Wie, auch Frauen hatten Schwerter?

von Helga

So klingt es derzeit vermutlich unter einigen Ge­schichts­wissen­schaftler­_innen, wenn es um die Wikinger geht. Ob Wickie und die starken Männer oder Hägar der Schreckliche – auch in der Popkultur zugen stets die Männer los, zu plündern und brandschatzen, und anschließend nach Haus zur Familie zurückzukehren. Allerdings gab es auch wenig Funde von Frauengräbern. Oder nicht?

Nach neueren Funden, bei denen besonders viele Schmuckstücke gefunden wurden, die auf Frauen hindeuteten, hat Shane McLeod vom Zentrum für mittelalterliche und frühe Neuzeit-Studien der Universität von Westaustralien eine neue Studie veröffentlicht. Im Journal Early Medieval Europe beschreibt er die Neubewertung eines Grabes aus der Zeit von rund 900 Jahren n.Chr. Statt die Überreste nach ihren Grabbeilagen zu beurteilen, wurden die Knochenreste analysiert. Dabei stellte sich heraus, dass vermutlich die Hälfte der 14 Untersuchten Frauen sind.

Statt nur mit Broschen und Kämmen, wurden die Wikingerinnen genau wie Männer auch mit Schwertern und Schilden begraben. Verloren gegangen wäre ihre Beteiligung aber fast durch die Zuschreibungen der späteren Archäolog_innen und Wissenschaftler_innen.

(Via Jezebel)




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Eintrag geschrieben: Montag, 25. Juli 2011 um 9:19 Uhr unter Geschichte. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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18 Kommentare

  1. Inge sagt:

    überraschung – frauen sind nicht seit anbeginn der menschheit hausfrauen gewesen. ob das jetzt auch mal endlich eingang in den mainstream findet?

  2. bigmouth sagt:

    na ja, belegen tut das erstmal noch gar nichts. grabbeigaben können auch mythologische vorstellungen über die nachwelt widerspiegeln, und sagen evt nichts über den alltag. oder schwerter mögen ein symbol für status gewesen sein. oder oder oder… das lässt sehr viel interpretationsspielraum

    es gibt jedenfalls keine schriftlichen quellen, die von frauen berichten, die die plünderfahrten und überfälle mitgemacht hätten

    ihr habt übrigens v. chr. und n. chr. verwechselt

    allgemein: geschlechtsspezifische arbeitsteilung existierte quasi immer, selbst bei wildbeutern. und das scheint etwas mit den materiellen anforderungen zu tun zu haben, die fortpflanzung vor erfindung von muttermilchersatzprodukten so mit sich bringt: http://de.wikipedia.org/wiki/Babynahrung#Anthropologie

  3. TheRealMaren sagt:

    *es gibt jedenfalls keine schriftlichen quellen, die von frauen berichten, die die plünderfahrten und überfälle mitgemacht hätten*

    Das mag ja sein, aber wer hat in der Zwischenzeit, wenn die Männer monatelang unterwegs waren, Heim und Hof verteidigt?

    Interessant ist auch, wie die Walküren sich von Totengeistern in Kriegerinnen mit menschlichen Zügen verwandelt haben.
    Warum waren es Frauen in Rüstungen? Sowas in den Volksglauben zu bringen, wenn es nichts mit der Lebenswelt der Menschen zu tun hat, stelle ich mir schwierig vor.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Walk%C3%BCre#Herkunft_der_Walk.C3.BCren

  4. Helga sagt:

    @bigmouth: Das stimmt nicht ganz, in den Quellen werden Frauen erwähnt und Kinder, wenn auch selten (sagt zumindest das Paper). Ob die Frauen dann mitgekämpft haben, ist noch mal eine andere Frage – interessant ist halt die Zuschreibung anhand der Grabbeilagen und dass man daher völlig falsch eingeschätzt hat, wieviele Frauen dabei waren.

  5. Sascha sagt:

    Frauen und Schwerter? Warum nicht! Man denke da an Boudicca.

  6. bigmouth sagt:

    ja, dieses sexistische vorurteil in einer geschichtswissenschaftlichen arbeit ist schon ziemlich hart. gut, dass dna-analysen billiger werden. vielleicht sollten sich leute mal daran machen, ältere funde kritisch zu untersuchen. auch die bisher meist verwendete zuordnung über anatomische skelettmerkmale (beckendimensionen und so) ist ja nicht gerade der weisheit letzter schluß – auch die bestausgebildesten forensiker kommen da auf maximal 90% trefferquote, meine ich mich zu entsinnen. und ob die jetzt bei archäologischen funden hinzugezogen werden?

    @maren: das mit haus und hof fidne ich einen richtigen einwand (wobei wir uns beide whrsch nicht damit auskennen, wie skandinavien sozial organisiert war im 9. jhdt, ob die leute in sieldungen beinander gewohnt haben, und wie viele % der männer überhaupt auf kaperfahrt gefahren sind – was ja große auswirkungen darauf hätte, wie sehr verteidigung notwendig sache von frauen gewoden wäre, weil keien männer mehr vor ort gewesen wären). aber das mit den walküren nicht: mythen und sagen zeichnen sich immer auch dadurch aus, dass elemente kombiniert werden, die in der realität keine verbidnung eingehen – tiermenschen gibt es ja auch nicht. also ist aus frauen in rüstungen in mythen nicht abzulesen, dass es die in echt gegeben haben MUSS

  7. bigmouth sagt:

    oh, ich muss mich korriegieren, die sind hier auch nur mit knochenanalyse vorgegangen

    @Helga: hast du über die uni zugriff auf das pdf, oder wie komm ich daran?

