sei es, künstliche Persönlichkeiten kreieren, die zum Beispiel auch älteren Menschen helfen können.

Ach klar, genauso wie Brot, Abflussreiniger und Schuhcreme gerne mit unterbekleideten Damen beworben werden. Und ja, besonders ältere Herren haben wahrscheinlich gerne eine „wilde Wendy“, die den neuen Rollator auch verbal bejubeln kann. Denn, wie der Hersteller auf seiner Internetseite erklärt, kennt Roxxxy den Namen des Partners, seine Vorlieben und Abneigungen und kann ihre Liebe zu ihm zum Ausdruck bringen. Aha – all das, was moderne Frauen immer weniger tun, weil ihnen zum devoten Anhimmeln die Zeit, die Lust oder auch einfach nur das Update fehlen?! Und wenn Wendy zu wild wird, einfach Stecker ziehen und aus – ganz so, wie ihr Partner es sich wünscht.

Und welchen Gummidödel stellen wir uns neben den Herd? Vielleicht gebe ich gleich mal eine Jobanzeige bei Beate Uhse auf. Suche SprachtrainerIn für meinen Vibrator – Sätze wie, „ich bin immer hart“ oder „ich besorge es dir stundenlang“ wären doch ein guter Anfang. Wobei das Sex-Geplänkel natürlich reines Marketing für den Gunmmischwanz wäre, der doch meinen Freund als Partner auf allen Ebenen ersetzen soll…

Und deshalb gibt es letztlich noch eine gute Nachricht: Bust tröstet uns, der männliche Gegenpart zur sprechenden Gummigefährtin sei in der Mache. Rocky soll er heißen und ich bin gespannt, ob die Hersteller den aus einer der Gummirippen Roxxxys erschaffen…




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 20. Januar 2010 um 10:24 Uhr unter Familien_politik, Sex_ualität. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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12 Kommentare

  1. Matze sagt:

    „Denn, wie der Hersteller auf seiner Internetseite erklärt, kennt Roxxxy den Namen des Partners, seine Vorlieben und Abneigungen und kann ihre Liebe zu ihm zum Ausdruck bringen.“

    Ich dachte, das Ding sei für Männer gemacht, nicht für Frauen …

    Außerdem: Wer jemanden braucht, der meinen Namen, meine Vorlieben und Abneigungen kennt und seine Liebe zu mir zum Ausdruck bringen kann, kann auch einfach Google nutzen, um nach Liebesgedichten zu suchen.

  2. Patrick sagt:

    S&M Susan nehme ich…

    Ich weiß nicht, im Moment sind künstliche Sexpartner doch allesamt hässlich und selbst Roboter können sich nur so bewegen wie die Kastanienfiguren, die ich als Kind gebastelt habe. Und solange diese Dinger von der realen Partnerin unterscheidbar sind, sind sie schlechter. Da kann sie noch so oft Händchen halten wollen.

    Mich würden aber die Programmdetails interessieren. Wahrscheinlich will S&M Susan ja auf keinen Fall kuscheln und streicheln (und küssen?), die normale Programmierung will nur Missionarsstellung und die reife Martha…

    Ach na ja, letzten Endes ist partnerschaftlicher Sex doch eh mehr als nur der Versuch, sich selbst möglichst schnell zum Abschluss zu bringen, und das nur ein sehr teures, sehr spezielles Sextoy. Nur, dass Vibratoren nicht „ich mag es, wenn du Gleitgel benutzt“ sagen.

  3. Magda sagt:

    @ Matze,

    “Denn, wie der Hersteller auf seiner Internetseite erklärt, kennt Roxxxy den Namen des Partners, seine Vorlieben und Abneigungen und kann ihre Liebe zu ihm zum Ausdruck bringen.”

