Wie geht es weiter mit dem Betreuungsgeld?

von Helga

In der Blogschau vom Wochenende haben wir bereits auf den Artikel von Maria Wersig auf rechtundgeschlecht hingewiesen, der das Konzept des Betreuungsgelds vorstellte, wie auch die Kritik daran.

Der Bundestagsausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend führte am 4.7.2011 eine Anhörung zum Thema „Betreuungsgeld“ durch. Die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD hatte mit der Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Kinderbetreuungsplatz mit Vollendung des 1. Lebensjahres ab Oktober 2013 auch die Einführung eines Betreuungsgeldes im Jahr 2013 (!) gesetzlich angekündigt. SPD und Bündnis 90/Die Grünen forderten nun den Verzicht auf die Einführung dieses Betreuungsgeldes (für das aber ein konkreter Gesetzentwurf der Bundesregierung noch nicht vorliegt).

Im Rheinsalon gibt es von Katharina Örder nun noch einen ausführlichen Beitrag, der sich mit der vermeintlichen Wahlfreiheit auseinandersetzt. Tatsächlich werden vor allem wieder einmal die Mütter zu Hause bleiben und das Betreuungsgeld in Anspruch nehmen.

Das Betreuungsgeld soll die Attraktivität der privaten Fürsorge- und Pflegearbeit erhöhen und diese Leistungen wertschätzen und würdigen. Dabei ist dies keine wirkliche Bezahlung der Arbeit, denn diese wird weder geregelt noch gemessen. Diese vermeintliche Aufwertung der privaten Betreuungsarbeit durch ein „Taschengeld“ von 150 Euro monatlich für einen „Arbeitstag“ von nicht selten 20 Stunden käme also eher einer Abwertung der geleisteten Arbeit nahe.

Addiert man hinzu, dass die Verdienst- und Aufstiegschancen nach einer beruflichen Auszeit stark gemindert sind, ergeben sich für Mütter weiter finanzielle Nachteile. Diese wirken sich schließlich auch auf ihre Versorgung im Alter aus und wer sich scheiden lässt steht mit dem neuen Unterhaltsrecht noch schneller schlechter da als berufstätige Frauen.

Außerdem führt Örder an, dass der Staat „Elternarbeit“ durch Ehegattensplitting und Familienversicherungen bereits unterstützt. Diese Vorteile gelten allerdings unabhängig von Elternschaft. Um Kindererziehung wirklich zu würdigen und Mütter nicht in finanzielle Abhängigkeit zu drängen, ist das Betreuungsgeld jedenfalls die falsche Maßnahme.




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Eintrag geschrieben: Montag, 11. Juli 2011 um 18:45 Uhr unter Familien_politik, Rechtsprechung. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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2 Kommentare

  1. […] des Gesetzes zur PID (PID ja, Designerbaby nein). Ausserdem sind dort Informationen zum geplanten Betreuungsgeld zu finden, das Frauen erneut in stärkere finanzielle Abhängigkeit zu bringen droht. Auch in einem […]

  2. Mad sagt:

    Ich kann es auch nur mit Wahlgeschenken und Finanzierungsproblemem erklären. Mehr dazu unter http://www.diemeinungen.de/index.php/politik/576-kommt-jetzt-das-betreuungsgeld-7-fragen-und-antworten