  8. Weird sagt:

    Oh großartig – genau das richtige für meine archäologische Ausnahmeliste und als weiteres Beispiel für meine Magistraarbeit. Danke für den Hinweis, ich werde gleich mal in den Artikel fallen! :-)

  9. Inge sagt:

    @bigmouth – die notwendigkeit ein baby zu stillen hat erstmal nichts mit geschlechtsspezifischer arbeitsteilung zu tun (gemeinschaftliches leben, ammen, geburtenkontrolle) bzw. bitte unbedingt den glauben an „die frau zu hause und den mann in der großen weiten welt“ hinterfragen! ehe und die mann-frau-kind familie ist eine erfindung aus dem 18. jhd.
    des weiteren – was noch wichtiger ist – geht es um die frage von einfluss und status – es wird einfach davon ausgegangen, dass männer schon immer „das sagen“ hatten. diese denke muss erstmal hinterfragt werden, damit archeolog_innen funde ein wenig unvoreingenommener interpretieren. wie eben in dem beispiel: schwert=leiche männlich. und siehe – es stimmt nicht. ich wette das eine menge von den angeblichen herrschern in alten gräbern frauen waren….

  10. Nadja sagt:

    Wickie war allerdings ein Mädchen.

  11. Helga sagt:

    @bigmougth: Ja das kann sein, ich war in der Uni, als ich das gelesen hatte, leider steht da auch nicht, wieviel das PDF alleine kostet.

  12. Sascha sagt:

    Ich noch einmal. Judit kommt mir da natürlich auch in den Sinn. Eigentlich ein schönes Thema.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Holofernes

  13. dim sagt:

    @Nadja: Ja echt? Ich dachte jahrelang, dass Wickie ein Mädchen ist, bis mir irgendwann klar wurde, dass das ein Junge sein soll. Jetzt bin ich wieder verwirrt. Ich muss allerdings zugeben, dass ich die Serie nie wirklich geguckt habe, immer nur ein paar Sekunden bei anderen mit.

  14. illith sagt:

    @nadja: nein ;)

  15. Andi sagt:

    @Nadja:

    „Hey hey Wickie hey Wickie hey
    Zieh fest das Segel an
    Hey hey Wickie die Wikinger
    Sind hart am Winde dran

    Nananananananana Wickie

    Die Angst vorm Wolf macht IHN nicht froh
    Und im Taifun ist’s ebenso
    Doch Wölfe hin, Taifune her
    Die Lösung fällt IHM gar nicht schwer“

    (Hervorhebung von mir.)

  16. Joni.T sagt:

    Vor einigen Jahren wurde ein Frauengrab gefunden mit den Überresten von zwei Frauen inklusive aller möglicher Ausrüstungsgegenstände. Damals gab es Spekulationen über Spekulationen über deren Verhältnis: Mutter und Tochter? Herrin und Dienerin? Auf eine nahe liegende Überlegung – Partnerinnen – kam im damaligen Fachdiskurs niemand.
    Bewertungen ändern sich eben. Während meiner Schulzeit waren Neandertaler männlich und schleppten „ihre“ Frauen an den Haaren in die Höhle. Darauf baute das gesamte biologistische Welt- und Geschichtsbild auf. Inzwischen wird ihnen eine reiche Kultur zugesprochen und in ein paar Jahren, wenn und falls vielfältigere Rollenbilder von Frauen und Männern gang und gäbe sind, werden Funde über die gesamte Menschheitsgeschichte hinweg wahrscheinlich wieder einer Neu-Interpretation unterzogen. Das wird nur zu kleinen Teilen mit DNA Analysen zu tun haben.

    Was die Walküren betrifft vermute ich, dass die Beschreibungen ihrer Rolle und ihrer Outfits an Odins Tafel von ähnlichen Männerfantasien geprägt sind wie heutige Vorstellungen von Peitschen bewehrten Damen in Lack und Leder. Zumal ein Gutteil der Überlieferungen von Mönchen niedergeschrieben wurde :-)

  17. GwenDragon sagt:

    Vor einigen Jahren wurde ein Frauengrab gefunden mit den Überresten von zwei Frauen inklusive aller möglicher Ausrüstungsgegenstände. Damals gab es Spekulationen über Spekulationen über deren Verhältnis: Mutter und Tochter? Herrin und Dienerin? Auf eine nahe liegende Überlegung – Partnerinnen – kam im damaligen Fachdiskurs niemand.

    Außerhalb Hierarchie können die meisten Archäologen nicht denken.
    Und (Lebens)Partnerinnen? Dabei sind gleichgeschlechtliche Beziehungen in einigen (auch alten) Kulturen etwas Besonderes, kein Makel.

    in ein paar Jahren, wenn und falls vielfältigere Rollenbilder von Frauen und Männern gang und gäbe sind, werden Funde über die gesamte Menschheitsgeschichte hinweg wahrscheinlich wieder einer Neu-Interpretation unterzogen. Das wird nur zu kleinen Teilen mit DNA Analysen zu tun haben.

    Ja, ein weiteres Feld beim Denken wäre möglich.
    Die DNA-Analyse kann ja nur das genetische Geschlecht und nicht das kulturell-soziale bestimmen.
    Dass biologisches Geschlecht immer eine bestimmte Rolle und Stellung impliziert ist eine verstaubte anthropologische Sichweise.

  18. WaltzingMathilde sagt:

    Kleiner Beitrag einer Laiin: Das Königreich Dahomey (im Süden des heutigen Benin) hatte Amazoneneinheiten, die noch im 19. Jahrhundert gegen die Kolonialisierung durch die Franzosen kämpften. Die Amazonen galten als tapferste und auch skrupeloseste Mitglieder der Armee von Dahomey, die unter anderem maßgeblich zur „Beschaffung“ von Sklaven beitrug.