    Ich dachte, das Ding sei für Männer gemacht, nicht für Frauen …

    Dein Beitrag ist nur mit einer gehörigen Portion Ironie akzeptabel. Da das nicht ersichtlich ist, bitte ich dich, deine stereotypen Ansichten darüber, was Männer wohl mögen würden oder was Frauen angeblich wollen, woanders zu verbreiten.

  4. Matze sagt:

    @Magda: Meine Formulierung war schlampig. Besser wäre in etwa:

    Kennt Vorlieben und Abneigungen, kann seine Liebe artikulieren *und* kann sich auch noch den Namen des Partners merken – Das sind doch gemeinhin die Eigenschaften, mit denen sich in den Medien ein Mann als Idealpartner für eine Frau qualifiziert; seit wann wird angenommen, dass auch Männer darauf anspringen …

  5. Killerkitty sagt:

    Was ist denn daran so schlimm? In so einer Puppe steckt eine Menge handfeste Forschung drin und wenn sie jemandem das Leben schöner macht, dann bin ich mit beiden Händen dafür!

  6. fortschritt sagt:

    Auch ich bin mir nicht so unsicher, ob es pauschal zu verteufeln ist.

    Schlimmer als die Technik ist die Reproduktion von Stereotypen, und der Versuch das soziale Problem technisch zu lösen. Womöglich mit dem Effekt, dass die Personen, die mit solch einer Puppe zusammen leben, nur noch schwieriger Anschluss finden und zunehmend isolieren.

    Was eine Frau beim Sex zu sagen hat, wird dann nicht nur noch durch Porno & Co vorgeschrieben, sondern eben auch von der netten Gummipuppe.

  7. […] Mädchenmannschaft berichtet (und diskutiert) von einer sprechenden Gummipuppe. Die Entwicklungsfirma sagt: “Das Sex-Ding ist nur Marketing”, sagt er. “In Wahrheit geht es darum, einen Begleiter zu erschaffen.” Ziel sei es, künstliche Persönlichkeiten kreieren, die zum Beispiel auch älteren Menschen helfen können. […]

  8. jj sagt:

    Ich war mal auf auf einer Diskussion mit dem deutschen Distributor, der eine Puppe mitgebracht hatte, die jeder mal anfassen durfte. Gerade die anwesenden Feministinnen, die sich vorher über die vermeintliche Objektivierung der Frau echauffiert hatten, waren besonders schnell dabei, der Puppe zwischen die Beine zu greifen ;)

    Ansonsten waren von den anwesenden vielleicht 100 Männern nur zwei daran interessiert, auch nur mal (kostenlos) auszuprobieren, wie Sex mit so einer Puppe wäre. Laut Distributor sind 10% der bestellten Puppen männlich, aber nur 1% der Besteller Bestellerinnen. Wer mal was wirklich krasses sehen will – „Guys and Dolls“, eine englische Doku über Männer, die mit solchen Puppen leben (http://www.documentary-log.com/d14-guys-and-dolls/).

    Wer das sieht und nicht zumindest darüber nachdenkt, den Jungs eine Kontaktanzeige zu schreiben, hat kein Herz…

  9. Travel Pussy sagt:

    Schon witzig, wie Frauen sich selbstverständlich Gummischwänze reinhauen, sich aber über Gummimösen echauffieren …

    Wo ist da der Unterschied?

  10. Travel Pussy sagt:

    „Und ja, besonders ältere Herren haben wahrscheinlich gerne eine „wilde Wendy“, die den neuen Rollator auch verbal bejubeln kann.“

    Das ist schon sehr unverschämt älteren Männern gegenüber, oder …?

  11. Helga sagt:

    Vibrator ≠ Gummipuppe mit „Persönlichkeit”

  12. Steffi sagt:

    ich finde den beitrag weder stereotyp noch fehlt es ihm an ironie. im gegenteil, er sprüht vor witz, ist geistreich und und lohnenswert zu lesen.
    zum inhalt: roxy an der steckdose ist schlimm, noch schlimmer ist, dass es genügend roxys aus fleisch und blut gibt.